Schwarzer Freitag

5. November 2007 05:45

Lieber Freund

Für die Bahn war es ein schwarzer Freitag, denn der aufgrund ähnlicher Logik von juristischen Laien und Rechtsexperten vertretenen Meinung haben sich nun auch die Richter vom sächsischen Landesarbeitsgerichts in Chemnitz angeschlossen: „Die Gewerkschaft der Lokführer (GDL) darf auch im Güter- und im Fernverkehr streiken“.

Bahn, Politik und die ihnen geneigten Medien kommentierten das Urteil in gewohnter Weise.
Ein schwarzer Tag für die Bahn, die deutsche Wirtschaft und unsere Kunden“, verkündete Personalvorstand Margret Suckale und Bahnchef Mehdorn forderte von der Bundesangela sogar gesetzliche „Schranken“ um die Macht der kleinen Gewerkschaft GDL zu brechen, denn „andernfalls drohe dem Standort Deutschland Schaden. Die Bahn sehe sich mit einem Arbeitskampf konfrontiert, in dem ein eigenständiger Tarifvertrag für die Berufsgruppe der Lokomotivführer durchgesetzt werden soll. Dies hätte eine Spaltung der Belegschaft und eine schwer zu beherrschende Tarifvielfalt zur Folge, die über kurz oder lang auch auf andere Wirtschaftszweige übergreifen werde“.

Schwarzer Freitag

Das Jammern und Wehklagen blieb nicht ungehört und die göttliche Erleuchtung aus Regierungskreisen ließ auch nicht lange auf sich warten.
Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee warnte die Tarifpartner vor weiteren Streiks, denn „das Urteil eröffnet Möglichkeiten, bürdet aber den Tarifpartnern eine noch größere Verantwortung auf. Ein Arbeitskampf hätte gravierende Folgen für die Volkswirtschaft. Es ist das Gebot der Stunde, die Verhandlungen zügig wieder aufzunehmen.
Nun kann der Herr Minister mit der Warnung vor weiteren Streiks eigentlich nur die GDL gemeint haben und mit dem Gebot der Stunde eigentlich nur die Bahn. Womit selbst dem Herrn Verkehrsminister wohl klar geworden zu sein scheint, dass das beste Mittel zur Vermeidung weiterer Streiks ein verhandlungsfähiges Angebot der Bahn ist.

Auch der Vorsitzende des Parlamentskreises Mittelstand, Michael Fuchs (CDU) sagte artig sein Sprüchlein auf: „In einem Betrieb kann es nur einen Tarifvertrag geben. Hier müssen wir ganz schnell eingreifen, sonst kann es zu einem wirtschaftspolitischen Chaos kommen. Dazu ist eine Änderung des Tarifvertragsgesetzes nötig. Wir müssen politisch aktiv werden. Wir wollen keine Spartentarifverträge.
Bei soviel vorauseilendem Gehorsam hat dieser Mann sicher noch eine große politische Karriere vor sich und seinen Namen sollte sich der Wähler gut merken, damit er bei der nächsten Wahl das Kreuz nicht an der falschen Stelle macht.

Wenn jetzt auch noch die größte Merkelin aller Zeiten in die Bütt steigt, dann ist die nächste Gesetzesänderung zur Einschränkung der Grundrechte nicht mehr weit. Statt lange über Änderungen des Grundgesetzes oder des Tarifvertragsgesetzes zu diskutieren, wird es wohl am einfachsten und zweckmäßigsten sein, wenn man das gesamte Bundesgebiet zur befriedeten Zone erklärt, um generell eine Beeinträchtigung des Geschäftsbetriebes der bundesdeutschen Wirtschaft durch aufmüpfige Arbeitnehmer auszuschließen.
Ausnahmeregelungen trifft dann das Bundesministerium für innere Staatssicherheit in enger Abstimmung mit dem Vorstand des betroffenen Wirtschaftsbetriebes.

Eine solche Vorgehensweise wäre sicher auch im Interesse der Herren Schäuble und Mehdorn.

Machopan
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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 5. November 2007 um 05:45:56 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik, Gesellschaft, Wirtschaft | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

2 Antworten zu “Schwarzer Freitag”

  1. zdago meint:

    tja Herr Mehdorn,
    daß nennt sich Gewinnmaximierung für jedermann. Und es wird hoffentlich noch mehr werden.
    Der Bahnboß will natürlich, was jeder Finanzstratege will - Privatisierung der Gewinne und Sozialisierung der Verluste. Je mehr er damit an die Wand läuft, um so besser.
    Unterstützung für die GdL.
    Und weg mit Hr. Mehdorn und allen seinen Komplizen, will natürlichen sagen : politischen und wirtschaftlichen Freunden - tschuldigung !

    mfg zdago

  2. Luo You meint:

    Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will - Die Politiker- und Managergeneration des Lohndumping und der Massenarbeitslosigkeit hat fast vergessen, wer den ganzen Laden hier am Laufen hält. Das sind kaum die Juristen und Gesetzesdesigner, sondern die Menschen, die wirklich am Schalthebel sitzen. Nach unten kräftig drücken und oben sauber den Besitzstand wahren: Das wurde bei den Lokführern wohl übertrieben. Die Jungs und Mädels haben mitbekommen, wie hoch angesehen ihr Berufsstand außerhalb von Deutschland - etwa durch Auslandseinsätze in Taiwan - ist und wie sich das dort im Salär wiederspiegelt - weit weg von der schlappen Ex-Beamtenbesoldung wilhelminischer Prägung. Wenn Topmanager ihre Bezahlung außertariflich frei mit den Unternehmen aushandeln und dabei z.T. in Selbstbedienungsmanier jede Maßstäblichkeit aus den Augen verlieren, ist das okay. Kommt die Forderung von einer Berufsgruppe qualifizierter Fachleute der unteren Hierarchieebene, werden sie schnell als “Kollegenärsche” hingestellt. Es ist zu hoffen, dass der Streik wirklich Auswirkungen auf den Standort Deutschland und die Volkswirtschaft hat, um zum Umdenken in Richtung mehr sozialer Gerechtigkeit beiträgt.

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Schwarzer Freitag

5. November 2007 05:45

Lieber Freund

Für die Bahn war es ein schwarzer Freitag, denn der aufgrund ähnlicher Logik von juristischen Laien und Rechtsexperten vertretenen Meinung haben sich nun auch die Richter vom sächsischen Landesarbeitsgerichts in Chemnitz angeschlossen: „Die Gewerkschaft der Lokführer (GDL) darf auch im Güter- und im Fernverkehr streiken“.

Bahn, Politik und die ihnen geneigten Medien kommentierten das Urteil in gewohnter Weise.
Ein schwarzer Tag für die Bahn, die deutsche Wirtschaft und unsere Kunden“, verkündete Personalvorstand Margret Suckale und Bahnchef Mehdorn forderte von der Bundesangela sogar gesetzliche „Schranken“ um die Macht der kleinen Gewerkschaft GDL zu brechen, denn „andernfalls drohe dem Standort Deutschland Schaden. Die Bahn sehe sich mit einem Arbeitskampf konfrontiert, in dem ein eigenständiger Tarifvertrag für die Berufsgruppe der Lokomotivführer durchgesetzt werden soll. Dies hätte eine Spaltung der Belegschaft und eine schwer zu beherrschende Tarifvielfalt zur Folge, die über kurz oder lang auch auf andere Wirtschaftszweige übergreifen werde“.

Schwarzer Freitag

Das Jammern und Wehklagen blieb nicht ungehört und die göttliche Erleuchtung aus Regierungskreisen ließ auch nicht lange auf sich warten.
Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee warnte die Tarifpartner vor weiteren Streiks, denn „das Urteil eröffnet Möglichkeiten, bürdet aber den Tarifpartnern eine noch größere Verantwortung auf. Ein Arbeitskampf hätte gravierende Folgen für die Volkswirtschaft. Es ist das Gebot der Stunde, die Verhandlungen zügig wieder aufzunehmen.
Nun kann der Herr Minister mit der Warnung vor weiteren Streiks eigentlich nur die GDL gemeint haben und mit dem Gebot der Stunde eigentlich nur die Bahn. Womit selbst dem Herrn Verkehrsminister wohl klar geworden zu sein scheint, dass das beste Mittel zur Vermeidung weiterer Streiks ein verhandlungsfähiges Angebot der Bahn ist.

Auch der Vorsitzende des Parlamentskreises Mittelstand, Michael Fuchs (CDU) sagte artig sein Sprüchlein auf: „In einem Betrieb kann es nur einen Tarifvertrag geben. Hier müssen wir ganz schnell eingreifen, sonst kann es zu einem wirtschaftspolitischen Chaos kommen. Dazu ist eine Änderung des Tarifvertragsgesetzes nötig. Wir müssen politisch aktiv werden. Wir wollen keine Spartentarifverträge.
Bei soviel vorauseilendem Gehorsam hat dieser Mann sicher noch eine große politische Karriere vor sich und seinen Namen sollte sich der Wähler gut merken, damit er bei der nächsten Wahl das Kreuz nicht an der falschen Stelle macht.

Wenn jetzt auch noch die größte Merkelin aller Zeiten in die Bütt steigt, dann ist die nächste Gesetzesänderung zur Einschränkung der Grundrechte nicht mehr weit. Statt lange über Änderungen des Grundgesetzes oder des Tarifvertragsgesetzes zu diskutieren, wird es wohl am einfachsten und zweckmäßigsten sein, wenn man das gesamte Bundesgebiet zur befriedeten Zone erklärt, um generell eine Beeinträchtigung des Geschäftsbetriebes der bundesdeutschen Wirtschaft durch aufmüpfige Arbeitnehmer auszuschließen.
Ausnahmeregelungen trifft dann das Bundesministerium für innere Staatssicherheit in enger Abstimmung mit dem Vorstand des betroffenen Wirtschaftsbetriebes.

Eine solche Vorgehensweise wäre sicher auch im Interesse der Herren Schäuble und Mehdorn.

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 5. November 2007 um 05:45:56 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik, Gesellschaft, Wirtschaft | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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  1. zdago meint:

    tja Herr Mehdorn,
    daß nennt sich Gewinnmaximierung für jedermann. Und es wird hoffentlich noch mehr werden.
    Der Bahnboß will natürlich, was jeder Finanzstratege will - Privatisierung der Gewinne und Sozialisierung der Verluste. Je mehr er damit an die Wand läuft, um so besser.
    Unterstützung für die GdL.
    Und weg mit Hr. Mehdorn und allen seinen Komplizen, will natürlichen sagen : politischen und wirtschaftlichen Freunden - tschuldigung !

    mfg zdago

  2. Luo You meint:

    Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will - Die Politiker- und Managergeneration des Lohndumping und der Massenarbeitslosigkeit hat fast vergessen, wer den ganzen Laden hier am Laufen hält. Das sind kaum die Juristen und Gesetzesdesigner, sondern die Menschen, die wirklich am Schalthebel sitzen. Nach unten kräftig drücken und oben sauber den Besitzstand wahren: Das wurde bei den Lokführern wohl übertrieben. Die Jungs und Mädels haben mitbekommen, wie hoch angesehen ihr Berufsstand außerhalb von Deutschland - etwa durch Auslandseinsätze in Taiwan - ist und wie sich das dort im Salär wiederspiegelt - weit weg von der schlappen Ex-Beamtenbesoldung wilhelminischer Prägung. Wenn Topmanager ihre Bezahlung außertariflich frei mit den Unternehmen aushandeln und dabei z.T. in Selbstbedienungsmanier jede Maßstäblichkeit aus den Augen verlieren, ist das okay. Kommt die Forderung von einer Berufsgruppe qualifizierter Fachleute der unteren Hierarchieebene, werden sie schnell als “Kollegenärsche” hingestellt. Es ist zu hoffen, dass der Streik wirklich Auswirkungen auf den Standort Deutschland und die Volkswirtschaft hat, um zum Umdenken in Richtung mehr sozialer Gerechtigkeit beiträgt.

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