Rechtsradikaler Hintergrund

5. Mai 2006 05:45

Nimmt man sich die Zeit und liest sich zu nachtschlafender Zeit durch die im Internet verfügbaren Medienprodukte, dann gewinnt man den Eindruck, dass der eigentliche Auftrag der Medien, als vierte Gewalt im Staate (neben Legislative, Exekutive und Judikative), zunehmend in den Hintergrund geraten ist und über Ereignisse nicht mehr sachlich „berichtet“ sondern primär wirtschaftliche und politische Interessen vertreten werden.

Über Begriffe wie „Medienmanipulation“ und „Stimmungsdemokratie“ ist schon viel geschrieben worden. Leider geraten diese Begriffe im täglichen Leben der Medienkonsumenten aus dem Bewusstsein und in den Hintergrund.
Bei Wikipedia ist zum Thema „Stimmungsdemokratie“ bzw. „Aufregungsdemokratie“ zu lesen, dass „große Teile der Bevölkerung leichter und schneller als früher bereit seien, ihre Überzeugung oder Meinung zu bestimmten, insbesondere politischen Fragen zu ändern, wenn die allgemeine Stimmung sich ändere. Diese allgemeine Stimmung werde insbesondere beeinflusst durch die Massenmedien, die in ihnen gerade vorherrschenden Themen und deren Bewertung.

Nun lässt sicher nicht nur die Monopolisierung der Medien und der allgemeine Trend zum Mainstreaming sondern auch die wirtschaftliche Kontrolle der politischen Parteien über die Medien Besorgnis an der Eigenständigkeit dieser „vierten Gewalt“ im Staate aufkommen.

Wir hören und lesen zwar in den Medien über den Medienbaron „Berlusconi“ in Italien, kommen aber nicht auf die Idee, dass in der Bundesrepublik Deutschland die Verhältnisse „ähnlich“ sein könnten und die Medien gezielt zur Stimmungsmache unter der Bevölkerung eingesetzt werden (könnten).

Ein schönes Beispiel erleben wir derzeit mit der Berichterstattung über „rechtsradikale Hintergründe“ bei Straftaten.
Da berichtet der Spiegel am 28. April 2006 in einem sehr ausführlichen Artikel darüber, dass „vor sechs Jahren in Halberstadt Helmut Sackers von einem Nachbarn erstochen wurde, der regelmäßig rechtsradikale Musik hörte.

81 CD’s mit rechtsradikaler Musik habe die Polizei in der Wohnung des Täters gefunden und das bleibt, selbst nach mehrmaligem Durchlesen des Artikels, auch der einzige Bezug zu möglichen rechtsradikalen Hintergründen der Tat. Ohne diesen Bezug scheint es sich um eine ganz „normale“ Streitigkeit mit tödlichem Ausgang unter Wohnungsnachbarn zu handeln. Diese Meinung vertrat auch das Landgericht, das den „Täter“ im Jahr 2005 zum zweiten Mal freisprach.
Jetzt muss man sich doch, zumindest als aufmerksamer Leser fragen, warum der Spiegel ausgerechnet jetzt diese Geschichte mit „rechtsradikalem“ Hintergrund und in so ausführlicher Form „unters Volk“ bringt.
Doch nicht etwa weil es derzeit gut in die „Stimmungs- und Aufregungsdemokratie“ im Lande passt?

Diese Stimmung, die durch den „rechtsradikalen Übergriff“ auf einen 37-jährigen Familienvater in Potsdam erzeugt und von der Mainstreampresse nachhaltig gehegt und gepflegt wurde.
Bis heute sind die Ermittlungsbehörden den Nachweis eines „rechtsradikalen Hintergrundes“ schuldig geblieben.
Erst jetzt tauchen in den Medien vereinzelt Berichte auf, die eine andere Darstellung der Ereignisse schildern.
So schreibt die „Kölnische Rundschau“ am 28. April 2006:
Der Übergriff vom Ostersonntag auf den dunkelhäutigen Deutschen war fraglos brutal. Doch es scheint, dass der Wasserbau-Ingenieur seine Angreifer zuvor verbal oder handgreiflich herausgefordert hat. So zitiert die “Berliner Morgenpost” Zeugen, die gesehen hätten, wie der stark alkoholisierte 37-Jährige einem von zwei vorbeigehenden Männern nach einem kurzen Gespräch einen Tritt ins Gesäß verpasst habe. Daraufhin habe einer der beiden Männer zugeschlagen. Zuvor hatten Zeitungen berichtet, dass der Familienvater die Täter mit “Schweine” provoziert habe. Veikko Bartel, der Anwalt von einem der beiden wegen versuchten Mordes inhaftierten Verdächtigen, wollte zu Details aus den Akten zwar nichts sagen, erklärte aber: “Nach den in der Ermittlungsakte befindlichen Beweismitteln, insbesondere Zeugenaussagen sowie der Auswertung des Mailbox-Mitschnittes stellt sich das Geschehen gänzlich anders dar, als bislang von den Ermittlungsbehörden der Öffentlichkeit mitgeteilt.”

Am Dienstag nach Ostern wurde dann in Wismar ein Togolese niedergeschlagen und der Spiegel berichtet darüber:
«”ÜBERFALL IN WISMAR - “Die haben den verprügelt, weil er’n Neger ist
Offiziell ist noch ungewiss, ob Ausländerhass das Motiv war. Engagierte Bürger wissen allerdings: Auch in der Hansestadt sind Rechtsextreme auf dem Vormarsch.
Was ist passiert, am Dienstagabend, gegen 22.45 Uhr? Den Ermittlungen zufolge sollen drei Männer im Alter von 19, 23 und 24 Jahren den Togoer zunächst umstellt, zu Boden gestoßen, geschlagen und getreten haben. Die beiden älteren Tatverdächtigen wurden nur kurze Zeit später von der Polizei an einer Würstchenbude 50 Meter vom Tatort entfernt gefasst. Nach Informationen der “Ostsee-Zeitung” hatte ein 36-jähriger Zeuge die Verdächtigen mit dem Fahrrad verfolgt und die Beamten per Handy zu ihnen gelotst. Gegen die beiden Männer aus dem Landkreis Nordwestmecklenburg wurde Haftbefehl erlassen.
Der dritte mutmaßliche Täter, ein 19-Jähriger aus Wismar, wurde wenig später festgenommen, er sollte heute dem Haftrichter vorgeführt werden. Ob auch gegen ihn Haftbefehl erlassen wurde, konnte Staatsanwalt Pick bislang nicht bestätigen. Der 23- und der 24-Jährige waren am Dienstagabend stark betrunken, 1,85 und 1,65 Promille ergaben die Atemalkoholtests. Dass Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Gottfried Timm (SPD) heute vor Journalisten erklärte, auch der jüngere Tatverdächtige und das Opfer selbst seien alkoholisiert gewesen, wunderte den Staatsanwalt: “Ich weiß nicht, woher der Innenminister diese Erkenntnisse hat.»

Warum die Täter in einer nur 50 Meter vom Tatort entfernten Würstchenbude auf ihre Festnahme gewartet haben, ist sicher der bei „Rechtsradikalen“ vermuteten vereinfachten Denkweise zuzuschreiben. Wie aber der Zeuge sie mit dem Fahrrad über diese Distanz „verfolgen“ konnte, muss von der Staatsanwaltschaft sicher noch näher geklärt werden. Ein Fall für die Gerichtsmediziner dürfte auch sein, warum die Täter in Wismar mit 1,85 und 1,65 Promille stark betrunken, das Opfer von Potsdam mit 2,08 Promille nur „alkoholisiert“ war.

Jetzt lese ich gerade in den Eilmeldungen der dpa, dass es in Breisach am Rhein zu einem weiteren Angriff auf einen Ausländer gekommen ist:
“Junger Franzose nach Streit vor Discothek erstochen”.
«Breisach am Rhein - Bei einem Streit vor einer Discothek in Breisach am Rhein ist in der Nacht ein 22 Jahre alter Franzose erstochen worden. Der Mann und sein 25 Jahre alter Bruder hatten nach ersten Erkenntnissen der Polizei vor der Disko eine Auseinandersetzung mit mehreren Unbekannten. Die Gruppe der möglichen Täter stamme offensichtlich ebenfalls aus Frankreich, teilte die Polizei am Samstagmorgen mit. Der Bruder des Toten wurde nur leicht verletzt. Die Gründe des Streits seien noch völlig unklar. (dpa)»

Wir können sicher darauf warten, dass auch in diesem Fall jemand einen „rechtsradikalen Hintergrund“ vermuten wird. Nicht nur um den Generalbundesanwalt einzuschalten, sondern auch um die Statistik des Bundeskriminalamtes zu verschönern.
Denn (wieder) der Spiegel schreibt am 26. April:
«BUNDESKRIMINALAMT - Zahl rechtsextremer Gewalttaten steigt drastisch an.
Die Statistik ist alarmierend: Die Zahl rechtsextremer Gewalttaten in Deutschland ist im vergangenen Jahr um knapp ein Viertel gestiegen. 958 Mal schlugen Rechtsradikale zu. Die Bundesregierung will laut einem Zeitungsbericht die Mittel für den Kampf gegen rechte Gewalt deutlich aufstocken. Wie der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann (CDU) heute in Hannover bekannt gab, registrierte die Polizei 2005 bundesweit 958 von Rechtsradikalen begangene Gewalttaten. Im Jahr davor lag die Zahl bei 776. Daraus ergibt sich ein Anstieg von 23 Prozent. Die Zahl der Körperverletzungen mit rechtsextremem Hintergrund erhöhte sich sogar von 640 auf 816 - das entspricht 27 Prozent.»

Na, bei der Zählweise der Straftaten kann das niemand mehr verwundern.
Weiter heißt es in dem Spiegel-Bericht:
«Nach der Gewalttat gegen den Deutsch-Äthopier in Potsdam strebt die Bundesregierung eine Stärkung des Kampfes gegen den politischen Extremismus an. Auf Wunsch vornehmlich der SPD werde sich der Koalitionsausschuss der Regierungsparteien am 1. Mai mit Programmen zur Bekämpfung des Rechtsextremismus beschäftigen, berichtet “Die Welt”. Erwogen werde ein Aktionsplan, dessen Volumen über die 19 Millionen Euro im Jahr hinausgehen soll, die bisher für Programme gegen Rechts- und Linksextremismus ausgegeben würden. Überlegt werde eine “spürbare Aufstockung” der Gelder.
Parteivorstand und Parteirat der SPD hatten vor wenigen Tagen eine Entschließung mit dem Titel “Rechtsextremismus bekämpfen!” beschlossen. Darin wird die Notwendigkeit beschrieben, dass die Regierung sich “weiterhin aktiv finanziell an der Bekämpfung des Rechtsextremismus beteiligt” und keine Kürzungen der Mittel vornimmt.“»

In dieser gemeinsame Entschließung haben der SPD-Parteivorstand und der SPD-Parteirat am 24. April 2006 entschieden dazu aufgerufen, den Rechtsextremismus zu bekämpfen. Auf der Internetseite der SPD findet sich dazu unter dem Aufmacher:
«„Null Toleranz für NAZIS, Rechtsextremismus bekämpfen“ folgender Wortlaut:
Der feige Überfall von Potsdam auf einen farbigen Deutschen hat zu Recht die gesamte Republik erschüttert. Leider ist der Übergriff in Potsdam kein Einzelfall. Beinahe täglich fallen in Deutschland Menschen rassistisch oder antisemitisch motivierter Gewalt zum Opfer.
Die Übergriffe der Neo-Nazis sind das schlimmste und verachtenswerteste, was gegenwärtig in der Bundesrepublik passiert. Wir werden uns weiterhin jeglichem rechtsextremen Gedankengut entgegenstellen, wo immer es auftritt und egal in welcher Form.»

Wirklich dumm wäre jetzt nur, wenn die Ermittlungen des Generalbundesstaatsanwalts ergeben würden, dass es sich bei diesen „Übergriffen“ nicht um Straftaten mit „rechtsradikalem Hintergrund“ handelt, auch wenn es nicht zum eingeübten Feindbild der „Stimmungs- bzw. „Aufregungsdemokratie“ passt.
Die „unabhängigen“ Medien werden das Volk sicher darüber genauso ausführlich unterrichten, wie sie das bisher getan haben, sonst könnte doch durchaus der Eindruck entstehen, dass ein gewisses Interesse daran besteht die rechtsradikalen Killertrupps durch die Republik und die Medien ziehen zu lassen.

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Rechtsradikaler Hintergrund

5. Mai 2006 05:45

Nimmt man sich die Zeit und liest sich zu nachtschlafender Zeit durch die im Internet verfügbaren Medienprodukte, dann gewinnt man den Eindruck, dass der eigentliche Auftrag der Medien, als vierte Gewalt im Staate (neben Legislative, Exekutive und Judikative), zunehmend in den Hintergrund geraten ist und über Ereignisse nicht mehr sachlich „berichtet“ sondern primär wirtschaftliche und politische Interessen vertreten werden.

Über Begriffe wie „Medienmanipulation“ und „Stimmungsdemokratie“ ist schon viel geschrieben worden. Leider geraten diese Begriffe im täglichen Leben der Medienkonsumenten aus dem Bewusstsein und in den Hintergrund.
Bei Wikipedia ist zum Thema „Stimmungsdemokratie“ bzw. „Aufregungsdemokratie“ zu lesen, dass „große Teile der Bevölkerung leichter und schneller als früher bereit seien, ihre Überzeugung oder Meinung zu bestimmten, insbesondere politischen Fragen zu ändern, wenn die allgemeine Stimmung sich ändere. Diese allgemeine Stimmung werde insbesondere beeinflusst durch die Massenmedien, die in ihnen gerade vorherrschenden Themen und deren Bewertung.

Nun lässt sicher nicht nur die Monopolisierung der Medien und der allgemeine Trend zum Mainstreaming sondern auch die wirtschaftliche Kontrolle der politischen Parteien über die Medien Besorgnis an der Eigenständigkeit dieser „vierten Gewalt“ im Staate aufkommen.

Wir hören und lesen zwar in den Medien über den Medienbaron „Berlusconi“ in Italien, kommen aber nicht auf die Idee, dass in der Bundesrepublik Deutschland die Verhältnisse „ähnlich“ sein könnten und die Medien gezielt zur Stimmungsmache unter der Bevölkerung eingesetzt werden (könnten).

Ein schönes Beispiel erleben wir derzeit mit der Berichterstattung über „rechtsradikale Hintergründe“ bei Straftaten.
Da berichtet der Spiegel am 28. April 2006 in einem sehr ausführlichen Artikel darüber, dass „vor sechs Jahren in Halberstadt Helmut Sackers von einem Nachbarn erstochen wurde, der regelmäßig rechtsradikale Musik hörte.

81 CD’s mit rechtsradikaler Musik habe die Polizei in der Wohnung des Täters gefunden und das bleibt, selbst nach mehrmaligem Durchlesen des Artikels, auch der einzige Bezug zu möglichen rechtsradikalen Hintergründen der Tat. Ohne diesen Bezug scheint es sich um eine ganz „normale“ Streitigkeit mit tödlichem Ausgang unter Wohnungsnachbarn zu handeln. Diese Meinung vertrat auch das Landgericht, das den „Täter“ im Jahr 2005 zum zweiten Mal freisprach.
Jetzt muss man sich doch, zumindest als aufmerksamer Leser fragen, warum der Spiegel ausgerechnet jetzt diese Geschichte mit „rechtsradikalem“ Hintergrund und in so ausführlicher Form „unters Volk“ bringt.
Doch nicht etwa weil es derzeit gut in die „Stimmungs- und Aufregungsdemokratie“ im Lande passt?

Diese Stimmung, die durch den „rechtsradikalen Übergriff“ auf einen 37-jährigen Familienvater in Potsdam erzeugt und von der Mainstreampresse nachhaltig gehegt und gepflegt wurde.
Bis heute sind die Ermittlungsbehörden den Nachweis eines „rechtsradikalen Hintergrundes“ schuldig geblieben.
Erst jetzt tauchen in den Medien vereinzelt Berichte auf, die eine andere Darstellung der Ereignisse schildern.
So schreibt die „Kölnische Rundschau“ am 28. April 2006:
Der Übergriff vom Ostersonntag auf den dunkelhäutigen Deutschen war fraglos brutal. Doch es scheint, dass der Wasserbau-Ingenieur seine Angreifer zuvor verbal oder handgreiflich herausgefordert hat. So zitiert die “Berliner Morgenpost” Zeugen, die gesehen hätten, wie der stark alkoholisierte 37-Jährige einem von zwei vorbeigehenden Männern nach einem kurzen Gespräch einen Tritt ins Gesäß verpasst habe. Daraufhin habe einer der beiden Männer zugeschlagen. Zuvor hatten Zeitungen berichtet, dass der Familienvater die Täter mit “Schweine” provoziert habe. Veikko Bartel, der Anwalt von einem der beiden wegen versuchten Mordes inhaftierten Verdächtigen, wollte zu Details aus den Akten zwar nichts sagen, erklärte aber: “Nach den in der Ermittlungsakte befindlichen Beweismitteln, insbesondere Zeugenaussagen sowie der Auswertung des Mailbox-Mitschnittes stellt sich das Geschehen gänzlich anders dar, als bislang von den Ermittlungsbehörden der Öffentlichkeit mitgeteilt.”

Am Dienstag nach Ostern wurde dann in Wismar ein Togolese niedergeschlagen und der Spiegel berichtet darüber:
«”ÜBERFALL IN WISMAR - “Die haben den verprügelt, weil er’n Neger ist
Offiziell ist noch ungewiss, ob Ausländerhass das Motiv war. Engagierte Bürger wissen allerdings: Auch in der Hansestadt sind Rechtsextreme auf dem Vormarsch.
Was ist passiert, am Dienstagabend, gegen 22.45 Uhr? Den Ermittlungen zufolge sollen drei Männer im Alter von 19, 23 und 24 Jahren den Togoer zunächst umstellt, zu Boden gestoßen, geschlagen und getreten haben. Die beiden älteren Tatverdächtigen wurden nur kurze Zeit später von der Polizei an einer Würstchenbude 50 Meter vom Tatort entfernt gefasst. Nach Informationen der “Ostsee-Zeitung” hatte ein 36-jähriger Zeuge die Verdächtigen mit dem Fahrrad verfolgt und die Beamten per Handy zu ihnen gelotst. Gegen die beiden Männer aus dem Landkreis Nordwestmecklenburg wurde Haftbefehl erlassen.
Der dritte mutmaßliche Täter, ein 19-Jähriger aus Wismar, wurde wenig später festgenommen, er sollte heute dem Haftrichter vorgeführt werden. Ob auch gegen ihn Haftbefehl erlassen wurde, konnte Staatsanwalt Pick bislang nicht bestätigen. Der 23- und der 24-Jährige waren am Dienstagabend stark betrunken, 1,85 und 1,65 Promille ergaben die Atemalkoholtests. Dass Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Gottfried Timm (SPD) heute vor Journalisten erklärte, auch der jüngere Tatverdächtige und das Opfer selbst seien alkoholisiert gewesen, wunderte den Staatsanwalt: “Ich weiß nicht, woher der Innenminister diese Erkenntnisse hat.»

Warum die Täter in einer nur 50 Meter vom Tatort entfernten Würstchenbude auf ihre Festnahme gewartet haben, ist sicher der bei „Rechtsradikalen“ vermuteten vereinfachten Denkweise zuzuschreiben. Wie aber der Zeuge sie mit dem Fahrrad über diese Distanz „verfolgen“ konnte, muss von der Staatsanwaltschaft sicher noch näher geklärt werden. Ein Fall für die Gerichtsmediziner dürfte auch sein, warum die Täter in Wismar mit 1,85 und 1,65 Promille stark betrunken, das Opfer von Potsdam mit 2,08 Promille nur „alkoholisiert“ war.

Jetzt lese ich gerade in den Eilmeldungen der dpa, dass es in Breisach am Rhein zu einem weiteren Angriff auf einen Ausländer gekommen ist:
“Junger Franzose nach Streit vor Discothek erstochen”.
«Breisach am Rhein - Bei einem Streit vor einer Discothek in Breisach am Rhein ist in der Nacht ein 22 Jahre alter Franzose erstochen worden. Der Mann und sein 25 Jahre alter Bruder hatten nach ersten Erkenntnissen der Polizei vor der Disko eine Auseinandersetzung mit mehreren Unbekannten. Die Gruppe der möglichen Täter stamme offensichtlich ebenfalls aus Frankreich, teilte die Polizei am Samstagmorgen mit. Der Bruder des Toten wurde nur leicht verletzt. Die Gründe des Streits seien noch völlig unklar. (dpa)»

Wir können sicher darauf warten, dass auch in diesem Fall jemand einen „rechtsradikalen Hintergrund“ vermuten wird. Nicht nur um den Generalbundesanwalt einzuschalten, sondern auch um die Statistik des Bundeskriminalamtes zu verschönern.
Denn (wieder) der Spiegel schreibt am 26. April:
«BUNDESKRIMINALAMT - Zahl rechtsextremer Gewalttaten steigt drastisch an.
Die Statistik ist alarmierend: Die Zahl rechtsextremer Gewalttaten in Deutschland ist im vergangenen Jahr um knapp ein Viertel gestiegen. 958 Mal schlugen Rechtsradikale zu. Die Bundesregierung will laut einem Zeitungsbericht die Mittel für den Kampf gegen rechte Gewalt deutlich aufstocken. Wie der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann (CDU) heute in Hannover bekannt gab, registrierte die Polizei 2005 bundesweit 958 von Rechtsradikalen begangene Gewalttaten. Im Jahr davor lag die Zahl bei 776. Daraus ergibt sich ein Anstieg von 23 Prozent. Die Zahl der Körperverletzungen mit rechtsextremem Hintergrund erhöhte sich sogar von 640 auf 816 - das entspricht 27 Prozent.»

Na, bei der Zählweise der Straftaten kann das niemand mehr verwundern.
Weiter heißt es in dem Spiegel-Bericht:
«Nach der Gewalttat gegen den Deutsch-Äthopier in Potsdam strebt die Bundesregierung eine Stärkung des Kampfes gegen den politischen Extremismus an. Auf Wunsch vornehmlich der SPD werde sich der Koalitionsausschuss der Regierungsparteien am 1. Mai mit Programmen zur Bekämpfung des Rechtsextremismus beschäftigen, berichtet “Die Welt”. Erwogen werde ein Aktionsplan, dessen Volumen über die 19 Millionen Euro im Jahr hinausgehen soll, die bisher für Programme gegen Rechts- und Linksextremismus ausgegeben würden. Überlegt werde eine “spürbare Aufstockung” der Gelder.
Parteivorstand und Parteirat der SPD hatten vor wenigen Tagen eine Entschließung mit dem Titel “Rechtsextremismus bekämpfen!” beschlossen. Darin wird die Notwendigkeit beschrieben, dass die Regierung sich “weiterhin aktiv finanziell an der Bekämpfung des Rechtsextremismus beteiligt” und keine Kürzungen der Mittel vornimmt.“»

In dieser gemeinsame Entschließung haben der SPD-Parteivorstand und der SPD-Parteirat am 24. April 2006 entschieden dazu aufgerufen, den Rechtsextremismus zu bekämpfen. Auf der Internetseite der SPD findet sich dazu unter dem Aufmacher:
«„Null Toleranz für NAZIS, Rechtsextremismus bekämpfen“ folgender Wortlaut:
Der feige Überfall von Potsdam auf einen farbigen Deutschen hat zu Recht die gesamte Republik erschüttert. Leider ist der Übergriff in Potsdam kein Einzelfall. Beinahe täglich fallen in Deutschland Menschen rassistisch oder antisemitisch motivierter Gewalt zum Opfer.
Die Übergriffe der Neo-Nazis sind das schlimmste und verachtenswerteste, was gegenwärtig in der Bundesrepublik passiert. Wir werden uns weiterhin jeglichem rechtsextremen Gedankengut entgegenstellen, wo immer es auftritt und egal in welcher Form.»

Wirklich dumm wäre jetzt nur, wenn die Ermittlungen des Generalbundesstaatsanwalts ergeben würden, dass es sich bei diesen „Übergriffen“ nicht um Straftaten mit „rechtsradikalem Hintergrund“ handelt, auch wenn es nicht zum eingeübten Feindbild der „Stimmungs- bzw. „Aufregungsdemokratie“ passt.
Die „unabhängigen“ Medien werden das Volk sicher darüber genauso ausführlich unterrichten, wie sie das bisher getan haben, sonst könnte doch durchaus der Eindruck entstehen, dass ein gewisses Interesse daran besteht die rechtsradikalen Killertrupps durch die Republik und die Medien ziehen zu lassen.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

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