Endspiel

7. Juli 2008 05:45

Lieber Freund

Kennen Sie eigentlich den Unterschied zwischen einem Endspiel und einem Trauerspiel?
Egal was Ihnen dazu spontan einfällt, ich weiß spätestens seit dem letzten Spieltag der Fußball-Europameisterschaft 2008, dass die Schnittmenge beider Ereignisse nahezu bei 100% liegen kann.

An der quantitativen personellen Besetzung der Tribünen hat es sicher nicht gelegen, denn das Haus war voll und die Stimmung war auch nicht schlecht, wobei aus Sicht der deutschen Mannschaft mit zunehmender Spieldauer das Endspiel zu einem Trauerspiel mutierte. Als Zuschauer musste man nur ab und zu einen Blick auf die eingefrorenen Lefzen der Bundesangela werfen, um zu erkennen, dass es nicht gut um Deutschland stand und die Rechnung mit dem Sommermärchen 2008 nicht aufging.
Dabei hatte die Angela aus Berlin ja noch extra Jubelverstärkung mitgebracht, sogar Horst “meine- Frau-und-ich” war da, allerdings musste die Gattin des Bundespräsidenten in der zweiten Reihe Platz nehmen, während beim Spiel Deutschland gegen die Türkei die Frau Erdogan, sogar mit Kopftuch, neben ihrem Göttergatten sitzen durfte. Derartige Beobachtungen sollte man sich gut merken, um sie ann bei zukünftigen Diskussionen über die Unterdrückung kopftuchtragender Frauen in der türkischen Kultur als Stein des Anstoßes ins Spiel zu werfen.

Wie bereits im Jahr 2006, während der Fußballweltmeisterschaft, hat die Bundesregierung die Zeit der nationalen Freude und Glückseligkeit wiederum geschickt genutzt um, weitgehendst unbeachtet vom Volk, einige weitreichende Gesetze zu beschließen.
War es in 2006 mit der Erhöhung der Mehrwertsteuer die unverschämteste Steuererhöhung der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte, so war es diesmal noch viel schlimmer. Aber wen interessiert das schon, angesichts der “Erfolge” der deutschen Fußballnationalmannschaft, die es diesmal sogar bis ins Endspiel geschafft hat. Dagegen kommt bei Menschen, die nicht nur den Sportnachrichten lauschen, sich keine Nationalfarben ins Gesicht schmieren und vom Deutschlandlied nicht nur die dritten Strophe singen können, so langsam Endzeitstimmung auf.

So weit, so gut, kommen wir daher zum Schluss dieses Trauerspiels und zum Spielverlauf des Endspiels aus deutscher Sicht.
Der ist rasch erzählt, denn statt langer Pässe auf dem Spielfeld, gab es am Ende lange Gesichter auf der Tribüne.
“Selten war eine 0:1-Niederlage so deutlich”, schrieb die Presse tags darauf, denn erst schoss Metzfelder nach einem Ballverlust von Hitzsperger fast ein Eigentor, das von Lehmann auf der Linie gerade noch verhindert werden konnte. Dann bediente Mertesacker per Fehlpass die Spanier, anschließend ließ sich Metzfelder von Torres tunneln, der dann gleich darauf höher stieg als Mertesacker, aber da noch nicht ins Tor von Lehmann traf, sondern nur den Pfosten.
Von diesem Schock in der 16ten Minute erholte sich das deutsche Team bis zum Spielende nicht mehr und wagte sich bis zum Schlußpfiff kaum noch über die Mittellinie, geschweige denn in den Strafraum vor dem gegnerischen Tor.

Jetzt einzelne Spieler wegen ihrer Leistungen aus dem bundesdeutschen Herumgekicke herauszugreifen macht wenig Sinn, auch wenn es mich schon jucken würde, solchen Spielfiguren wie „Schweini“ mal die gegeelten Blondborsten ordentlich gegen den Strich zu bürsten.

Und Ballack?
Who the fuck is Ballack?
Ach, Sie meinen den Dressman der Nation mit dem Lockenköpfchen über den traurigen Augen und der Unglücksnummer 13 auf dem Rücken, dessen Wade vor dem Spiel für so viele Schlagzeilen sorgte?
Also die Schmarre über die Auge ist neu, aber die Wade hatte schon bei der Weltmeisterschaft im Jahr 2006, fast auf den Tag genau, Angst vor einer Teilnahme am Endspiel und krampfte sich in weiser Voraussicht auf den ebenfalls verkrampften Spielverlauf ebenfalls schon mal vorsorglich zusammen.
Same procedure as 2006, Mr. Ballack?
Oder auf gut Deutsch, was will man mit einem Mannschaftskapitän, den jedesmal in Erfolgsnähe eine körperliche Unpässlichkeit befällt.
Für mich als ehemaligen aktiven und passiven Fußballjunkie sind jedoch zwischenzeitlich nicht die Ereignisse auf dem Spielfeld der Höhepunkt, sondern die Kommentare und Analysen des Günter Netzer, ehemaliger Mittelfeldspieler bei Borrusia Mönchenglapptnix, der einst mit weiten Pässen und Vorstößen “aus der Tiefe des Raums” für Aufsehen auf dem Spielfeld sorgte.
Das war jedoch noch bevor er sich offensichtlich das Hirn weggeköpft hat, denn in seiner heutigen Funktion als “Standfußballer” bei der ARD, sorgt er mit weitschweifigen Kommentaren „aus der Leere des Raums“, zumindest bei mir, nur noch fürs Weghören vor der Glotze.

Ach ja, in zwei Jahren ist schon wieder Weltmeisterschaft.
Schaun wir mal, ob dann die Angela und der Horst “meine-Frau-und-ich” beim Endspiel noch auf der Ehrentribüne sitzen.

Machopan
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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 7. Juli 2008 um 05:45:13 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik, Gesellschaft, Sport | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

2 Antworten zu “Endspiel”

  1. otti meint:

    Die größte Strafe für den Fernsehzuschauer war der wiederholte Schwenk der Kameras auf das so genannte prominente Publikum aus der Politik. Das hat das Fass bei disem Trauerspiel tatsächlich zum Überlaufen gebracht.

  2. mitdenker meint:

    Nur das Endspiel ein Trauerspiel???
    Der ganze noch so genannte Sport ist doch in meinen Augen zu einem einzigen Trauerspiel verkommen. Sportler als wandelnde Reklamegurus, die Medien als Transporteur der Werbebotschaften und das ganze in einem Umfang, die unverhältnismäßig sind.
    Wenn es im Morgenfernsehen durchschnittlich 10 Minuten Sport“nachrichten“ gibt, jedoch nur drei Minuten „echte“ Nachrichten, zeigt sich, wie diese Gesellschaft manipuliert wird.
    Und ist es denn noch Sport?
    Zitat: “Für die Geschichte des Sports ist bedeutend, dass er ursprünglich ALS SPIEL dem Ernst einer Erwerbstätigkeit … gegenübergestellt wurde.“
    Es freut mich für jeden der Spieler Spaniens, wenn er für den Sieg schlappe 210.000 Euro bekommt, also dem Äquivalent von über 600 Monaten Bezüge eines HARZ IV – Empfängers (sprich dem Äquivalent von 50 Jahren HARZ IV – Bezug). Schliesslich schaut der doch nur zu – so er noch einen Fernseher hat und das Geld für die GEZ-Gebühren. Die Frage ist doch, woher dieses Geld (und das viele Geld der anderen Sportarten) kommt. Na klar, unter anderem aus Sponsorengeldern. Also erarbeitet von den Mitarbeitern bei z.B. Siemens (die jetzt wieder bluten müssen, damit einige Sportler weiter bestens bedient werden können), Mercedes-Benz, McDonald (ist doch klar, dass die Bedienkräfte damit an der unteren Scala der Einkünfte stehen müssen – und außerdem passen Fastfood und Sport doch so prima zusammen), die Allianz und andere dieser Versicherungsunternehmen (die durch verweigerte oder verzögerte Auszahlungen von Versicherungsfällen ein breites Sponsoring bis hin zu eigenen Arenen betreiben, jedoch unbedingt weitere gutgläubige Einzahler werben müssen); die diversen Telekommunikationsunternehmen (die natürlich auch durch das „verschlanken“ von Strukturen die „Wettbewerbsfähigkeit“ erhöhen wollen) und noch so viele, viele andere Firmen. Nicht zu vergessen die Pharmaindustrie, die durch diverse Produktentwicklungen einen so entscheidenden Beitrag leistet an der Entwicklung der „Leistungsträger“ – sprich Medaillen – und Titelträger im Sport.
    panem et circenses. Oder doch nur alles ein Trauerspiel?

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7. Juli 2008 05:45

Lieber Freund

Kennen Sie eigentlich den Unterschied zwischen einem Endspiel und einem Trauerspiel?
Egal was Ihnen dazu spontan einfällt, ich weiß spätestens seit dem letzten Spieltag der Fußball-Europameisterschaft 2008, dass die Schnittmenge beider Ereignisse nahezu bei 100% liegen kann.

An der quantitativen personellen Besetzung der Tribünen hat es sicher nicht gelegen, denn das Haus war voll und die Stimmung war auch nicht schlecht, wobei aus Sicht der deutschen Mannschaft mit zunehmender Spieldauer das Endspiel zu einem Trauerspiel mutierte. Als Zuschauer musste man nur ab und zu einen Blick auf die eingefrorenen Lefzen der Bundesangela werfen, um zu erkennen, dass es nicht gut um Deutschland stand und die Rechnung mit dem Sommermärchen 2008 nicht aufging.
Dabei hatte die Angela aus Berlin ja noch extra Jubelverstärkung mitgebracht, sogar Horst “meine- Frau-und-ich” war da, allerdings musste die Gattin des Bundespräsidenten in der zweiten Reihe Platz nehmen, während beim Spiel Deutschland gegen die Türkei die Frau Erdogan, sogar mit Kopftuch, neben ihrem Göttergatten sitzen durfte. Derartige Beobachtungen sollte man sich gut merken, um sie ann bei zukünftigen Diskussionen über die Unterdrückung kopftuchtragender Frauen in der türkischen Kultur als Stein des Anstoßes ins Spiel zu werfen.

Wie bereits im Jahr 2006, während der Fußballweltmeisterschaft, hat die Bundesregierung die Zeit der nationalen Freude und Glückseligkeit wiederum geschickt genutzt um, weitgehendst unbeachtet vom Volk, einige weitreichende Gesetze zu beschließen.
War es in 2006 mit der Erhöhung der Mehrwertsteuer die unverschämteste Steuererhöhung der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte, so war es diesmal noch viel schlimmer. Aber wen interessiert das schon, angesichts der “Erfolge” der deutschen Fußballnationalmannschaft, die es diesmal sogar bis ins Endspiel geschafft hat. Dagegen kommt bei Menschen, die nicht nur den Sportnachrichten lauschen, sich keine Nationalfarben ins Gesicht schmieren und vom Deutschlandlied nicht nur die dritten Strophe singen können, so langsam Endzeitstimmung auf.

So weit, so gut, kommen wir daher zum Schluss dieses Trauerspiels und zum Spielverlauf des Endspiels aus deutscher Sicht.
Der ist rasch erzählt, denn statt langer Pässe auf dem Spielfeld, gab es am Ende lange Gesichter auf der Tribüne.
“Selten war eine 0:1-Niederlage so deutlich”, schrieb die Presse tags darauf, denn erst schoss Metzfelder nach einem Ballverlust von Hitzsperger fast ein Eigentor, das von Lehmann auf der Linie gerade noch verhindert werden konnte. Dann bediente Mertesacker per Fehlpass die Spanier, anschließend ließ sich Metzfelder von Torres tunneln, der dann gleich darauf höher stieg als Mertesacker, aber da noch nicht ins Tor von Lehmann traf, sondern nur den Pfosten.
Von diesem Schock in der 16ten Minute erholte sich das deutsche Team bis zum Spielende nicht mehr und wagte sich bis zum Schlußpfiff kaum noch über die Mittellinie, geschweige denn in den Strafraum vor dem gegnerischen Tor.

Jetzt einzelne Spieler wegen ihrer Leistungen aus dem bundesdeutschen Herumgekicke herauszugreifen macht wenig Sinn, auch wenn es mich schon jucken würde, solchen Spielfiguren wie „Schweini“ mal die gegeelten Blondborsten ordentlich gegen den Strich zu bürsten.

Und Ballack?
Who the fuck is Ballack?
Ach, Sie meinen den Dressman der Nation mit dem Lockenköpfchen über den traurigen Augen und der Unglücksnummer 13 auf dem Rücken, dessen Wade vor dem Spiel für so viele Schlagzeilen sorgte?
Also die Schmarre über die Auge ist neu, aber die Wade hatte schon bei der Weltmeisterschaft im Jahr 2006, fast auf den Tag genau, Angst vor einer Teilnahme am Endspiel und krampfte sich in weiser Voraussicht auf den ebenfalls verkrampften Spielverlauf ebenfalls schon mal vorsorglich zusammen.
Same procedure as 2006, Mr. Ballack?
Oder auf gut Deutsch, was will man mit einem Mannschaftskapitän, den jedesmal in Erfolgsnähe eine körperliche Unpässlichkeit befällt.
Für mich als ehemaligen aktiven und passiven Fußballjunkie sind jedoch zwischenzeitlich nicht die Ereignisse auf dem Spielfeld der Höhepunkt, sondern die Kommentare und Analysen des Günter Netzer, ehemaliger Mittelfeldspieler bei Borrusia Mönchenglapptnix, der einst mit weiten Pässen und Vorstößen “aus der Tiefe des Raums” für Aufsehen auf dem Spielfeld sorgte.
Das war jedoch noch bevor er sich offensichtlich das Hirn weggeköpft hat, denn in seiner heutigen Funktion als “Standfußballer” bei der ARD, sorgt er mit weitschweifigen Kommentaren „aus der Leere des Raums“, zumindest bei mir, nur noch fürs Weghören vor der Glotze.

Ach ja, in zwei Jahren ist schon wieder Weltmeisterschaft.
Schaun wir mal, ob dann die Angela und der Horst “meine-Frau-und-ich” beim Endspiel noch auf der Ehrentribüne sitzen.

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  1. otti meint:

    Die größte Strafe für den Fernsehzuschauer war der wiederholte Schwenk der Kameras auf das so genannte prominente Publikum aus der Politik. Das hat das Fass bei disem Trauerspiel tatsächlich zum Überlaufen gebracht.

  2. mitdenker meint:

    Nur das Endspiel ein Trauerspiel???
    Der ganze noch so genannte Sport ist doch in meinen Augen zu einem einzigen Trauerspiel verkommen. Sportler als wandelnde Reklamegurus, die Medien als Transporteur der Werbebotschaften und das ganze in einem Umfang, die unverhältnismäßig sind.
    Wenn es im Morgenfernsehen durchschnittlich 10 Minuten Sport“nachrichten“ gibt, jedoch nur drei Minuten „echte“ Nachrichten, zeigt sich, wie diese Gesellschaft manipuliert wird.
    Und ist es denn noch Sport?
    Zitat: “Für die Geschichte des Sports ist bedeutend, dass er ursprünglich ALS SPIEL dem Ernst einer Erwerbstätigkeit … gegenübergestellt wurde.“
    Es freut mich für jeden der Spieler Spaniens, wenn er für den Sieg schlappe 210.000 Euro bekommt, also dem Äquivalent von über 600 Monaten Bezüge eines HARZ IV – Empfängers (sprich dem Äquivalent von 50 Jahren HARZ IV – Bezug). Schliesslich schaut der doch nur zu – so er noch einen Fernseher hat und das Geld für die GEZ-Gebühren. Die Frage ist doch, woher dieses Geld (und das viele Geld der anderen Sportarten) kommt. Na klar, unter anderem aus Sponsorengeldern. Also erarbeitet von den Mitarbeitern bei z.B. Siemens (die jetzt wieder bluten müssen, damit einige Sportler weiter bestens bedient werden können), Mercedes-Benz, McDonald (ist doch klar, dass die Bedienkräfte damit an der unteren Scala der Einkünfte stehen müssen – und außerdem passen Fastfood und Sport doch so prima zusammen), die Allianz und andere dieser Versicherungsunternehmen (die durch verweigerte oder verzögerte Auszahlungen von Versicherungsfällen ein breites Sponsoring bis hin zu eigenen Arenen betreiben, jedoch unbedingt weitere gutgläubige Einzahler werben müssen); die diversen Telekommunikationsunternehmen (die natürlich auch durch das „verschlanken“ von Strukturen die „Wettbewerbsfähigkeit“ erhöhen wollen) und noch so viele, viele andere Firmen. Nicht zu vergessen die Pharmaindustrie, die durch diverse Produktentwicklungen einen so entscheidenden Beitrag leistet an der Entwicklung der „Leistungsträger“ – sprich Medaillen – und Titelträger im Sport.
    panem et circenses. Oder doch nur alles ein Trauerspiel?

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