Aussterben

16. Mai 2006 05:45

Hi, falls Sie es noch nicht bemerkt haben - die Deutschen sterben aus!
Die Lage ist echt dramatisch. Die Leute fallen um wie die Fliegen, mitten in der Fußgängerzone.
Gerade noch vor dem Zeitungskiosk gestanden und verstohlen die nackten sekundären Geschlechtsmerkmale andersgeschlechtlicher Mitmenschen beguckt und dann ein letzter Blick auf die Schlagzeile der BILD-Zeitung. Und plötzlich - zack - Krampf in der linken Brustseite, noch einmal Augen rollen, einen letzten tiefen Schnaufer machen und dann - umfallt.

Wieder Bevölkerungszahl minus eins.
Fahrkarte nach Himmelspforten, einmal einfach ohne Gepäck.
So soll das jetzt im Sekundentakt gehen - schreiben die Zeitungen.
Als erstes werden wohl die Magdebuger dran glauben müssen, denn dort wird so wenig geboren, wie sonst nirgends in Deutschland. Noch nicht einmal 6,91 Kinder pro 1.000 Einwohner bringen die Jungs und Mädels dort zustande. Und die Chemnitzer schaffen auch gerade mal 7,02 Geburten pro 1.000 Einwohner.

Gestorben wird meist genau so schnell wie gezeugt. Innerhalb weniger Minuten werden die Augen verdreht, einmal noch „Oh Gott“ gestöhnt und das war es dann.

Die Geburt selbst ist auch kein Problem. Mit den Mitteln der modernen Medizin geht das wie am Fließband. Geburt eingeleitet, Kaiserschnitt und die Nächste bitte.
Das eigentliche Problem, so sollen Wissenschaftler nach langwierigen, vom Bundesforschungs- und Bundesfamilienministerium bezahlten Studien herausgefunden haben, ist die Schwangerschaft.

Zumindest zeitlich kompliziert die Schwangerschaft den Fortbestand der Bevölkerung extremst.
Was für ein Aufwand da betrieben werden muss, bis so ein neuer Erdenbürger das Licht der Welt erblicken darf.
Schon vor der erfolgreichen Befruchtung fängt es an mit Tests um die Frage „bin ich oder bin ich nicht“ beantworten zu können. Während bei Hamlet noch ein „ich bin also bin ich“ genügt hat, muss heute durch Konsultation eines mit der weiblichen Anatomie vertrauten Facharztes diese Frage beantwortet werden. Sogleich wird ein Untersuchungsheft angelegt und der voraussichtliche Geburtstermin bestimmt. Bevor die werdende Mutter dann in den Mutterschutz geht, wird noch das Geschlecht des Kindes bestimmt. Nur um mit medizinischer Sicherheit zu wissen, ob die Verwandten nun Onkel oder Tante werden und ob nun rosa oder blaue Strampelhöschen und Lätzchen gekauft werden müssen.
Ganze Industriezweige richten danach ihre Produktionsplanung aus. Die Zeit bis zur Niederkunft vergeht dann mit Vorsorgeuntersuchungen und Schwangerschaftsgymnastik. Nebenbei wird noch der anschwellende weibliche Leib gecremt, gesalbt und gepflegt, damit das Nabelpiercing auch nach der Geburt noch an der gleichen Stelle sitzt und das Arschgeweih nicht aus der Form gerät.
Am Tag der Niederkunft geht dann „Männe“ oder „Bärchen“ mit in den Kreißsaal, hält Händchen, tupft Schweiß, hilft und presst mit, genauso wie er es in der Schwangerschaftsgymnastik gelernt hat und lichtet schließlich das Neugeborene mit der mitgebrachten Digitalkamera für die Nachwelt ab.

Mein Gott, früher haben die Frauen ihre Kinder bei der Ernte auf dem Acker bekommen, sind mal kurz hinter dem Heuhaufen verschwunden, haben sich auf die Erde gehockt und wenn der neue Erdenbürger (deswegen heißt der so) mit seinem ersten Schrei das Ohr des Erzeugers erreichte, hielt dieser kurz in seiner Arbeit inne, wischte sich den Schweiß von der Stirne und rief: „Bua oder Mädle? Mach zua, es kommt a Gwitter, s’Heu muas ind Scheuer.“
So jedenfalls hat mir das immer meine Oma erzählt und die musste es ja wissen, denn ich hatte sieben Onkels und Tanten.

Übrigens, dass die Frauen in Hessen am gebärfreudigsten sind – das könnte vermutlich am Äppelwoi und „Handkäs mit Musik“ liegen.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 16. Mai 2006 um 05:45:00 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

2 Antworten zu “Aussterben”

  1. Ratgeber für Eltern meint:

    Ehi ho, ich bin echt stolz in deinem Blog gelandet zu sein. Hier werde ich wohl mal öfters reinschauen. Liebe Grüße

  2. Webseiten Optimierung meint:

    Also ich bin wirklich erstaunt, habe selten so einen Informativen Blog gefunden.

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Aussterben

16. Mai 2006 05:45

Hi, falls Sie es noch nicht bemerkt haben - die Deutschen sterben aus!
Die Lage ist echt dramatisch. Die Leute fallen um wie die Fliegen, mitten in der Fußgängerzone.
Gerade noch vor dem Zeitungskiosk gestanden und verstohlen die nackten sekundären Geschlechtsmerkmale andersgeschlechtlicher Mitmenschen beguckt und dann ein letzter Blick auf die Schlagzeile der BILD-Zeitung. Und plötzlich - zack - Krampf in der linken Brustseite, noch einmal Augen rollen, einen letzten tiefen Schnaufer machen und dann - umfallt.

Wieder Bevölkerungszahl minus eins.
Fahrkarte nach Himmelspforten, einmal einfach ohne Gepäck.
So soll das jetzt im Sekundentakt gehen - schreiben die Zeitungen.
Als erstes werden wohl die Magdebuger dran glauben müssen, denn dort wird so wenig geboren, wie sonst nirgends in Deutschland. Noch nicht einmal 6,91 Kinder pro 1.000 Einwohner bringen die Jungs und Mädels dort zustande. Und die Chemnitzer schaffen auch gerade mal 7,02 Geburten pro 1.000 Einwohner.

Gestorben wird meist genau so schnell wie gezeugt. Innerhalb weniger Minuten werden die Augen verdreht, einmal noch „Oh Gott“ gestöhnt und das war es dann.

Die Geburt selbst ist auch kein Problem. Mit den Mitteln der modernen Medizin geht das wie am Fließband. Geburt eingeleitet, Kaiserschnitt und die Nächste bitte.
Das eigentliche Problem, so sollen Wissenschaftler nach langwierigen, vom Bundesforschungs- und Bundesfamilienministerium bezahlten Studien herausgefunden haben, ist die Schwangerschaft.

Zumindest zeitlich kompliziert die Schwangerschaft den Fortbestand der Bevölkerung extremst.
Was für ein Aufwand da betrieben werden muss, bis so ein neuer Erdenbürger das Licht der Welt erblicken darf.
Schon vor der erfolgreichen Befruchtung fängt es an mit Tests um die Frage „bin ich oder bin ich nicht“ beantworten zu können. Während bei Hamlet noch ein „ich bin also bin ich“ genügt hat, muss heute durch Konsultation eines mit der weiblichen Anatomie vertrauten Facharztes diese Frage beantwortet werden. Sogleich wird ein Untersuchungsheft angelegt und der voraussichtliche Geburtstermin bestimmt. Bevor die werdende Mutter dann in den Mutterschutz geht, wird noch das Geschlecht des Kindes bestimmt. Nur um mit medizinischer Sicherheit zu wissen, ob die Verwandten nun Onkel oder Tante werden und ob nun rosa oder blaue Strampelhöschen und Lätzchen gekauft werden müssen.
Ganze Industriezweige richten danach ihre Produktionsplanung aus. Die Zeit bis zur Niederkunft vergeht dann mit Vorsorgeuntersuchungen und Schwangerschaftsgymnastik. Nebenbei wird noch der anschwellende weibliche Leib gecremt, gesalbt und gepflegt, damit das Nabelpiercing auch nach der Geburt noch an der gleichen Stelle sitzt und das Arschgeweih nicht aus der Form gerät.
Am Tag der Niederkunft geht dann „Männe“ oder „Bärchen“ mit in den Kreißsaal, hält Händchen, tupft Schweiß, hilft und presst mit, genauso wie er es in der Schwangerschaftsgymnastik gelernt hat und lichtet schließlich das Neugeborene mit der mitgebrachten Digitalkamera für die Nachwelt ab.

Mein Gott, früher haben die Frauen ihre Kinder bei der Ernte auf dem Acker bekommen, sind mal kurz hinter dem Heuhaufen verschwunden, haben sich auf die Erde gehockt und wenn der neue Erdenbürger (deswegen heißt der so) mit seinem ersten Schrei das Ohr des Erzeugers erreichte, hielt dieser kurz in seiner Arbeit inne, wischte sich den Schweiß von der Stirne und rief: „Bua oder Mädle? Mach zua, es kommt a Gwitter, s’Heu muas ind Scheuer.“
So jedenfalls hat mir das immer meine Oma erzählt und die musste es ja wissen, denn ich hatte sieben Onkels und Tanten.

Übrigens, dass die Frauen in Hessen am gebärfreudigsten sind – das könnte vermutlich am Äppelwoi und „Handkäs mit Musik“ liegen.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 16. Mai 2006 um 05:45:00 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

2 Antworten zu “Aussterben”

  1. Ratgeber für Eltern meint:

    Ehi ho, ich bin echt stolz in deinem Blog gelandet zu sein. Hier werde ich wohl mal öfters reinschauen. Liebe Grüße

  2. Webseiten Optimierung meint:

    Also ich bin wirklich erstaunt, habe selten so einen Informativen Blog gefunden.

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