Wie lange?

13. Februar 2008 05:45

Lieber Freund

Wie lange brauchen eigentlich Menschen um den Entschluss zu fassen ihr Heimatland zu verlassen?
Wie lange brauchen wohl solche Emigranten um wirtschaftlich und sozial im Ausland Fuß zu fassen?
Wie lange brauchen diese Immigranten um auch mental, intellektuell und kulturell in dem von ihnen selbst gewählten Gastland anzukommen?
Und wie lange brauchen solche Gäste um sich als vollwertige Mitglieder in die Gesellschaftsordnung des Gastlandes einzupassen und dessen Wertevorstellungen nicht nur zu akzeptieren sondern auch zu leben?

Schwierige Fragen, die man sicher nicht in Kürze und pauschal beantworten kann.
Sicher ist jedoch, dass die Migration eine erhebliche Veränderung im Leben eines Menschen bedeutet und bis auf wenige Ausnahmen nicht aus reiner Abenteuerlust geschieht, sondern die Gründe in den politischen, sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen des Heimatlandes zu suchen und zu finden sind, denen der Emigrant/Flüchtling/Vertriebene zu entkommen sucht.
Emigration hat daher immer zwei wesentlich Aspekte. Zum Einen die Situation im Heimatland, der der Emigrant ausweicht und die Situation im Gastland, in der sich der Immigrant einpassen muss um nicht vom Regen in die Traufe zu kommen.

Besonders schwierig ist das sicher in einem Gastland, dessen Sprache man nicht spricht, dessen Kultur man nicht kennt und dessen gesellschaftliche Strukturen man nicht versteht.
Auch der Bedeutung von Religion, Tradition und Mentalität im gastgebenden Land sollte man sich mindestens ebenso bewusst sein wie seiner eigenen.
Und last but not least, ist es sicher nicht ganz einfach, in einem dichtbevölkerten Land mit 230 Einwohner pro Quadratkilometer noch ein freies Plätzchen zu finden, ohne einem „Einheimischen“ auf die Füße zu treten oder ihn gar aus Wohnung und/oder Arbeitsplatz zu verdrängen.
Die Beachtung dieser Punkte ist für einen „Zugereisten“ oder „Zugewanderten“ (nicht nur anfangs) extrem hilfreich und hilft (unnötigen) Ärger mit den „Einheimischen“ zu vermeiden, die zudem als „Staatsbürger“ des Gastlandes (zu Recht?!) über mehr Rechte (und Pflichten) verfügen als immigrierte „Nicht-Staatsbürger“.

Wie lange der steinige Weg vom „immigrierten Nicht-Staatsbürger“ zum „integrierten Staatsbürger“ in der Bundesrepublik Deutschland dauert?
Eine schwierige Frage und die Antwort hängt sicher davon ab, wem man diese Frage stellt.
Politiker antworten je nach Tagesform, Parteibuch, aktueller Berichterstattung in den Medien und damit einhergehender Stimmung in der „Bevölkerung“.
Wirtschaftsbossen ist die „staatsbürgerliche Integration“ von Immigranten meist völlig gleichgültig, Hauptsache die für Produktion und Konsum benötigte Humanbiomasse ist willig, billig, mobil und motiviert.

Befragt man die „Bevölkerung“ so gibt es ein breites Spektrum von Meinungen mit vielen Wenns und Abers, genährt aus einem bunten Gemisch aus Wissen und Unwissen, Eingetrichtertem und Selbstgedachtem, Erlebtem und Gehörtem, Emotionen und Gleichgültigkeit und über allem aber liegt der kleine Unterschied zwischen Wort und Gedanke, Theorie und Praxis und die Beurteilung der eigenen Lage.
Und unweigerlich kommen die Gegenfragen.
Wie lange soll denn noch zugewandert werden?
Wie lange wollen diese „Ausländer“ denn noch hier bleiben?
Wie lange soll das noch so weitergehen?
Wie lange noch können Ausländer hier tun und lassen was sie wollen?
Wie lange sollen wir uns noch alles gefallen lassen?
Wie lange dauert es noch, bis ausländische Straftäter endlich dauerhaft des Landes verwiesen werden?
Und wie lange sollen denn die Diskussionen um Kopftücher, Moscheen, die Sprache in den Kindergärten, die Teilnahme am Religions- und Sportunterricht, mangelnde Sprachkenntnisse, gewalttätige Jugendliche, Bildungsnachteile und die Rechte von Ausländern eigentlich noch dauern?
Wie lange noch wollen wir Menschen, die nicht in unserem Land und unserer Gesellschaft ankommen wollen, noch daran hindern sich endlich auf die Heim- oder Weiterreise zu begeben?
Wie lange brauchen eigentlich Menschen, um den Entschluss zu fassen ihr ach so ungastliches und garstiges Gastland wieder zu verlassen?
Wie lange noch?

Schwierige Fragen, die man sicher nicht in Kürze und pauschal beantworten kann.

Interessant ist natürlich auch die Fragestellung, wie lange in den Heimatländern der Immigranten noch politische, soziale und wirtschaftliche Verhältnisse bestehen, die einer Rückwanderung grundsätzlich entgegen stehen.
Eine gute Gelegenheit bot sich, als der türkische Ministerpräsident Erdogan dieser Tage in Deutschland weilte und bei einer Art Volksversammlung in der bis auf den letzten Platz gefüllten Kölnarena zu „seinen Landsleuten“ sprach. Er hatte eine eindeutige Botschaft mitgebracht: „Ihr lebt zwar in Deutschland, aber ihr seid Türken, ich bin euer Ministerpräsident und niemand darf euch zur „Assimilation“ zwingen.“
Offen blieb allerdings, wo denn die Grenze zwischen „aufgezwungener Assimilation“ und „notwendiger Integration“ aus türkischer Sicht verlaufe.
Schon im Vorfeld forderte Erdogan „mehr türkischsprachige Lehrer und Bildungseinrichtungen für seine Landsleute in Deutschland. Die Bundesregierung solle darin kein Problem sehen“.

Nun ist ja hinlänglich bekannt, dass die diversen Bundesregierungen kaum eines der durch Migration entstehenden Probleme vorhergesehen haben und lange Zeit auch gar nicht vorhersehen und erkennen wollten. Erst als das Rumoren von unten aus dem „Volke“ nicht mehr zu ignorieren war und sich daraus gewisse politischen Spielräume für die eigene politische Gesinnung ableiten ließen, wurde das Thema aufgriffen.
Unter diesem Gesichtspunkt darf man getrost auch die „Bildungsvorschläge“ des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan für seine unzufriedenen Landsleute in der türkischen Kolonie auf bundesdeutschen Boden sehen, denn diese Türken haben bereits einen Brückenkopf in das bevölkerungsreichste Land der Europäischen Union geschlagen und da möchte ja auch die ganze Türkei hin. Da bietet es sich doch geradezu an, die heimische Schutzmacht für die Auslandstürken zu spielen und Rückendeckung für all jene zu geben, die dem eigenen Land aus Unzufriedenheit zwar schon vor langer Zeit den Rücken gekehrt haben, aber mental, kulturell und sprachlich zu Hause geblieben sind und vom Gastland immer mehr Toleranz für die Erhaltung ihrer alten Traditionen und Prinzipien einfordern.

Nicht vergessen darf man auch, dass sachdienlicher Populismus dem türkischen Ministerpräsidenten Tayyip Erdoğan ebenso zu eigen ist, wie dem hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch. Vor allem dann, wenn er der eigenen Sache dient.
Im Gegensatz zu Roland Koch ist Tayyip Erdogan jedoch wegen derartiger Sprüche bereits vorbestraft, denn im Jahr 1998 wurde er in der Türkei wegen Volksverhetzung zu zehn Monaten Haft und lebenslangem Politikverbot verurteilt. (So mancher Deutsche wünschte sich hier türkische Verhältnisse).
Grund für die Verurteilung war eine Rede, in der Erdogan aus einem Gedicht zitiert hatte:
Die Demokratie ist nur der Zug, auf den wir aufsteigen, bis wir am Ziel sind. Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Bajonette, die Kuppeln unsere Helme und die Gläubigen unsere Soldaten“.

Da ist es sicher vorteilhaft, wenn die Gläubigen ein ordentliches Türkisch sprechen, so türkisch und muslimisch wie möglich bleiben, jede Menge Moscheen gebaut werden und viele Minarette in den Himmel ragen und die Demokratie vom Gastland zur Verfügung gestellt wird.

Wie lange braucht eigentlich ein Wolf um aus dem Schafspelz zu schlüpfen?

Machopan
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4 Antworten zu “Wie lange?”

  1. Minotaurus meint:

    Machopan schrieb:
    “im Jahr 1998 wurde er in der Türkei wegen Volksverhetzung zu zehn Monaten Haft und lebenslangem Politikverbot verurteilt. (So mancher Deutsche wünschte sich hier türkische Verhältnisse).”
    O ja! Wenn ich dabei bedenke, daß dabei von dem amtierenden Ministerpräsidenten die Rede ist, so kann ich dieses Ansinnen nur unterstützen.
    Aber mal ganz ehrlich: Haben wir denn nicht schon längst diese “türkischen Verhältnisse?”
    Ganz spomtan muß ich dabei an einen ehemaligen Bayrischen Innenminister mit dem liebevollen, aber bezeichnenden Spitznamen “Old Schwurhand” denken, aber auch ein weiterer Innenminister auf Bundesebene würde mir zu diesem Thema “Meineid” einfallen.
    Der Eine hat einen Arzt gefunden, der ihm “Unterzuckerung” zum Zeitpunkt seines Meineides (Spielbankenaffäre) bescheinigt hat, der Andere leidet an massiven Erinnerungslücken (CDU-Parteispendenaffäre), was aber keinen von den beiden Politgestalten hinderte, weiterhin im Amt zu bleiben.
    Türkische Verhältnisse? Ja, bitte!
    Was das andere Problem betrifft: Die Türkei wäre bereit, für Bildungseinrichtungen in Deutschland eigens geschultes türkisches Lehrpersonal zur Verfügung zu stellen. «Es wäre ein Fehler, dies zu verhindern», sagte der Regierungschef. Er verwies darauf, dass es in der Türkei deutsche Schulen gebe, in denen in deutscher Sprache unterrichtet werde.
    Der “Hosenanzug” Merkel aber war gegen eine Entsendung türkischer Lehrer mit folgender Begründung:

    Bundeskanzlerin Merkel sagte, die Arbeit türkischer Lehrer an deutschen Schulen stelle sie sich «schwierig vor». Etwas anderes sei der Einsatz von Sozialpädagogen, die sich speziell um Migrantenkinder kümmern könnten. Sie habe Schwierigkeiten mit der Entsendung türkischer Lehrer nach Deutschland, sagte sie. Allerdings befürwortete Merkel den verstärkten Einsatz von Lehrern mit türkischem Migrationshintergrund.
    Der CSU-Vorsitzende Erwin Huber hat den Vorstoß des türkischen Ministerpräsidenten als «Gift für die Integration» bezeichnet. Dies führe «zu Ghettos und zu einer Klein-Türkei in Deutschland», sagte Huber der «Bild am Sonntag».

    Nun, ich mag diesen Huber und seine Drei-Lügen-Partei nicht so besonders, aber bei diesem Thema kann ich ihm gut zustimmen.
    Anstatt türkische Lehrer nach Deutschland zu schicken (wer bezahlt die?), sollten wir lieber deutsche Lehrer in die Türkei schicken.
    Damit könnte man mindestens zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen:
    Die Lehrerschwemme in Deutschland könnte erfolgreich abgebaut werden und türkische Kinder könnten in ihrem Heimatland richtig Deutsch lernen, BEVOR sie zu uns kommen. Selbstverständlich aber erst NACH einer erfolgreichen Prüfung ihrer Deutschkenntnisse.

    Wenn man dann noch die Einreisebehörden für diejenigen Türken, die Deutschland so sehr lieben, daß sie gerne dort leben möchten, ebenfalls in diese türkischen Schulen verlegen würde, könnte man sogar noch das Problem der vielen Deutsch-Türken mit “Migrationshintergrund” erfolgreich eindämmen, denn die Durchfallquote dürfte bei schätzungsweise 95% liegen.
    Sogar die vermeintliche Ausländerfeindlichkeit der Deutschen könnte damit erfolgreich bekämpft werden, weil diese restlichen 5% der Einwanderer dann nicht mehr als Ausländer identifiziert werden könnten.
    Viele wunderbare Möglichkeiten also, ich mag gar nicht weiter darüber nachdenken, denn mir wird jetzt schon ganz schwindlig.

    Mich wundert nur, warum die Trippelmaid aus der Uckermark nicht SELBST auf diese geniale Idee gekommen ist, immerhin werde nicht ich, sondern sie vom deutschen Volk dafür bezahlt.

    Geniale Grüße vom Mino.

  2. Lazarus meint:

    Die Antwort auf die letzte Frage haben die optimistischen Demographen doch schon gegeben : ab 2030 gibt es voraussichtlich stabile (inverse)Verhältnisse. Ob dann auch gleich noch die auf diesem Lande ewig währende Sühne getilgt ist - man darf gespannt sein .

  3. otti meint:

    Wenn die Schariah hier für Muslime über dem GehGeh (GG) steht und letztendlich auch für uns Christen gilt, dann ist es soweit, dann bekommen wir alle den Wolf (ohne Schafspelz), dann wandern wir aus - in’s Morgenland.

  4. Karl-Heinz meint:

    Ja, wenn es nun die Türken genauso machen, wie die Deutschen mit den Wenden/Sorben? - noch vor 200 Jahren spach man auf den Dörfern um Berlin usw. nicht die Sprache der deutschen Zuwanderer!
    Also auf die Sprache allein kommt es nun wirklich nicht an, bes. wenn man beide spricht. Besser wäre es, die deutsche Staatsbürgerschaft ´mal begrifflich zu entschlacken!

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13. Februar 2008 05:45

Lieber Freund

Wie lange brauchen eigentlich Menschen um den Entschluss zu fassen ihr Heimatland zu verlassen?
Wie lange brauchen wohl solche Emigranten um wirtschaftlich und sozial im Ausland Fuß zu fassen?
Wie lange brauchen diese Immigranten um auch mental, intellektuell und kulturell in dem von ihnen selbst gewählten Gastland anzukommen?
Und wie lange brauchen solche Gäste um sich als vollwertige Mitglieder in die Gesellschaftsordnung des Gastlandes einzupassen und dessen Wertevorstellungen nicht nur zu akzeptieren sondern auch zu leben?

Schwierige Fragen, die man sicher nicht in Kürze und pauschal beantworten kann.
Sicher ist jedoch, dass die Migration eine erhebliche Veränderung im Leben eines Menschen bedeutet und bis auf wenige Ausnahmen nicht aus reiner Abenteuerlust geschieht, sondern die Gründe in den politischen, sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen des Heimatlandes zu suchen und zu finden sind, denen der Emigrant/Flüchtling/Vertriebene zu entkommen sucht.
Emigration hat daher immer zwei wesentlich Aspekte. Zum Einen die Situation im Heimatland, der der Emigrant ausweicht und die Situation im Gastland, in der sich der Immigrant einpassen muss um nicht vom Regen in die Traufe zu kommen.

Besonders schwierig ist das sicher in einem Gastland, dessen Sprache man nicht spricht, dessen Kultur man nicht kennt und dessen gesellschaftliche Strukturen man nicht versteht.
Auch der Bedeutung von Religion, Tradition und Mentalität im gastgebenden Land sollte man sich mindestens ebenso bewusst sein wie seiner eigenen.
Und last but not least, ist es sicher nicht ganz einfach, in einem dichtbevölkerten Land mit 230 Einwohner pro Quadratkilometer noch ein freies Plätzchen zu finden, ohne einem „Einheimischen“ auf die Füße zu treten oder ihn gar aus Wohnung und/oder Arbeitsplatz zu verdrängen.
Die Beachtung dieser Punkte ist für einen „Zugereisten“ oder „Zugewanderten“ (nicht nur anfangs) extrem hilfreich und hilft (unnötigen) Ärger mit den „Einheimischen“ zu vermeiden, die zudem als „Staatsbürger“ des Gastlandes (zu Recht?!) über mehr Rechte (und Pflichten) verfügen als immigrierte „Nicht-Staatsbürger“.

Wie lange der steinige Weg vom „immigrierten Nicht-Staatsbürger“ zum „integrierten Staatsbürger“ in der Bundesrepublik Deutschland dauert?
Eine schwierige Frage und die Antwort hängt sicher davon ab, wem man diese Frage stellt.
Politiker antworten je nach Tagesform, Parteibuch, aktueller Berichterstattung in den Medien und damit einhergehender Stimmung in der „Bevölkerung“.
Wirtschaftsbossen ist die „staatsbürgerliche Integration“ von Immigranten meist völlig gleichgültig, Hauptsache die für Produktion und Konsum benötigte Humanbiomasse ist willig, billig, mobil und motiviert.

Befragt man die „Bevölkerung“ so gibt es ein breites Spektrum von Meinungen mit vielen Wenns und Abers, genährt aus einem bunten Gemisch aus Wissen und Unwissen, Eingetrichtertem und Selbstgedachtem, Erlebtem und Gehörtem, Emotionen und Gleichgültigkeit und über allem aber liegt der kleine Unterschied zwischen Wort und Gedanke, Theorie und Praxis und die Beurteilung der eigenen Lage.
Und unweigerlich kommen die Gegenfragen.
Wie lange soll denn noch zugewandert werden?
Wie lange wollen diese „Ausländer“ denn noch hier bleiben?
Wie lange soll das noch so weitergehen?
Wie lange noch können Ausländer hier tun und lassen was sie wollen?
Wie lange sollen wir uns noch alles gefallen lassen?
Wie lange dauert es noch, bis ausländische Straftäter endlich dauerhaft des Landes verwiesen werden?
Und wie lange sollen denn die Diskussionen um Kopftücher, Moscheen, die Sprache in den Kindergärten, die Teilnahme am Religions- und Sportunterricht, mangelnde Sprachkenntnisse, gewalttätige Jugendliche, Bildungsnachteile und die Rechte von Ausländern eigentlich noch dauern?
Wie lange noch wollen wir Menschen, die nicht in unserem Land und unserer Gesellschaft ankommen wollen, noch daran hindern sich endlich auf die Heim- oder Weiterreise zu begeben?
Wie lange brauchen eigentlich Menschen, um den Entschluss zu fassen ihr ach so ungastliches und garstiges Gastland wieder zu verlassen?
Wie lange noch?

Schwierige Fragen, die man sicher nicht in Kürze und pauschal beantworten kann.

Interessant ist natürlich auch die Fragestellung, wie lange in den Heimatländern der Immigranten noch politische, soziale und wirtschaftliche Verhältnisse bestehen, die einer Rückwanderung grundsätzlich entgegen stehen.
Eine gute Gelegenheit bot sich, als der türkische Ministerpräsident Erdogan dieser Tage in Deutschland weilte und bei einer Art Volksversammlung in der bis auf den letzten Platz gefüllten Kölnarena zu „seinen Landsleuten“ sprach. Er hatte eine eindeutige Botschaft mitgebracht: „Ihr lebt zwar in Deutschland, aber ihr seid Türken, ich bin euer Ministerpräsident und niemand darf euch zur „Assimilation“ zwingen.“
Offen blieb allerdings, wo denn die Grenze zwischen „aufgezwungener Assimilation“ und „notwendiger Integration“ aus türkischer Sicht verlaufe.
Schon im Vorfeld forderte Erdogan „mehr türkischsprachige Lehrer und Bildungseinrichtungen für seine Landsleute in Deutschland. Die Bundesregierung solle darin kein Problem sehen“.

Nun ist ja hinlänglich bekannt, dass die diversen Bundesregierungen kaum eines der durch Migration entstehenden Probleme vorhergesehen haben und lange Zeit auch gar nicht vorhersehen und erkennen wollten. Erst als das Rumoren von unten aus dem „Volke“ nicht mehr zu ignorieren war und sich daraus gewisse politischen Spielräume für die eigene politische Gesinnung ableiten ließen, wurde das Thema aufgriffen.
Unter diesem Gesichtspunkt darf man getrost auch die „Bildungsvorschläge“ des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan für seine unzufriedenen Landsleute in der türkischen Kolonie auf bundesdeutschen Boden sehen, denn diese Türken haben bereits einen Brückenkopf in das bevölkerungsreichste Land der Europäischen Union geschlagen und da möchte ja auch die ganze Türkei hin. Da bietet es sich doch geradezu an, die heimische Schutzmacht für die Auslandstürken zu spielen und Rückendeckung für all jene zu geben, die dem eigenen Land aus Unzufriedenheit zwar schon vor langer Zeit den Rücken gekehrt haben, aber mental, kulturell und sprachlich zu Hause geblieben sind und vom Gastland immer mehr Toleranz für die Erhaltung ihrer alten Traditionen und Prinzipien einfordern.

Nicht vergessen darf man auch, dass sachdienlicher Populismus dem türkischen Ministerpräsidenten Tayyip Erdoğan ebenso zu eigen ist, wie dem hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch. Vor allem dann, wenn er der eigenen Sache dient.
Im Gegensatz zu Roland Koch ist Tayyip Erdogan jedoch wegen derartiger Sprüche bereits vorbestraft, denn im Jahr 1998 wurde er in der Türkei wegen Volksverhetzung zu zehn Monaten Haft und lebenslangem Politikverbot verurteilt. (So mancher Deutsche wünschte sich hier türkische Verhältnisse).
Grund für die Verurteilung war eine Rede, in der Erdogan aus einem Gedicht zitiert hatte:
Die Demokratie ist nur der Zug, auf den wir aufsteigen, bis wir am Ziel sind. Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Bajonette, die Kuppeln unsere Helme und die Gläubigen unsere Soldaten“.

Da ist es sicher vorteilhaft, wenn die Gläubigen ein ordentliches Türkisch sprechen, so türkisch und muslimisch wie möglich bleiben, jede Menge Moscheen gebaut werden und viele Minarette in den Himmel ragen und die Demokratie vom Gastland zur Verfügung gestellt wird.

Wie lange braucht eigentlich ein Wolf um aus dem Schafspelz zu schlüpfen?

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 13. Februar 2008 um 05:45:42 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik, Gesellschaft | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

4 Antworten zu “Wie lange?”

  1. Minotaurus meint:

    Machopan schrieb:
    “im Jahr 1998 wurde er in der Türkei wegen Volksverhetzung zu zehn Monaten Haft und lebenslangem Politikverbot verurteilt. (So mancher Deutsche wünschte sich hier türkische Verhältnisse).”
    O ja! Wenn ich dabei bedenke, daß dabei von dem amtierenden Ministerpräsidenten die Rede ist, so kann ich dieses Ansinnen nur unterstützen.
    Aber mal ganz ehrlich: Haben wir denn nicht schon längst diese “türkischen Verhältnisse?”
    Ganz spomtan muß ich dabei an einen ehemaligen Bayrischen Innenminister mit dem liebevollen, aber bezeichnenden Spitznamen “Old Schwurhand” denken, aber auch ein weiterer Innenminister auf Bundesebene würde mir zu diesem Thema “Meineid” einfallen.
    Der Eine hat einen Arzt gefunden, der ihm “Unterzuckerung” zum Zeitpunkt seines Meineides (Spielbankenaffäre) bescheinigt hat, der Andere leidet an massiven Erinnerungslücken (CDU-Parteispendenaffäre), was aber keinen von den beiden Politgestalten hinderte, weiterhin im Amt zu bleiben.
    Türkische Verhältnisse? Ja, bitte!
    Was das andere Problem betrifft: Die Türkei wäre bereit, für Bildungseinrichtungen in Deutschland eigens geschultes türkisches Lehrpersonal zur Verfügung zu stellen. «Es wäre ein Fehler, dies zu verhindern», sagte der Regierungschef. Er verwies darauf, dass es in der Türkei deutsche Schulen gebe, in denen in deutscher Sprache unterrichtet werde.
    Der “Hosenanzug” Merkel aber war gegen eine Entsendung türkischer Lehrer mit folgender Begründung:

    Bundeskanzlerin Merkel sagte, die Arbeit türkischer Lehrer an deutschen Schulen stelle sie sich «schwierig vor». Etwas anderes sei der Einsatz von Sozialpädagogen, die sich speziell um Migrantenkinder kümmern könnten. Sie habe Schwierigkeiten mit der Entsendung türkischer Lehrer nach Deutschland, sagte sie. Allerdings befürwortete Merkel den verstärkten Einsatz von Lehrern mit türkischem Migrationshintergrund.
    Der CSU-Vorsitzende Erwin Huber hat den Vorstoß des türkischen Ministerpräsidenten als «Gift für die Integration» bezeichnet. Dies führe «zu Ghettos und zu einer Klein-Türkei in Deutschland», sagte Huber der «Bild am Sonntag».

    Nun, ich mag diesen Huber und seine Drei-Lügen-Partei nicht so besonders, aber bei diesem Thema kann ich ihm gut zustimmen.
    Anstatt türkische Lehrer nach Deutschland zu schicken (wer bezahlt die?), sollten wir lieber deutsche Lehrer in die Türkei schicken.
    Damit könnte man mindestens zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen:
    Die Lehrerschwemme in Deutschland könnte erfolgreich abgebaut werden und türkische Kinder könnten in ihrem Heimatland richtig Deutsch lernen, BEVOR sie zu uns kommen. Selbstverständlich aber erst NACH einer erfolgreichen Prüfung ihrer Deutschkenntnisse.

    Wenn man dann noch die Einreisebehörden für diejenigen Türken, die Deutschland so sehr lieben, daß sie gerne dort leben möchten, ebenfalls in diese türkischen Schulen verlegen würde, könnte man sogar noch das Problem der vielen Deutsch-Türken mit “Migrationshintergrund” erfolgreich eindämmen, denn die Durchfallquote dürfte bei schätzungsweise 95% liegen.
    Sogar die vermeintliche Ausländerfeindlichkeit der Deutschen könnte damit erfolgreich bekämpft werden, weil diese restlichen 5% der Einwanderer dann nicht mehr als Ausländer identifiziert werden könnten.
    Viele wunderbare Möglichkeiten also, ich mag gar nicht weiter darüber nachdenken, denn mir wird jetzt schon ganz schwindlig.

    Mich wundert nur, warum die Trippelmaid aus der Uckermark nicht SELBST auf diese geniale Idee gekommen ist, immerhin werde nicht ich, sondern sie vom deutschen Volk dafür bezahlt.

    Geniale Grüße vom Mino.

  2. Lazarus meint:

    Die Antwort auf die letzte Frage haben die optimistischen Demographen doch schon gegeben : ab 2030 gibt es voraussichtlich stabile (inverse)Verhältnisse. Ob dann auch gleich noch die auf diesem Lande ewig währende Sühne getilgt ist - man darf gespannt sein .

  3. otti meint:

    Wenn die Schariah hier für Muslime über dem GehGeh (GG) steht und letztendlich auch für uns Christen gilt, dann ist es soweit, dann bekommen wir alle den Wolf (ohne Schafspelz), dann wandern wir aus - in’s Morgenland.

  4. Karl-Heinz meint:

    Ja, wenn es nun die Türken genauso machen, wie die Deutschen mit den Wenden/Sorben? - noch vor 200 Jahren spach man auf den Dörfern um Berlin usw. nicht die Sprache der deutschen Zuwanderer!
    Also auf die Sprache allein kommt es nun wirklich nicht an, bes. wenn man beide spricht. Besser wäre es, die deutsche Staatsbürgerschaft ´mal begrifflich zu entschlacken!

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