Bedarfsgewichteter Käse

30. Juni 2008 05:45

Lieber Freund

“Das schwarze Schaf” und “Er kann’s nicht lassen” waren Filme in denen der Schauspieler Heinz Rühmann die Rolle des “Pater Brown” spielte, der neben seiner Tätigkeit als Geistlicher auch noch einen unverbesserlichen Drang zur Aufklärung von Straftaten hatte.
Scharfsinn, Humor und verschmitztes Verstehen in einer originellen Verbindung” bescheinigten ihm damals die Kritiker.

Exakt diese Eigenschaften kann man einem anderen Aufklärer nicht zukommen lassen, auch wenn man bei seiner Predigten den Eindruck hat im Kino zu sitzen. Auch dieses schwarze Schaf kann es nicht lassen und zeigt bei seinen wortstarken und sinnentleerten Sonntagsschriften einen unverbesserlichen Hang zur geistigen Verklärung seiner unseligen Tätigkeit. Nun kann man nicht behaupten, dass er diesem Drang ohne Sinn und Verstand nachgeht, denn ab und an gelingt es ihm tatsächlich die Wertigkeit seiner Mission zur staatlich finanzierten Volksverarschung treffend mit Worten “bedarfsgewichteter Käse” zu beschreiben.

HansMinusWerner SinnDie Rede ist von HansMinusWerner Sinn, dem unermüdlichen Prediger wider den gesunden Menschenverstand, dem schon seit vielen Jahren kein Trick zu billig, kein Argument zu fadenscheinig und keine Formulierung zu windig ist, um sich und die Interessen seiner Auftraggeber meinungsbildend unters tumbe Volk zu bringen.

Diesmal hat sich HansMinusWerner Sinn in der für ihn typischen Art der Weismachung zum Armutsbericht der Bundesregierung geäußert und wie üblich die Lage pseudowissenschaftlich “zurecht” gerechnet.

So hat nach HansMinusWerner Sinn “ein Niedriglöhner, der 2005 für nur vier Euro die Stunde Vollzeit arbeitete, bei normalen Wohn- und Heizkosten ein Nettoeinkommen von etwa 910 Euro!“.
Ein bisschen Kopfrechnen oder, wenn das hinter der hohen Stirn auch nicht mehr so richtig klappt, ein einfacher Taschenrechner hätte genügt um zu dem Ergebnis zu kommen, dass der Vollzeit arbeitende Niedriglöhner am Monatsende ca. 640 Euro BRUTTO auf dem Lohnzettel stehen hat.
Staatliche Aufstockung über HARTZ IV, den Klebstoff für die bedürftigen Bedarfsgemeinschaften der Nation, bekommt er selbstverständlich nur, wenn er selbst kein nennenswertes Vermögen mehr besitzt, also auf gut Deutsch eine “arme Sau” ist, die vom eigenen Einkommen nicht mehr leben kann.

Laut HansMinusWerner Sinn ist es auch völliger Unsinn, dass jeder “achte Deutsche arm ist” dennoch gebe es “Indikatoren, die auf mehr Ungleichheit hindeuten. So hat sich der Anteil der Bruttolöhne am Volkseinkommen verringert. Die Spreizung der Bruttolöhne hat wie in anderen Industriestaaten zugenommen, wenngleich sie hier noch lange nicht so groß ist wie in angelsächsischen Ländern und auch nicht so schnell ansteigt. Die wachsende Ungleichheit der Markteinkommen ist das Ergebnis der Niedriglohnkonkurrenz aus den ex-kommunistischen Gebieten der Welt. Auf die Gefahren für die soziale Kohärenz der Gesellschaft und die nötigen Reformen des Sozialstaates weise ich seit anderthalb Jahrzehnten hin. Dennoch finde ich die Alarmrufe, die derzeit aus den Medien zu hören sind, unangebracht und übertrieben. Die öffentliche Diskussion leidet unter einer Begriffsverwirrung, negiert die Existenz des deutschen Sozialstaates, bezieht sich auf veraltete Zahlen und wird durch ein statistisches Artefakt in die Irre geführt.

Es ist wirklich einmalig, wie es HansMinusWerner Sinn immer wieder gelingt, seinen gequirlten Schwachsinn in hehre Worte zu fassen und ihm einen wissenschaftlichen Anstrich zu geben.

Genauso werthaltig sind seine weiteren Ausführungen zur Armut in Deutschland, denn laut dem Unsinn des HansMinusWerner Sinn liegt “der durchschnittliche monatliche Hartz-IV-Anspruch eines Einpersonenhaushalts bei 700 Euro, wobei die freie Krankenversicherung im Wert von 200 Euro noch nicht eingerechnet ist. Die Armutsgrenze lag bei 520 Euro.

Auch hier wird vom HansMinusWerner wieder getrickst und getäuscht, dass sich die Balken biegen, denn die vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Zahlen weisen schon für das Jahr 2002 eine Armutsgrenze von etwa 730 € für die alten Bundesländer und 605 € für die neuen Bundesländer aus.
Und ganz besonders lustig ist die “freie Krankenversicherung im Wert von 200 Euro monatlich“, denn tatsächlich zahlt die Bundesagentur pro ALGII-Empfänger nur 120 Euro an die GKV, was letztendlich bedeutet dass die Krankenversicherung für jeden ALGII von den beitragzahlenden Arbeitnehmern mit 80 Euro pro Monat bezuschusst wird. Nur dadurch wird es möglich, dass die Bundesagentur für Arbeit die so von ihr “erwirtschafteten Überschüsse” an die Staatskasse abführen kann, denn 3 Mio. Arbeitslose mal 80 Euro mal 12 Monate macht nun mal satte 2,88 Mrd. Euro im Jahr, die einfach so aus den Taschen der Beitragszahler abgezwickt werden.

Doch wenden wir uns wieder dem Wahrheitsgehalt der Bergpredigt von HansMinusWerner Sinn zu, der mit zunehmender Dauer seines Vortrags zu neuen Höhen aufläuft, denn

  • weil wir einen Sozialstaat haben, signalisiert es auch nicht Armut, wenn der Anteil der Geringverdiener mit einem Stundenlohn von weniger als zwei Drittel des Mittelwertes bald so hoch ist wie in den USA, denn Lohn und Einkommen sind nicht dasselbe.
  • dass die Bruttolohnspreizung in beiden Ländern ähnlich hoch ist, erklärt sich durch das Gesetz des Faktorpreisausgleichs, das man nur um den Preis einer Massenarbeitslosigkeit unterlaufen kann.
  • in Ländern, die miteinander Handel treiben und zwischen denen Kapital frei fließen kann, müssen sich die Lohnstrukturen bezüglich der Qualifikationsstufen tendenziell angleichen, sodass Unterschiede nur noch aus der unterschiedlichen Streuung der Bildung resultieren.

Lassen wir mal die Erkenntnisse des Herrn Sinn und die anhaltende Debatte um den Mindestlohn und Langzeitarbeitslosigkeit an uns abtropfen und wenden wir uns statt dessen der Angleichung der Lohnstrukturen in Ländern zu, die miteinander Handel treiben. Denn darauf, dass das Absinken des Lohnniveaus in Deutschland etwas mit dem steigenden Bildungsniveau in China zu tun hat, darauf muss man erst mal kommen, denn sicher habe nicht nur ich gedacht, dass dies eher etwas mit dem globalisierten Gierfaktor der Unternehmen zu hat.
Aber so kann man sich halt täuschen!

Wie gut ist es da, wenn ein so schrecklich gelehrter Prediger wie der HansMinusWerner Sinn seine Gedanken in Worte fasst, den fassungslosen Zuhörern das Wort zum Sonntag erzählt und erklärt wie es kommt, dass “der Anteil der Mittelschicht an der Bevölkerung (Grenze: 150 bis 70 Prozent vom Median) von 2002 bis 2005 um fast vier Prozentpunkte abgenommen hat und nach den Daten des sozioökonomischen Panels der Anteil der Armutsgefährdeten um zwei Punkte stieg“.
Sie werden es nicht glauben, aber es ist ein statistischer Sondereffekt, “der unmittelbar nach den Hartz-Reformen im Berichtsjahr 2005 zum Tragen kam. Durch Hartz IV wurden etwa zwei Millionen Deutsche von der Arbeitslosenhilfe auf die Sozialhilfe heruntergestuft, was das Armutsrisiko zunächst in der Tat vergrößerte. Inzwischen hat Hartz IV aber gewirkt. Allein in Westdeutschland hat der jüngste Konjunkturaufschwung mindestens 1,1 Millionen Stellen über das Maß hinaus gebracht, das man nach einer Fortschreibung früherer Konjunkturmuster erwarten konnte. Der Arbeitsplatzgewinn hat – zusammen mit Lohnzuschüssen für Niedrigverdiener – erheblich zum Rückgang der Armutsgefährdung und zur Stabilisierung der Mittelschicht beigetragen – nur sieht man das nicht in der Statistik des Jahres 2005.

Außerdem, so HansMinusWerner Sinn, würde sich die im Armutsbericht der Bundesregierung dargestellte Entwicklung nicht auf das Pro-Kopf-Einkommen, sondern auf das “bedarfsgewichtete Einkommen” beziehen und “dabei wird unterstellt, dass zwei Singles zusammen ein Drittel mehr Einkommen brauchen als ein Paar. Das ist nicht unplausibel, impliziert aber, dass die zitierten Verteilungsmaße eher die Ausweitung gesellschaftlicher Wunschvorstellungen als ökonomisch bedingte Versorgungsdefizite widerspiegeln.

Daraus folgt für die Gedankenwelt des HansMinusWerner Sinn, dass der Grund allen Übels die Einpersonenhaushalte sind, denn “wohnen beide Partner zusammen, gehören sie zur Mittelschicht und gelten nicht als armutsgefährdet. Deklarieren sie getrennte Haushalte, um mehr Geld vom Staat zu bekommen, zählt der arbeitslose Partner plötzlich als armutsgefährdet. Es ist offenkundig, dass die Bedarfsgewichtung bei der Berechnung der Verteilungsmaße zu keinen sinnvoll interpretierbaren Ergebnissen führt, wenn die Familie erodiert und der Staat diese Erosion finanziell fördert. Verhaltensänderungen, für die Menschen sich entscheiden, um ihre ökonomische Situation zu verbessern, werden als Verschlechterung der Lebenslage in den Statistiken erfasst und führen zu Alarmrufen der Politik. Dazu kann ich nur sagen: bedarfsgewichteter Käse, mehr nicht.

Da hat er allerdings mal ausnahmsweise Recht, der HansMinusWerner Sinn, der Spezialist für „bedarfsgewichteten Käse“ vom Ifo-Institut in München!

Jetzt muss man ihm nur noch verklickern, dass der offensichtlich steigendenden Armutsgefährdung allein lebender Personen durch zwangsweise Kasernierung und/oder Barackenunterbringung in Arbeitslagern erfolgreich entgegengewirkt werden könnte
Und wenn man sich über dem Eingangstor dann noch eine schöne Überschrift wie “Arbeit macht (zwar arm aber) frei” vorstellt, dann wirkt das Ganze schon fast wie eine sozialstaatliche Vorsorgemaßnahme, die man dem tumben Volk unter dem Arbeitstitel “Hartz V” verkaufen könnte.

Mir persönlich hat allerdings in dem “bedarfsgewichteten Käse” der Satz “die öffentliche Diskussion leidet unter einer Begriffsverwirrung, negiert die Existenz des deutschen Sozialstaates, bezieht sich auf veraltete Zahlen und wird durch ein statistisches Artefakt in die Irre geführt” ganz besonders angetan, sind doch darin die wichtigsten Elemente der von HansMinusWerner Sinn seit Jahren betriebenen pseudowissenschaftlichen Täuschung der Öffentlichkeit zusammengefasst:

a-tens: Ihr seid alle ziemlich dämlich und
b-tens: es geht es euch noch nicht dreckig genug und
c-tens: ihr habt keine Ahnung was hier wirklich läuft und
d-tens: kann man euch mit jeder zusammengetricksten Statistik ein X für ein U vormachen

Ich bin nicht etwa der Einzige, der dem HansMinusWerner Sinn und seinem Institut für Wirtschaftsforschung geistige Bedürftigkeit gepaart mit Auftragspopulismus vorwirft, denn schon 2006 haben 15 deutsche Ökonomen deutliche Kritik an der Forschungsqualität des Ifo-Instituts geäußert und bezweifelt, “ob alle politischen Ratschläge des Ifo-Instituts auf ausreichend rigoroser, empirischer Forschung basieren“.
Die eklatanten Schwächen seien nicht zu übersehen, kritisieren damals die Juroren, deren Votum für die weitere Finanzierung des IFO-Instituts durch Bund und Länder entscheidend ist.

Übrigens wurde Pater Brown wegen seiner Vorliebe fürs Kriminelle von seinem Bischof auf eine einsame Insel versetzt.
Für den von HansMinusWerner Sinn verzapften “bedarfsgewichteten Käse”, den dann zu allem Überfluss auch noch die Wirtschaftswoche abdruckt, wäre das jedoch schon fast ein Gnadenakt.
Statt dessen sollten wir den HansMinusWerner Sinn, wie es sich für einen richtigen Propheten gehört, einfach in die Wüste schicken und das am besten ohne Kompass.
Machopan
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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 30. Juni 2008 um 05:45:16 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik, Gesellschaft, Wirtschaft | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

13 Antworten zu “Bedarfsgewichteter Käse”

  1. mitdenker meint:

    In die Wüste schicken? Das könnte aber fatale Folgen für die Menschen haben. Denn dieser so genannte Professor (aus dem Lateinischen profiteri – ein Schelm, wer dabei noch eine Wortverwandschaft herstellt) würde aus der Wüste mit Worten doch glatt blühende Landschaften machen.
    Immerhin gäbe es dann nach seinen Berechnungen sicherlich genügend Wasser und Lebensmittel aus den Oasen, um alle ausreichend und sozial zu versorgen. Rein rechnerisch.
    Dass dabei Tagesmärsche von vielen Tagen erforderlich wären, um an die Oasen zu kommen, ließe dieser Wirtschaftswitzschaftler als vernachlässigbare Größe sicher ausser Acht.

    Wie lange kommt doch gleich ein Mensch ohne Flüssigkeitszufuhr aus?

  2. Pathologe meint:

    Momet, Herr Mitdenker. Das mit dem “in die Wueste schicken” des Herrn Unsinn beschwoerte doch bereits die naechste Krise herauf, verstuenden die Tuareg das Geschwafel des Herrn. Ihre grausame Rache waere genau das sinnlich berechnete Wasser auf die Muehlen eines Dr. Rollstuhls.

    Auch kann ich mich entSinnen, dass gerade die neoliberale Mischpoke immer wieder die Mobilitaet der Arbeitnehmer gefordert hat. Somit waere ein Erreichen der Oasen nur im Interesse der Pflichterfuellung gegeben. Verbrauchswerte liesse man dabei, wie bei den Geschaeftswagen, eben aussen vor.

    42 Tage ohne Fluessigkeitszufuhr, habe ich mal gehoert. Allerdings haben amerikanische Verhoerspezialisten da ein probates Mittel dagegen gefunden. Also gegen solche Personen wie den Minus-HW. Sie nennen es “boarden” und handelt von ungebremster Fluessigkeitszufuhr. Moeglicherweise spuelt so eine Behandlung all den Muell aus seinen Ganglien?

  3. otti meint:

    Wo ist der Unterschied zwischen Sen (Nobelpreisträger) und Sinn (Talker)? Sen macht Sinn.

    Wo der Unsinn anfängt, da hört der Sinn nicht auf (Klabautermann).

    Was ist bei Volks- und Betriebswirtschaftlehre wissenschaftlich, ist da eins und eins immer zwei, oder auch mal drei minus eins (Kosto)? Wir sollten den renommierten Ökonom (Spiegel) mit seinen Zahlendeutungen nicht so wichtig nehmen.

    Gegen einen unmenschlichen Kapitalismus! Nein zu der Person.

  4. wilm meint:

    In die wüste schicken den Unsinn(?) ein gar gefährliches Unterfangen. Bei den fantasievollen Rechenkünsten des Prof. Hans - Werner Sinn, dürfte spätestens in fünf Jahren der Sand alle sein. :(

  5. mitdenker meint:

    @Pathologe
    Na, na. Da ist was verwechselt worden, siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Verdursten
    Die 42 Tage beziehen sich eventuell auf die Nahrungsaufnahme
    http://de.wikipedia.org/wiki/Verhungern
    @wilm
    …der Sand alle sein, weil er damit sandige Luftschlösser bauen ließ…
    @otti
    doch, doch, auch BWL und VWL ist Wissenschaft: http://de.wikipedia.org/wiki/Wissenschaft
    Nur im Gegensatz zu den z.B. Naturwissenschaften, die Objektiv sind (also unabhängig und außerhalb unseres Bewusstseins) wirkt die Ökonomie eben NUR durch menschlische Handlungen. Demzufolge ist der subjektive Faktor Mensch eine entscheidender Faktor. Wie man sehen kann, wird dieser Faktor eben auch einmal negativ….
    Und ihn nicht wichtig nehmen oder gar ignorieren wäre sehr gefährlich für die meisten Menschen (=Mehrheit) in diesem Ländle. Dazu ist sein Einfluss und der der “Initiative neue soziale Marktwirtschaft” bereits viel zu groß geworden. Deren Raubritter sitzen bereits mit gezogenem Schwert an so vielen wichtigen Hebeln der Gesellschaft.

  6. Fred Sky meint:

    Schuld ist der Rhesusfaktor “g”, Udo hat negativ und singt in der Kunst, Hans-Minus sicherlich positiv und sinkt in der Gunst (fliehende Stirn, fliehende Wähler) :)
    “Auch die Kommunikation und Interaktion spielt eine bedeutende Rolle. Etliche Arten haben eine Vielzahl von Lauten, die zur Markierung des Territoriums, zur Suche nach Gruppenmitgliedern, zur Drohung oder zur Warnung von Fressfeinden dienen kann.”
    http://de.wikipedia.org/wiki/Primaten

  7. otti meint:

    Reichtum lebt gut von Armut

    ARMUT DIENT UND BEDIENT REICHTUM
    oder
    Wenn der Ein-Euro-Jobber auf das zerschröderte Ein-Euro-Deutschland trifft, wächst zusammen, was nie und nimmer zusammengehört in einem ausgemerkelten Land
    A
    Schon die Überschrift des Artikels des Leiters (“Präsident”) des ifo Instituts, Hans-Werner Sinn, „Der bedarfsgewichtete Käse und die neue Armut“ macht die propagandistische Intention des Verfassers deutlich, nämlich den Sachverhalt zunehmender Armut und Ausgrenzung zu relativieren. Vier Fünftel der Menschen haben vom Aufschwung nicht profitiert. Von einer Teilhabe kann keine Rede sein. Die große Mehrheit buckelt und dackelt für eine kleine, maßlos egoistische Oberschicht, die sich gegenseitig Vorteile zuschanzt (s. z.B. Aufsichtsrat und Vorstand einer AG).
    Wenn die Person in einem Atemzug von „neuer“ Armut spricht, die ganz und gar nicht neu ist und gleichzeitig diesen unhaltbaren Zustand mit Käse in Verbindung bringt, so zeigt sich darin schlicht und einfach eine gnadenlose Missachtung der am Rande der Gesellschaft lebenden Menschen. Und die sind von wegen arm, denn da gibt es gerade mal ein “Armutsrisiko” statt Armut, “Armutsgefährdung”(60% vom Mittelwert des Einkommens), “relative Einkommensarmut” (50%) und – ganz weit hinten – “Armut” (40%). Dass die Berechnung und Verwendung des errechnenten Mittelwertes je nach Organisation mal so oder mal so ausfällt, braucht angesichs des schönfärberischen Berichts der Bundesregierung nicht weiter betont zu werden.
    Armut wird weichgespült und verharmlost.
    Aussagen zum Reichtum kommen weder im Kommentar Sinns noch im Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregieruung vor.
    Reichtum versteckt sich – auch erfolgreich vor der Steuer.
    Bei Armut hat man die Hosen runterzulassen, sowie Wohnung und Schränke zu öffnen.
    Armut heißt Schikane, Reichtum ist Edel-DDR und steht außerhalb gesellschaftlicher Gesetze.
    B
    Eine Lohnspreizung habe zwar in Deutschland zugenommen, erklärt die Person, relativiert deren Ausmaß aber sofort mit einem Verweis auf noch marktradikalere angelsächsische Länder und fabuliert hier völlig unwissenschaftlich ex cathedra, das Phänomen der Lohnspreizung bzw. der wachsenden Ungleicheit von Markteinkommen sei der Niedriglohnkonkurrenz ex-kommunistischer Staaten geschuldet. Die von der Schröder- und Merkel-Regierung im eigenen Land entfachte schamlose und menschenverachtende Niedriglohnkonkurrenz („Reformen des Sozialstaates“) kann dabei gegen die „ex-kommunistischen Gebiete der Welt“ natürlich nicht anstinken, weshalb deren Erwähung in diesem Zusammenhang für den Samariter der „sozialen Kohärenz der Gesellschaft“ (hä?) offenbar obsolet ist, aber in der Sache immer noch nicht ausreicht, obwohl er darauf bereits seit „anderthalb Jahrzehnten“ hinweist. Dass im Umkehrschluss die hierzulande bezahlten exzessiven Managerbezüge angelsächsischer Hochlohnkonkurrenz geschuldet sein würden ist gleichwohl derselbe Blödsinn, wie z. B. Japans Gehaltssystem zur Genüge zeigt. Eine Angleichung der “Lohnstrukturen bezüglich der Qualifikationsstufen”, auf der einen Seite Gier, auf der anderen Duldungsstarre, ist tatsächlich eingetreten: oben bereichert man sich, unten verarmt man. Was die da oben denen da unten abgepresst haben, das verjubeln die da oben dann an der Börse oder im Unternehmen. Die da oben schaffen keinen Mehrwert.
    Die da oben schaffen viel Unwert.
    Gerade die Perversionen des internationalen Finanzkapitalismus (Immobiliencrash und damit zusammenhängende Hypothekenkrise in den Vereinigten Staaten mit weltweiter Finanz- und Vertrauenskrise oder auch Gesetzgebungsverfahren in Teuschland wegen Kreditverkäufen von Banken) machen unmissverständlich klar, wer um des kurzfristigen und persönlichen Profits willen die Auflösung ganzer Gesellschaften mutwillig in Kauf nimmt. Solche Leute und ihre politischen Helfershelfer sind es, die die Menschen in die Armut treiben, die ihnen die Würde nehmen, die sie in kapitalistischer Gier bis auf’s Blut aussaugen.
    Solches Finanzgesindel zerstört ganze Gesellschaften.
    C
    Hat „der deutsche Sozialstaat“ etwa bei dem verhungerten Speyerer „die Würde des Menschen durch Sozialleistungen gesichert“? Oder gehörte der Verhungerte eben zum „harten Kern derer, die aus vielerlei Gründen von den Geldangeboten des Sozialstaates keinen Gebrauch machen und anderweitige Hilfe benötigen“? Eine Bemerkung im Armutsbericht dazu wird man wohl „auch gar nicht“ finden, wenn man an die angeblichen „Geldangebote“ denkt. Für „anderweitige Hilfe“ ist Mutter Teresa in Indien zuständig, basta.
    Der Sozialstaat ist dem neoliberalen Terror geopfert worden.
    D
    Hintersinnig bringt der Kämpfer gegen asoziales Lotterleben, Prof. Hans-Werner Sinn, den Begriff einer “Trennungsprämie” ins Spiel, die allerdings vom Sozialstaat nur gezahlt und als “Verschlechterung der Lebenslage in den Statistiken erfasst” wird, wenn beide Partner (der eine gut verdienend, der andere arbeitslos) keine Bedarfsgemeinschaft bilden, sondern von Tisch und Bett getrennt leben.
    Wie kann es angehen, wenn eine Partnerschaft oder “die Familie erodiert und der Staat diese Erosion sogar noch finaziell fördert”, nämlich durch die von Sinn eingeführte Trennungsprämie? Prämien gibt’s nur in guten Zeiten, in schwierigen oder schlechten kann ’sou ebbes’ (so etwas) ganz schnell einkassiert werden, was wohl im Sinne des Hans-Werner Sinn wäre, da eine auf die Trennungsprämie aufbauende und die eigene “ökonomische Situation” verbessernde “Verhaltensänderung” der betroffenen Menschen nicht nur Statistiken sondern auch den Staatshaushalt negativ berührt.
    Wie kann es angehen, dass der arbeitslose Partner, der z.B. von einer ‘Heuschrecke’ zwecks perönlicher Gewinnoptimierung entlassen wurde, nun nicht seinem gut verdienenden Partner auf der Tasche liegen soll, der also die Zeche für die Gewinnmaximierung der Heuschrecke zu blechen hätte, die aber wiederum selbst durch eine marktradikale Steuergesetzgebung zur angeblichen Stärkung des Standorts von Steuerzahlungen weitgehend verschont bliebe?
    Zur Entlastung des Asozialstaates und einer ansonsten nicht mehr “sinnvoll interpretierbaren” Statistik ist in einem solchen Fall die umgehende Zwangsheirat der beiden Partner in die Wege zu leiten, damit auf der einen Seite die soziale Kohärenz (Zusammenhalt) gestärkt wird und auf der anderen Seite der Reichtum, ungestört von jedwedem Armutsgedöns, weiter wachsen kann.
    Reichtum will nicht mit Armut belästigt werden.
    E
    Die gesamte wirtschafts-, sozial-, rechtspolitische und rechtsstaatliche Grundverlogenheit so genannter Reformen und Reformer manifestiert sich in jeder Beziehung umfassend in einem Namen: Hartz.
    F
    Ein “richtiger Prophet”, mein lieber Machopan, geht freiwillig in die Wüste, der braucht keinen Kompass. Die kruden Vorstellungen des Hans-Werner Sinn mit der Bergpredigt in Verbindung bringen zu wollen, würde Jesus Christus sicherlich nicht unterschreiben und den Mann einfach aus dem Tempel jagen. Der Mann taugt nicht für ‘Das Wort zum Sonntag’, eher schon für das zum Montag, damit die Arbeitssklaven auch gleich wissen, was ihnen blüht.
    Der Mann aus dem Abendland mit seiner Basarökonomie soll mal seinen Käse im Morgenland marktschreierisch feilbieten. Wahrscheinlich würde er dabei verschimmeln. Der Käse – und er.
    G
    KaH

  8. otti meint:

    Hans-Werner Sinns „bedarfsgewichteter Käse“ feiert in der FAZ unter der Überschrift „Was treibt ein Single in der Armutsstatistik?“ fröhliche Urständ’.
    http://www.faz.net/s/RubB8DFB31915A443D98590B0D538FC0BEC/Doc~E88F67202BA664861BC32E373F89E9721~ATpl~Ecommon~Scontent.html
    Hoffentlich „treibts“ ein Single mit Kondom, sonst ist er schnell ganz weit unten in der Armutsstatistik.
    „Jenseits der Statistik geht es den Singles womöglich gar nicht so schlecht“, schreibt der FAZ-Autor.
    Dieseits der Statistik wird der Single „womöglich“ als unbezahlter Praktikant ausgebeutet, dann ist er wenigstens nicht arbeitslos. Auch ‘ebbes’ (etwas).

    ‘Sinn’-Kritik
    http://www.kritische-wirtschaftswissenschaften.de/Papers/betz-sinn.htm

    Butterwegge, Sozialstaat
    http://www.labournet.de/diskussion/arbeit/realpolitik/allg/butterwegge.html
    http://www.sopos.org/aufsaetze/403224bfd7cf5/1.phtml
    http://www.uni-koeln.de/ew-fak/seminar/sowi/politik/butterwegge/texte.htm
    http://www.wdr.de/themen/politik/deutschland02/armut/interview_080519.jhtml

    Mathematisierte Scharlatanerie
    Zur ´ideologiefreien Methodik` der neoklassischen Lehre
    Claus Peter Ortlieb
    http://www.math.uni-hamburg.de/home/ortlieb/MathScharlatanPS.pdf

    Sozialpolitik aktuell, Berichte von Bundesregierung (Armuts- und Reichtumsbericht), Forschungsinstituten etc.
    http://www.sozialpolitik-aktuell.de/berichte_einkommen.shtml

  9. Machopan meint:

    Tja Otti, ich hab den Artikel in der FAZ gelesen.
    Das ist O-Ton HansMinusWerner Unsinn!
    Aber so so ist das mit dem Auftragsjournalismus nun mal.
    Früher nannte man das Propaganda. Beiden gemein ist nicht nur die fehlende eigene Meinung, sondern auch noch die fehlenden Skrupel.
    Entweder wird bis auf das Komma genau abgeschrieben oder solange an der Wahrheit herumgedreht, bis es zur eigenen Ideologie passt.
    Wer viel liest, könnte bei “Wetten dass” zu Textpassagen aus der Tagespresse auch das Blatt benennen, das den Schwachfug zu Papier und unters Volk gebracht hat.

  10. otti meint:

    Niedriglöhne, Lohnspreizung
    Hans-Ulrich Jörges’ Zwischruf, stern, „Der Armuts-Wahn
    Wenn „wachsende Armut im Kern ein Ausländerproblem ist“, dann dürfte es in der Ex-DDR ja wohl keine Armut geben.

  11. otti meint:

    Staatlich geförderter Menschenhandel im schamlosen Sozialstaat.
    http://www.jungewelt.de/2008/08-13/004.php
    Hier kommt die ganze Verlogenheit unseres politischen Systems zum Vorschein.
    Erbärmlich!

  12. otti meint:

    Runtergekommenes Täuschland:
    http://www.linkezeitung.de/cms/index.php?option=com_content&task=view&id=5311&Itemid=44

  13. otti meint:

    Die propagandistische Maßlosigkeit des Sinn.
    http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/Finanzen-Hans-Werner-Sinn-Finanzkrise;art130,2645622
    Widerlich!

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30. Juni 2008 05:45

Lieber Freund

“Das schwarze Schaf” und “Er kann’s nicht lassen” waren Filme in denen der Schauspieler Heinz Rühmann die Rolle des “Pater Brown” spielte, der neben seiner Tätigkeit als Geistlicher auch noch einen unverbesserlichen Drang zur Aufklärung von Straftaten hatte.
Scharfsinn, Humor und verschmitztes Verstehen in einer originellen Verbindung” bescheinigten ihm damals die Kritiker.

Exakt diese Eigenschaften kann man einem anderen Aufklärer nicht zukommen lassen, auch wenn man bei seiner Predigten den Eindruck hat im Kino zu sitzen. Auch dieses schwarze Schaf kann es nicht lassen und zeigt bei seinen wortstarken und sinnentleerten Sonntagsschriften einen unverbesserlichen Hang zur geistigen Verklärung seiner unseligen Tätigkeit. Nun kann man nicht behaupten, dass er diesem Drang ohne Sinn und Verstand nachgeht, denn ab und an gelingt es ihm tatsächlich die Wertigkeit seiner Mission zur staatlich finanzierten Volksverarschung treffend mit Worten “bedarfsgewichteter Käse” zu beschreiben.

HansMinusWerner SinnDie Rede ist von HansMinusWerner Sinn, dem unermüdlichen Prediger wider den gesunden Menschenverstand, dem schon seit vielen Jahren kein Trick zu billig, kein Argument zu fadenscheinig und keine Formulierung zu windig ist, um sich und die Interessen seiner Auftraggeber meinungsbildend unters tumbe Volk zu bringen.

Diesmal hat sich HansMinusWerner Sinn in der für ihn typischen Art der Weismachung zum Armutsbericht der Bundesregierung geäußert und wie üblich die Lage pseudowissenschaftlich “zurecht” gerechnet.

So hat nach HansMinusWerner Sinn “ein Niedriglöhner, der 2005 für nur vier Euro die Stunde Vollzeit arbeitete, bei normalen Wohn- und Heizkosten ein Nettoeinkommen von etwa 910 Euro!“.
Ein bisschen Kopfrechnen oder, wenn das hinter der hohen Stirn auch nicht mehr so richtig klappt, ein einfacher Taschenrechner hätte genügt um zu dem Ergebnis zu kommen, dass der Vollzeit arbeitende Niedriglöhner am Monatsende ca. 640 Euro BRUTTO auf dem Lohnzettel stehen hat.
Staatliche Aufstockung über HARTZ IV, den Klebstoff für die bedürftigen Bedarfsgemeinschaften der Nation, bekommt er selbstverständlich nur, wenn er selbst kein nennenswertes Vermögen mehr besitzt, also auf gut Deutsch eine “arme Sau” ist, die vom eigenen Einkommen nicht mehr leben kann.

Laut HansMinusWerner Sinn ist es auch völliger Unsinn, dass jeder “achte Deutsche arm ist” dennoch gebe es “Indikatoren, die auf mehr Ungleichheit hindeuten. So hat sich der Anteil der Bruttolöhne am Volkseinkommen verringert. Die Spreizung der Bruttolöhne hat wie in anderen Industriestaaten zugenommen, wenngleich sie hier noch lange nicht so groß ist wie in angelsächsischen Ländern und auch nicht so schnell ansteigt. Die wachsende Ungleichheit der Markteinkommen ist das Ergebnis der Niedriglohnkonkurrenz aus den ex-kommunistischen Gebieten der Welt. Auf die Gefahren für die soziale Kohärenz der Gesellschaft und die nötigen Reformen des Sozialstaates weise ich seit anderthalb Jahrzehnten hin. Dennoch finde ich die Alarmrufe, die derzeit aus den Medien zu hören sind, unangebracht und übertrieben. Die öffentliche Diskussion leidet unter einer Begriffsverwirrung, negiert die Existenz des deutschen Sozialstaates, bezieht sich auf veraltete Zahlen und wird durch ein statistisches Artefakt in die Irre geführt.

Es ist wirklich einmalig, wie es HansMinusWerner Sinn immer wieder gelingt, seinen gequirlten Schwachsinn in hehre Worte zu fassen und ihm einen wissenschaftlichen Anstrich zu geben.

Genauso werthaltig sind seine weiteren Ausführungen zur Armut in Deutschland, denn laut dem Unsinn des HansMinusWerner Sinn liegt “der durchschnittliche monatliche Hartz-IV-Anspruch eines Einpersonenhaushalts bei 700 Euro, wobei die freie Krankenversicherung im Wert von 200 Euro noch nicht eingerechnet ist. Die Armutsgrenze lag bei 520 Euro.

Auch hier wird vom HansMinusWerner wieder getrickst und getäuscht, dass sich die Balken biegen, denn die vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Zahlen weisen schon für das Jahr 2002 eine Armutsgrenze von etwa 730 € für die alten Bundesländer und 605 € für die neuen Bundesländer aus.
Und ganz besonders lustig ist die “freie Krankenversicherung im Wert von 200 Euro monatlich“, denn tatsächlich zahlt die Bundesagentur pro ALGII-Empfänger nur 120 Euro an die GKV, was letztendlich bedeutet dass die Krankenversicherung für jeden ALGII von den beitragzahlenden Arbeitnehmern mit 80 Euro pro Monat bezuschusst wird. Nur dadurch wird es möglich, dass die Bundesagentur für Arbeit die so von ihr “erwirtschafteten Überschüsse” an die Staatskasse abführen kann, denn 3 Mio. Arbeitslose mal 80 Euro mal 12 Monate macht nun mal satte 2,88 Mrd. Euro im Jahr, die einfach so aus den Taschen der Beitragszahler abgezwickt werden.

Doch wenden wir uns wieder dem Wahrheitsgehalt der Bergpredigt von HansMinusWerner Sinn zu, der mit zunehmender Dauer seines Vortrags zu neuen Höhen aufläuft, denn

  • weil wir einen Sozialstaat haben, signalisiert es auch nicht Armut, wenn der Anteil der Geringverdiener mit einem Stundenlohn von weniger als zwei Drittel des Mittelwertes bald so hoch ist wie in den USA, denn Lohn und Einkommen sind nicht dasselbe.
  • dass die Bruttolohnspreizung in beiden Ländern ähnlich hoch ist, erklärt sich durch das Gesetz des Faktorpreisausgleichs, das man nur um den Preis einer Massenarbeitslosigkeit unterlaufen kann.
  • in Ländern, die miteinander Handel treiben und zwischen denen Kapital frei fließen kann, müssen sich die Lohnstrukturen bezüglich der Qualifikationsstufen tendenziell angleichen, sodass Unterschiede nur noch aus der unterschiedlichen Streuung der Bildung resultieren.

Lassen wir mal die Erkenntnisse des Herrn Sinn und die anhaltende Debatte um den Mindestlohn und Langzeitarbeitslosigkeit an uns abtropfen und wenden wir uns statt dessen der Angleichung der Lohnstrukturen in Ländern zu, die miteinander Handel treiben. Denn darauf, dass das Absinken des Lohnniveaus in Deutschland etwas mit dem steigenden Bildungsniveau in China zu tun hat, darauf muss man erst mal kommen, denn sicher habe nicht nur ich gedacht, dass dies eher etwas mit dem globalisierten Gierfaktor der Unternehmen zu hat.
Aber so kann man sich halt täuschen!

Wie gut ist es da, wenn ein so schrecklich gelehrter Prediger wie der HansMinusWerner Sinn seine Gedanken in Worte fasst, den fassungslosen Zuhörern das Wort zum Sonntag erzählt und erklärt wie es kommt, dass “der Anteil der Mittelschicht an der Bevölkerung (Grenze: 150 bis 70 Prozent vom Median) von 2002 bis 2005 um fast vier Prozentpunkte abgenommen hat und nach den Daten des sozioökonomischen Panels der Anteil der Armutsgefährdeten um zwei Punkte stieg“.
Sie werden es nicht glauben, aber es ist ein statistischer Sondereffekt, “der unmittelbar nach den Hartz-Reformen im Berichtsjahr 2005 zum Tragen kam. Durch Hartz IV wurden etwa zwei Millionen Deutsche von der Arbeitslosenhilfe auf die Sozialhilfe heruntergestuft, was das Armutsrisiko zunächst in der Tat vergrößerte. Inzwischen hat Hartz IV aber gewirkt. Allein in Westdeutschland hat der jüngste Konjunkturaufschwung mindestens 1,1 Millionen Stellen über das Maß hinaus gebracht, das man nach einer Fortschreibung früherer Konjunkturmuster erwarten konnte. Der Arbeitsplatzgewinn hat – zusammen mit Lohnzuschüssen für Niedrigverdiener – erheblich zum Rückgang der Armutsgefährdung und zur Stabilisierung der Mittelschicht beigetragen – nur sieht man das nicht in der Statistik des Jahres 2005.

Außerdem, so HansMinusWerner Sinn, würde sich die im Armutsbericht der Bundesregierung dargestellte Entwicklung nicht auf das Pro-Kopf-Einkommen, sondern auf das “bedarfsgewichtete Einkommen” beziehen und “dabei wird unterstellt, dass zwei Singles zusammen ein Drittel mehr Einkommen brauchen als ein Paar. Das ist nicht unplausibel, impliziert aber, dass die zitierten Verteilungsmaße eher die Ausweitung gesellschaftlicher Wunschvorstellungen als ökonomisch bedingte Versorgungsdefizite widerspiegeln.

Daraus folgt für die Gedankenwelt des HansMinusWerner Sinn, dass der Grund allen Übels die Einpersonenhaushalte sind, denn “wohnen beide Partner zusammen, gehören sie zur Mittelschicht und gelten nicht als armutsgefährdet. Deklarieren sie getrennte Haushalte, um mehr Geld vom Staat zu bekommen, zählt der arbeitslose Partner plötzlich als armutsgefährdet. Es ist offenkundig, dass die Bedarfsgewichtung bei der Berechnung der Verteilungsmaße zu keinen sinnvoll interpretierbaren Ergebnissen führt, wenn die Familie erodiert und der Staat diese Erosion finanziell fördert. Verhaltensänderungen, für die Menschen sich entscheiden, um ihre ökonomische Situation zu verbessern, werden als Verschlechterung der Lebenslage in den Statistiken erfasst und führen zu Alarmrufen der Politik. Dazu kann ich nur sagen: bedarfsgewichteter Käse, mehr nicht.

Da hat er allerdings mal ausnahmsweise Recht, der HansMinusWerner Sinn, der Spezialist für „bedarfsgewichteten Käse“ vom Ifo-Institut in München!

Jetzt muss man ihm nur noch verklickern, dass der offensichtlich steigendenden Armutsgefährdung allein lebender Personen durch zwangsweise Kasernierung und/oder Barackenunterbringung in Arbeitslagern erfolgreich entgegengewirkt werden könnte
Und wenn man sich über dem Eingangstor dann noch eine schöne Überschrift wie “Arbeit macht (zwar arm aber) frei” vorstellt, dann wirkt das Ganze schon fast wie eine sozialstaatliche Vorsorgemaßnahme, die man dem tumben Volk unter dem Arbeitstitel “Hartz V” verkaufen könnte.

Mir persönlich hat allerdings in dem “bedarfsgewichteten Käse” der Satz “die öffentliche Diskussion leidet unter einer Begriffsverwirrung, negiert die Existenz des deutschen Sozialstaates, bezieht sich auf veraltete Zahlen und wird durch ein statistisches Artefakt in die Irre geführt” ganz besonders angetan, sind doch darin die wichtigsten Elemente der von HansMinusWerner Sinn seit Jahren betriebenen pseudowissenschaftlichen Täuschung der Öffentlichkeit zusammengefasst:

a-tens: Ihr seid alle ziemlich dämlich und
b-tens: es geht es euch noch nicht dreckig genug und
c-tens: ihr habt keine Ahnung was hier wirklich läuft und
d-tens: kann man euch mit jeder zusammengetricksten Statistik ein X für ein U vormachen

Ich bin nicht etwa der Einzige, der dem HansMinusWerner Sinn und seinem Institut für Wirtschaftsforschung geistige Bedürftigkeit gepaart mit Auftragspopulismus vorwirft, denn schon 2006 haben 15 deutsche Ökonomen deutliche Kritik an der Forschungsqualität des Ifo-Instituts geäußert und bezweifelt, “ob alle politischen Ratschläge des Ifo-Instituts auf ausreichend rigoroser, empirischer Forschung basieren“.
Die eklatanten Schwächen seien nicht zu übersehen, kritisieren damals die Juroren, deren Votum für die weitere Finanzierung des IFO-Instituts durch Bund und Länder entscheidend ist.

Übrigens wurde Pater Brown wegen seiner Vorliebe fürs Kriminelle von seinem Bischof auf eine einsame Insel versetzt.
Für den von HansMinusWerner Sinn verzapften “bedarfsgewichteten Käse”, den dann zu allem Überfluss auch noch die Wirtschaftswoche abdruckt, wäre das jedoch schon fast ein Gnadenakt.
Statt dessen sollten wir den HansMinusWerner Sinn, wie es sich für einen richtigen Propheten gehört, einfach in die Wüste schicken und das am besten ohne Kompass.
Machopan
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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 30. Juni 2008 um 05:45:16 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik, Gesellschaft, Wirtschaft | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

13 Antworten zu “Bedarfsgewichteter Käse”

  1. mitdenker meint:

    In die Wüste schicken? Das könnte aber fatale Folgen für die Menschen haben. Denn dieser so genannte Professor (aus dem Lateinischen profiteri – ein Schelm, wer dabei noch eine Wortverwandschaft herstellt) würde aus der Wüste mit Worten doch glatt blühende Landschaften machen.
    Immerhin gäbe es dann nach seinen Berechnungen sicherlich genügend Wasser und Lebensmittel aus den Oasen, um alle ausreichend und sozial zu versorgen. Rein rechnerisch.
    Dass dabei Tagesmärsche von vielen Tagen erforderlich wären, um an die Oasen zu kommen, ließe dieser Wirtschaftswitzschaftler als vernachlässigbare Größe sicher ausser Acht.

    Wie lange kommt doch gleich ein Mensch ohne Flüssigkeitszufuhr aus?

  2. Pathologe meint:

    Momet, Herr Mitdenker. Das mit dem “in die Wueste schicken” des Herrn Unsinn beschwoerte doch bereits die naechste Krise herauf, verstuenden die Tuareg das Geschwafel des Herrn. Ihre grausame Rache waere genau das sinnlich berechnete Wasser auf die Muehlen eines Dr. Rollstuhls.

    Auch kann ich mich entSinnen, dass gerade die neoliberale Mischpoke immer wieder die Mobilitaet der Arbeitnehmer gefordert hat. Somit waere ein Erreichen der Oasen nur im Interesse der Pflichterfuellung gegeben. Verbrauchswerte liesse man dabei, wie bei den Geschaeftswagen, eben aussen vor.

    42 Tage ohne Fluessigkeitszufuhr, habe ich mal gehoert. Allerdings haben amerikanische Verhoerspezialisten da ein probates Mittel dagegen gefunden. Also gegen solche Personen wie den Minus-HW. Sie nennen es “boarden” und handelt von ungebremster Fluessigkeitszufuhr. Moeglicherweise spuelt so eine Behandlung all den Muell aus seinen Ganglien?

  3. otti meint:

    Wo ist der Unterschied zwischen Sen (Nobelpreisträger) und Sinn (Talker)? Sen macht Sinn.

    Wo der Unsinn anfängt, da hört der Sinn nicht auf (Klabautermann).

    Was ist bei Volks- und Betriebswirtschaftlehre wissenschaftlich, ist da eins und eins immer zwei, oder auch mal drei minus eins (Kosto)? Wir sollten den renommierten Ökonom (Spiegel) mit seinen Zahlendeutungen nicht so wichtig nehmen.

    Gegen einen unmenschlichen Kapitalismus! Nein zu der Person.

  4. wilm meint:

    In die wüste schicken den Unsinn(?) ein gar gefährliches Unterfangen. Bei den fantasievollen Rechenkünsten des Prof. Hans - Werner Sinn, dürfte spätestens in fünf Jahren der Sand alle sein. :(

  5. mitdenker meint:

    @Pathologe
    Na, na. Da ist was verwechselt worden, siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Verdursten
    Die 42 Tage beziehen sich eventuell auf die Nahrungsaufnahme
    http://de.wikipedia.org/wiki/Verhungern
    @wilm
    …der Sand alle sein, weil er damit sandige Luftschlösser bauen ließ…
    @otti
    doch, doch, auch BWL und VWL ist Wissenschaft: http://de.wikipedia.org/wiki/Wissenschaft
    Nur im Gegensatz zu den z.B. Naturwissenschaften, die Objektiv sind (also unabhängig und außerhalb unseres Bewusstseins) wirkt die Ökonomie eben NUR durch menschlische Handlungen. Demzufolge ist der subjektive Faktor Mensch eine entscheidender Faktor. Wie man sehen kann, wird dieser Faktor eben auch einmal negativ….
    Und ihn nicht wichtig nehmen oder gar ignorieren wäre sehr gefährlich für die meisten Menschen (=Mehrheit) in diesem Ländle. Dazu ist sein Einfluss und der der “Initiative neue soziale Marktwirtschaft” bereits viel zu groß geworden. Deren Raubritter sitzen bereits mit gezogenem Schwert an so vielen wichtigen Hebeln der Gesellschaft.

  6. Fred Sky meint:

    Schuld ist der Rhesusfaktor “g”, Udo hat negativ und singt in der Kunst, Hans-Minus sicherlich positiv und sinkt in der Gunst (fliehende Stirn, fliehende Wähler) :)
    “Auch die Kommunikation und Interaktion spielt eine bedeutende Rolle. Etliche Arten haben eine Vielzahl von Lauten, die zur Markierung des Territoriums, zur Suche nach Gruppenmitgliedern, zur Drohung oder zur Warnung von Fressfeinden dienen kann.”
    http://de.wikipedia.org/wiki/Primaten

  7. otti meint:

    Reichtum lebt gut von Armut

    ARMUT DIENT UND BEDIENT REICHTUM
    oder
    Wenn der Ein-Euro-Jobber auf das zerschröderte Ein-Euro-Deutschland trifft, wächst zusammen, was nie und nimmer zusammengehört in einem ausgemerkelten Land
    A
    Schon die Überschrift des Artikels des Leiters (“Präsident”) des ifo Instituts, Hans-Werner Sinn, „Der bedarfsgewichtete Käse und die neue Armut“ macht die propagandistische Intention des Verfassers deutlich, nämlich den Sachverhalt zunehmender Armut und Ausgrenzung zu relativieren. Vier Fünftel der Menschen haben vom Aufschwung nicht profitiert. Von einer Teilhabe kann keine Rede sein. Die große Mehrheit buckelt und dackelt für eine kleine, maßlos egoistische Oberschicht, die sich gegenseitig Vorteile zuschanzt (s. z.B. Aufsichtsrat und Vorstand einer AG).
    Wenn die Person in einem Atemzug von „neuer“ Armut spricht, die ganz und gar nicht neu ist und gleichzeitig diesen unhaltbaren Zustand mit Käse in Verbindung bringt, so zeigt sich darin schlicht und einfach eine gnadenlose Missachtung der am Rande der Gesellschaft lebenden Menschen. Und die sind von wegen arm, denn da gibt es gerade mal ein “Armutsrisiko” statt Armut, “Armutsgefährdung”(60% vom Mittelwert des Einkommens), “relative Einkommensarmut” (50%) und – ganz weit hinten – “Armut” (40%). Dass die Berechnung und Verwendung des errechnenten Mittelwertes je nach Organisation mal so oder mal so ausfällt, braucht angesichs des schönfärberischen Berichts der Bundesregierung nicht weiter betont zu werden.
    Armut wird weichgespült und verharmlost.
    Aussagen zum Reichtum kommen weder im Kommentar Sinns noch im Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregieruung vor.
    Reichtum versteckt sich – auch erfolgreich vor der Steuer.
    Bei Armut hat man die Hosen runterzulassen, sowie Wohnung und Schränke zu öffnen.
    Armut heißt Schikane, Reichtum ist Edel-DDR und steht außerhalb gesellschaftlicher Gesetze.
    B
    Eine Lohnspreizung habe zwar in Deutschland zugenommen, erklärt die Person, relativiert deren Ausmaß aber sofort mit einem Verweis auf noch marktradikalere angelsächsische Länder und fabuliert hier völlig unwissenschaftlich ex cathedra, das Phänomen der Lohnspreizung bzw. der wachsenden Ungleicheit von Markteinkommen sei der Niedriglohnkonkurrenz ex-kommunistischer Staaten geschuldet. Die von der Schröder- und Merkel-Regierung im eigenen Land entfachte schamlose und menschenverachtende Niedriglohnkonkurrenz („Reformen des Sozialstaates“) kann dabei gegen die „ex-kommunistischen Gebiete der Welt“ natürlich nicht anstinken, weshalb deren Erwähung in diesem Zusammenhang für den Samariter der „sozialen Kohärenz der Gesellschaft“ (hä?) offenbar obsolet ist, aber in der Sache immer noch nicht ausreicht, obwohl er darauf bereits seit „anderthalb Jahrzehnten“ hinweist. Dass im Umkehrschluss die hierzulande bezahlten exzessiven Managerbezüge angelsächsischer Hochlohnkonkurrenz geschuldet sein würden ist gleichwohl derselbe Blödsinn, wie z. B. Japans Gehaltssystem zur Genüge zeigt. Eine Angleichung der “Lohnstrukturen bezüglich der Qualifikationsstufen”, auf der einen Seite Gier, auf der anderen Duldungsstarre, ist tatsächlich eingetreten: oben bereichert man sich, unten verarmt man. Was die da oben denen da unten abgepresst haben, das verjubeln die da oben dann an der Börse oder im Unternehmen. Die da oben schaffen keinen Mehrwert.
    Die da oben schaffen viel Unwert.
    Gerade die Perversionen des internationalen Finanzkapitalismus (Immobiliencrash und damit zusammenhängende Hypothekenkrise in den Vereinigten Staaten mit weltweiter Finanz- und Vertrauenskrise oder auch Gesetzgebungsverfahren in Teuschland wegen Kreditverkäufen von Banken) machen unmissverständlich klar, wer um des kurzfristigen und persönlichen Profits willen die Auflösung ganzer Gesellschaften mutwillig in Kauf nimmt. Solche Leute und ihre politischen Helfershelfer sind es, die die Menschen in die Armut treiben, die ihnen die Würde nehmen, die sie in kapitalistischer Gier bis auf’s Blut aussaugen.
    Solches Finanzgesindel zerstört ganze Gesellschaften.
    C
    Hat „der deutsche Sozialstaat“ etwa bei dem verhungerten Speyerer „die Würde des Menschen durch Sozialleistungen gesichert“? Oder gehörte der Verhungerte eben zum „harten Kern derer, die aus vielerlei Gründen von den Geldangeboten des Sozialstaates keinen Gebrauch machen und anderweitige Hilfe benötigen“? Eine Bemerkung im Armutsbericht dazu wird man wohl „auch gar nicht“ finden, wenn man an die angeblichen „Geldangebote“ denkt. Für „anderweitige Hilfe“ ist Mutter Teresa in Indien zuständig, basta.
    Der Sozialstaat ist dem neoliberalen Terror geopfert worden.
    D
    Hintersinnig bringt der Kämpfer gegen asoziales Lotterleben, Prof. Hans-Werner Sinn, den Begriff einer “Trennungsprämie” ins Spiel, die allerdings vom Sozialstaat nur gezahlt und als “Verschlechterung der Lebenslage in den Statistiken erfasst” wird, wenn beide Partner (der eine gut verdienend, der andere arbeitslos) keine Bedarfsgemeinschaft bilden, sondern von Tisch und Bett getrennt leben.
    Wie kann es angehen, wenn eine Partnerschaft oder “die Familie erodiert und der Staat diese Erosion sogar noch finaziell fördert”, nämlich durch die von Sinn eingeführte Trennungsprämie? Prämien gibt’s nur in guten Zeiten, in schwierigen oder schlechten kann ’sou ebbes’ (so etwas) ganz schnell einkassiert werden, was wohl im Sinne des Hans-Werner Sinn wäre, da eine auf die Trennungsprämie aufbauende und die eigene “ökonomische Situation” verbessernde “Verhaltensänderung” der betroffenen Menschen nicht nur Statistiken sondern auch den Staatshaushalt negativ berührt.
    Wie kann es angehen, dass der arbeitslose Partner, der z.B. von einer ‘Heuschrecke’ zwecks perönlicher Gewinnoptimierung entlassen wurde, nun nicht seinem gut verdienenden Partner auf der Tasche liegen soll, der also die Zeche für die Gewinnmaximierung der Heuschrecke zu blechen hätte, die aber wiederum selbst durch eine marktradikale Steuergesetzgebung zur angeblichen Stärkung des Standorts von Steuerzahlungen weitgehend verschont bliebe?
    Zur Entlastung des Asozialstaates und einer ansonsten nicht mehr “sinnvoll interpretierbaren” Statistik ist in einem solchen Fall die umgehende Zwangsheirat der beiden Partner in die Wege zu leiten, damit auf der einen Seite die soziale Kohärenz (Zusammenhalt) gestärkt wird und auf der anderen Seite der Reichtum, ungestört von jedwedem Armutsgedöns, weiter wachsen kann.
    Reichtum will nicht mit Armut belästigt werden.
    E
    Die gesamte wirtschafts-, sozial-, rechtspolitische und rechtsstaatliche Grundverlogenheit so genannter Reformen und Reformer manifestiert sich in jeder Beziehung umfassend in einem Namen: Hartz.
    F
    Ein “richtiger Prophet”, mein lieber Machopan, geht freiwillig in die Wüste, der braucht keinen Kompass. Die kruden Vorstellungen des Hans-Werner Sinn mit der Bergpredigt in Verbindung bringen zu wollen, würde Jesus Christus sicherlich nicht unterschreiben und den Mann einfach aus dem Tempel jagen. Der Mann taugt nicht für ‘Das Wort zum Sonntag’, eher schon für das zum Montag, damit die Arbeitssklaven auch gleich wissen, was ihnen blüht.
    Der Mann aus dem Abendland mit seiner Basarökonomie soll mal seinen Käse im Morgenland marktschreierisch feilbieten. Wahrscheinlich würde er dabei verschimmeln. Der Käse – und er.
    G
    KaH

  8. otti meint:

    Hans-Werner Sinns „bedarfsgewichteter Käse“ feiert in der FAZ unter der Überschrift „Was treibt ein Single in der Armutsstatistik?“ fröhliche Urständ’.
    http://www.faz.net/s/RubB8DFB31915A443D98590B0D538FC0BEC/Doc~E88F67202BA664861BC32E373F89E9721~ATpl~Ecommon~Scontent.html
    Hoffentlich „treibts“ ein Single mit Kondom, sonst ist er schnell ganz weit unten in der Armutsstatistik.
    „Jenseits der Statistik geht es den Singles womöglich gar nicht so schlecht“, schreibt der FAZ-Autor.
    Dieseits der Statistik wird der Single „womöglich“ als unbezahlter Praktikant ausgebeutet, dann ist er wenigstens nicht arbeitslos. Auch ‘ebbes’ (etwas).

    ‘Sinn’-Kritik
    http://www.kritische-wirtschaftswissenschaften.de/Papers/betz-sinn.htm

    Butterwegge, Sozialstaat
    http://www.labournet.de/diskussion/arbeit/realpolitik/allg/butterwegge.html
    http://www.sopos.org/aufsaetze/403224bfd7cf5/1.phtml
    http://www.uni-koeln.de/ew-fak/seminar/sowi/politik/butterwegge/texte.htm
    http://www.wdr.de/themen/politik/deutschland02/armut/interview_080519.jhtml

    Mathematisierte Scharlatanerie
    Zur ´ideologiefreien Methodik` der neoklassischen Lehre
    Claus Peter Ortlieb
    http://www.math.uni-hamburg.de/home/ortlieb/MathScharlatanPS.pdf

    Sozialpolitik aktuell, Berichte von Bundesregierung (Armuts- und Reichtumsbericht), Forschungsinstituten etc.
    http://www.sozialpolitik-aktuell.de/berichte_einkommen.shtml

  9. Machopan meint:

    Tja Otti, ich hab den Artikel in der FAZ gelesen.
    Das ist O-Ton HansMinusWerner Unsinn!
    Aber so so ist das mit dem Auftragsjournalismus nun mal.
    Früher nannte man das Propaganda. Beiden gemein ist nicht nur die fehlende eigene Meinung, sondern auch noch die fehlenden Skrupel.
    Entweder wird bis auf das Komma genau abgeschrieben oder solange an der Wahrheit herumgedreht, bis es zur eigenen Ideologie passt.
    Wer viel liest, könnte bei “Wetten dass” zu Textpassagen aus der Tagespresse auch das Blatt benennen, das den Schwachfug zu Papier und unters Volk gebracht hat.

  10. otti meint:

    Niedriglöhne, Lohnspreizung
    Hans-Ulrich Jörges’ Zwischruf, stern, „Der Armuts-Wahn
    Wenn „wachsende Armut im Kern ein Ausländerproblem ist“, dann dürfte es in der Ex-DDR ja wohl keine Armut geben.

  11. otti meint:

    Staatlich geförderter Menschenhandel im schamlosen Sozialstaat.
    http://www.jungewelt.de/2008/08-13/004.php
    Hier kommt die ganze Verlogenheit unseres politischen Systems zum Vorschein.
    Erbärmlich!

  12. otti meint:

    Runtergekommenes Täuschland:
    http://www.linkezeitung.de/cms/index.php?option=com_content&task=view&id=5311&Itemid=44

  13. otti meint:

    Die propagandistische Maßlosigkeit des Sinn.
    http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/Finanzen-Hans-Werner-Sinn-Finanzkrise;art130,2645622
    Widerlich!

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