Oskar geht

20. August 2004 05:45

Lieber Freund

Leipzig duck dich, möchte man fast sagen, wenn man den Spiegel vom 18. August 2004 liest.

Unter dem Aufmacher
«Oskar geht auf die Straße»
kann man da lesen, dass Oskar Lafontaine jetzt in “vorderster Front” gegen seine Partei, die SPD, kämpfen will.

Laut “Tagesspiegel” ist Lafontaine vom Organisationskomitee der Massenproteste eingeladen worden. Die Veranstalter der Demonstrationen selbst zeigten sich allerdings überrascht von den Plänen. Der Sprecher des Sozialforums Leipzig, Winfried Helbig, sagte: “Die Organisatoren der Leipziger Montagsdemonstrationen wissen davon nichts.”

Nicht dass ich etwas dagegen hätte, wenn sich weitere Kämpfer auf den Straßen einfinden um für soziale Gerechtigkeit und eine anständige Wirtschaftspolitik zu demonstrieren. Aber ob nun ausgerechnet Oskar Lafontaine dazu der richtige Mann ist. Also ich weiß nicht! Ich kann mir den Oskar nun wirklich nicht in der ersten Reihe eines Demonstrationszuges vorstellen. Womöglich noch unter einem Protestplakat “Schröder go home” oder so was.

Können Sie sich noch daran erinnern, wie der Bundesgerd und der Oskar immer lieb zueinander waren? Wie “Zwillingsbrüder” seien sie, hat der Oskar damals der Presse gesagt und der Gerhard hat dazu gelacht. War dann aber nicht so weit her mit der Bruderschaft, als dann beide gemeinsam die Geschicke der Bundesrepublik Deutschland lenken wollten und der Oskar dann hingeschmissen hat und wie die beleidigte Leberwurst bei Nacht und Nebel abgehauen ist, als hätte ihm der Bundesgerd einen unsittlichen Antrag gemacht.

Also für mich sieht jetzt das Engagement des Herrn Oskar Lafontaine für die Montagsdemos eher wie eine Mitfahrgelegenheit aus, um wieder den Sprung in den ersten Arbeitsmarkt zu schaffen. Oder etwa nicht?

Und wieso eigentlich muss der Oskar gleich in vorderster Front mitlaufen?
Da sieht doch die Demo eher nach einem Reformstau aus.
Sie kennen doch den Unterschied zwischen einem Stau und einer Schlange?
Also - bei einer Schlange ist das Arschloch hinten.
Entschuldigung, wenn ich das jetzt mal so deutlich sagen musste.

Einen lichten Moment scheint dagegen der Super-Duper-Arbeits-Wirtschafts-Minister Clement gehabt zu haben, als er sein Gewissen erleichterte und dem Spiegel sagte: «Die eigentliche Katastrophe ist nicht der Anspruch auf eine soziale Grundsicherung, die für alle Arbeitssuchenden zur Verfügung steht, sondern die stetig steigende Langzeitarbeitslosigkeit.”»
Wie wäre es denn dann Herr Minister Clement, wenn sie mal was gegen diese “stetig steigende Langzeitarbeitslosigkeit” unternehmen würden.
Oder fällt das nicht in ihren Zuständigkeitsbereich?

Einen weiteren Beweis ihrer fachlich-sozialen Kompetenz hat unsere Familienministerin Renate Schmidt (SPD) mal wieder von sich gegeben. Sie sagte den Aachener Nachrichten, «jetzt müsse die Reform erst einmal wirken, “bevor man beurteilen kann, was nicht funktioniert und verbessert werden muss“»

Nach diesem Prinzip habe ich auch mal versucht die Betriebskosten für mein Süßwasserfischaquarium zu senken und habe die Umwälzpumpe nur noch stundenweise in Betrieb genommen. Erst als die Fische plötzlich mit glasigen Augen an der Oberfläche trieben, wurde mir klar, dass “etwas nicht funktioniert und verbessert werden muss”. Wenn die blöden Fische wenigstens mal was gesagt hätten, als ihnen der Sauerstoff ausging; aber die haben immer nur dumm das Maul auf und zu gemacht und nix mehr gefressen.

Schließen möchte ich aber heute mit einem Satz aus der Neujahrsrede von unserem Bundesgerd vom 31. Dezember 2003:
«Bereits ab Neujahr treten zahlreiche Änderungen in Kraft, die wir im Rahmen der Agenda 2010 vereinbart haben. Mir war bei diesen Änderungen wichtig, dass ab morgen auch die Steuern für alle weiter gesenkt werden. So kann der wirtschaftliche Aufschwung, der sich bereits deutlich abzeichnet, an Fahrt gewinnen»

Da müssen aber die Demonstranten auf Deutschlands Straßen vorsichtig sein, dass sie von dem rasant durch Deutschland rollenden Aufschwung nicht umgefahren werden. Also immer schön bei jeder roten Ampel stehen bleiben und ordentlich in Reih und Glied marschieren, wie es sich für deutsche Demonstranten gehört.
Und immer auf der linken Fahrbahnseite bleiben – immer ENTGEGEN DER FAHRTRICHTUNG.

Da kann man auch den Aufschwung eher und besser sehen - wenn er denn kommt.

Machopan
(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 20. August 2004 um 05:45:36 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik, Gesellschaft, Wirtschaft | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

Eine Nachricht hinterlassen

*Notwendig
*Notwendig (wird nicht veröffentlicht)
 

Oskar geht

20. August 2004 05:45

Lieber Freund

Leipzig duck dich, möchte man fast sagen, wenn man den Spiegel vom 18. August 2004 liest.

Unter dem Aufmacher
«Oskar geht auf die Straße»
kann man da lesen, dass Oskar Lafontaine jetzt in “vorderster Front” gegen seine Partei, die SPD, kämpfen will.

Laut “Tagesspiegel” ist Lafontaine vom Organisationskomitee der Massenproteste eingeladen worden. Die Veranstalter der Demonstrationen selbst zeigten sich allerdings überrascht von den Plänen. Der Sprecher des Sozialforums Leipzig, Winfried Helbig, sagte: “Die Organisatoren der Leipziger Montagsdemonstrationen wissen davon nichts.”

Nicht dass ich etwas dagegen hätte, wenn sich weitere Kämpfer auf den Straßen einfinden um für soziale Gerechtigkeit und eine anständige Wirtschaftspolitik zu demonstrieren. Aber ob nun ausgerechnet Oskar Lafontaine dazu der richtige Mann ist. Also ich weiß nicht! Ich kann mir den Oskar nun wirklich nicht in der ersten Reihe eines Demonstrationszuges vorstellen. Womöglich noch unter einem Protestplakat “Schröder go home” oder so was.

Können Sie sich noch daran erinnern, wie der Bundesgerd und der Oskar immer lieb zueinander waren? Wie “Zwillingsbrüder” seien sie, hat der Oskar damals der Presse gesagt und der Gerhard hat dazu gelacht. War dann aber nicht so weit her mit der Bruderschaft, als dann beide gemeinsam die Geschicke der Bundesrepublik Deutschland lenken wollten und der Oskar dann hingeschmissen hat und wie die beleidigte Leberwurst bei Nacht und Nebel abgehauen ist, als hätte ihm der Bundesgerd einen unsittlichen Antrag gemacht.

Also für mich sieht jetzt das Engagement des Herrn Oskar Lafontaine für die Montagsdemos eher wie eine Mitfahrgelegenheit aus, um wieder den Sprung in den ersten Arbeitsmarkt zu schaffen. Oder etwa nicht?

Und wieso eigentlich muss der Oskar gleich in vorderster Front mitlaufen?
Da sieht doch die Demo eher nach einem Reformstau aus.
Sie kennen doch den Unterschied zwischen einem Stau und einer Schlange?
Also - bei einer Schlange ist das Arschloch hinten.
Entschuldigung, wenn ich das jetzt mal so deutlich sagen musste.

Einen lichten Moment scheint dagegen der Super-Duper-Arbeits-Wirtschafts-Minister Clement gehabt zu haben, als er sein Gewissen erleichterte und dem Spiegel sagte: «Die eigentliche Katastrophe ist nicht der Anspruch auf eine soziale Grundsicherung, die für alle Arbeitssuchenden zur Verfügung steht, sondern die stetig steigende Langzeitarbeitslosigkeit.”»
Wie wäre es denn dann Herr Minister Clement, wenn sie mal was gegen diese “stetig steigende Langzeitarbeitslosigkeit” unternehmen würden.
Oder fällt das nicht in ihren Zuständigkeitsbereich?

Einen weiteren Beweis ihrer fachlich-sozialen Kompetenz hat unsere Familienministerin Renate Schmidt (SPD) mal wieder von sich gegeben. Sie sagte den Aachener Nachrichten, «jetzt müsse die Reform erst einmal wirken, “bevor man beurteilen kann, was nicht funktioniert und verbessert werden muss“»

Nach diesem Prinzip habe ich auch mal versucht die Betriebskosten für mein Süßwasserfischaquarium zu senken und habe die Umwälzpumpe nur noch stundenweise in Betrieb genommen. Erst als die Fische plötzlich mit glasigen Augen an der Oberfläche trieben, wurde mir klar, dass “etwas nicht funktioniert und verbessert werden muss”. Wenn die blöden Fische wenigstens mal was gesagt hätten, als ihnen der Sauerstoff ausging; aber die haben immer nur dumm das Maul auf und zu gemacht und nix mehr gefressen.

Schließen möchte ich aber heute mit einem Satz aus der Neujahrsrede von unserem Bundesgerd vom 31. Dezember 2003:
«Bereits ab Neujahr treten zahlreiche Änderungen in Kraft, die wir im Rahmen der Agenda 2010 vereinbart haben. Mir war bei diesen Änderungen wichtig, dass ab morgen auch die Steuern für alle weiter gesenkt werden. So kann der wirtschaftliche Aufschwung, der sich bereits deutlich abzeichnet, an Fahrt gewinnen»

Da müssen aber die Demonstranten auf Deutschlands Straßen vorsichtig sein, dass sie von dem rasant durch Deutschland rollenden Aufschwung nicht umgefahren werden. Also immer schön bei jeder roten Ampel stehen bleiben und ordentlich in Reih und Glied marschieren, wie es sich für deutsche Demonstranten gehört.
Und immer auf der linken Fahrbahnseite bleiben – immer ENTGEGEN DER FAHRTRICHTUNG.

Da kann man auch den Aufschwung eher und besser sehen - wenn er denn kommt.

Machopan
(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 20. August 2004 um 05:45:36 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik, Gesellschaft, Wirtschaft | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

Eine Nachricht hinterlassen

*Notwendig
*Notwendig (wird nicht veröffentlicht)