Ehe auf Zeit

28. September 2007 05:45

Lieber Freund

Wer die Möglichkeit hatte, bei der Pressekonferenz in München visuell und akustisch anwesend zu sein, hat sehr wohl das Lachen registriert, das sich die CSU-Rebellin Gabriele Pauli nur mit Mühe verkneifen konnte, als sie der Presse ihren umstürzlerischen Vorschlag zur zeitlichen Begrenzung der standesamtlichen Ehe auf sieben Jahre verklickerte.

Zum Termin erschienen war sie ganz in jungfräulichem Weiß, das sehr gut mit ihrem schwarzen Humor harmonierte, als sie IHR „Parteiprogramm“ der Presse vorstellte, falls sie zur Vorsitzenden der bayerischen sozialen Christenunion gewählt werden würde.

Frau Pauli hätte genau so gut die jungfräuliche Empfängnis, die Zwangsbefruchtung, die Vielweiberei, den gesetzlich verordneten Ehebruch oder einen anderen Schwachfug fordern können. Hauptsache war ja nur, dass es in krassem Widerspruch zum offiziellen Parteiprogramm der Christlich-Sozialen-Union steht und an deren Grundfesten rüttelt.
Das Aufheulen der ausgekungelten Leitwölfe, des in seiner Ideologie getroffenen Rudels, war daher eine logische Reaktion und durchaus beabsichtigt.

Der weißhaarige Mundartstotterer und Noch-Oberleitwolf Stoiber, der sich von Frau Pauli aus dem Rudel gebissen fühlt und ihr nie verzeihen wird, dass er nicht direkt aus der bayerischen Staatskanzlei gen Himmel fahren durfte, reagierte dann auch erwartungsgemäß. „Die Ehe ist ein Kernanliegen der CSU, daran werde nicht gerüttelt. Wer so etwas fordert, der stellt sich diametral gegen die CSU und sollte sich lieber um Aufnahme in eine andere Partei bemühen“, verblubberte er der Presse auf Anfrage. Womit Stoiber dann auch gleich der Ausgang der Wahlen um den Parteivorsitz festgelegt hat, denn Frau Pauli ist geschieden und kann es mit einer derart abartigen Gesinnung nicht werden und der Kandidat Seehofer … aber das wissen Sie ja auch aus der Presse.

Eigentlich ist der ganze Vorgang ja eine bayerische Seifenoper. Früher nannte man derartige Laienschauspiele in einer Scheuer einen „Komödiantenstadel“. Die CSU hat es im Laufe der Zeit verstanden, daraus einen bescheuerten „Intrigantenstadel“ zu machen. Und bei einer derart bierernsten Männerangelegenheit kann man so einen quirligen Querschläger wie die Frau Pauli überhaupt nicht gebrauchen.

Das weiß auch Frau Dr. rer.pol. Gabriele Pauli, die 1986 über das Thema „Politisches Puplic Relation am Beispiel der CSU“ promovierte.
Umso mehr erstaunen die Reaktionen in der Presse, denn die übrigen Punkte aus dem Grundsatzprogramm der CSU-Rebellin sind durchaus mehrheitsfähig … und das sogar in der CSU.

Da wird einerseits von „Rohrkrepierer“, „Selbstdemontage“, „Torpedierung des Artikel 6 Grundgesetz“ geschrieben und der Angriff auf das heilige Sakrament der Ehe verteufelt und andererseits „ernsthaft und konträr“ über diesen „umstürzlerischen Vorschlag“ diskutiert.

Hallo Leute, das war doch nur ein Gag!
Das war „Public Relation“!
Die Frau hat das studiert!
Die kennt sich damit aus und weiß wie man die Mainstreampresse am besten einsetzt!

Diese schreibt doch ohne nachzudenken über jeden Scheiß. Und weil die Jungs nicht mehr selber denken wollen, können oder dürfen, ist es ihnen am liebsten, sie bekommen die Story samt Text bissfertig und setzreif auf dem Tablett serviert.
Das nennt sich dann „unabhängige Berichterstattung“ und „Informationsvermittlung“ mit grundgesetzlich garantierter „Pressefreiheit“ in einer partei- und wirtschaftsgesteuerten Mediendemokratie.
Axel Caesar Springer hat 1956 diese verantwortungsvolle Aufgabe der Medien und den komplizierten und staatsformenden Prozess der Informationsvermittlung zur Meinungsbildung im Volke in einem Satz zusammengefasst: „Aufgabe ist es die Leute dumm zu machen wie die Hühner und blutgierig wie die Wölfe“.

Daran hat sich bis heute nichts geändert und wie man am Beispiel der „Ehe auf Zeit“, der „Gefährdung der inneren Sicherheit“, der „Reform des Arbeitsmarktes“, „Sicherung der Sozialsysteme“, „Zuwanderung und Migration“, „Fachkräftemangel, „Bildungsnotstand“, „demographische Entwicklung“, „übergesetzlicher Notstand“ und vielen anderen Dingen sieht, funktioniert das System immer noch.

Und seit die altmodische und zeitintensive „Eigenrecherche“ durch „state of the art“ und „Cut & Paste“ ersetzt wurde, gelingt es nun wirklich jedem „Schreiberling“ systemkonformen medialen Einheitsbrei zu erzeugen.
Da spielt es auch keine Rolle mehr, dass mehr als 90% der bundesdeutschen Medienlandschaft durch 4 (vier) Unternehmensgruppen beherrscht werden.
Man muss es nur wissen, denn dann kann man diesen Wissensvorsprung auch zum eigenen Nutzen einsetzen, wie uns das die Frau Dr. rer.pol. Gabriele Pauli nun zum wiederholten Male gezeigt hat.

Erstaunlich ist eigentlich nur welch geringe Mittel sie einsetzen muss, um den deutschen Blätterwald zum Rauschen zu bringen.
Anfangs musste sie noch „Ihre Gottheit“ Edmund Stoiber der Schnüffelei bezichtigen, danach genügten schon ein paar „Latex Handschuhe“ und jetzt ein flotter Spruch über die „Ehe auf Zeit“.
Wir dürfen gespannt sein was als Nächstes kommt.

Die Medien werden auf jeden Fall darüber berichten.

Machopan
(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 28. September 2007 um 05:45:12 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik, Gesellschaft | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie können ein Kommentar schreiben oder ein Trackback hinterlegen.

2 Antworten zu “Ehe auf Zeit”

  1. Fred Sky meint:

    John Swinton hat sich bereits 1880 zum Thema geäußert:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:The_New_York_Times

  2. Minotaurus meint:

    Hähähähä!! Es ist doch immer wieder köstlich, wie die Pauli die Amigos aus ihrer eigenen Partei vorführt!
    Nun, auch wenn Frau Pauli immer wieder sehr geschickt mit den Medien jongliert, so ist dieser Vorschlag der Ehe auf Zeit keineswegs auf ihrem Mist gewachsen.
    Vielmehr hat sie die Idee von dem Kabarettisten “Erwin Pelzig” alias Frank Markus Barwasser “ausgeliehen”, um nicht zu sagen geklaut.
    Es mutet schon etwas eigenartig an, wenn jetzt schon Kabarettisten zu Ideenlieferanten für die Bayrische CSU werden, denn bisher war das immer genau umgekehrt.
    Verkehrte Welt, kann ich da nur noch sagen, aber für Erwin Pelzig und die Gilde der Kabarettisten gibt es kaum eine größere Anerkennung ihrer visionären Gedanken.
    F.J.S würde sich vermutlich im Grabe umdrehen, wenn er nur einen einzigen Komödienstadl seines Nach-Nachfolgers hätte erleben dürfen.
    In diesem Sinne: Bayrische Grüße vom Minotaurus an alle Visionäre.
    Saludos, Amigos!

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Ehe auf Zeit

28. September 2007 05:45

Lieber Freund

Wer die Möglichkeit hatte, bei der Pressekonferenz in München visuell und akustisch anwesend zu sein, hat sehr wohl das Lachen registriert, das sich die CSU-Rebellin Gabriele Pauli nur mit Mühe verkneifen konnte, als sie der Presse ihren umstürzlerischen Vorschlag zur zeitlichen Begrenzung der standesamtlichen Ehe auf sieben Jahre verklickerte.

Zum Termin erschienen war sie ganz in jungfräulichem Weiß, das sehr gut mit ihrem schwarzen Humor harmonierte, als sie IHR „Parteiprogramm“ der Presse vorstellte, falls sie zur Vorsitzenden der bayerischen sozialen Christenunion gewählt werden würde.

Frau Pauli hätte genau so gut die jungfräuliche Empfängnis, die Zwangsbefruchtung, die Vielweiberei, den gesetzlich verordneten Ehebruch oder einen anderen Schwachfug fordern können. Hauptsache war ja nur, dass es in krassem Widerspruch zum offiziellen Parteiprogramm der Christlich-Sozialen-Union steht und an deren Grundfesten rüttelt.
Das Aufheulen der ausgekungelten Leitwölfe, des in seiner Ideologie getroffenen Rudels, war daher eine logische Reaktion und durchaus beabsichtigt.

Der weißhaarige Mundartstotterer und Noch-Oberleitwolf Stoiber, der sich von Frau Pauli aus dem Rudel gebissen fühlt und ihr nie verzeihen wird, dass er nicht direkt aus der bayerischen Staatskanzlei gen Himmel fahren durfte, reagierte dann auch erwartungsgemäß. „Die Ehe ist ein Kernanliegen der CSU, daran werde nicht gerüttelt. Wer so etwas fordert, der stellt sich diametral gegen die CSU und sollte sich lieber um Aufnahme in eine andere Partei bemühen“, verblubberte er der Presse auf Anfrage. Womit Stoiber dann auch gleich der Ausgang der Wahlen um den Parteivorsitz festgelegt hat, denn Frau Pauli ist geschieden und kann es mit einer derart abartigen Gesinnung nicht werden und der Kandidat Seehofer … aber das wissen Sie ja auch aus der Presse.

Eigentlich ist der ganze Vorgang ja eine bayerische Seifenoper. Früher nannte man derartige Laienschauspiele in einer Scheuer einen „Komödiantenstadel“. Die CSU hat es im Laufe der Zeit verstanden, daraus einen bescheuerten „Intrigantenstadel“ zu machen. Und bei einer derart bierernsten Männerangelegenheit kann man so einen quirligen Querschläger wie die Frau Pauli überhaupt nicht gebrauchen.

Das weiß auch Frau Dr. rer.pol. Gabriele Pauli, die 1986 über das Thema „Politisches Puplic Relation am Beispiel der CSU“ promovierte.
Umso mehr erstaunen die Reaktionen in der Presse, denn die übrigen Punkte aus dem Grundsatzprogramm der CSU-Rebellin sind durchaus mehrheitsfähig … und das sogar in der CSU.

Da wird einerseits von „Rohrkrepierer“, „Selbstdemontage“, „Torpedierung des Artikel 6 Grundgesetz“ geschrieben und der Angriff auf das heilige Sakrament der Ehe verteufelt und andererseits „ernsthaft und konträr“ über diesen „umstürzlerischen Vorschlag“ diskutiert.

Hallo Leute, das war doch nur ein Gag!
Das war „Public Relation“!
Die Frau hat das studiert!
Die kennt sich damit aus und weiß wie man die Mainstreampresse am besten einsetzt!

Diese schreibt doch ohne nachzudenken über jeden Scheiß. Und weil die Jungs nicht mehr selber denken wollen, können oder dürfen, ist es ihnen am liebsten, sie bekommen die Story samt Text bissfertig und setzreif auf dem Tablett serviert.
Das nennt sich dann „unabhängige Berichterstattung“ und „Informationsvermittlung“ mit grundgesetzlich garantierter „Pressefreiheit“ in einer partei- und wirtschaftsgesteuerten Mediendemokratie.
Axel Caesar Springer hat 1956 diese verantwortungsvolle Aufgabe der Medien und den komplizierten und staatsformenden Prozess der Informationsvermittlung zur Meinungsbildung im Volke in einem Satz zusammengefasst: „Aufgabe ist es die Leute dumm zu machen wie die Hühner und blutgierig wie die Wölfe“.

Daran hat sich bis heute nichts geändert und wie man am Beispiel der „Ehe auf Zeit“, der „Gefährdung der inneren Sicherheit“, der „Reform des Arbeitsmarktes“, „Sicherung der Sozialsysteme“, „Zuwanderung und Migration“, „Fachkräftemangel, „Bildungsnotstand“, „demographische Entwicklung“, „übergesetzlicher Notstand“ und vielen anderen Dingen sieht, funktioniert das System immer noch.

Und seit die altmodische und zeitintensive „Eigenrecherche“ durch „state of the art“ und „Cut & Paste“ ersetzt wurde, gelingt es nun wirklich jedem „Schreiberling“ systemkonformen medialen Einheitsbrei zu erzeugen.
Da spielt es auch keine Rolle mehr, dass mehr als 90% der bundesdeutschen Medienlandschaft durch 4 (vier) Unternehmensgruppen beherrscht werden.
Man muss es nur wissen, denn dann kann man diesen Wissensvorsprung auch zum eigenen Nutzen einsetzen, wie uns das die Frau Dr. rer.pol. Gabriele Pauli nun zum wiederholten Male gezeigt hat.

Erstaunlich ist eigentlich nur welch geringe Mittel sie einsetzen muss, um den deutschen Blätterwald zum Rauschen zu bringen.
Anfangs musste sie noch „Ihre Gottheit“ Edmund Stoiber der Schnüffelei bezichtigen, danach genügten schon ein paar „Latex Handschuhe“ und jetzt ein flotter Spruch über die „Ehe auf Zeit“.
Wir dürfen gespannt sein was als Nächstes kommt.

Die Medien werden auf jeden Fall darüber berichten.

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 28. September 2007 um 05:45:12 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik, Gesellschaft | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie können ein Kommentar schreiben oder ein Trackback hinterlegen.

2 Antworten zu “Ehe auf Zeit”

  1. Fred Sky meint:

    John Swinton hat sich bereits 1880 zum Thema geäußert:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:The_New_York_Times

  2. Minotaurus meint:

    Hähähähä!! Es ist doch immer wieder köstlich, wie die Pauli die Amigos aus ihrer eigenen Partei vorführt!
    Nun, auch wenn Frau Pauli immer wieder sehr geschickt mit den Medien jongliert, so ist dieser Vorschlag der Ehe auf Zeit keineswegs auf ihrem Mist gewachsen.
    Vielmehr hat sie die Idee von dem Kabarettisten “Erwin Pelzig” alias Frank Markus Barwasser “ausgeliehen”, um nicht zu sagen geklaut.
    Es mutet schon etwas eigenartig an, wenn jetzt schon Kabarettisten zu Ideenlieferanten für die Bayrische CSU werden, denn bisher war das immer genau umgekehrt.
    Verkehrte Welt, kann ich da nur noch sagen, aber für Erwin Pelzig und die Gilde der Kabarettisten gibt es kaum eine größere Anerkennung ihrer visionären Gedanken.
    F.J.S würde sich vermutlich im Grabe umdrehen, wenn er nur einen einzigen Komödienstadl seines Nach-Nachfolgers hätte erleben dürfen.
    In diesem Sinne: Bayrische Grüße vom Minotaurus an alle Visionäre.
    Saludos, Amigos!

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