Bedienzuschlag

15. September 2008 05:45

Lieber Freund

Die Bahn will …
Dass die Bahn immer was will, aber immer weniger bringt, wissen längst nicht nur die bahnfahrenden Kunden sondern auch die nicht bahnfahrenden Steuerzahler.
Diesmal will die Bahn, oder um bei der aktuellen Sachlage zu bleiben, diesmal wollte die Bahn … hatte aber die Rechnung ohne das Angela gemacht.
Dabei war die Idee an sich ja schon mehr als clever und knapp unterhalb von unverschämt, denn die Bahn und ihr Obermufti Mehdorn wollten für den personenbedienten Verkauf von Fahrkarten einen Bedienzuschlag oder neudeutsch eine Servicegebühr von 2,50 Euro je Fahrtberechtigungsschein erheben.
Nun kann man sich als monopolistischer Staatsbetrieb natürlich fast alles leisten ohne wirklich was leisten zu müssen. Nicht nur weil man keine Konkurrenz zu fürchten hat, sondern auch weil man den politisch Verantwortlichen als Spielwiese für Eigeninteressen und Profilierungssüchte sehr gerne zur Verfügung steht.

Also, kurz gesagt, angesichts des anstehenden Börsengangs der Deutschen Bahn AG, muss die Bahn ihre bescheidene Gewinnmarge dringend durch zusätzliche Einnahmequellen aufbessern und weil man gerade erst, wegen der unverschämten Gehaltsforderungen der Lokführer, die Fahrpreise erhöhen musste, war etwas mehr Kreativität gefragt.
Und so kam es eben zum Bedienzuschlag in Höhe von 2,50 Euro je am Schalter gekaufter Fahrkarte.
Im Prinzip ist das so etwas wie eine Art Praxisgebühr beim Arztbesuch. Das Verfahren hat den Vorteil, dass man weiterhin behaupten kann, man hätte die Preise nicht erhöht und trotzdem mehr Geld in der Kasse hat.

Die Republik hatte nach Bekanntwerden natürlich, wie immer, nicht Besseres zu tun, als diesen mehdornschen Schwachfug in konträrer Art und Weise zu diskutieren. Ich bin ja der festen Meinung, dass man in der Bundesrepublik Deutschland in den Grenzen von 1989 den größten Bockmist verbreiten kann und auf jeden Fall einige Befürworter findet, die ihre krude Meinung mit missionarischem Eifer in den Foren im Internet und in den Medien vertreten.
Da wird dann ernsthaft und laut nachgedacht, wie man den kostenpflichtigen Erwerb einer Bundesbahnfahrkarte „sozialverträglich“ gestalten kann. Behinderte zahlen nichts, Rentner nur die Hälfte, Hartz-IV-Empfänger können sich die Kosten (auf Antrag) bei der ARGE erstatten lassen, allerdings nur, wenn auf Jahressicht die „zumutbare Belastung“ überschritten wird. Steuerzahler könnten im Rahmen des Steuergesetzgebung im Wahljahr 2009 die Möglichkeit erhalten die Gebühr für den Bedienzuschlag im Rahmen der Sonderausgaben abzusetzen, sofern die neu eingeführte einkommensabhängige „Bedienzuschlagskappungsgrenze“ nicht um mehr als 1,25% vom Mindestlohn der Postbriefzusteller abweicht. Ebenfalls verschont werden könnten auch Personen, die mittels einer GEZ-Bescheinung nachweisen können, dass sie weder im Besitz eines internetfähigen Computers, noch im Besitz einer Kreditkarte sind und auch nicht über ein Bankkonto verfügen.

Ja, Sie brauchen gar nicht zu lachen, die Deutschen können sowas!
Für so was sind sie berühmt!
Dafür sind sie sogar berüchtigt!
Denn es gibt NICHTS, aber auch gar NICHTS, das DEUTSCHE nicht verkomplizieren könnten.

Dabei wäre die Lösung für diesen mehdornschen Raubzug mit dem Bedienzuschlag doch ganz einfach, wenn der Herr Mehdorn sich einmal selbst zum Verkauf von Fahrkarten herablassen würde, denn dann könnten die Kunden der Bahn mal am Schalter so richtig zuschlagen, damit der Herr Mehdorn so richtig bedient wäre.
Ich gehe jede Wette ein, dass sich an diesem Schalter sogar Leute anstellen würden, die weder in der Lokführergewerkschaft sind und/oder in ihrem ganzen Leben noch nie mit der Bahn gefahren sind, nur um diesem Herrn einen neuen Scheitel zu ziehen.

Das wäre doch mal Verkaufsförderung vom Feinsten.
Und wenn am Schalter daneben noch der verkehrte Minister, der Flachwassertaucher Tiefensee nebst der mächtigsten Merkelin aller Zeiten sitzen würde, dann würde es in der Bahnhofshalle Mord und Totschlag um die vorderen Plätze in der Reihe geben.

Das hat wohl auch das Angela so gesehen und hat dem Herrn Mehdorn bei einem Telefonat “ihr Unbehagen über die Bedienzuschläge” verklickert.
Kurz davor hatte sich der Vorstand der Bahn bei einem eilends einberufenen Krisengipfel noch allen Ernstes mit der Frage beschäftigt, ob der “Rentner-Rabatt” bereits ab einem Alter von 60 oder erst ab 65 Jahren greifen wird. Diese Diskussion wurde wohl durch das Telefonat von Angela Merkel vorzeitig beendet.
“Die DB hat am heutigen Freitag entschieden, keinen Zuschlag für den personenbedienten Verkauf einzuführen”, hieß es in einer später veröffentlichten Erklärung, ohne jedoch näher auf die Hintergründe dieser Entscheidung einzugehen.

Nicht unerwähnt bleiben darf jedoch, dass sich auch andere Personen aus Angelas Gruselkabinett gegen die Erhebung eines „Zuschlags für den personenbedienten Verkauf von Fahrausweisen der Deutschen Bundesbahn“ ausgesprochen haben. So wies zum Beispiel Bundesverbrauchsminister Hotte Seehofer darauf hin, dass es in vielen anderen europäischen Ländern einen solchen Zuschlag nicht gebe. Auch habe er so seine Zweifel über die Rechtmäßigkeit des Bedienzuschlages.
Das ist nun wahrlich ein äußerst interessanter Beitrag zur Sache, denn es gibt da noch einige weitere deutsche Besonderheiten, über die andere Länder in Europa nicht verfügen, oder sie längst in den Mülleimer der Geschichte getreten haben.
Und Zweifel über die Rechtmäßigkeit der Gesetzgebung nach Haushaltslage gibt es in der BRD auch zuhauf.
Aber eigentlich verhält sich die Bahn ja auch nicht anders als der Staat. Da sollte man als Minister nicht nur meckern, sondern mit gutem Vorbild vorangehen.
Darum hat die Angela ja jetzt auch ein Machtwort gesprochen, denn wenn sie im Vorwahljahr schon den Job vom Außenminister Steinmeier macht, dann kann sie ja das bisschen Job vom Herrn Tiefensee auch gleich mitmachen.
Schließlich will ja die Angela in 2009 wieder Kanzlerin werden.

Machopan
(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 15. September 2008 um 05:45:44 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik, Wirtschaft | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

2 Antworten zu “Bedienzuschlag”

  1. otti meint:

    “Schließlich will ja die Angela in 2009 wieder Kanlerin werden” und das Herzchen von der Bahn nicht ‘an jeder Milchkanne halten’(s. Umfahrung von Mannheim).
    Gut so.
    Haltet nicht an, fahrt durch!
    Durch Deutschland.

  2. Fred Sky meint:

    Der Titelträger “Sprachpanscher des Jahres 2007″, ein Kerl wie ein Baum, man nannte ihn Bonsai. Daher wird er gelegentlich zurechtgestutzt und macht gleiches mit seiner Bahn.

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Bedienzuschlag

15. September 2008 05:45

Lieber Freund

Die Bahn will …
Dass die Bahn immer was will, aber immer weniger bringt, wissen längst nicht nur die bahnfahrenden Kunden sondern auch die nicht bahnfahrenden Steuerzahler.
Diesmal will die Bahn, oder um bei der aktuellen Sachlage zu bleiben, diesmal wollte die Bahn … hatte aber die Rechnung ohne das Angela gemacht.
Dabei war die Idee an sich ja schon mehr als clever und knapp unterhalb von unverschämt, denn die Bahn und ihr Obermufti Mehdorn wollten für den personenbedienten Verkauf von Fahrkarten einen Bedienzuschlag oder neudeutsch eine Servicegebühr von 2,50 Euro je Fahrtberechtigungsschein erheben.
Nun kann man sich als monopolistischer Staatsbetrieb natürlich fast alles leisten ohne wirklich was leisten zu müssen. Nicht nur weil man keine Konkurrenz zu fürchten hat, sondern auch weil man den politisch Verantwortlichen als Spielwiese für Eigeninteressen und Profilierungssüchte sehr gerne zur Verfügung steht.

Also, kurz gesagt, angesichts des anstehenden Börsengangs der Deutschen Bahn AG, muss die Bahn ihre bescheidene Gewinnmarge dringend durch zusätzliche Einnahmequellen aufbessern und weil man gerade erst, wegen der unverschämten Gehaltsforderungen der Lokführer, die Fahrpreise erhöhen musste, war etwas mehr Kreativität gefragt.
Und so kam es eben zum Bedienzuschlag in Höhe von 2,50 Euro je am Schalter gekaufter Fahrkarte.
Im Prinzip ist das so etwas wie eine Art Praxisgebühr beim Arztbesuch. Das Verfahren hat den Vorteil, dass man weiterhin behaupten kann, man hätte die Preise nicht erhöht und trotzdem mehr Geld in der Kasse hat.

Die Republik hatte nach Bekanntwerden natürlich, wie immer, nicht Besseres zu tun, als diesen mehdornschen Schwachfug in konträrer Art und Weise zu diskutieren. Ich bin ja der festen Meinung, dass man in der Bundesrepublik Deutschland in den Grenzen von 1989 den größten Bockmist verbreiten kann und auf jeden Fall einige Befürworter findet, die ihre krude Meinung mit missionarischem Eifer in den Foren im Internet und in den Medien vertreten.
Da wird dann ernsthaft und laut nachgedacht, wie man den kostenpflichtigen Erwerb einer Bundesbahnfahrkarte „sozialverträglich“ gestalten kann. Behinderte zahlen nichts, Rentner nur die Hälfte, Hartz-IV-Empfänger können sich die Kosten (auf Antrag) bei der ARGE erstatten lassen, allerdings nur, wenn auf Jahressicht die „zumutbare Belastung“ überschritten wird. Steuerzahler könnten im Rahmen des Steuergesetzgebung im Wahljahr 2009 die Möglichkeit erhalten die Gebühr für den Bedienzuschlag im Rahmen der Sonderausgaben abzusetzen, sofern die neu eingeführte einkommensabhängige „Bedienzuschlagskappungsgrenze“ nicht um mehr als 1,25% vom Mindestlohn der Postbriefzusteller abweicht. Ebenfalls verschont werden könnten auch Personen, die mittels einer GEZ-Bescheinung nachweisen können, dass sie weder im Besitz eines internetfähigen Computers, noch im Besitz einer Kreditkarte sind und auch nicht über ein Bankkonto verfügen.

Ja, Sie brauchen gar nicht zu lachen, die Deutschen können sowas!
Für so was sind sie berühmt!
Dafür sind sie sogar berüchtigt!
Denn es gibt NICHTS, aber auch gar NICHTS, das DEUTSCHE nicht verkomplizieren könnten.

Dabei wäre die Lösung für diesen mehdornschen Raubzug mit dem Bedienzuschlag doch ganz einfach, wenn der Herr Mehdorn sich einmal selbst zum Verkauf von Fahrkarten herablassen würde, denn dann könnten die Kunden der Bahn mal am Schalter so richtig zuschlagen, damit der Herr Mehdorn so richtig bedient wäre.
Ich gehe jede Wette ein, dass sich an diesem Schalter sogar Leute anstellen würden, die weder in der Lokführergewerkschaft sind und/oder in ihrem ganzen Leben noch nie mit der Bahn gefahren sind, nur um diesem Herrn einen neuen Scheitel zu ziehen.

Das wäre doch mal Verkaufsförderung vom Feinsten.
Und wenn am Schalter daneben noch der verkehrte Minister, der Flachwassertaucher Tiefensee nebst der mächtigsten Merkelin aller Zeiten sitzen würde, dann würde es in der Bahnhofshalle Mord und Totschlag um die vorderen Plätze in der Reihe geben.

Das hat wohl auch das Angela so gesehen und hat dem Herrn Mehdorn bei einem Telefonat “ihr Unbehagen über die Bedienzuschläge” verklickert.
Kurz davor hatte sich der Vorstand der Bahn bei einem eilends einberufenen Krisengipfel noch allen Ernstes mit der Frage beschäftigt, ob der “Rentner-Rabatt” bereits ab einem Alter von 60 oder erst ab 65 Jahren greifen wird. Diese Diskussion wurde wohl durch das Telefonat von Angela Merkel vorzeitig beendet.
“Die DB hat am heutigen Freitag entschieden, keinen Zuschlag für den personenbedienten Verkauf einzuführen”, hieß es in einer später veröffentlichten Erklärung, ohne jedoch näher auf die Hintergründe dieser Entscheidung einzugehen.

Nicht unerwähnt bleiben darf jedoch, dass sich auch andere Personen aus Angelas Gruselkabinett gegen die Erhebung eines „Zuschlags für den personenbedienten Verkauf von Fahrausweisen der Deutschen Bundesbahn“ ausgesprochen haben. So wies zum Beispiel Bundesverbrauchsminister Hotte Seehofer darauf hin, dass es in vielen anderen europäischen Ländern einen solchen Zuschlag nicht gebe. Auch habe er so seine Zweifel über die Rechtmäßigkeit des Bedienzuschlages.
Das ist nun wahrlich ein äußerst interessanter Beitrag zur Sache, denn es gibt da noch einige weitere deutsche Besonderheiten, über die andere Länder in Europa nicht verfügen, oder sie längst in den Mülleimer der Geschichte getreten haben.
Und Zweifel über die Rechtmäßigkeit der Gesetzgebung nach Haushaltslage gibt es in der BRD auch zuhauf.
Aber eigentlich verhält sich die Bahn ja auch nicht anders als der Staat. Da sollte man als Minister nicht nur meckern, sondern mit gutem Vorbild vorangehen.
Darum hat die Angela ja jetzt auch ein Machtwort gesprochen, denn wenn sie im Vorwahljahr schon den Job vom Außenminister Steinmeier macht, dann kann sie ja das bisschen Job vom Herrn Tiefensee auch gleich mitmachen.
Schließlich will ja die Angela in 2009 wieder Kanzlerin werden.

Machopan
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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 15. September 2008 um 05:45:44 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik, Wirtschaft | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

2 Antworten zu “Bedienzuschlag”

  1. otti meint:

    “Schließlich will ja die Angela in 2009 wieder Kanlerin werden” und das Herzchen von der Bahn nicht ‘an jeder Milchkanne halten’(s. Umfahrung von Mannheim).
    Gut so.
    Haltet nicht an, fahrt durch!
    Durch Deutschland.

  2. Fred Sky meint:

    Der Titelträger “Sprachpanscher des Jahres 2007″, ein Kerl wie ein Baum, man nannte ihn Bonsai. Daher wird er gelegentlich zurechtgestutzt und macht gleiches mit seiner Bahn.

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