Schöne Bescherung

6. Januar 2008 15:45

Lieber Freund

Nach einer langen Zeit der kommunikativen Enthaltsamkeit und dem stillen Ausklang eines Jahres, in dem man für sich selbst das Ruder herumgerissen und den Kurs weg vom Eisberg auf Süd-West geändert hat, sollte man sich eigentlich der weiteren Kritik an den Leistungen derer enthalten, mit denen man einst, wenn auch ungern, im gleichen Boot sitzen musste.
So war es in den letzten Wochen auch mehr ein, manchmal wehmütiges, über die Schulter zurückschauen, begleitet von in langen Jahren erlerntem ungläubigen Kopfschütteln, mit dem Geist und Körper auf die bundesdeutschen Ereignisse zum Jahreswechsel reagierten.

Was fehlt, und durchaus als angenehm empfunden wird, ist die direkte Betroffenheit und das Gefühl der Machtlosigkeit, denn ich habe dem Land in dem ich geboren wurde endgültig die Freundschaft aufgekündigt und diesem „Vaterland“, das mehr und mehr zum sklavenhaltenden Überwachungsstaat und bürokratischem Umerziehungslager mit zwangshafter Ausländeranbiederung mutierte, den Rücken gekehrt.
Die Gründe sind vielfältig und politischer, wirtschaftlicher, familiärer und persönlicher Natur, wobei deren Reihenfolge und Gewichtung selbstverständlich beliebig verändert werden kann.
Zusammenfassend könnte man es einfach und für jedermann verständlich deftig-derb mit „ich hatte einfach die Schnauze voll“ umschreiben, oder etwas weniger volkstümlich „die wirtschaftliche und bevölkerungspolitische Situation in der widerlich vereinigten BRddr war für mich als Bürger, Wähler, Steuerzahler, Arbeitnehmer, Unternehmer, Vater, Ehemann und Mensch nicht länger hinnehmbar“ und daraus habe ich für mich die Konsequenzen gezogen und hab “rüber gemacht”.

So konnte ich die Weihnachtsfeiertage und den Jahreswechsel in aller Ruhe genießen und die anhaltenden Diskussionen über Managergehälter, Mindestlöhne, Arbeitslosenzahlen, Auf- und Abschwung, gewalttätige Jugendliche, Terrorgefahr, Klimawandel, innerstädtische Schutzzonen, Rauchverbot, Energiepreise, Lokführerstreik, Rechtsradikalismus und dem Ausblick auf die „Reformen“ des Jahres 2008, ebenso gelassen zur Kenntnis nehmen, wie die üblich seichte „Ich und meine Frau“-Weihnachtsansprache von Bundeshotte Köhler und das „Alles wird gut“-Neujahresgesabbere der offensichtlich nicht mehr völlig drogenfreien Bundesangela.

Es ist wirklich erstaunlich, mit welchem Feuereifer rechtsseitig des Rheins die Problemchen vom Zaun gebrochen werden und mit welcher Ausdauer in der Nation darüber debattiert und diskutiert wird. Dabei handelt es sich doch offensichtlich um wirtschaftliche und politische Onaniervorlagen und Ablenkungsmanöver.

Bestes Beispiel ist die vom Hessenkoch geforderte Verschärfung des Jugendstrafrechts, die Ausweisung von ausländischen Gewalttätern und die Forderung nach „Erziehungslagern“. Das ist doch alles Quatsch in einem Land, das sich selbst permanent als „ausländerfeindlich“ bezeichnet und sich der chronischen Erfolglosigkeit bei der Ausländerintegration bezichtigt, aber Schwellentäter mit 30 und mehr Straftaten frei herum laufen lässt und sogar noch durch einen persönlichen Staatsanwalt betreut. Sie können sich als Bürger darauf verlassen, dass nach dem Ende des hessischen Wahlkampfes dieses Thema wieder aus den Medien verschwindet und in bundesdeutschen Großstädten weiterhin Gewalt an der Tagesordnung ist.

Oder lassen Sie doch einfach mal die Debatte über die Gehälter von Managern Revue passieren. Schon die Begrifflichkeit des „Managers“ ist so vage wie die des „Besserverdienenden“. Das ist pure Absicht, denn so lässt sich leicht die „Neiddebatte“ mit Forderungen nach „Reichensteuern“, „Managersteuer“ und dringend notwendiger gesetzlicher Reglementierung anreichern, ohne das eigentliche Problem beim Namen nennen zu müssen. Denn Vorstandsgehälter, und um diese geht es ja im Wesentlichen, werden vom Aufsichtsrat eines Unternehmens in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft mit den Vorständen verhandelt und genehmigt. Sehen Sie sich doch mal die Zusammensetzung der Aufsichtsräte der an der deutschen Börse notierten Aktiengesellschaften an und Sie werden neben vielen Arbeitnehmervertretern und Gewerkschaftsfunktionären auch viele bekannte Namen aus den Vorstandsetagen anderer Untennehmen finden. Und da bekanntlich eine Krähe der anderen kein Auge aushackt, wäre es eine einfache gesetzgeberische Maßnahme, die Zahl der Aufsichtsratsmandate jeder natürlichen Person auf maximal drei zu begrenzen um der grassierenden Vetternwirtschaft den Nährboden zu entziehen.
Ähnlich konstruktiv ist die vom „Waschen, Schneiden und Fönen“-Kurti aus rein parteitaktischen Gründen losgetretene Debatte über den Mindestlohn. Oder glauben Sie wirklich, dass der Sozialdemokratischen Partei Deutschland (SPD) nach den sozialpolitischen Raubzügen der vergangenen Jahre nun plötzlich das „Gewissen“ schlägt?
Gewiss nicht! Es geht nur um das Stühlezurechtrücken im nächsten Bundestag und was dem Herrn Koch aus Hessen die „ausländischen Gewalttäter“ sind, sind dem Herrn Beck aus Rheinland-Pfalz nun eben die „deutschen Billiglöhner“.
Dabei hat gerade seine Partei schon vor Jahren den „Mindestlohn“ pro Arbeitstunde mit 1-Euro festgeschrieben und damals herumgetönt, dass dadurch jede Menge Arbeitsplätze geschaffen würden.

Seit ich in einem Land wohne, in dem man sein Auto mit laufendem Motor vor der „Boulangerie“ stehen lässt, während man sein „Baguette“ kauft, lassen mich auch die in bundesdeutschen Städten eingerichteten „Schutzzonen“ kalt, die man nur noch mit Sondergenehmigung und Plakette befahren darf.
Und über die in der BRddr ständig wiederkehrende Debatte zur Geschwindigkeitsbegrenzung auf völlig überlasteten Autobahnen kann ich angesichts des in Frankreich geltenden Limits von 130 km/h auf der fast leeren „autoroute“ nur lächeln. Gleiches gilt auch für die PKW-Maut auf Autobahnen und die Abschaffung der KFZ-Steuer, denn beides ist hier bereits Realität.
Hier weiß ich auch, dass Atomstrom aus der Steckdose kommt und muss mich nicht von einem skrupellosen Stadtwerk mit getürktem Öko-Strom verarschen lassen, den man mir auch noch zu einem weit höheren Preis andreht.

Bevor ich jetzt in Versuchung geraten könnte, die in Frankreich bestehenden Verhältnisse zu glorifizieren, möchte ich dieses Thema mit dem Hinweis abschließen, dass hier viele Dinge wirklich „erfrischend einfach“ sind.
So erfrischend einfach wie die neue „Liebschaft” des französischen Staatspräsidenten Nikolas Sarkozy mit Carla Bruni, die nun doch schon einige Armbanduhren wichtiger Männer auf dem Nachttisch liegen hatte. Sarkozy ist dabei sicher nicht der Letzte in ihrer Sammlung, doch für die deutsche Presse ist das so immens wichtig wie die ungewollte Schwangerschaft von Britneys Spear’s 16-jähriger Schwester und auf dem selben Niveau wird auch darüber berichtet.
Auch wenn in den deutschen Medien der Eindruck erweckt wird, so regt sich hier in Frankreich, außer der politischen Opposition, kein Mensch darüber auf.

Wobei, das möchte ich jetzt nicht ganz unerwähnt lassen, die Schwangerschaft einer 16-Jährigen in den USA durchaus eine nationale Katastrophe sein kann und das in 2008 in der BRddr Erstgeborene einer 14-Jährigen wohl nur eine erste nationale Maßnahme zur bundesdeutschen Demographieverbesserung sein wird.
Aber selbst mir als Ausländer im Linksrheinischen ist rasch klargeworden, dass der öffentliche Wangenkuss eines Franzosen zu den guten Umgangsformen des „faire la bise” gehört.
Und das gilt auch für einen von ungarischen Migranten abstammenden französischen Staatspräsidenten, selbst dann, wenn er sich weiterhin beharrlich weigert vor der Bundesangela auf die Knie zu fallen und ihr die Hand zu küssen. Dafür hat der Präsident mein vollstes Verständnis. Wenig Verständnis gibt es aber darüber, dass deutsche Medien so gerne aus französischen Medien zitieren, während sich diese mehr über die bundesdeutsche Aufregung und Behauptung wundern, dass „alle Franzosen“ mit dem Latin-Lover Präsidenten unzufrieden sind, während „alle Deutschen“ mit der moppeligen Bundesangela rundum und vollauf glücklich scheinen.

Ach ja, da war ja noch die Meldung, dass der aus dem Leben geschossene „JJ1“, bekannt als „Bruno der Bär“, nun in ausgestopftem Zustand im Münchner Museum für Mensch und Natur bewundert werden darf, während sein weißhaariges Gegenstück „Ede“, bekannt als der Stoibär nach Brüssel gerufen wurde, um dort die Bürokratie zu bekämpfen.
Im Interesse der Sache wäre es sicher besser gewesen, den aus dem Amt geschossenen „Stoibär“ ausgestopft ins Museum zu stellen, während „Bruno Braunbär“ zwecks Bürokratieabbau in Brüssel jeden Tag einen Beamten oder Politiker gefressen hätte.

Eine schöne Bescherung, die da angerichtet wurde.

Machopan
(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 6. Januar 2008 um 15:45:22 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Alltag, Persönliches | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

5 Antworten zu “Schöne Bescherung”

  1. Fred Sky meint:

    Als Fazit Deines Beitrages inspirieren mich Wörter wie “Krähe” und “Nährboden”. Wenn sich Krähen ungehindert vermehren können und dem Bauer die Existenz gefährden, indem sie bereits die Saat vertilgen, griff der zur Flinte und hängte ein paar von denen kopfüber an einen Stock auf dem Feld. Ein wirkunsvoller Brauch. Wie machen das die Franzosen?

  2. otti meint:

    Welcome back …

    zur, wenn auch etwas verspäteten und hier ohne Hintergedanken positiv zu deutenden, schönen Bescherung in Form Ihrer Anmerkungen zu bundesangelikalen Befindlichkeiten deutschen bzw. teuschen Unwesens im weitgehend gleichgeschalteten obrigkeits- und erst recht machthörigen Mediensumpf in „diesem unserem Vaterland (Augenaufschlag ab, auf)’, dessen Vereiniger mal mit dem Anspruch der geitig-moralischen Wende antrat und in einem zur Frage der Ehre stilisierten Vorgang vom Ehrenvorsitz seiner Partei zurückgetreten ist. Ehre, wem Ehre gebührt – keine Frage. Nur, wo ist dabei die Ehre geblieben? Und die Moral von der „Gechichte“? Vielleicht die, dass wenige noch wenigeren viel, zu viel geben, und deshalb viele, zu viele ihr Leben lang in die Röhre schauen, weil denen bestenfalls die Macht über den Ausschaltknopf der Glotze bleibt.
    In der Tat kann es als erlösend empfunden werden, von, halbstündlich medial abgenudelten, dumpfbackigen Vorschlägen wahlkämpfender Politiker verschont zu bleiben. Die geistigen Tiefschläge solcher Leute, die, wie immer in Teuschland, in der Forderung nach einer Strafverschärfung ihren absoluten Tiefpunkt erreicht, zeigt das ganze Elend politisch verlogener Auseinandersetzung. Eine gestylte Frisur oder eine dicke Lippe und auch ein gepflegter Bart sind leider noch lange kein Ersatz für eine Politik der allseits propagierten Mitte, von der bisher höchstens Dümmlich-Dickliches haften bleibt.
    Eine Politik der Mitte ist eine Politik für die Bürger und nicht, wie hierzulande üblich, eine Politik gegen die Bürger.
    Nicht die Bürger sind es, die die grundgesetzliche Ordnung gefährden, dafür sorgen die Machthaber in ihrem Größenwahn auf viel zu vielen Ebenen schon selbst. Als (Guts-)verwalter des Gemeinwesens wurden sie bestellt und gewählt, als unumschränkt herrschende Gutsherren spielen sie sich auf, selbst als einfache Knechte oder Mägde sind sie noch eine totale Fehlbesetzung.
    Wir hier genießen auch unser Baguette (gut), haben die Politik gefressen (zum Kotzen) und machen zum Schluss das obligate Häufchen oder Kreuzchen zu Du-bist-Teuschland.
    Licht aus!
    Jawoll, zu Befehl.
    Schnarchland, magst ruhig bleiben?

  3. zdago meint:

    @während „alle Deutschen“ mit der moppeligen Bundesangela rundum und vollauf glücklich scheinen.

    Mit der Betonung auf “scheinen”.
    mfg zdago

  4. lupus meint:

    die franzosen haben nie vergessen, was ” napoleon ”
    einst mit den adel getan hat, solch einen ” napoleon
    stände uns auch gut.

  5. Machopan meint:

    Vor Napoleon war die Revolution und die Entstehung des BÜRGERHEERES.
    Ach ja, da war dann auch noch die Guillotine, mit der viele “Feinde der Revolution” ihren Kopf verloren haben.
    So ein Ding lässt sich ganz einfach bauen, sogar viel einfacher als eine Bombe.
    Guckst du hier :-)

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Schöne Bescherung

6. Januar 2008 15:45

Lieber Freund

Nach einer langen Zeit der kommunikativen Enthaltsamkeit und dem stillen Ausklang eines Jahres, in dem man für sich selbst das Ruder herumgerissen und den Kurs weg vom Eisberg auf Süd-West geändert hat, sollte man sich eigentlich der weiteren Kritik an den Leistungen derer enthalten, mit denen man einst, wenn auch ungern, im gleichen Boot sitzen musste.
So war es in den letzten Wochen auch mehr ein, manchmal wehmütiges, über die Schulter zurückschauen, begleitet von in langen Jahren erlerntem ungläubigen Kopfschütteln, mit dem Geist und Körper auf die bundesdeutschen Ereignisse zum Jahreswechsel reagierten.

Was fehlt, und durchaus als angenehm empfunden wird, ist die direkte Betroffenheit und das Gefühl der Machtlosigkeit, denn ich habe dem Land in dem ich geboren wurde endgültig die Freundschaft aufgekündigt und diesem „Vaterland“, das mehr und mehr zum sklavenhaltenden Überwachungsstaat und bürokratischem Umerziehungslager mit zwangshafter Ausländeranbiederung mutierte, den Rücken gekehrt.
Die Gründe sind vielfältig und politischer, wirtschaftlicher, familiärer und persönlicher Natur, wobei deren Reihenfolge und Gewichtung selbstverständlich beliebig verändert werden kann.
Zusammenfassend könnte man es einfach und für jedermann verständlich deftig-derb mit „ich hatte einfach die Schnauze voll“ umschreiben, oder etwas weniger volkstümlich „die wirtschaftliche und bevölkerungspolitische Situation in der widerlich vereinigten BRddr war für mich als Bürger, Wähler, Steuerzahler, Arbeitnehmer, Unternehmer, Vater, Ehemann und Mensch nicht länger hinnehmbar“ und daraus habe ich für mich die Konsequenzen gezogen und hab “rüber gemacht”.

So konnte ich die Weihnachtsfeiertage und den Jahreswechsel in aller Ruhe genießen und die anhaltenden Diskussionen über Managergehälter, Mindestlöhne, Arbeitslosenzahlen, Auf- und Abschwung, gewalttätige Jugendliche, Terrorgefahr, Klimawandel, innerstädtische Schutzzonen, Rauchverbot, Energiepreise, Lokführerstreik, Rechtsradikalismus und dem Ausblick auf die „Reformen“ des Jahres 2008, ebenso gelassen zur Kenntnis nehmen, wie die üblich seichte „Ich und meine Frau“-Weihnachtsansprache von Bundeshotte Köhler und das „Alles wird gut“-Neujahresgesabbere der offensichtlich nicht mehr völlig drogenfreien Bundesangela.

Es ist wirklich erstaunlich, mit welchem Feuereifer rechtsseitig des Rheins die Problemchen vom Zaun gebrochen werden und mit welcher Ausdauer in der Nation darüber debattiert und diskutiert wird. Dabei handelt es sich doch offensichtlich um wirtschaftliche und politische Onaniervorlagen und Ablenkungsmanöver.

Bestes Beispiel ist die vom Hessenkoch geforderte Verschärfung des Jugendstrafrechts, die Ausweisung von ausländischen Gewalttätern und die Forderung nach „Erziehungslagern“. Das ist doch alles Quatsch in einem Land, das sich selbst permanent als „ausländerfeindlich“ bezeichnet und sich der chronischen Erfolglosigkeit bei der Ausländerintegration bezichtigt, aber Schwellentäter mit 30 und mehr Straftaten frei herum laufen lässt und sogar noch durch einen persönlichen Staatsanwalt betreut. Sie können sich als Bürger darauf verlassen, dass nach dem Ende des hessischen Wahlkampfes dieses Thema wieder aus den Medien verschwindet und in bundesdeutschen Großstädten weiterhin Gewalt an der Tagesordnung ist.

Oder lassen Sie doch einfach mal die Debatte über die Gehälter von Managern Revue passieren. Schon die Begrifflichkeit des „Managers“ ist so vage wie die des „Besserverdienenden“. Das ist pure Absicht, denn so lässt sich leicht die „Neiddebatte“ mit Forderungen nach „Reichensteuern“, „Managersteuer“ und dringend notwendiger gesetzlicher Reglementierung anreichern, ohne das eigentliche Problem beim Namen nennen zu müssen. Denn Vorstandsgehälter, und um diese geht es ja im Wesentlichen, werden vom Aufsichtsrat eines Unternehmens in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft mit den Vorständen verhandelt und genehmigt. Sehen Sie sich doch mal die Zusammensetzung der Aufsichtsräte der an der deutschen Börse notierten Aktiengesellschaften an und Sie werden neben vielen Arbeitnehmervertretern und Gewerkschaftsfunktionären auch viele bekannte Namen aus den Vorstandsetagen anderer Untennehmen finden. Und da bekanntlich eine Krähe der anderen kein Auge aushackt, wäre es eine einfache gesetzgeberische Maßnahme, die Zahl der Aufsichtsratsmandate jeder natürlichen Person auf maximal drei zu begrenzen um der grassierenden Vetternwirtschaft den Nährboden zu entziehen.
Ähnlich konstruktiv ist die vom „Waschen, Schneiden und Fönen“-Kurti aus rein parteitaktischen Gründen losgetretene Debatte über den Mindestlohn. Oder glauben Sie wirklich, dass der Sozialdemokratischen Partei Deutschland (SPD) nach den sozialpolitischen Raubzügen der vergangenen Jahre nun plötzlich das „Gewissen“ schlägt?
Gewiss nicht! Es geht nur um das Stühlezurechtrücken im nächsten Bundestag und was dem Herrn Koch aus Hessen die „ausländischen Gewalttäter“ sind, sind dem Herrn Beck aus Rheinland-Pfalz nun eben die „deutschen Billiglöhner“.
Dabei hat gerade seine Partei schon vor Jahren den „Mindestlohn“ pro Arbeitstunde mit 1-Euro festgeschrieben und damals herumgetönt, dass dadurch jede Menge Arbeitsplätze geschaffen würden.

Seit ich in einem Land wohne, in dem man sein Auto mit laufendem Motor vor der „Boulangerie“ stehen lässt, während man sein „Baguette“ kauft, lassen mich auch die in bundesdeutschen Städten eingerichteten „Schutzzonen“ kalt, die man nur noch mit Sondergenehmigung und Plakette befahren darf.
Und über die in der BRddr ständig wiederkehrende Debatte zur Geschwindigkeitsbegrenzung auf völlig überlasteten Autobahnen kann ich angesichts des in Frankreich geltenden Limits von 130 km/h auf der fast leeren „autoroute“ nur lächeln. Gleiches gilt auch für die PKW-Maut auf Autobahnen und die Abschaffung der KFZ-Steuer, denn beides ist hier bereits Realität.
Hier weiß ich auch, dass Atomstrom aus der Steckdose kommt und muss mich nicht von einem skrupellosen Stadtwerk mit getürktem Öko-Strom verarschen lassen, den man mir auch noch zu einem weit höheren Preis andreht.

Bevor ich jetzt in Versuchung geraten könnte, die in Frankreich bestehenden Verhältnisse zu glorifizieren, möchte ich dieses Thema mit dem Hinweis abschließen, dass hier viele Dinge wirklich „erfrischend einfach“ sind.
So erfrischend einfach wie die neue „Liebschaft” des französischen Staatspräsidenten Nikolas Sarkozy mit Carla Bruni, die nun doch schon einige Armbanduhren wichtiger Männer auf dem Nachttisch liegen hatte. Sarkozy ist dabei sicher nicht der Letzte in ihrer Sammlung, doch für die deutsche Presse ist das so immens wichtig wie die ungewollte Schwangerschaft von Britneys Spear’s 16-jähriger Schwester und auf dem selben Niveau wird auch darüber berichtet.
Auch wenn in den deutschen Medien der Eindruck erweckt wird, so regt sich hier in Frankreich, außer der politischen Opposition, kein Mensch darüber auf.

Wobei, das möchte ich jetzt nicht ganz unerwähnt lassen, die Schwangerschaft einer 16-Jährigen in den USA durchaus eine nationale Katastrophe sein kann und das in 2008 in der BRddr Erstgeborene einer 14-Jährigen wohl nur eine erste nationale Maßnahme zur bundesdeutschen Demographieverbesserung sein wird.
Aber selbst mir als Ausländer im Linksrheinischen ist rasch klargeworden, dass der öffentliche Wangenkuss eines Franzosen zu den guten Umgangsformen des „faire la bise” gehört.
Und das gilt auch für einen von ungarischen Migranten abstammenden französischen Staatspräsidenten, selbst dann, wenn er sich weiterhin beharrlich weigert vor der Bundesangela auf die Knie zu fallen und ihr die Hand zu küssen. Dafür hat der Präsident mein vollstes Verständnis. Wenig Verständnis gibt es aber darüber, dass deutsche Medien so gerne aus französischen Medien zitieren, während sich diese mehr über die bundesdeutsche Aufregung und Behauptung wundern, dass „alle Franzosen“ mit dem Latin-Lover Präsidenten unzufrieden sind, während „alle Deutschen“ mit der moppeligen Bundesangela rundum und vollauf glücklich scheinen.

Ach ja, da war ja noch die Meldung, dass der aus dem Leben geschossene „JJ1“, bekannt als „Bruno der Bär“, nun in ausgestopftem Zustand im Münchner Museum für Mensch und Natur bewundert werden darf, während sein weißhaariges Gegenstück „Ede“, bekannt als der Stoibär nach Brüssel gerufen wurde, um dort die Bürokratie zu bekämpfen.
Im Interesse der Sache wäre es sicher besser gewesen, den aus dem Amt geschossenen „Stoibär“ ausgestopft ins Museum zu stellen, während „Bruno Braunbär“ zwecks Bürokratieabbau in Brüssel jeden Tag einen Beamten oder Politiker gefressen hätte.

Eine schöne Bescherung, die da angerichtet wurde.

Machopan
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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 6. Januar 2008 um 15:45:22 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Alltag, Persönliches | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

5 Antworten zu “Schöne Bescherung”

  1. Fred Sky meint:

    Als Fazit Deines Beitrages inspirieren mich Wörter wie “Krähe” und “Nährboden”. Wenn sich Krähen ungehindert vermehren können und dem Bauer die Existenz gefährden, indem sie bereits die Saat vertilgen, griff der zur Flinte und hängte ein paar von denen kopfüber an einen Stock auf dem Feld. Ein wirkunsvoller Brauch. Wie machen das die Franzosen?

  2. otti meint:

    Welcome back …

    zur, wenn auch etwas verspäteten und hier ohne Hintergedanken positiv zu deutenden, schönen Bescherung in Form Ihrer Anmerkungen zu bundesangelikalen Befindlichkeiten deutschen bzw. teuschen Unwesens im weitgehend gleichgeschalteten obrigkeits- und erst recht machthörigen Mediensumpf in „diesem unserem Vaterland (Augenaufschlag ab, auf)’, dessen Vereiniger mal mit dem Anspruch der geitig-moralischen Wende antrat und in einem zur Frage der Ehre stilisierten Vorgang vom Ehrenvorsitz seiner Partei zurückgetreten ist. Ehre, wem Ehre gebührt – keine Frage. Nur, wo ist dabei die Ehre geblieben? Und die Moral von der „Gechichte“? Vielleicht die, dass wenige noch wenigeren viel, zu viel geben, und deshalb viele, zu viele ihr Leben lang in die Röhre schauen, weil denen bestenfalls die Macht über den Ausschaltknopf der Glotze bleibt.
    In der Tat kann es als erlösend empfunden werden, von, halbstündlich medial abgenudelten, dumpfbackigen Vorschlägen wahlkämpfender Politiker verschont zu bleiben. Die geistigen Tiefschläge solcher Leute, die, wie immer in Teuschland, in der Forderung nach einer Strafverschärfung ihren absoluten Tiefpunkt erreicht, zeigt das ganze Elend politisch verlogener Auseinandersetzung. Eine gestylte Frisur oder eine dicke Lippe und auch ein gepflegter Bart sind leider noch lange kein Ersatz für eine Politik der allseits propagierten Mitte, von der bisher höchstens Dümmlich-Dickliches haften bleibt.
    Eine Politik der Mitte ist eine Politik für die Bürger und nicht, wie hierzulande üblich, eine Politik gegen die Bürger.
    Nicht die Bürger sind es, die die grundgesetzliche Ordnung gefährden, dafür sorgen die Machthaber in ihrem Größenwahn auf viel zu vielen Ebenen schon selbst. Als (Guts-)verwalter des Gemeinwesens wurden sie bestellt und gewählt, als unumschränkt herrschende Gutsherren spielen sie sich auf, selbst als einfache Knechte oder Mägde sind sie noch eine totale Fehlbesetzung.
    Wir hier genießen auch unser Baguette (gut), haben die Politik gefressen (zum Kotzen) und machen zum Schluss das obligate Häufchen oder Kreuzchen zu Du-bist-Teuschland.
    Licht aus!
    Jawoll, zu Befehl.
    Schnarchland, magst ruhig bleiben?

  3. zdago meint:

    @während „alle Deutschen“ mit der moppeligen Bundesangela rundum und vollauf glücklich scheinen.

    Mit der Betonung auf “scheinen”.
    mfg zdago

  4. lupus meint:

    die franzosen haben nie vergessen, was ” napoleon ”
    einst mit den adel getan hat, solch einen ” napoleon
    stände uns auch gut.

  5. Machopan meint:

    Vor Napoleon war die Revolution und die Entstehung des BÜRGERHEERES.
    Ach ja, da war dann auch noch die Guillotine, mit der viele “Feinde der Revolution” ihren Kopf verloren haben.
    So ein Ding lässt sich ganz einfach bauen, sogar viel einfacher als eine Bombe.
    Guckst du hier :-)

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