Flügelkämpfe

14. September 2007 05:45

Lieber Freund

Dass die SPD im Sturzflug wenigstens noch ab und zu mit ihren Flügeln schlägt, ist für Ornithologen noch lange kein Zeichen dafür, dass es sich dabei um kontrollierte oder gar richtungsbestimmende Flugbewegungen handeln könnte.
Das wäre ja auch ein aerodynamisches Wunder, hat sich doch der linke Flügel fast vollkommen vom Rumpf gelöst und die Flatter gemacht um eigene Flugversuche zu unternehmen. Und seit dem verpatztem Andockmanöver an den Luftrettungsflieger der CDU im Jahre 2005 ist vom rechten Flügel auch nur noch ein gestauchter mickriger Stummel über.
Es ist also kein Wunder, dass die Passagiere im Rumpf langsam nervös werden und von ihrer Mannschaft im Cockpit endlich nachhaltige und stabilitätssichernde Maßnahmen fordern, was angesichts der verbliebenen Flugtauglichkeit des geschröderten Rosinenbombers selbst für einen erfahrenen Flugkapitän keine leichte Aufgabe ist.
Nachdem Bruchpilot Schröder gewaltsam per Schleudersitz vom Wrack abgesprengt worden war, sollte eigentlich Copilot Franzl Müntefering die trudelnde Maschine wieder unter Kontrolle bringen, wurde dann jedoch in der Luftschlacht vom November 2005 von „Snoopy“ Nahles vom linken Flügel aus unter „friendly fire“ genommen und zog es vor die Reißleine zu ziehen. Danach hüpfte kurzzeitig Matthias Platzeck hinter den Steuerknüppel. Aber nur um aus „gesundheitlichen Gründen“ das Ruder an den Flugschüler Kurt Beck weiterzureichen, der es dann herumreißen sollte, wobei ihm wohl niemand so genau gesagt hat wohin.

Beck hat sich dann in der Folgezeit rührend darum bemüht den trudelnden Sinkflug mit der moderneren und damit gewöhnungsbedürftigen, aber doch wesentlich besseren Sozialaerodynamik zu erklären. Schon der Versuch musste scheitern, denn was Beck für tragendende Thermik hielt, war in Wirklichkeit nur heiße Luft. Da nützte es ihm auch nichts, ab und zu mal ein Knöpfchen im Cockpit zu drücken und auf eine spürbare Veränderung der Flugrichtung und Flughöhe zu warten.

Aber jetzt hat der Herr Beck endlich Initiative gezeigt, denn er hat “ein Machtwort” gesprochen und nun klatscht man ihm plötzlich Beifall und auf die Schulter.
Sie werden es nicht glauben, aber Kurt Beck hat sich jetzt sowohl die lautstarken Verbesserungsvorschläge von den hinteren Reihen der Passagierkabine, als auch die unterschwelligen Einmischungen in seine Flugtechnik von den VIP-Reihen ein für alle Mal verbeten.
So einen Scheiß lasse ich mir nicht mehr bieten“, soll Beck der “Berliner Zeitung” zufolge im Parteivorstand gesagt haben. Er reagierte damit wohl auf die anhaltende Kritik an seinem Flug- und Führungsstil und befindet sich damit auf einer Wellenlänge mit derbisherigen Wählerschaft der SPD, die sich so einen Scheiß auch nicht mehr länger bieten lassen wollen.

Den emotionale Hinweis des Parteivorsitzenden, dass ihm ein Steuerknüppel zwischen Beinen vollkommen reicht, nahm die designierte SPD-Vizevorsitzende „Snoopy“ Nahles zum Anlass dem ARD-Morgenmagazin zu verklickern, dass „es mal nötig war, dass er klargemacht hat, wo der Hammer hängt”.
Der Hammer war aber wohl, dass angesichts der verbliebenen Flughöhe des „SPD-Fliegers“ ausgerechnet jetzt der SPD-Vize Peer Steinbrück, Außenminister Frank-Walter Steinmeier und der ehemalige Parteichef und brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck ihre Vorstellungen moderner sozialdemokratischer Politik in Buchform unter dem Titel „Auf der Höhe der Zeit” präsentierten und der Öffentlichkeit damit einen Blick auf das zwischenzeitlich von der SPD erreichte „sozialdemokratische“ Flugniveau gewährten.

Besonders erwähnenswert ist die Tatsache, dass bei der Präsentation dieses Buches zu den Vorstellungen führender SPD-Politiker für einen „vorsorgenden Sozialstaat“ ausgerechnet der Parteivorsitzende und „offizielle“ Kanzlerkandidat Kurt Beck nicht anwesend war. Aber der hatte ja bereits Anfang des Jahres 2007 zusammen mit seinem Generalsekretär Hubertus Heil seine Vorstellungen über die „Soziale Demokratie im 21. Jahrhundert“ und die weitere Flugrichtung der SPD vorgestellt.
Kurz darauf kam dann auch noch „Snoopy“ Nahles mit „Linke Programmbausteine. Denkanstöße zum Hamburger Programm der SPD“ auf den Markt.
In beiden Fällen war die Resonanz mehr als bescheiden.

Angesichts dieser Situation und der Vielzahl der Visionen, ist wohl die Warnung von Ex-Finanzminister Hans Eichel nicht unbegründet, dass die Partei sich nicht in „Grabenkämpfen“ erschöpfen sollte.

Ich denke, der Ex-Finanzhans kann da ganz beruhigt sein, denn solange die Jungs und Mädels von der SPD noch einen Zentimeter Luft zwischen sich und dem kalten Erdreich spüren, werden die Flügelkämpfe sicher anhalten.
Grabenkämpfe werden das erst, wenn sich das ehemals sozialdemokratische Flugobjekt bereits tief in den Boden gebohrt hat.
Und auch die „möglichen“ Kanzlerkandidaten der SPD dürfen ganz entspannt sein, denn es ist mehr als unwahrscheinlich, dass sie sich nach der nächsten Bundestagswahl mit der Lösung der K-Frage konfrontiert sehen werden.

Machopan
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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 14. September 2007 um 05:45:07 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie können ein Kommentar schreiben oder ein Trackback hinterlegen.

3 Antworten zu “Flügelkämpfe”

  1. JFK meint:

    Hahahahahahahaha selten so gut gelacht, ich kann mich überhaupt nicht mehr beruhigen und schnappe nach Luft. Das ist das mit Abstand beste das ich seit Jahren über diese Pappnasen gelesen habe…..
    Die Beteiligten in diesem Bericht hier toppen schon seit langem glatt die Muppetshow. Jeder Hühnerhaufen ist besser organisiert als die SPD.
    Aber mal ganz erlich…….so herzhaft ich hier auch lachen muß dieses Chaos erinnert mich ganz schwer an etwas schon da gewesenes. In diesem Sinne…….ready for landing?????

  2. Minotaurus meint:

    Herrlich! Dieser Artikel zeugt von einem wachen Blick und von analytischer Schreibe. Mit Ausnahme des letzten Absatzes.
    Gerade der Vorsitzende einer blaugelben Spaßpartei hat es uns doch bereits erfolgreich vorexerziert, daß man sich auch dann noch mit der K-Frage beschäftigen kann, wenn man politisch schon längst nichts mehr zu vermelden hat.
    Wer sollte Kurti daran hindern, es - nach dem nächsten Desaster - diesem Polit-Clown gleichzutum? Beste Ansätze dazu sind ja bereits vorhanden.

    Grüße aus dem bunten Narrenhaus unserer Republik vom Mino.

  3. otti meint:

    Nach Flügel- vielleicht nun auch noch Grabenkämpfe bei der SPD? Nicht vorstellbar, dazu ist die Partei doch schon viel zu platt!

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Flügelkämpfe

14. September 2007 05:45

Lieber Freund

Dass die SPD im Sturzflug wenigstens noch ab und zu mit ihren Flügeln schlägt, ist für Ornithologen noch lange kein Zeichen dafür, dass es sich dabei um kontrollierte oder gar richtungsbestimmende Flugbewegungen handeln könnte.
Das wäre ja auch ein aerodynamisches Wunder, hat sich doch der linke Flügel fast vollkommen vom Rumpf gelöst und die Flatter gemacht um eigene Flugversuche zu unternehmen. Und seit dem verpatztem Andockmanöver an den Luftrettungsflieger der CDU im Jahre 2005 ist vom rechten Flügel auch nur noch ein gestauchter mickriger Stummel über.
Es ist also kein Wunder, dass die Passagiere im Rumpf langsam nervös werden und von ihrer Mannschaft im Cockpit endlich nachhaltige und stabilitätssichernde Maßnahmen fordern, was angesichts der verbliebenen Flugtauglichkeit des geschröderten Rosinenbombers selbst für einen erfahrenen Flugkapitän keine leichte Aufgabe ist.
Nachdem Bruchpilot Schröder gewaltsam per Schleudersitz vom Wrack abgesprengt worden war, sollte eigentlich Copilot Franzl Müntefering die trudelnde Maschine wieder unter Kontrolle bringen, wurde dann jedoch in der Luftschlacht vom November 2005 von „Snoopy“ Nahles vom linken Flügel aus unter „friendly fire“ genommen und zog es vor die Reißleine zu ziehen. Danach hüpfte kurzzeitig Matthias Platzeck hinter den Steuerknüppel. Aber nur um aus „gesundheitlichen Gründen“ das Ruder an den Flugschüler Kurt Beck weiterzureichen, der es dann herumreißen sollte, wobei ihm wohl niemand so genau gesagt hat wohin.

Beck hat sich dann in der Folgezeit rührend darum bemüht den trudelnden Sinkflug mit der moderneren und damit gewöhnungsbedürftigen, aber doch wesentlich besseren Sozialaerodynamik zu erklären. Schon der Versuch musste scheitern, denn was Beck für tragendende Thermik hielt, war in Wirklichkeit nur heiße Luft. Da nützte es ihm auch nichts, ab und zu mal ein Knöpfchen im Cockpit zu drücken und auf eine spürbare Veränderung der Flugrichtung und Flughöhe zu warten.

Aber jetzt hat der Herr Beck endlich Initiative gezeigt, denn er hat “ein Machtwort” gesprochen und nun klatscht man ihm plötzlich Beifall und auf die Schulter.
Sie werden es nicht glauben, aber Kurt Beck hat sich jetzt sowohl die lautstarken Verbesserungsvorschläge von den hinteren Reihen der Passagierkabine, als auch die unterschwelligen Einmischungen in seine Flugtechnik von den VIP-Reihen ein für alle Mal verbeten.
So einen Scheiß lasse ich mir nicht mehr bieten“, soll Beck der “Berliner Zeitung” zufolge im Parteivorstand gesagt haben. Er reagierte damit wohl auf die anhaltende Kritik an seinem Flug- und Führungsstil und befindet sich damit auf einer Wellenlänge mit derbisherigen Wählerschaft der SPD, die sich so einen Scheiß auch nicht mehr länger bieten lassen wollen.

Den emotionale Hinweis des Parteivorsitzenden, dass ihm ein Steuerknüppel zwischen Beinen vollkommen reicht, nahm die designierte SPD-Vizevorsitzende „Snoopy“ Nahles zum Anlass dem ARD-Morgenmagazin zu verklickern, dass „es mal nötig war, dass er klargemacht hat, wo der Hammer hängt”.
Der Hammer war aber wohl, dass angesichts der verbliebenen Flughöhe des „SPD-Fliegers“ ausgerechnet jetzt der SPD-Vize Peer Steinbrück, Außenminister Frank-Walter Steinmeier und der ehemalige Parteichef und brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck ihre Vorstellungen moderner sozialdemokratischer Politik in Buchform unter dem Titel „Auf der Höhe der Zeit” präsentierten und der Öffentlichkeit damit einen Blick auf das zwischenzeitlich von der SPD erreichte „sozialdemokratische“ Flugniveau gewährten.

Besonders erwähnenswert ist die Tatsache, dass bei der Präsentation dieses Buches zu den Vorstellungen führender SPD-Politiker für einen „vorsorgenden Sozialstaat“ ausgerechnet der Parteivorsitzende und „offizielle“ Kanzlerkandidat Kurt Beck nicht anwesend war. Aber der hatte ja bereits Anfang des Jahres 2007 zusammen mit seinem Generalsekretär Hubertus Heil seine Vorstellungen über die „Soziale Demokratie im 21. Jahrhundert“ und die weitere Flugrichtung der SPD vorgestellt.
Kurz darauf kam dann auch noch „Snoopy“ Nahles mit „Linke Programmbausteine. Denkanstöße zum Hamburger Programm der SPD“ auf den Markt.
In beiden Fällen war die Resonanz mehr als bescheiden.

Angesichts dieser Situation und der Vielzahl der Visionen, ist wohl die Warnung von Ex-Finanzminister Hans Eichel nicht unbegründet, dass die Partei sich nicht in „Grabenkämpfen“ erschöpfen sollte.

Ich denke, der Ex-Finanzhans kann da ganz beruhigt sein, denn solange die Jungs und Mädels von der SPD noch einen Zentimeter Luft zwischen sich und dem kalten Erdreich spüren, werden die Flügelkämpfe sicher anhalten.
Grabenkämpfe werden das erst, wenn sich das ehemals sozialdemokratische Flugobjekt bereits tief in den Boden gebohrt hat.
Und auch die „möglichen“ Kanzlerkandidaten der SPD dürfen ganz entspannt sein, denn es ist mehr als unwahrscheinlich, dass sie sich nach der nächsten Bundestagswahl mit der Lösung der K-Frage konfrontiert sehen werden.

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 14. September 2007 um 05:45:07 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie können ein Kommentar schreiben oder ein Trackback hinterlegen.

3 Antworten zu “Flügelkämpfe”

  1. JFK meint:

    Hahahahahahahaha selten so gut gelacht, ich kann mich überhaupt nicht mehr beruhigen und schnappe nach Luft. Das ist das mit Abstand beste das ich seit Jahren über diese Pappnasen gelesen habe…..
    Die Beteiligten in diesem Bericht hier toppen schon seit langem glatt die Muppetshow. Jeder Hühnerhaufen ist besser organisiert als die SPD.
    Aber mal ganz erlich…….so herzhaft ich hier auch lachen muß dieses Chaos erinnert mich ganz schwer an etwas schon da gewesenes. In diesem Sinne…….ready for landing?????

  2. Minotaurus meint:

    Herrlich! Dieser Artikel zeugt von einem wachen Blick und von analytischer Schreibe. Mit Ausnahme des letzten Absatzes.
    Gerade der Vorsitzende einer blaugelben Spaßpartei hat es uns doch bereits erfolgreich vorexerziert, daß man sich auch dann noch mit der K-Frage beschäftigen kann, wenn man politisch schon längst nichts mehr zu vermelden hat.
    Wer sollte Kurti daran hindern, es - nach dem nächsten Desaster - diesem Polit-Clown gleichzutum? Beste Ansätze dazu sind ja bereits vorhanden.

    Grüße aus dem bunten Narrenhaus unserer Republik vom Mino.

  3. otti meint:

    Nach Flügel- vielleicht nun auch noch Grabenkämpfe bei der SPD? Nicht vorstellbar, dazu ist die Partei doch schon viel zu platt!

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