GDL

25. Oktober 2007 05:45

Lieber Freund

„Geht doch locker“, mag sich so manch einer denken, wenn er sich die Berichterstattung über den Streik der Lokführer und die Führung der GDL ansieht und an was die GDL mit ihrer unverschämten Forderung von 31% mehr Lohn zwischenzeitlich nun an allem schuld sein soll.
Dass es sich bei der GDL offenbar um eine kleine radikale Gruppierung unter Führung gewissen-, verantwortungsloser und profilierungssüchtiger Gewerkschaftsfunktionäre ohne jegliche Skrupel handelt, bei denen man mit Vernunft, gutem Willen und ebensolchen Argumenten absolut nichts erreicht, darüber ist man sich, zumindest in den Medien, weitgehendst einig geworden.

31% mehr Lohn ist ja für sich schon eine dermaßen realitätsferne Gehaltsforderung, aber in Kombination mit einem eigenen Tarifvertrag grenzt es schon an eine bodenlose Unverschämtheit, dem Vorstand der Bahn damit seit Monaten auf den Wecker zu gehen.
Da könnte ja wirklich jeder kommen!
Zumindest jeder, der für seine 41 Wochenstunden im Schichtdienst am Monatsende nicht mehr mit 2100 brutto nach Hause gehen möchte.

An dem Brutto bundesdeutscher Arbeitnehmer haben seit vielen Jahren die Arbeitgeber in unisoner Einigkeit gekürzt und gestrichen, „um die deutsche Wirtschaft in den Zeiten der Globalisierung wettbewerbsfähiger zu machen“.
Das hätte man als Arbeitnehmer, wenn auch Zähne knirschend noch einigermaßen akzeptieren können, wenn dafür wenigsten die Arbeitsplätze geblieben wären. Aber die sind dann der Globalisierung zum Opfer gefallen und nach irgendwo im Ausland umgezogen, dafür drücken jetzt die so dringend benötigten höherqualifizierten ausländischen Arbeitskräfte ins Inland.
Als ob das nicht schon genug wäre, hat der Staat mit immer neuen und höheren Steuern und Abgaben eifrig dafür gesorgt, dass es ihm wieder mal besser geht und auf der Gehaltsabrechnung der Arbeitnehmerschaft immer weniger Netto steht. Gleichzeitig wurde die Parole ausgegeben, dass nur wer selber vorsorgt auch ein braver Arbeitnehmer ist, der die Zeichen der Zeit richtig erkannt hat.
Von dem verbliebenen Netto greifen sich der deutsche Handel und die Energieversorger durch Preiserhöhungen einen immer größeren Teil ab, weil die Araber die Preise fürs Benzin erhöhen und die Russen die Preise fürs Gas, die Chinesen so viel Milch trinken, die Inder soviel Bier und das Futter für die Viecher auch wieder teurer geworden ist.
Wer in dem ganzen Durcheinander irgendwann unter die Räder kam, den Job verloren hat und samt Familie auf staatliche Hilfe angewiesen ist, dem wurde noch rasch klar gemacht, dass die staatliche Versicherung gegen Arbeitslosigkeit eine reine Risikoversicherung ist.

Die GDL ist seit Jahrzehnten die erste Gewerkschaft, die sich für die Interessen ihrer Mitglieder auf die Hinterbeine stellt und nicht gleich klein beigibt. Das hätten sich die Arbeitnehmer auch von den „großen“ Gewerkschaften gewünscht, die heute ihren Mitgliederschwund bejammern.
Aber ich bin vom Thema abgekommen, wie immer wenn ich mich diesem unsäglichen Kapitel deutscher Geschichte beschäftige.

Jetzt hat der Präsident der Deutschen Bundesbank eine neue Variante der Schuldzuweisung ins Spiel gebracht, denn er sorgt sich, dass durch die hohen Lohnforderungen der GDL die Inflationsrate steigen könne.
Dabei hat der Herr Weber sicher nur übersehen, dass wir bereits die höchste Inflationsrate haben, ohne dass die GDL schon mehr Geld für die Lokführer bekommen hat.
Dennoch forderte der Bundesbankpräsident die GDL auf, sich dem moderaten Kurs in der Tarifpolitik der vergangenen Jahre anzuschließen und ihre Verantwortung für die Preisstabilität wahrnehmen, als ob in den letzten Jahren die Preise stabil geblieben wären, weil die Arbeitnehmer auf Lohnsteigerungen verzichtet hatten.
Inflationär ist eigentlich nur noch die Dreistigkeit der Argumente, mit denen die Menschen in diesem Land für dumm verkauft und ausgebeutet werden.
„Geht doch locker und das seit Jahren schon“.

Machopan
(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 25. Oktober 2007 um 05:45:41 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik, Gesellschaft, Wirtschaft | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

Eine Antwort zu “GDL”

  1. otti meint:

    Zur Informationspolitik in den Medien (Die Stimmung für den Streik unter den Fahrgästen kippt): Geht doch locker (GDL).
    Zur Abzocke der Bevölkerung durch Staat und Wirtschaft: Geht doch locker (GDL).
    Zur Zuweisung der Schuld an erhöhter Inflation an Gewerkschaft und Arbeitnehmer: Geht doch locker (GDL).
    Gammelfleisch-Deutschland: Geht doch locker.
    Deutschland - wir verwerten auch noch den letzten Dreck.

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GDL

25. Oktober 2007 05:45

Lieber Freund

„Geht doch locker“, mag sich so manch einer denken, wenn er sich die Berichterstattung über den Streik der Lokführer und die Führung der GDL ansieht und an was die GDL mit ihrer unverschämten Forderung von 31% mehr Lohn zwischenzeitlich nun an allem schuld sein soll.
Dass es sich bei der GDL offenbar um eine kleine radikale Gruppierung unter Führung gewissen-, verantwortungsloser und profilierungssüchtiger Gewerkschaftsfunktionäre ohne jegliche Skrupel handelt, bei denen man mit Vernunft, gutem Willen und ebensolchen Argumenten absolut nichts erreicht, darüber ist man sich, zumindest in den Medien, weitgehendst einig geworden.

31% mehr Lohn ist ja für sich schon eine dermaßen realitätsferne Gehaltsforderung, aber in Kombination mit einem eigenen Tarifvertrag grenzt es schon an eine bodenlose Unverschämtheit, dem Vorstand der Bahn damit seit Monaten auf den Wecker zu gehen.
Da könnte ja wirklich jeder kommen!
Zumindest jeder, der für seine 41 Wochenstunden im Schichtdienst am Monatsende nicht mehr mit 2100 brutto nach Hause gehen möchte.

An dem Brutto bundesdeutscher Arbeitnehmer haben seit vielen Jahren die Arbeitgeber in unisoner Einigkeit gekürzt und gestrichen, „um die deutsche Wirtschaft in den Zeiten der Globalisierung wettbewerbsfähiger zu machen“.
Das hätte man als Arbeitnehmer, wenn auch Zähne knirschend noch einigermaßen akzeptieren können, wenn dafür wenigsten die Arbeitsplätze geblieben wären. Aber die sind dann der Globalisierung zum Opfer gefallen und nach irgendwo im Ausland umgezogen, dafür drücken jetzt die so dringend benötigten höherqualifizierten ausländischen Arbeitskräfte ins Inland.
Als ob das nicht schon genug wäre, hat der Staat mit immer neuen und höheren Steuern und Abgaben eifrig dafür gesorgt, dass es ihm wieder mal besser geht und auf der Gehaltsabrechnung der Arbeitnehmerschaft immer weniger Netto steht. Gleichzeitig wurde die Parole ausgegeben, dass nur wer selber vorsorgt auch ein braver Arbeitnehmer ist, der die Zeichen der Zeit richtig erkannt hat.
Von dem verbliebenen Netto greifen sich der deutsche Handel und die Energieversorger durch Preiserhöhungen einen immer größeren Teil ab, weil die Araber die Preise fürs Benzin erhöhen und die Russen die Preise fürs Gas, die Chinesen so viel Milch trinken, die Inder soviel Bier und das Futter für die Viecher auch wieder teurer geworden ist.
Wer in dem ganzen Durcheinander irgendwann unter die Räder kam, den Job verloren hat und samt Familie auf staatliche Hilfe angewiesen ist, dem wurde noch rasch klar gemacht, dass die staatliche Versicherung gegen Arbeitslosigkeit eine reine Risikoversicherung ist.

Die GDL ist seit Jahrzehnten die erste Gewerkschaft, die sich für die Interessen ihrer Mitglieder auf die Hinterbeine stellt und nicht gleich klein beigibt. Das hätten sich die Arbeitnehmer auch von den „großen“ Gewerkschaften gewünscht, die heute ihren Mitgliederschwund bejammern.
Aber ich bin vom Thema abgekommen, wie immer wenn ich mich diesem unsäglichen Kapitel deutscher Geschichte beschäftige.

Jetzt hat der Präsident der Deutschen Bundesbank eine neue Variante der Schuldzuweisung ins Spiel gebracht, denn er sorgt sich, dass durch die hohen Lohnforderungen der GDL die Inflationsrate steigen könne.
Dabei hat der Herr Weber sicher nur übersehen, dass wir bereits die höchste Inflationsrate haben, ohne dass die GDL schon mehr Geld für die Lokführer bekommen hat.
Dennoch forderte der Bundesbankpräsident die GDL auf, sich dem moderaten Kurs in der Tarifpolitik der vergangenen Jahre anzuschließen und ihre Verantwortung für die Preisstabilität wahrnehmen, als ob in den letzten Jahren die Preise stabil geblieben wären, weil die Arbeitnehmer auf Lohnsteigerungen verzichtet hatten.
Inflationär ist eigentlich nur noch die Dreistigkeit der Argumente, mit denen die Menschen in diesem Land für dumm verkauft und ausgebeutet werden.
„Geht doch locker und das seit Jahren schon“.

Machopan
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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 25. Oktober 2007 um 05:45:41 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik, Gesellschaft, Wirtschaft | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

Eine Antwort zu “GDL”

  1. otti meint:

    Zur Informationspolitik in den Medien (Die Stimmung für den Streik unter den Fahrgästen kippt): Geht doch locker (GDL).
    Zur Abzocke der Bevölkerung durch Staat und Wirtschaft: Geht doch locker (GDL).
    Zur Zuweisung der Schuld an erhöhter Inflation an Gewerkschaft und Arbeitnehmer: Geht doch locker (GDL).
    Gammelfleisch-Deutschland: Geht doch locker.
    Deutschland - wir verwerten auch noch den letzten Dreck.

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