Kaffeeauchtomat

22. August 2004 05:45

Lieber Freund

Sind Sie für oder gegen die Rechtschreibreform?
Oder haben Sie dazu (noch) keine eigene Meinung?

Also ich war zuerst gegen die neue Rechtschreibung. Aus reiner Gewohnheit. An die Ungereimtheiten der alten Rechtschreibung hatte ich mich durch jahrelangen Gebrauch gewöhnt und außerdem sehen einige Wörter in der neuen Schreibe einfach – ich sag das jetzt einfach mal so -, schlicht scheiße aus. Delfin statt Delphin, Fantasie statt Phantasie und was ich persönlich am schlimmsten finde –Krem statt Creme.

Doch jetzt habe ich mich “fast” an die neuen Regelwerke gewöhnt. Manchmal kommt zwar noch das “Gefühl” der alten Schreibweise hoch, oder die Finger hacken ein anderes Wort in die Tastatur als der Kopf sich ausgedacht hat. Dann verlasse ich mich meist auf die rote Ameisenstraße, die mir die Supertextverarbeitungssoftware von der Firma Kleinweich unter das fhelerhafte(?) Wort malt.

Bis heute nicht gewöhnen konnte ich mich allerdings an Stange – Stängel, Grauen – Gräuel. Bei mir ist der Stängel immer noch der Stengel und das Gräuel immer noch das Greuel.
Also da gebe ich ganz ehrlich zu, dass mir das immer noch schwer fällt.

Was ich jetzt aber dennoch nicht verstehe, ist die Diskussion um die Beibehaltung der neuen Schreibweise. Also bei aller Liebe zu gewohnten Dingen, so schlecht wie sie jetzt von vielen gemacht wird, so schlecht ist die neue Rechtschreibung nun wirklich nicht. Ein paar Ungereimtheiten hat die neue Schreibe halt noch. Nobody ist perfect, also was soll’s.
Die paar Macken hätte man auch noch glatt bügeln können und dann Ende der Diskussion und fertig.

Aber statt dessen haben sich nun zwei Lager gebildet. Die alten Rechtschreiber haben zum Boykott aufgerufen und wollen ihr Greuel wieder haben, was den neuen Rechtschreibern schlicht ein Gräuel ist.
Fest steht für mich eins: Es kann nur eine Rechtschreibung geben! Welche, das ist mir –ehrlich gesagt- scheißegal. Und ob es nun für jede kleine sprachliche Spitzfindigkeit ein wissenschaftlich untermauertes Regelwerk gibt, das ich als Nichtakademiker auch noch verstehen und anwenden kann, das ist mir auch “schnurzwurstegal”.

Aber absolut nicht egal sind mir Texte, deren Verfasser sich weder an der alten Schreibweise noch an der neuen Schreibweise orientieren. Sei es aus Unkenntnis der alten Rechtschreibung, sei es aus Ablehnung der neuen Rechtsschreibung, aus Respektlosigkeit gegenüber der Sprache der Dichter und Denker, aus einem Übermaß an Kreativität oder auch nur wegen einer pädagogisch unbehandelten Schreibschwäche.

Ich bin ja nun wirklich kein sprachlicher Erbsenzähler und gönne mir schon gern mal die eine oder andere kreative “Wortschöpfung”. Auch mit der Zeichensetzung habe ich so meine Probleme und Grammatik war mir schon in der Schule eine grauenhaftes Greuel. Aber die deutsche Sprache und ich … also wie soll ich das jetzt sagen? Also sagen wir mal so …. wir haben uns arrangiert! Der Klügere gibt halt meist(!) nach, drückt mal ein Auge zu oder lässt mal Fünfe gerade sein.

Und mit Hilfe der Textverarbeitung der Firma Kleinweich bekommt man den Text auch so hin, dass es dem Leser nicht gleich die Pupillen verdreht. Sofern man herausgefunden hat, wie sich in dieser Software die Funktion für “Autovervollständigen” ausschalten und die Funktion eines “neudeutschen” Wörterbuches einschalten lässt.
Man kann von mir getrost sagen, dass ich sowohl beim Schreiben als auch beim Lesen durchaus über eine, wenn auch manchmal schwankende, Fehlertoleranzbreite verfüge. Ich bin also wirklich und das können Sie mir glauben, der Letzte, der nach dem Durchlesen eines Textes seine Meinung dazu wie folgt äußert: “Also der Text ist an sich nicht schlecht. Aber im dritten Satz des letzten Absatzes auf der zweiten Seite fehlt ein Komma!”

Aber wenn ich Texte wie den folgenden lese, dann blähen sich mir die Nüstern, da werde ich fuchsig, das Augenlid beginnt nervös zu zucken, die Drüse tränt, die Pupille verweigert den Konsum der Sätze und funkt nur noch “ERROR – ERROR - ERROR” an das Gehirn, normalerweise ein weitgehend fehlertolerantes Körperteil, das aber aus reinem Selbsterhaltungstrieb innerhalb kurzer Zeit “Input Buffer Overflow”, “Mayday, Mayday” und “System Shutdown in process” meldet.

Sie führ mit der Strassenbahn genau, 5 Stadtionen. Und stieg wieder aus. Sie tratt einige Schritte von der Strassenbahn weg und wartete bis diese weiter gefahren war. Dann überquerte sie die Strasse.
Sie ging drei Läden an der Seite entlag. Bog zwei mal kurz um die Ecke. Und tratt dann in ein kleines Caffee, das bereits um 06:30 geöffnet hatte. Ganz langssam ging sie hinein und setzte sich sehr langs an einen der Tische.
“Guten Morgen Sarah, heute bist du aber schon früh unterwegs”, begrüßte sie die Kellnerin. “Kleines oder großes Frühstück, Sarah”?
“Guten Morgen, ein großes Frühstück mit viel Kaffee, Gerlinde”. Gerlinde lachte und ging zurück an die Tecke. Von dort hörte man wie das Geschier und das Besteck klapperte und das Wasser sprudelte, der Kaffeeauchtomat zischte.
Ausserdem roch sowohl der frischaufgebrühte Kaffee, als auch das warme Brot und die warmen Brötchen sehr verführerisch.
Es verging keine 5 Minuten als Gerlinde mit einem vollbeladenen Tablett zurück kam. “Hier dein großes Frühstück” sagte die Bediehnung. “Ausserdem, wie immer deine Butterbreze, die ist wie immer eingepackt. Las es dir schmecken.” “Danke, Gerlinde”
Sarah frühstücke in aller Ruhe. Immer wieder hörte man Personen herein kommen, die sich schnell was kauften und wieder gingen. Mal war es eine Semmel, mal eine Breze, mal war es ein süßes Stücken< und immer wieder einen Kaffee zum mitnehmen. So das auch immer wieder der Kaffeeauchtomat zischte.

An dieser Stelle entwand sich meinem Rachenraum zuerst ein röchelndes Stöhnen und danach ein stummer Schrei.
Wobei ich ehrlich zugeben muss, dass mir das Wort “Kaffeeauchtomat” ganz gut gefällt.

Apropos Kaffee – das ist jetzt eine gute Idee. Das brauch ich jetzt. Einen Kaffee - schwarz brutal, oder blond und süß! Rentnerkaffee oder Marke “Sofortiger Herztod”. Einen Kaffee Melange, einen Großen Braunen, einen Verlängerten, einen Einspänner, Kapuziner, Milchkaffee, Espresso oder einen Cappuchino – Kaputtschino – Capuchino –Cabutschino – bäääähhhh.

Dazu muss ich auch nicht mit der Straßenbahn fahren.
Nicht eine Station.
Und auch nicht langsam in ein Cafe gehen, mich an eine Theke setzen und warten bis die Bedienung kommt.
Nein, ich kann das alles selber machen, bei mir zu Hause – mit meinem Kaffeeauchtomat!

Machopan
(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 22. August 2004 um 05:45:09 und abgelegt unter Rauchzeichen, Gesellschaft, Kultur | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie können ein Kommentar schreiben oder ein Trackback hinterlegen.

Eine Nachricht hinterlassen

*Notwendig
*Notwendig (wird nicht veröffentlicht)
 

Kaffeeauchtomat

22. August 2004 05:45

Lieber Freund

Sind Sie für oder gegen die Rechtschreibreform?
Oder haben Sie dazu (noch) keine eigene Meinung?

Also ich war zuerst gegen die neue Rechtschreibung. Aus reiner Gewohnheit. An die Ungereimtheiten der alten Rechtschreibung hatte ich mich durch jahrelangen Gebrauch gewöhnt und außerdem sehen einige Wörter in der neuen Schreibe einfach – ich sag das jetzt einfach mal so -, schlicht scheiße aus. Delfin statt Delphin, Fantasie statt Phantasie und was ich persönlich am schlimmsten finde –Krem statt Creme.

Doch jetzt habe ich mich “fast” an die neuen Regelwerke gewöhnt. Manchmal kommt zwar noch das “Gefühl” der alten Schreibweise hoch, oder die Finger hacken ein anderes Wort in die Tastatur als der Kopf sich ausgedacht hat. Dann verlasse ich mich meist auf die rote Ameisenstraße, die mir die Supertextverarbeitungssoftware von der Firma Kleinweich unter das fhelerhafte(?) Wort malt.

Bis heute nicht gewöhnen konnte ich mich allerdings an Stange – Stängel, Grauen – Gräuel. Bei mir ist der Stängel immer noch der Stengel und das Gräuel immer noch das Greuel.
Also da gebe ich ganz ehrlich zu, dass mir das immer noch schwer fällt.

Was ich jetzt aber dennoch nicht verstehe, ist die Diskussion um die Beibehaltung der neuen Schreibweise. Also bei aller Liebe zu gewohnten Dingen, so schlecht wie sie jetzt von vielen gemacht wird, so schlecht ist die neue Rechtschreibung nun wirklich nicht. Ein paar Ungereimtheiten hat die neue Schreibe halt noch. Nobody ist perfect, also was soll’s.
Die paar Macken hätte man auch noch glatt bügeln können und dann Ende der Diskussion und fertig.

Aber statt dessen haben sich nun zwei Lager gebildet. Die alten Rechtschreiber haben zum Boykott aufgerufen und wollen ihr Greuel wieder haben, was den neuen Rechtschreibern schlicht ein Gräuel ist.
Fest steht für mich eins: Es kann nur eine Rechtschreibung geben! Welche, das ist mir –ehrlich gesagt- scheißegal. Und ob es nun für jede kleine sprachliche Spitzfindigkeit ein wissenschaftlich untermauertes Regelwerk gibt, das ich als Nichtakademiker auch noch verstehen und anwenden kann, das ist mir auch “schnurzwurstegal”.

Aber absolut nicht egal sind mir Texte, deren Verfasser sich weder an der alten Schreibweise noch an der neuen Schreibweise orientieren. Sei es aus Unkenntnis der alten Rechtschreibung, sei es aus Ablehnung der neuen Rechtsschreibung, aus Respektlosigkeit gegenüber der Sprache der Dichter und Denker, aus einem Übermaß an Kreativität oder auch nur wegen einer pädagogisch unbehandelten Schreibschwäche.

Ich bin ja nun wirklich kein sprachlicher Erbsenzähler und gönne mir schon gern mal die eine oder andere kreative “Wortschöpfung”. Auch mit der Zeichensetzung habe ich so meine Probleme und Grammatik war mir schon in der Schule eine grauenhaftes Greuel. Aber die deutsche Sprache und ich … also wie soll ich das jetzt sagen? Also sagen wir mal so …. wir haben uns arrangiert! Der Klügere gibt halt meist(!) nach, drückt mal ein Auge zu oder lässt mal Fünfe gerade sein.

Und mit Hilfe der Textverarbeitung der Firma Kleinweich bekommt man den Text auch so hin, dass es dem Leser nicht gleich die Pupillen verdreht. Sofern man herausgefunden hat, wie sich in dieser Software die Funktion für “Autovervollständigen” ausschalten und die Funktion eines “neudeutschen” Wörterbuches einschalten lässt.
Man kann von mir getrost sagen, dass ich sowohl beim Schreiben als auch beim Lesen durchaus über eine, wenn auch manchmal schwankende, Fehlertoleranzbreite verfüge. Ich bin also wirklich und das können Sie mir glauben, der Letzte, der nach dem Durchlesen eines Textes seine Meinung dazu wie folgt äußert: “Also der Text ist an sich nicht schlecht. Aber im dritten Satz des letzten Absatzes auf der zweiten Seite fehlt ein Komma!”

Aber wenn ich Texte wie den folgenden lese, dann blähen sich mir die Nüstern, da werde ich fuchsig, das Augenlid beginnt nervös zu zucken, die Drüse tränt, die Pupille verweigert den Konsum der Sätze und funkt nur noch “ERROR – ERROR - ERROR” an das Gehirn, normalerweise ein weitgehend fehlertolerantes Körperteil, das aber aus reinem Selbsterhaltungstrieb innerhalb kurzer Zeit “Input Buffer Overflow”, “Mayday, Mayday” und “System Shutdown in process” meldet.

Sie führ mit der Strassenbahn genau, 5 Stadtionen. Und stieg wieder aus. Sie tratt einige Schritte von der Strassenbahn weg und wartete bis diese weiter gefahren war. Dann überquerte sie die Strasse.
Sie ging drei Läden an der Seite entlag. Bog zwei mal kurz um die Ecke. Und tratt dann in ein kleines Caffee, das bereits um 06:30 geöffnet hatte. Ganz langssam ging sie hinein und setzte sich sehr langs an einen der Tische.
“Guten Morgen Sarah, heute bist du aber schon früh unterwegs”, begrüßte sie die Kellnerin. “Kleines oder großes Frühstück, Sarah”?
“Guten Morgen, ein großes Frühstück mit viel Kaffee, Gerlinde”. Gerlinde lachte und ging zurück an die Tecke. Von dort hörte man wie das Geschier und das Besteck klapperte und das Wasser sprudelte, der Kaffeeauchtomat zischte.
Ausserdem roch sowohl der frischaufgebrühte Kaffee, als auch das warme Brot und die warmen Brötchen sehr verführerisch.
Es verging keine 5 Minuten als Gerlinde mit einem vollbeladenen Tablett zurück kam. “Hier dein großes Frühstück” sagte die Bediehnung. “Ausserdem, wie immer deine Butterbreze, die ist wie immer eingepackt. Las es dir schmecken.” “Danke, Gerlinde”
Sarah frühstücke in aller Ruhe. Immer wieder hörte man Personen herein kommen, die sich schnell was kauften und wieder gingen. Mal war es eine Semmel, mal eine Breze, mal war es ein süßes Stücken< und immer wieder einen Kaffee zum mitnehmen. So das auch immer wieder der Kaffeeauchtomat zischte.

An dieser Stelle entwand sich meinem Rachenraum zuerst ein röchelndes Stöhnen und danach ein stummer Schrei.
Wobei ich ehrlich zugeben muss, dass mir das Wort “Kaffeeauchtomat” ganz gut gefällt.

Apropos Kaffee – das ist jetzt eine gute Idee. Das brauch ich jetzt. Einen Kaffee - schwarz brutal, oder blond und süß! Rentnerkaffee oder Marke “Sofortiger Herztod”. Einen Kaffee Melange, einen Großen Braunen, einen Verlängerten, einen Einspänner, Kapuziner, Milchkaffee, Espresso oder einen Cappuchino – Kaputtschino – Capuchino –Cabutschino – bäääähhhh.

Dazu muss ich auch nicht mit der Straßenbahn fahren.
Nicht eine Station.
Und auch nicht langsam in ein Cafe gehen, mich an eine Theke setzen und warten bis die Bedienung kommt.
Nein, ich kann das alles selber machen, bei mir zu Hause – mit meinem Kaffeeauchtomat!

Machopan
(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 22. August 2004 um 05:45:09 und abgelegt unter Rauchzeichen, Gesellschaft, Kultur | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie können ein Kommentar schreiben oder ein Trackback hinterlegen.

Eine Nachricht hinterlassen

*Notwendig
*Notwendig (wird nicht veröffentlicht)