Finanz Anal Phabeten

11. September 2007 05:45

Lieber Freund

Nicht nur Furchtbares weiß das Manager-Magazin zu berichten, sondern zeigt auch gleich noch einen Ausweg aus der Bredouille, denn „Geldanlage ist nicht nur eine Frage des Geldes, sondern auch des Wissens darüber“, schreibt das Magazin für den kleinen Manager, und das beginne schon beim kleinen Hosen-Scheißer, der sich in ausgewachsenem Zustand dann Anal-ytiker nennen darf.

Doch der Reihe nach, denn Ursache der Besorgnis, dass die Deutschen nicht mit Geld umgehen können, ist (wieder mal) eine aktuelle Studie.
Diesmal wurde sie vom Forsa-Institut erstellt und, wie immer in solchen Fällen, bleibt der Auftraggeber lieber diskret im Hintergrund. Was das Manager-Magazin aber nicht daran hindert, die Studie mit den Meinungen diverser „führender Finanzexperten“ anzureichern und zum Schluss zu kommen, dass „die Schulen in der Pflicht sind, denn es muss neben Deutsch und anderen Pflichtfächern auch ein Fach Geldanlage geben. Es kann doch nicht sein, dass ein Gutteil der Deutschen nicht den Unterschied zwischen einer EC-Karte und einer Kreditkarte kennt. Geschweige denn zwischen einem Immobilien- und einem Immobilienaktienfonds. Diese Lücke kann nur die Schule schließen.

Haben Sie zum Beispiel gewusst, dass ein Anleger der 10.000 Euro in den Dax Chart investiert hatte, beispielweise über den Fonds OP Dax-Werte, sowie 10.000 Euro in den Immobilienfonds SEB ImmoInvest, im August nur noch 9370 Euro im Aktienfonds, aber 10.020 in dem Immobilienfonds besaß?
Sie sehen also, ohne stete Kontrolle können Desinteresse oder Unkenntnis in Finanzdingen so richtig teuer werden. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass man das Problem hat über 10.000 Euro zu verfügen, die man nicht zur Bestreitung des laufenden Lebensunterhalts einsetzen muss.
Dafür stehen, laut Manager-Magazin, die Chancen nicht schlecht, denn „Deutschland ist zumindest statistisch gesehen, wohlhabend. Das Geldvermögen der privaten Haushalte lag 2006 bei 4,53 Billionen Euro, 5 Prozent mehr als noch 2005. Pro Kopf sind das immerhin 55.000 Euro. Doch es krankt an der Aufteilung des Vermögens“.

Scharf erkannt, genau das ist das Problem!“ möchte man erstaunt rufen, denn eine solche Schlussfolgerung hätte man im Magazin für den Manager sicher nicht vermutet.
Allerdings kommt rasch die Ernüchterung, denn bereits im nächsten Satz wird diese Aussage relativiert, denn es werde „zuviel auf Sicherheit gesetzt, zuwenig auf Chancen. Ein klassischer Anlagefehler, der auf mangelndem Wissen fußt. Allein ein Viertel dieses Geldes, so haben Bundesbank und die vom Bundesverband deutscher Banken herausgegebene Zeitschrift “Die Bank” ausgerechnet, ist zum Beispiel in Versicherungen investiert. Auf 14.000 Euro belaufen sich Ansprüche aus Lebensversicherungen. In den lukrativeren Aktien, die freilich auch mehr Arbeit machen, stecken nur 4500 Euro, in Investmentfonds gut 6400 Euro. Positiv ist also nur, dass das Geld da ist.

Diese Tatsache, „dass das Geld da ist“, war mir allerdings auch schon länger bewusst.

Aber nach dem Typ, der sich zum Beispiel meine 55.000 Euro gegriffen hat, nach dem fahnde ich noch.

Machopan
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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 11. September 2007 um 05:45:15 und abgelegt unter Rauchzeichen, Gesellschaft, Wirtschaft, Soziales, Alltag | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie können ein Kommentar schreiben oder ein Trackback hinterlegen.

4 Antworten zu “Finanz Anal Phabeten”

  1. mitdenker meint:

    Ooooch, hat das Schreiberling des Mager-Magazins nicht etwa Recht? Ich meine das mit der Schulbildung und dem Anspruch, aus jedem abgebrochenen Hauptschüler einen Finanzexperten machen zu müssen.
    Ist aber auch gefährlich. Wenn so ein HARZ-IV – Empfänger nun auf die Idee kommt und mittels drastischem Sparwillen innerhalb kürzester Zeit von nur 160 Monaten (identisch 13 1/³ Jahren) den buntesreblubblikanischen Durchschnittssparbetrag erspart und nun mittels des vorhandenen Wissens aus der Schulzeit dieses Ersparte entsprechend den Empfehlungen in Aktien anlegt, kann es doch – sorry – wird es doch glatt passieren, das er bei einer Rendite von 10% (Vorgabe des Allianz-Vorsitzenden) – also 5.500 Teuro p.a. so eine Steigerung seiner Bezüge von 345 auf 458 Teuro erreicht. Das sind doch glatt 132,85 % !!!! Ist doch nun wirklich gaaanz einfach… Also ran an de Aktien, liebe ALG II- Empfänger.
    Nebeneffekt: Auch die Statistik des Bundes zu den Arbeitslosen wird sooooo schön geglättet.
    Ach, und was meine statistische Spareinlage betrifft. Ich bin dafür, sie diesen jammernden und ach so gebeutelten Menschen zu spenden wie Karl und Theo Albrecht, Michael Otto, Adolf Merckle, Hans-Werner Hector, Susanne Klatten, Stefan und Johanna Quandt, Hubert Burda, Hasso Plattner, Anton Schlecker usw. usf.
    Äh, es wäre allerdings auch möglich, das die statistische Spareinlage sich real schon dort befindet.
    Wie gesagt – möglich ist vieles.

  2. Lazarus meint:

    … wie uns allen seit Siegfried, dem Drachentöter, bekannt ist, hatte die Hydra urspünglich sieben Köpfe, das entpräche einem Stammkapital von 7 x 55.000 = 385.000. Pro abgeschlagener Rübe entwickelten sich bekanntlich zwei neue, d.h. die Hydra sammelte, je fleißiger der Siegfried war, in kürzester Zeit immer mehr Kohle an. Sollte man daraus schlußfolgern, keine weiteren Köpfe rollen zu lassen, weil sich damit das Übel ja nur potenziert ??? Geld sollte abgeschafft werden - es soll ja diesbezüglich schon Pioniere geben, die keines mehr haben … und dann können die ewig Gestrigen sehen, wie sie das viele Zeug wieder so heimlich los werden, wie es ihnen zugeflogen ist …

  3. xy12 meint:

    Wenn du dein Geld dann endlich gefunden hast: investiere es an der Börse. Am besten noch: frage (d)einen Banker, wie du es am Besten dort investierst…

    Und schwupps ist deine Asche wieder weg. Dann allerdings für immer!

  4. JFK meint:

    Wie heißt es doch so schön in einem Slogan der Deutschen Bank aus vergangenen Zeiten:”reden wir darüber”…….das war gestern…..heute werden Sie erst gar nicht mehr gefragt. Betrachtet man sich das Geschäftsfeld einer Bank mal etwas genauer dann wird jedem ganz schnell klar mit wem Sie es überhaupt zu tun haben…..mit einem gläsernen Baukasten ist dies nämlich überhaupt kein Problem mehr….fehlen nur noch die Angaben über Ihr persönliches Hab und Gut aber dieses Problem wird ja auch gerade ganz offiziell gelöst….

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Finanz Anal Phabeten

11. September 2007 05:45

Lieber Freund

Nicht nur Furchtbares weiß das Manager-Magazin zu berichten, sondern zeigt auch gleich noch einen Ausweg aus der Bredouille, denn „Geldanlage ist nicht nur eine Frage des Geldes, sondern auch des Wissens darüber“, schreibt das Magazin für den kleinen Manager, und das beginne schon beim kleinen Hosen-Scheißer, der sich in ausgewachsenem Zustand dann Anal-ytiker nennen darf.

Doch der Reihe nach, denn Ursache der Besorgnis, dass die Deutschen nicht mit Geld umgehen können, ist (wieder mal) eine aktuelle Studie.
Diesmal wurde sie vom Forsa-Institut erstellt und, wie immer in solchen Fällen, bleibt der Auftraggeber lieber diskret im Hintergrund. Was das Manager-Magazin aber nicht daran hindert, die Studie mit den Meinungen diverser „führender Finanzexperten“ anzureichern und zum Schluss zu kommen, dass „die Schulen in der Pflicht sind, denn es muss neben Deutsch und anderen Pflichtfächern auch ein Fach Geldanlage geben. Es kann doch nicht sein, dass ein Gutteil der Deutschen nicht den Unterschied zwischen einer EC-Karte und einer Kreditkarte kennt. Geschweige denn zwischen einem Immobilien- und einem Immobilienaktienfonds. Diese Lücke kann nur die Schule schließen.

Haben Sie zum Beispiel gewusst, dass ein Anleger der 10.000 Euro in den Dax Chart investiert hatte, beispielweise über den Fonds OP Dax-Werte, sowie 10.000 Euro in den Immobilienfonds SEB ImmoInvest, im August nur noch 9370 Euro im Aktienfonds, aber 10.020 in dem Immobilienfonds besaß?
Sie sehen also, ohne stete Kontrolle können Desinteresse oder Unkenntnis in Finanzdingen so richtig teuer werden. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass man das Problem hat über 10.000 Euro zu verfügen, die man nicht zur Bestreitung des laufenden Lebensunterhalts einsetzen muss.
Dafür stehen, laut Manager-Magazin, die Chancen nicht schlecht, denn „Deutschland ist zumindest statistisch gesehen, wohlhabend. Das Geldvermögen der privaten Haushalte lag 2006 bei 4,53 Billionen Euro, 5 Prozent mehr als noch 2005. Pro Kopf sind das immerhin 55.000 Euro. Doch es krankt an der Aufteilung des Vermögens“.

Scharf erkannt, genau das ist das Problem!“ möchte man erstaunt rufen, denn eine solche Schlussfolgerung hätte man im Magazin für den Manager sicher nicht vermutet.
Allerdings kommt rasch die Ernüchterung, denn bereits im nächsten Satz wird diese Aussage relativiert, denn es werde „zuviel auf Sicherheit gesetzt, zuwenig auf Chancen. Ein klassischer Anlagefehler, der auf mangelndem Wissen fußt. Allein ein Viertel dieses Geldes, so haben Bundesbank und die vom Bundesverband deutscher Banken herausgegebene Zeitschrift “Die Bank” ausgerechnet, ist zum Beispiel in Versicherungen investiert. Auf 14.000 Euro belaufen sich Ansprüche aus Lebensversicherungen. In den lukrativeren Aktien, die freilich auch mehr Arbeit machen, stecken nur 4500 Euro, in Investmentfonds gut 6400 Euro. Positiv ist also nur, dass das Geld da ist.

Diese Tatsache, „dass das Geld da ist“, war mir allerdings auch schon länger bewusst.

Aber nach dem Typ, der sich zum Beispiel meine 55.000 Euro gegriffen hat, nach dem fahnde ich noch.

Machopan
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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 11. September 2007 um 05:45:15 und abgelegt unter Rauchzeichen, Gesellschaft, Wirtschaft, Soziales, Alltag | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie können ein Kommentar schreiben oder ein Trackback hinterlegen.

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  1. mitdenker meint:

    Ooooch, hat das Schreiberling des Mager-Magazins nicht etwa Recht? Ich meine das mit der Schulbildung und dem Anspruch, aus jedem abgebrochenen Hauptschüler einen Finanzexperten machen zu müssen.
    Ist aber auch gefährlich. Wenn so ein HARZ-IV – Empfänger nun auf die Idee kommt und mittels drastischem Sparwillen innerhalb kürzester Zeit von nur 160 Monaten (identisch 13 1/³ Jahren) den buntesreblubblikanischen Durchschnittssparbetrag erspart und nun mittels des vorhandenen Wissens aus der Schulzeit dieses Ersparte entsprechend den Empfehlungen in Aktien anlegt, kann es doch – sorry – wird es doch glatt passieren, das er bei einer Rendite von 10% (Vorgabe des Allianz-Vorsitzenden) – also 5.500 Teuro p.a. so eine Steigerung seiner Bezüge von 345 auf 458 Teuro erreicht. Das sind doch glatt 132,85 % !!!! Ist doch nun wirklich gaaanz einfach… Also ran an de Aktien, liebe ALG II- Empfänger.
    Nebeneffekt: Auch die Statistik des Bundes zu den Arbeitslosen wird sooooo schön geglättet.
    Ach, und was meine statistische Spareinlage betrifft. Ich bin dafür, sie diesen jammernden und ach so gebeutelten Menschen zu spenden wie Karl und Theo Albrecht, Michael Otto, Adolf Merckle, Hans-Werner Hector, Susanne Klatten, Stefan und Johanna Quandt, Hubert Burda, Hasso Plattner, Anton Schlecker usw. usf.
    Äh, es wäre allerdings auch möglich, das die statistische Spareinlage sich real schon dort befindet.
    Wie gesagt – möglich ist vieles.

  2. Lazarus meint:

    … wie uns allen seit Siegfried, dem Drachentöter, bekannt ist, hatte die Hydra urspünglich sieben Köpfe, das entpräche einem Stammkapital von 7 x 55.000 = 385.000. Pro abgeschlagener Rübe entwickelten sich bekanntlich zwei neue, d.h. die Hydra sammelte, je fleißiger der Siegfried war, in kürzester Zeit immer mehr Kohle an. Sollte man daraus schlußfolgern, keine weiteren Köpfe rollen zu lassen, weil sich damit das Übel ja nur potenziert ??? Geld sollte abgeschafft werden - es soll ja diesbezüglich schon Pioniere geben, die keines mehr haben … und dann können die ewig Gestrigen sehen, wie sie das viele Zeug wieder so heimlich los werden, wie es ihnen zugeflogen ist …

  3. xy12 meint:

    Wenn du dein Geld dann endlich gefunden hast: investiere es an der Börse. Am besten noch: frage (d)einen Banker, wie du es am Besten dort investierst…

    Und schwupps ist deine Asche wieder weg. Dann allerdings für immer!

  4. JFK meint:

    Wie heißt es doch so schön in einem Slogan der Deutschen Bank aus vergangenen Zeiten:”reden wir darüber”…….das war gestern…..heute werden Sie erst gar nicht mehr gefragt. Betrachtet man sich das Geschäftsfeld einer Bank mal etwas genauer dann wird jedem ganz schnell klar mit wem Sie es überhaupt zu tun haben…..mit einem gläsernen Baukasten ist dies nämlich überhaupt kein Problem mehr….fehlen nur noch die Angaben über Ihr persönliches Hab und Gut aber dieses Problem wird ja auch gerade ganz offiziell gelöst….

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