Argumentationshilfe

27. August 2007 05:45

Lieber Freund

Die SPD rüstet zum Kampf gegen Lafontaine & Co“ schreibt der Spiegel etwas übertrieben, denn außer den verbalen Rempeleien und Pöbeleien ihres werten Herrn Müntefering und dem Schubser mit dem Anekdotensammlung lafontainer Sprüche aus der Feder des Herrn Scholz, ist die SPD ja bisher nicht so recht aus der Hüfte gekommen.

Das will der Fraktionsvorsitzende, Peter Struck, jetzt ändern und hat für die Genossen die Ideen der „Linken“ in einem 20-seitigen Pamphlet zerpflückt, denn das ist auf jeden Fall einfacher als eigene Ideen zu haben. Struck will mit diesem Papier „Die Linkspartei und das Geld“ seinen Genossen Argumentationsunterstützung liefern und zum Schlag gegen die Linken ausholen. „Die Linkspartei ist eine reine Protest- und Oppositionspartei, die mit populistischen Anträgen Stimmung macht”, lautet dann auch das Fazit des SPD-Fraktionschefs, wobei schon vorher allgemein bekannt war, dass die Linken (noch) nicht zu den Regierungsparteien gehören.
Schaut man sich das Papier von Herrn Struck näher an, dann erschöpft sich seine Analyse allerdings in Betrachtungen zur Finanzierbarkeit der „linken“ Vorschläge. Daher schreibt Struck „seinen „lieben Genossen und Genossinen“, dass ein „höherer Spitzensteuersatz, höhere Unternehmenssteuern, mehr Erbschafts- und Schenkungssteuer“ schlicht „unwirksam und unseriös“ sei, weil eben „nicht finanzierbar“.

Der Herr Struck ist offensichtlich nicht nur unfähig sich aus den neoliberalen Denkmodellen der Agenda 2010 zu lösen, sondern findet es auch noch völlig in Ordnung, dass die SPD seit Jahren Politik auf Kosten ihrer einstigen Wähler macht.
Und in einer „Demokratie“ ist es für einen Wähler schlicht widersinnig eine Partei zu wählen, die fortwährend gegen die seine Interessen arbeitet. Mit der maßlos verlogenen zweiten Regierungszeit Schröder hat die SPD endgültig den letzten Rest Vertrauen in großen Teilen der Bevölkerung verspielt und hat auch in der GroKo nicht gepunktet. Das rächt sich jetzt und da hilft auch kein 20-seitiges Pamphlet gegen die „populistischen Auswüchse“ der Linkspartei.

Alles was dem Fraktionsvorsitzenden der SPD dazu einfällt ist; dass „der Verzicht auf die höhere Mehrwertsteuer und Entlastung für geringe und mittlere Einkommen sich auf 33 Milliarden summieren würde“.
Ja und, ist es deswegen falsch, dies vorzuschlagen?

Laut Struck würde zum Beispiel die von der Linken vorgeschlagene “Wiedereinführung der Lebensstandard-Sicherung in der gesetzlichen Rente” bis 2030 einen Anstieg der Lohnnebenkosten um sechs Prozentpunkte bedeuten und 600.000 Arbeitsplätze kosten.“
Da macht es in einem Land, das schon 4 Millionen Arbeitsplätze verloren hat, sicher mehr Sinn auch noch ein paar Millionen Rentner in die Altersarmut zu schicken.

Die Gefahr für die SPD kommt nicht von „Links“, sondern daher, dass die SPD ihre Grundprinzipien und ihre Wähler mit Füßen und in den Arsch getreten hat. Daher wird es ihr wenig nützen, wenn sie nun gegen die Linken „zum Schlag“ ausholt.
Denn bei so einer Luftnummer kann man schnell den letzten Halt verlieren und ganz böse auf die eigene Schnauze fallen. Manch einen würde es sogar freuen und dem Herrn Struck ist das auch ganz gut gelungen.

Und wer sich die Struck’schen Ergüsse und „Argumentationshilfen (PDF)“ in Gänze antun möchte, der darf das gerne tun.
Auch wenn es nur dazu gut ist, damit er weiß was er beim nächsten Mal garantiert nicht wählt.

Machopan
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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 27. August 2007 um 05:45:43 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

2 Antworten zu “Argumentationshilfe”

  1. Doris Matt meint:

    “Die Linkspartei macht den Staat und seine Bürger arm”.

    Dass die Mehrheit der Bürger heute arm ist das hat die SPD mit Ihren Freunden schon ganz alleine geschafft.

    “Linkspartei spielt mit den Ängsten und Sorgen der Menschen”.

    Gesetze wie Hartz 4 oder Überwachungsgesetze, Reformen ob Gesundheit- Rente und Steuern, schüren Ängste. Wenn ich das Wort Reform höre stehen mir die Haare zu Berge.
    Mein Vertrauen in diese Partei, betrachte ich die Auswirkungen der vergangenen Jahre, ist gleich Null. Also habe ich mir die ersten Tabellen angeschaut. Zahlen und Behauptungen durch nichts belegt.
    Weiter geht es mit Tabellen und genaueren Beschreibungen.
    Jetzt wird es Interessant.
    Zu Punkt 1“ Die Linkspartei ignoriert die demografische Entwicklung“

    Es gibt auch ganz andere Erkenntnisse zur demografischen Entwicklung als die der Versicherungsexperten welche uns in den Medien ständig vorgeführt und zitiert werden.
    Ich dachte spontan was für eine Rechtfertigungskampagne für unsoziales Verhalten.
    Na, ja jetzt weiß ich so in etwa was die Linkspartei vorhat, das gelbe vom Ei ist es immer noch nicht….

  2. Machopan meint:

    Münte liefert keine Argumente, noch nicht einmal den Hauch davon.
    Denn aus Sicht der Roten ist alles was von Links kommt vom absoluten Übel, bedroht es doch die eigene Wichtigkeit.
    Ob die linken Vorschläge sinnvoll sind oder nicht, das spielt gar keine Rolle - denn es ist alles grundsätzlich nicht finanzierbar.

    Münte und seine Mannen haben sich einbetoniert und verschanzt in ihrer neoliberalen Denke. Wenn sie das jetzt ändern wollen, dann gefährden sie die GroKo und sind w.f.f (weg vom Fenster. Ändern sie es nicht, dann überholt sie bei der nächsten Wahl die Linke und die Reste der SPD gehen in die Opposition.
    Also beginnen sie jetzt um sich zu schlagen, mal nach links und mal nach rechts.
    Eingehüllt in eine Wolke aus der Selbstbeweihräucherungskanone der Kanzlerin.

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Argumentationshilfe

27. August 2007 05:45

Lieber Freund

Die SPD rüstet zum Kampf gegen Lafontaine & Co“ schreibt der Spiegel etwas übertrieben, denn außer den verbalen Rempeleien und Pöbeleien ihres werten Herrn Müntefering und dem Schubser mit dem Anekdotensammlung lafontainer Sprüche aus der Feder des Herrn Scholz, ist die SPD ja bisher nicht so recht aus der Hüfte gekommen.

Das will der Fraktionsvorsitzende, Peter Struck, jetzt ändern und hat für die Genossen die Ideen der „Linken“ in einem 20-seitigen Pamphlet zerpflückt, denn das ist auf jeden Fall einfacher als eigene Ideen zu haben. Struck will mit diesem Papier „Die Linkspartei und das Geld“ seinen Genossen Argumentationsunterstützung liefern und zum Schlag gegen die Linken ausholen. „Die Linkspartei ist eine reine Protest- und Oppositionspartei, die mit populistischen Anträgen Stimmung macht”, lautet dann auch das Fazit des SPD-Fraktionschefs, wobei schon vorher allgemein bekannt war, dass die Linken (noch) nicht zu den Regierungsparteien gehören.
Schaut man sich das Papier von Herrn Struck näher an, dann erschöpft sich seine Analyse allerdings in Betrachtungen zur Finanzierbarkeit der „linken“ Vorschläge. Daher schreibt Struck „seinen „lieben Genossen und Genossinen“, dass ein „höherer Spitzensteuersatz, höhere Unternehmenssteuern, mehr Erbschafts- und Schenkungssteuer“ schlicht „unwirksam und unseriös“ sei, weil eben „nicht finanzierbar“.

Der Herr Struck ist offensichtlich nicht nur unfähig sich aus den neoliberalen Denkmodellen der Agenda 2010 zu lösen, sondern findet es auch noch völlig in Ordnung, dass die SPD seit Jahren Politik auf Kosten ihrer einstigen Wähler macht.
Und in einer „Demokratie“ ist es für einen Wähler schlicht widersinnig eine Partei zu wählen, die fortwährend gegen die seine Interessen arbeitet. Mit der maßlos verlogenen zweiten Regierungszeit Schröder hat die SPD endgültig den letzten Rest Vertrauen in großen Teilen der Bevölkerung verspielt und hat auch in der GroKo nicht gepunktet. Das rächt sich jetzt und da hilft auch kein 20-seitiges Pamphlet gegen die „populistischen Auswüchse“ der Linkspartei.

Alles was dem Fraktionsvorsitzenden der SPD dazu einfällt ist; dass „der Verzicht auf die höhere Mehrwertsteuer und Entlastung für geringe und mittlere Einkommen sich auf 33 Milliarden summieren würde“.
Ja und, ist es deswegen falsch, dies vorzuschlagen?

Laut Struck würde zum Beispiel die von der Linken vorgeschlagene “Wiedereinführung der Lebensstandard-Sicherung in der gesetzlichen Rente” bis 2030 einen Anstieg der Lohnnebenkosten um sechs Prozentpunkte bedeuten und 600.000 Arbeitsplätze kosten.“
Da macht es in einem Land, das schon 4 Millionen Arbeitsplätze verloren hat, sicher mehr Sinn auch noch ein paar Millionen Rentner in die Altersarmut zu schicken.

Die Gefahr für die SPD kommt nicht von „Links“, sondern daher, dass die SPD ihre Grundprinzipien und ihre Wähler mit Füßen und in den Arsch getreten hat. Daher wird es ihr wenig nützen, wenn sie nun gegen die Linken „zum Schlag“ ausholt.
Denn bei so einer Luftnummer kann man schnell den letzten Halt verlieren und ganz böse auf die eigene Schnauze fallen. Manch einen würde es sogar freuen und dem Herrn Struck ist das auch ganz gut gelungen.

Und wer sich die Struck’schen Ergüsse und „Argumentationshilfen (PDF)“ in Gänze antun möchte, der darf das gerne tun.
Auch wenn es nur dazu gut ist, damit er weiß was er beim nächsten Mal garantiert nicht wählt.

Machopan
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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 27. August 2007 um 05:45:43 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

2 Antworten zu “Argumentationshilfe”

  1. Doris Matt meint:

    “Die Linkspartei macht den Staat und seine Bürger arm”.

    Dass die Mehrheit der Bürger heute arm ist das hat die SPD mit Ihren Freunden schon ganz alleine geschafft.

    “Linkspartei spielt mit den Ängsten und Sorgen der Menschen”.

    Gesetze wie Hartz 4 oder Überwachungsgesetze, Reformen ob Gesundheit- Rente und Steuern, schüren Ängste. Wenn ich das Wort Reform höre stehen mir die Haare zu Berge.
    Mein Vertrauen in diese Partei, betrachte ich die Auswirkungen der vergangenen Jahre, ist gleich Null. Also habe ich mir die ersten Tabellen angeschaut. Zahlen und Behauptungen durch nichts belegt.
    Weiter geht es mit Tabellen und genaueren Beschreibungen.
    Jetzt wird es Interessant.
    Zu Punkt 1“ Die Linkspartei ignoriert die demografische Entwicklung“

    Es gibt auch ganz andere Erkenntnisse zur demografischen Entwicklung als die der Versicherungsexperten welche uns in den Medien ständig vorgeführt und zitiert werden.
    Ich dachte spontan was für eine Rechtfertigungskampagne für unsoziales Verhalten.
    Na, ja jetzt weiß ich so in etwa was die Linkspartei vorhat, das gelbe vom Ei ist es immer noch nicht….

  2. Machopan meint:

    Münte liefert keine Argumente, noch nicht einmal den Hauch davon.
    Denn aus Sicht der Roten ist alles was von Links kommt vom absoluten Übel, bedroht es doch die eigene Wichtigkeit.
    Ob die linken Vorschläge sinnvoll sind oder nicht, das spielt gar keine Rolle - denn es ist alles grundsätzlich nicht finanzierbar.

    Münte und seine Mannen haben sich einbetoniert und verschanzt in ihrer neoliberalen Denke. Wenn sie das jetzt ändern wollen, dann gefährden sie die GroKo und sind w.f.f (weg vom Fenster. Ändern sie es nicht, dann überholt sie bei der nächsten Wahl die Linke und die Reste der SPD gehen in die Opposition.
    Also beginnen sie jetzt um sich zu schlagen, mal nach links und mal nach rechts.
    Eingehüllt in eine Wolke aus der Selbstbeweihräucherungskanone der Kanzlerin.

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