Stauabbau

4. August 2008 05:45

Lieber Freund

Flachwassertaucher Wolfgang Tiefensee, der verkehrte Verkehrsminister hat die schlechte Luft über der bunten Repupslik mal wieder mit einem seiner, wie immer, übelst riechenden Hirnwinde angereichert.

Diesmal ist es ein ganzes Maßnahmenpaket oder, wie der SPIEGEL schreibt, ein Bündel an Ideen zur Vermeidung von Stau auf bundesdeutschen Autobahnen, denn des Verkehrsministers wichtigstes Anliegen ist, so erzählte er wörtlich der BLÖD am SONNTAG, “dass sich Lkw und Pkw auf den Autobahnen weniger in die Quere kommen”.

Nun weiß selbst jeder Fahranfänger, der einen Stau noch für eine gute Möglichkeit zum stehenden Verkehr betrachtet, dass es auf der Autobahn so gut wie keinen Querverkehr gibt. Manchmal gibt es zwar etwas Gegenverkehr, aber normalerweise wird man auf der Autobahn verkehrstechnisch von hinten bedrängt und das nur, weil es dem Hintermann (die sind wirklich meist männlich) mal wieder nicht schnell genug vorwärts geht.

Nach den oben erwähnten „Überlegungen“ des Herrn Tiefensee sollen die Kerle mit den langen Dingern (Frauen aufgepasst, meiner ist 18 Meter lang) zukünftig mit einem Überholverbot belegt werden, eine eigene Spur bekommen und zur Hauptverkehrszeit, im Volksmund auch Stoßzeit genannt, eine höhere Verkehrsmaut bezahlen. Außerdem soll in Ballungsgebieten der Standstreifen für den Verkehr freigegeben werden, wobei der Minister bei der Nennung dieser, seiner Idee das Wort “Straßenstrich” tunlichst vermied.

Einen Beweis seiner völligen Ahnungslosigkeit erbrachte der Minister mit dem Satz: “Wer unbedingt zwischen 6 und 9 Uhr am Frankfurter Kreuz unterwegs sein will, muss mehr bezahlen als der Lkw-Fahrer, der die Autobahn zwischen 9 und 15 Uhr nutzt. Dort ist dann mehr Raum für die Autofahrer“, denn die morgendlichen Staus zwischen 6 und 9 Uhr um Frankfurt herum werden primär durch die Berufspendler aus Gießen, Wiesbaden, Mainz, Darmstadt und Aschaffenburg verursacht, die um diese Zeit alle zu ihren Arbeitsplätzen in Frankfurt wollen.

Tiefensee sagte weiter, er strebe durch seinen Maßnahmenkatalog eine Senkung des Benzinverbrauchs durch weniger verkehrsbedingte Staus an. Unerwähnt blieb allerdings, dass es für Verkehrsteilnehmer finanziell keinerlei Unterschied macht, ob sie auf der Autobahn durch Mautgebühren oder an der Tankstelle über Mineralölsteuer und Mehrwertsteuer abgezockt werden.

Dumpf kann ich mich noch daran erinnern, dass der LKW-Verkehr schon anno dunnemals von der Straße auf die Schiene verlagert wurde, aber ich weiß nicht mehr so genau, ob das nun vor oder nach der Bahnprivatisierung war.

Nun gehört das Klappern nicht nur zum Storchenhandwerk einer Bundesfamilienministerin, bei der sich Meister Adebar persönlich schon siebenmal die Ehre gab, bevor er sie der Nation als Ei ins Kabinett legte. Auch ein Verkehrsminister darf manchmal klappern, selbst wenn es bei ihm nicht das Gelbe im Ei ist, sondern nur so anhört wie das motorisch bedingte Klappern eines taubeneigroßen Hirns in einem straußeneigroßen Schädel.

Wundern muss man sich in dieser Republik schon eigentlich über gar nichts mehr, außer über die Geduld, stoische Ruhe und die bereits ins Koma übergehende Lethargie des autofahrenden, rauchenden und sich dazu auch noch falsch ernährenden Steuerzahlers.

Machopan
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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 4. August 2008 um 05:45:01 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

5 Antworten zu “Stauabbau”

  1. Pathologe meint:

    Man koennte natuerlich auch ein generelles Fahrverbot zur Loesung dieses Problems in Betracht ziehen. So, wie es dereinst 1973 waehrend der Oelkrise geschah. Damals, als der Oelpreis pro Barrel von 3 auf unverschaemte 5 Dollar angehoben wurde. Momentan liegt er ja wieder bei moderaten 124 Dollar. So ein Fahrverbot wuerde nicht nur die Autobahnen entlasten, nein, auch die Innenstaedte wuerden von den Pendlerfahrzeugen freigehalten werden, die Parkhaeuser ebenso. Das wuerde sogar Auswirkungen auf Feinstaub und Schadstoffausstoss haben. Eine geniale Idee, die natuerlich die privatisierte Bahn vorsaetzlich wieder zunichte machte.

  2. Machopan meint:

    Ein generelles Fahrverbot in der Zeit zwischen 0:00 und 24:00 Uhr würde wahrlich die Straßen im Lande spürbar entlasten. Allerdings müsste man gleichzeitig das Werktorprinzip weiter auslegen und verhindern, dass die Arbeitnehmer nach der Arbeit das Werksgelände verlassen können.
    Mit kasernierter Unterbringung des Humankapitals in unmittelbarer Nähe des Arbeitsplatzes sollte das jedoch kein größeres Problem darstellen.
    Und für Zuwiderhandlung könnte man durchaus die Straftatbestände der “Fahnenflucht” und der “Wirtschaftskraftzersetzung” wieder aufleben lassen.

  3. Fred Sky meint:

    Andere Länder lösen ihre Verkehrsprobleme effizient, dort wir das Problem von der Straße auf die Wasserwege verlagert, mit Erfolg.
    http://www.abendblatt.de/daten/2008/07/05/903067.html

  4. Pathologe meint:

    Herr Machopan, Fahrer- oder Fahnenflucht? Und das mit der Kasernierung: bei einer Ausweitung der Wochenarbeitszeit auf umweltvertraegliche 168 Stunden unter Wegfall aller Sonderzulagen regelte sich das von selbst.

    Herr Sky, durch diesen Artikel bekommt der Begriff “Wasserkraft” gleich wieder eine zusaetzliche Bedeutung. Irgendwie so richtig oekologisch.

  5. otti meint:

    Heilig’s Blechle: stille Wasser sind tiefensee.
    http://www.stimme.de/suedwesten/nachrichten/;art1960,1319541

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Stauabbau

4. August 2008 05:45

Lieber Freund

Flachwassertaucher Wolfgang Tiefensee, der verkehrte Verkehrsminister hat die schlechte Luft über der bunten Repupslik mal wieder mit einem seiner, wie immer, übelst riechenden Hirnwinde angereichert.

Diesmal ist es ein ganzes Maßnahmenpaket oder, wie der SPIEGEL schreibt, ein Bündel an Ideen zur Vermeidung von Stau auf bundesdeutschen Autobahnen, denn des Verkehrsministers wichtigstes Anliegen ist, so erzählte er wörtlich der BLÖD am SONNTAG, “dass sich Lkw und Pkw auf den Autobahnen weniger in die Quere kommen”.

Nun weiß selbst jeder Fahranfänger, der einen Stau noch für eine gute Möglichkeit zum stehenden Verkehr betrachtet, dass es auf der Autobahn so gut wie keinen Querverkehr gibt. Manchmal gibt es zwar etwas Gegenverkehr, aber normalerweise wird man auf der Autobahn verkehrstechnisch von hinten bedrängt und das nur, weil es dem Hintermann (die sind wirklich meist männlich) mal wieder nicht schnell genug vorwärts geht.

Nach den oben erwähnten „Überlegungen“ des Herrn Tiefensee sollen die Kerle mit den langen Dingern (Frauen aufgepasst, meiner ist 18 Meter lang) zukünftig mit einem Überholverbot belegt werden, eine eigene Spur bekommen und zur Hauptverkehrszeit, im Volksmund auch Stoßzeit genannt, eine höhere Verkehrsmaut bezahlen. Außerdem soll in Ballungsgebieten der Standstreifen für den Verkehr freigegeben werden, wobei der Minister bei der Nennung dieser, seiner Idee das Wort “Straßenstrich” tunlichst vermied.

Einen Beweis seiner völligen Ahnungslosigkeit erbrachte der Minister mit dem Satz: “Wer unbedingt zwischen 6 und 9 Uhr am Frankfurter Kreuz unterwegs sein will, muss mehr bezahlen als der Lkw-Fahrer, der die Autobahn zwischen 9 und 15 Uhr nutzt. Dort ist dann mehr Raum für die Autofahrer“, denn die morgendlichen Staus zwischen 6 und 9 Uhr um Frankfurt herum werden primär durch die Berufspendler aus Gießen, Wiesbaden, Mainz, Darmstadt und Aschaffenburg verursacht, die um diese Zeit alle zu ihren Arbeitsplätzen in Frankfurt wollen.

Tiefensee sagte weiter, er strebe durch seinen Maßnahmenkatalog eine Senkung des Benzinverbrauchs durch weniger verkehrsbedingte Staus an. Unerwähnt blieb allerdings, dass es für Verkehrsteilnehmer finanziell keinerlei Unterschied macht, ob sie auf der Autobahn durch Mautgebühren oder an der Tankstelle über Mineralölsteuer und Mehrwertsteuer abgezockt werden.

Dumpf kann ich mich noch daran erinnern, dass der LKW-Verkehr schon anno dunnemals von der Straße auf die Schiene verlagert wurde, aber ich weiß nicht mehr so genau, ob das nun vor oder nach der Bahnprivatisierung war.

Nun gehört das Klappern nicht nur zum Storchenhandwerk einer Bundesfamilienministerin, bei der sich Meister Adebar persönlich schon siebenmal die Ehre gab, bevor er sie der Nation als Ei ins Kabinett legte. Auch ein Verkehrsminister darf manchmal klappern, selbst wenn es bei ihm nicht das Gelbe im Ei ist, sondern nur so anhört wie das motorisch bedingte Klappern eines taubeneigroßen Hirns in einem straußeneigroßen Schädel.

Wundern muss man sich in dieser Republik schon eigentlich über gar nichts mehr, außer über die Geduld, stoische Ruhe und die bereits ins Koma übergehende Lethargie des autofahrenden, rauchenden und sich dazu auch noch falsch ernährenden Steuerzahlers.

Machopan
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5 Antworten zu “Stauabbau”

  1. Pathologe meint:

    Man koennte natuerlich auch ein generelles Fahrverbot zur Loesung dieses Problems in Betracht ziehen. So, wie es dereinst 1973 waehrend der Oelkrise geschah. Damals, als der Oelpreis pro Barrel von 3 auf unverschaemte 5 Dollar angehoben wurde. Momentan liegt er ja wieder bei moderaten 124 Dollar. So ein Fahrverbot wuerde nicht nur die Autobahnen entlasten, nein, auch die Innenstaedte wuerden von den Pendlerfahrzeugen freigehalten werden, die Parkhaeuser ebenso. Das wuerde sogar Auswirkungen auf Feinstaub und Schadstoffausstoss haben. Eine geniale Idee, die natuerlich die privatisierte Bahn vorsaetzlich wieder zunichte machte.

  2. Machopan meint:

    Ein generelles Fahrverbot in der Zeit zwischen 0:00 und 24:00 Uhr würde wahrlich die Straßen im Lande spürbar entlasten. Allerdings müsste man gleichzeitig das Werktorprinzip weiter auslegen und verhindern, dass die Arbeitnehmer nach der Arbeit das Werksgelände verlassen können.
    Mit kasernierter Unterbringung des Humankapitals in unmittelbarer Nähe des Arbeitsplatzes sollte das jedoch kein größeres Problem darstellen.
    Und für Zuwiderhandlung könnte man durchaus die Straftatbestände der “Fahnenflucht” und der “Wirtschaftskraftzersetzung” wieder aufleben lassen.

  3. Fred Sky meint:

    Andere Länder lösen ihre Verkehrsprobleme effizient, dort wir das Problem von der Straße auf die Wasserwege verlagert, mit Erfolg.
    http://www.abendblatt.de/daten/2008/07/05/903067.html

  4. Pathologe meint:

    Herr Machopan, Fahrer- oder Fahnenflucht? Und das mit der Kasernierung: bei einer Ausweitung der Wochenarbeitszeit auf umweltvertraegliche 168 Stunden unter Wegfall aller Sonderzulagen regelte sich das von selbst.

    Herr Sky, durch diesen Artikel bekommt der Begriff “Wasserkraft” gleich wieder eine zusaetzliche Bedeutung. Irgendwie so richtig oekologisch.

  5. otti meint:

    Heilig’s Blechle: stille Wasser sind tiefensee.
    http://www.stimme.de/suedwesten/nachrichten/;art1960,1319541

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