Staatsfinanzierer

6. Oktober 2008 05:45

Lieber Freund

Haben Sie sich eigentlich schon mal überlegt, wo der Staat eigentlich das Geld herbekommt, das er für die jährliche Neuverschuldung benötigt?
Zur Erinnerung, Neuverschuldung ist das Geld, das der Staat ausgibt, aber nicht über Steuern einnimmt und daher dieses „Finanzierungsloch“ im Haushalt durch die Aufnahme eines oder mehrerer Darlehen schließt.
Über diese Art der Staatsverschuldung und deren Sinnhaftigkeit ist viel geschrieben und gesagt worden, ich will daher das ganze Für und Wider, Sinn und Unsinn gar nicht wiederholen.
Fakt ist, dass die Politiker unseres Staates Schulden in Höhe von circa 1.500.000.000.000 Euro (in der sozialverträglichen Schreibweise sind es nur 1,5 Billionen) angehäuft haben und jedes Jahr lustig weitere Schulden machen.

Viel interessanter als die Frage wie „Vater Staat“ diese Schulden jemals zurückbezahlen will oder kann, ist doch die Frage wer ihm das Geld denn geliehen hat und welche Sicherheiten er für die gewährten Darlehen gegeben hat.

Die Antwort ist eigentlich einfach, denn der Staat hat die 1,5 Billionen Euro von den staatsfinanzierenden Banken bekommen und als Sicherheit die Wirtschaftskraft und das Leistungsvermögen seiner Bürger verpfändet. Und wenn der Staat die Zinsen auf seine Schulden nicht mehr bezahlen kann, dann kommt es zum Staatsbankrott. Lesen Sie einfach mal bei Wikipedia nach, wie so ein Staatsbankrott funktioniert und Sie werden erkennen, dass die Bundesrepublik Deutschland nach dem verlorenen Krieg und in Kombination mit der Übernahme des untergegangenen Bruderstaates, sowie der andauernden Neuverschuldung zumindest zwei der drei Kriterien bereits erfüllt.
Es fehlt eigentlich nur noch der Regimewechsel, aber auch hier häufen sich zunehmend die Anzeichen der politisch-ideologischen Veränderungen.

Betrachten wir daher einmal die Folgen eines solchen Staatsbankrotts und zitieren Wikipedia:
“Betroffen von Staatsbankrotten sind in erster Linie die Gläubiger des Staates, aber auch die Wirtschaft und die Bürger des Staates selbst. Die sichtbarste Folge des Staatsbankrotts ist, dass die Gläubiger ihr an den Staat verliehenes Geld sowie die Zinsen darauf ganz oder teilweise verlieren. Praktisch bedeutet ein Staatsbankrott für den einzelnen Privatbürger immer eine drastische Abwertung seiner Geldvermögen, da die einheimischen Sparer meist ein bedeutender Gläubiger des Staates sind. Gravierender aber sind die Folgen auf die Volkswirtschaft. Diese sind typischerweise

  • eine Bankenkrise, da die Banken hohe Abschreibungen auf ihre Staatskredite vornehmen müssen
  • eine Wirtschaftskrise, da die inländische Nachfrage reduziert wird und Investoren Gelder zurückziehen
  • eine Währungskrise, da ausländische Anleger die betroffene Volkswirtschaft meiden.

Die Bürger werden dadurch mittelbar getroffen, meist durch hohe Arbeitslosigkeit und das Entfallen staatlicher Leistungen.”

Wenn Sie jetzt glauben, ich hätte hier irgendwelche Artikel aus der Tagespresse reingemauschelt, so irren Sie sich gewaltig. Tatsache aber ist, dass Sie in der Tagespresse genau diese Worte in alarmierender Häufigkeit wiederfinden. Arbeitslosigkeit auf hohem Niveau haben wir schon länger, ausufernde Staatsverschuldung seit Jahrzehnten, jetzt kommt noch die Bankenkrise dazu und die staatlichen Notenbanken pumpen Milliarden Euro in ein kollabierendes Finanzsystem.

Warum tun die das wohl?

Wollte sich nicht der Staat aus der Selbstregulierung der freien Märkte heraushalten?
Waren Staat und Politik nicht völlig machtlos gegen die Globalisierung?
Hat man nicht eifrig staatliche Unternehmen mit Steuergeldern präpariert um sie dann schön filetiert an der Börse an private Investoren zu verhökern?
Hat man nicht Public-Private-Partnership als das ideale Geschäftsmodell zur Gesundung der Staatsfinanzen angepriesen?
Hat man nicht sogar Gesetze geändert um Finanzinvestoren die Übernahme kommunaler Immobilien in großem Umfang zu ermöglichen?

Aber jetzt ist man ja dabei Rettungspakete aus Steuergeldern zu schnüren!
Natürlich nur um der Wirtschaft zu helfen und die Banken zu stützen!

Schauen wir uns daher doch einmal die Lage anhand eines konkreten Beispiels an.
Nein, ich meine jetzt nicht die IKB und die KfW, bei der sich die Parteibuchbanker unter Aufsicht des Wirtschaftsministers Glos und des Finanzministers Steinbrück ordentlich verzockt haben. Dass dann auch noch 300 Millionen an die bankrotten Gebrüder Lehman in New York überwiesen wurde, war zwar ein bisschen ärgerlich, hatte aber den Vorteil, dass man damit die Öffentlichkeit leichter von den Verkaufskonditionen der IKB an den Finanzinvestor Lonestar ablenken konnte.

Als Beispiel für die plötzliche Fürsorge des Staates möchte ich die Hypo-Real-Estate (HRE) und deren Tochtergesellschaft Depfa verwenden und deutlich machen, warum der Finanzminister Steinbrück und die Bundesangela so rasch bereit waren eine Bürgschaft über 26 Milliarden Euro zu übernehmen.
Sie haben sicher den Kursturz der HRE-Aktie an den Börsen beobachtet, die binnen weniger Stunden circa 70-80 Prozent ihres Börsenwertes verlor. Verursacht wurde dies durch die Meldung, dass die Tochtergesellschaft Depfa Liquiditätsprobleme in Milliardenhöhe habe.
Entstanden sind diese Liquiditätsprobleme durch Dummheit und Gier des Managements. Man sollte eben kein Geld mit einer Laufzeit von mehreren Jahren verleihen und sich dann selbst das Geld über kurzfristige Kredite besorgen.
So kam es, dass die Depfa ihre kurzfristigen Kredite nicht zurückzahlen konnte weil sie selbst das Geld langfristig ausgeliehen hatte.
Die Depfa war also nicht pleite, wie fälschlicherweise einige Redaktionen der deutschen Wirtschaftspresse meldeten, die Depfa hatte nur kein liquiden Finanzmittel und wegen der Kreditkrise und dem Zusammenbruch der amerikanischen Investmentbanken wollte ihr auch niemand mehr Geld (zu vernünftigen Konditionen) leihen.

Und jetzt werden Sie sich sicher fragen, was das alles mit dem deutschen Staat und dem Bundesfinanzminister Steinbrück zu tun hat.
Aus den Presse- und Ad-Hoc-Meldungen der letzten Monate und Jahre könnten Sie es erfahren, wenn Sie bei Google einfach mal nach dem Begriff “Staatsfinanzierer“ suchen.
Ich kann Ihnen versichern, Sie werden im Worl-Wide-Web hochinteressante Lektüre dazu finden und zu dem Schluss kommen, dass der bundesdeutsche Finanzminister eigentlich nichts Anderes getan hat, als für die vom Staatsfinanzierer Depfa an den deutschen Staat vergebenen Darlehen die Bürgschaft zu übernehmen.
Das führt zu der wohl einmaligen Situation, dass der Kreditnehmer gleichzeitig Bürge ist.
Versuchen Sie mal mit diesem Geschäftsmodell bei Ihrer Bank einen Kredit zu bekommen.

Wenn Sie glauben, der Fall Depfa und HRE wäre eine Ausnahme, dann schauen Sie sich doch mal den Kursverlauf der Commerzbank an. Die war im November 2007 angetreten um mit ihren Tochtergesellschaften „Essen Hyp“ und „Eurohypo“ im Staatsfinanzierungsgeschäft stärker mitzumischen.

Wie war das doch noch mal mit dem Staatsbankrott?

Und noch ein Tipp zum Schluss.
Achten Sie doch mal verstärkt auf die Zinsentscheidungen der Europäischen Zentralbank (EZB) und die Inflationsraten. Denn ein beliebtes Hilfsmittel zum Abbau der Staatsverschuldung ist die Inflation (Preissteigerung/Geldentwertung), die die Schulden des deutschen Staates jährlich um rund 60 Milliarden mindert. Zusammen mit höheren Steuern und der “kalten Progression” erfolgt ein stetiger Transfer von Volksvermögen in Staatseinnahmen.

Ohne zusätzliche Neuverschuldung hätte dieser Staat längst Konkurs anmelden müssen. Aber diesen Straftatbestand muss ein deutscher Finanzminister nicht fürchten .
Und so lange es “Staatsfinanzierer” gibt kann das Spielchen ja lustig weitergehen.
Selbst wenn man mal eine Bürgschaft für die eigenen Schulden übernehmen muss.

Vor diesem Hintergrund klingt es mehr als lachhaft, wenn die Bundesangela sich zu der Erklärung genötigt sieht, dass ihre Regierung “dafür Sorge tragen wolle, dass die Sparerinnen und Sparer in Deutschland nicht befürchten müssen, einen Euro ihrer Einlagen zu verlieren“, denn das würde bedeuten, dass sie für Spareinlagen in Höhe von rund 568 Milliarden Euro garantiert.
“Mit ihrem Versprechen wollen Kanzlerin und Finanzminister Menschen und Märkte beruhigen”, schreibt dazu der Spiegel.
Doch wer glaubt in diesem Land noch an die Versprechen von Politikern.

Ich auf jeden Fall nicht (mehr).

Machopan
(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 6. Oktober 2008 um 05:45:32 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik, Gesellschaft, Wirtschaft | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie können ein Kommentar schreiben oder ein Trackback hinterlegen.

9 Antworten zu “Staatsfinanzierer”

  1. otti meint:

    Die Politik ‘garantiert’ den “Sparerinnen und Sparern” die Einlagen.
    Sollte der Garantiefall eintreten, wird halt der Steuerzahler belastet, damit “Sparerinnen und Sparer” wieder zu ihrem Geld kommen.

    Die Bürgerinnen und Bürger garantieren sich also ihre Einlagen selbst.

    Köstlich! Oder perves?

    Nein, eben Politik - dummdreiste.

    Vertrauen, Vertrauen, Vertrauen wird landauf, landab gefordert. Dazu bedarf es aber bei den Verantwortlichen des Handelns nach Treu und Glauben.

    Was wir dagegen tagtäglich erleben ist Lug und Trug.
    Eine so verferkelte Gesellschaft ist auf Dauer nicht überlebensfähig.

    http://www.faz.net/s/Rub0A1169E18C724B0980CCD7215BCFAE4F/Doc~E06B8F3D31C31455CBEA0458824207E7A~ATpl~Ecommon~Scontent.html

    http://www.heise.de/tp/r4/artikel/28/28858/1.html

  2. Karl-Heinz meint:

    Warum eigentlich nutzt der Staat diese Chance nicht und treibt seine Gläubiger gezielt in die Grube. Dann könnte er zu günstigsten Konditionen die Gäubigerbanken samt Staatsschulden übernehmen. Wenn ein Kapitalanleger damit in Notlage kommt, kein Problem wir haben HartzIV!

    Wenn auch die Tilgungslasten so nicht ganz verschwinden, könnten wir damit doch die Zinsen einsparen. Also ganz schnell die Frau heiraten, bei der man Schulden hat, danach kann man immer noch sagen: Es war Liebe!

  3. Machopan meint:

    Ich weiß nicht ob “Liebe” ausreicht, wenn da eine etwas mopsige Mittfünfzigerin, bekannt und berüchtigt als Oberin der unter dem Bundesadler re(a)gierenden “Naked Short Seller“-Vereinigung” vor die kleinen Sparer hinsteht und vollmundig erklärt dass die Einlagen bei ihr und ihren Kumpels völlig sicher sind.
    Die Frau hat doch so viel Ahnung von Finanzen und soviel Schulden am Bein, dass sie damit doch nur die Einlagen “für die blutigen Tage ihrer “gierigen Koalition” gemeint haben kann.

  4. Fred Sky meint:

    Wer sich in Buchführung bzw. Kontenführung auskennt, dürfte wohl erahnen, daß “die Bankenpleiten” sehr wohl geordnet abgewickelt werden. Durch rechtzeitige Umbuchungen wird selektiert, wer gewinnt oder verliert. So ist wohl auch die “Fehlüberweisung” an Lehman kein Zufall, dort wurde noch für bestimmte Konten Geld gebraucht. Auch die “Stützung” von bestimmten Banken macht Sinn, man hat Zeit zum Umverteilen auf die Konten der “Elite”. Sollte die Staatsanwaltschaft hier mal nachprüfen, welche Konten bevorzugt bedient wurden, könnte man die Nutznießer dieser “Finanzkrise” ermitteln, der kleine Mann wird es wohl nicht sein.
    http://www.buchhandel.de/detailansicht.aspx?isbn=978-3-938235-01-0

  5. otti meint:

    „Es geht um nicht mehr oder weniger als um das Vertrauen in die Gesellschaftsordnung.“

    Hat Merkel in ihrer Regierungserklärung gesagt.

    Vertrauen?

    In Merkel? Blödsinn!
    In Steinbrück? Blödsinn!
    In Köhler (Bundespräsident)? Blödsinn!
    Vertrauen in die Politik allgemein? Granaten-Blödsinn!

    Diese Frau hat mit ihrem neoliberalen Dreck unser Land vor die Wand gefahren, wie keine Regierung zuvor.

    Die Dame hat versagt.
    Sie kann es nicht, die muss weg!

  6. Fred Sky meint:

    @ otti
    Unsere “Reitlehrerin” mit FDJ-Ausbildung in Agitprop (Agitation und Propaganda) und als junge Physikerin auf den Spuren von Einstein zählt zu den Auserwählten, denen eine Staatsführung anvertraut wird. Viele leiden gegenwärtig an Lichtallergie, es muß nicht immer tödlich ausgehen, der Mensch ist vergeßlich. Die Ossis haben da einen feinen Humor, was das Spinnen und Filzen angeht:
    http://www.die-wolllust.de/shop/product_info.php/info/p1075_Wolle_Kammzugerika.html/XTCsid/37cbc8e285f4ba1902a710fa34bf68e3
    MfG

  7. otti meint:

    Die Dame will mal wieder dienen. Da muss es wohl gewaltig brennen, wenn die schon wieder dienen will.
    Das Feuer in ihrer neoliberalen Abbruchbude weitet sich zum landesweiten Flächenbrand aus, aber die Brandstifter propagieren trotzdem die Problemlösungskompetenz der Dame in den höchsten Tönen und schönsten Farben.
    Der tiefere Grund ist der, dass internationale Finanzterroristen von ihren Helfershelfern natürlich erwarten, allumfassend bedient zu werden. Insoweit ist die Vermutung, das Dienen habe etwas mit dem Wohlstand des Volkes zu tun, ein Missverständnis.
    Klar, das Volk wird von der Dame bedient: mit Propaganda. Das hat sie gelernt, das kann man in solchen Kreisen.
    Ja, im Kugelhagel neoliberaler Propaganda der Eliten des internationalen Finanzterrors wurde das Vertrauen der Bevölkerung in das Gemeinwesen zusammengeschossen.
    Das Finanzgesindel hinterlässt ein verbranntes Land. Verbrannte Erde haben die Gemeinwohlschädlinge mit ihren betrügerischen Machenschaften ‘produziert’. Nicht Wohlstand für alle, sondern Reichtum für wenige wurde geschaffen.
    Kein Wunder, wenn die Machthaber unter den gegebenen Umständen die Bundeswehr auch im Inneren einsetzen wollen!
    Nein zu einem solchen Stasi-Täuschland.

  8. Fred Sky meint:

    @ otti
    Sieh es mal positiv. Wenn Merkel mit leeren Taschen “garantiert”, hat sie Rückendeckung, es wird also nicht so schlimm kommen. Das Inszenario wird für eine neue einheitliche Weltwährung gebraucht, anders sind die Nationalisten nicht zu überzeugen. Erkannte Gefahrenquellen schnell zu beseitigen, mag für den Straßenverkehr gelten, im Finanzgeschäft läßt man die degenerierten Gegner psychologisch ins Messer laufen.
    MfG

  9. Marion meint:

    Die Zeitung hab ich auch gelesen, von wegen Täuschland ;)

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Staatsfinanzierer

6. Oktober 2008 05:45

Lieber Freund

Haben Sie sich eigentlich schon mal überlegt, wo der Staat eigentlich das Geld herbekommt, das er für die jährliche Neuverschuldung benötigt?
Zur Erinnerung, Neuverschuldung ist das Geld, das der Staat ausgibt, aber nicht über Steuern einnimmt und daher dieses „Finanzierungsloch“ im Haushalt durch die Aufnahme eines oder mehrerer Darlehen schließt.
Über diese Art der Staatsverschuldung und deren Sinnhaftigkeit ist viel geschrieben und gesagt worden, ich will daher das ganze Für und Wider, Sinn und Unsinn gar nicht wiederholen.
Fakt ist, dass die Politiker unseres Staates Schulden in Höhe von circa 1.500.000.000.000 Euro (in der sozialverträglichen Schreibweise sind es nur 1,5 Billionen) angehäuft haben und jedes Jahr lustig weitere Schulden machen.

Viel interessanter als die Frage wie „Vater Staat“ diese Schulden jemals zurückbezahlen will oder kann, ist doch die Frage wer ihm das Geld denn geliehen hat und welche Sicherheiten er für die gewährten Darlehen gegeben hat.

Die Antwort ist eigentlich einfach, denn der Staat hat die 1,5 Billionen Euro von den staatsfinanzierenden Banken bekommen und als Sicherheit die Wirtschaftskraft und das Leistungsvermögen seiner Bürger verpfändet. Und wenn der Staat die Zinsen auf seine Schulden nicht mehr bezahlen kann, dann kommt es zum Staatsbankrott. Lesen Sie einfach mal bei Wikipedia nach, wie so ein Staatsbankrott funktioniert und Sie werden erkennen, dass die Bundesrepublik Deutschland nach dem verlorenen Krieg und in Kombination mit der Übernahme des untergegangenen Bruderstaates, sowie der andauernden Neuverschuldung zumindest zwei der drei Kriterien bereits erfüllt.
Es fehlt eigentlich nur noch der Regimewechsel, aber auch hier häufen sich zunehmend die Anzeichen der politisch-ideologischen Veränderungen.

Betrachten wir daher einmal die Folgen eines solchen Staatsbankrotts und zitieren Wikipedia:
“Betroffen von Staatsbankrotten sind in erster Linie die Gläubiger des Staates, aber auch die Wirtschaft und die Bürger des Staates selbst. Die sichtbarste Folge des Staatsbankrotts ist, dass die Gläubiger ihr an den Staat verliehenes Geld sowie die Zinsen darauf ganz oder teilweise verlieren. Praktisch bedeutet ein Staatsbankrott für den einzelnen Privatbürger immer eine drastische Abwertung seiner Geldvermögen, da die einheimischen Sparer meist ein bedeutender Gläubiger des Staates sind. Gravierender aber sind die Folgen auf die Volkswirtschaft. Diese sind typischerweise

  • eine Bankenkrise, da die Banken hohe Abschreibungen auf ihre Staatskredite vornehmen müssen
  • eine Wirtschaftskrise, da die inländische Nachfrage reduziert wird und Investoren Gelder zurückziehen
  • eine Währungskrise, da ausländische Anleger die betroffene Volkswirtschaft meiden.

Die Bürger werden dadurch mittelbar getroffen, meist durch hohe Arbeitslosigkeit und das Entfallen staatlicher Leistungen.”

Wenn Sie jetzt glauben, ich hätte hier irgendwelche Artikel aus der Tagespresse reingemauschelt, so irren Sie sich gewaltig. Tatsache aber ist, dass Sie in der Tagespresse genau diese Worte in alarmierender Häufigkeit wiederfinden. Arbeitslosigkeit auf hohem Niveau haben wir schon länger, ausufernde Staatsverschuldung seit Jahrzehnten, jetzt kommt noch die Bankenkrise dazu und die staatlichen Notenbanken pumpen Milliarden Euro in ein kollabierendes Finanzsystem.

Warum tun die das wohl?

Wollte sich nicht der Staat aus der Selbstregulierung der freien Märkte heraushalten?
Waren Staat und Politik nicht völlig machtlos gegen die Globalisierung?
Hat man nicht eifrig staatliche Unternehmen mit Steuergeldern präpariert um sie dann schön filetiert an der Börse an private Investoren zu verhökern?
Hat man nicht Public-Private-Partnership als das ideale Geschäftsmodell zur Gesundung der Staatsfinanzen angepriesen?
Hat man nicht sogar Gesetze geändert um Finanzinvestoren die Übernahme kommunaler Immobilien in großem Umfang zu ermöglichen?

Aber jetzt ist man ja dabei Rettungspakete aus Steuergeldern zu schnüren!
Natürlich nur um der Wirtschaft zu helfen und die Banken zu stützen!

Schauen wir uns daher doch einmal die Lage anhand eines konkreten Beispiels an.
Nein, ich meine jetzt nicht die IKB und die KfW, bei der sich die Parteibuchbanker unter Aufsicht des Wirtschaftsministers Glos und des Finanzministers Steinbrück ordentlich verzockt haben. Dass dann auch noch 300 Millionen an die bankrotten Gebrüder Lehman in New York überwiesen wurde, war zwar ein bisschen ärgerlich, hatte aber den Vorteil, dass man damit die Öffentlichkeit leichter von den Verkaufskonditionen der IKB an den Finanzinvestor Lonestar ablenken konnte.

Als Beispiel für die plötzliche Fürsorge des Staates möchte ich die Hypo-Real-Estate (HRE) und deren Tochtergesellschaft Depfa verwenden und deutlich machen, warum der Finanzminister Steinbrück und die Bundesangela so rasch bereit waren eine Bürgschaft über 26 Milliarden Euro zu übernehmen.
Sie haben sicher den Kursturz der HRE-Aktie an den Börsen beobachtet, die binnen weniger Stunden circa 70-80 Prozent ihres Börsenwertes verlor. Verursacht wurde dies durch die Meldung, dass die Tochtergesellschaft Depfa Liquiditätsprobleme in Milliardenhöhe habe.
Entstanden sind diese Liquiditätsprobleme durch Dummheit und Gier des Managements. Man sollte eben kein Geld mit einer Laufzeit von mehreren Jahren verleihen und sich dann selbst das Geld über kurzfristige Kredite besorgen.
So kam es, dass die Depfa ihre kurzfristigen Kredite nicht zurückzahlen konnte weil sie selbst das Geld langfristig ausgeliehen hatte.
Die Depfa war also nicht pleite, wie fälschlicherweise einige Redaktionen der deutschen Wirtschaftspresse meldeten, die Depfa hatte nur kein liquiden Finanzmittel und wegen der Kreditkrise und dem Zusammenbruch der amerikanischen Investmentbanken wollte ihr auch niemand mehr Geld (zu vernünftigen Konditionen) leihen.

Und jetzt werden Sie sich sicher fragen, was das alles mit dem deutschen Staat und dem Bundesfinanzminister Steinbrück zu tun hat.
Aus den Presse- und Ad-Hoc-Meldungen der letzten Monate und Jahre könnten Sie es erfahren, wenn Sie bei Google einfach mal nach dem Begriff “Staatsfinanzierer“ suchen.
Ich kann Ihnen versichern, Sie werden im Worl-Wide-Web hochinteressante Lektüre dazu finden und zu dem Schluss kommen, dass der bundesdeutsche Finanzminister eigentlich nichts Anderes getan hat, als für die vom Staatsfinanzierer Depfa an den deutschen Staat vergebenen Darlehen die Bürgschaft zu übernehmen.
Das führt zu der wohl einmaligen Situation, dass der Kreditnehmer gleichzeitig Bürge ist.
Versuchen Sie mal mit diesem Geschäftsmodell bei Ihrer Bank einen Kredit zu bekommen.

Wenn Sie glauben, der Fall Depfa und HRE wäre eine Ausnahme, dann schauen Sie sich doch mal den Kursverlauf der Commerzbank an. Die war im November 2007 angetreten um mit ihren Tochtergesellschaften „Essen Hyp“ und „Eurohypo“ im Staatsfinanzierungsgeschäft stärker mitzumischen.

Wie war das doch noch mal mit dem Staatsbankrott?

Und noch ein Tipp zum Schluss.
Achten Sie doch mal verstärkt auf die Zinsentscheidungen der Europäischen Zentralbank (EZB) und die Inflationsraten. Denn ein beliebtes Hilfsmittel zum Abbau der Staatsverschuldung ist die Inflation (Preissteigerung/Geldentwertung), die die Schulden des deutschen Staates jährlich um rund 60 Milliarden mindert. Zusammen mit höheren Steuern und der “kalten Progression” erfolgt ein stetiger Transfer von Volksvermögen in Staatseinnahmen.

Ohne zusätzliche Neuverschuldung hätte dieser Staat längst Konkurs anmelden müssen. Aber diesen Straftatbestand muss ein deutscher Finanzminister nicht fürchten .
Und so lange es “Staatsfinanzierer” gibt kann das Spielchen ja lustig weitergehen.
Selbst wenn man mal eine Bürgschaft für die eigenen Schulden übernehmen muss.

Vor diesem Hintergrund klingt es mehr als lachhaft, wenn die Bundesangela sich zu der Erklärung genötigt sieht, dass ihre Regierung “dafür Sorge tragen wolle, dass die Sparerinnen und Sparer in Deutschland nicht befürchten müssen, einen Euro ihrer Einlagen zu verlieren“, denn das würde bedeuten, dass sie für Spareinlagen in Höhe von rund 568 Milliarden Euro garantiert.
“Mit ihrem Versprechen wollen Kanzlerin und Finanzminister Menschen und Märkte beruhigen”, schreibt dazu der Spiegel.
Doch wer glaubt in diesem Land noch an die Versprechen von Politikern.

Ich auf jeden Fall nicht (mehr).

Machopan
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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 6. Oktober 2008 um 05:45:32 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik, Gesellschaft, Wirtschaft | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie können ein Kommentar schreiben oder ein Trackback hinterlegen.

9 Antworten zu “Staatsfinanzierer”

  1. otti meint:

    Die Politik ‘garantiert’ den “Sparerinnen und Sparern” die Einlagen.
    Sollte der Garantiefall eintreten, wird halt der Steuerzahler belastet, damit “Sparerinnen und Sparer” wieder zu ihrem Geld kommen.

    Die Bürgerinnen und Bürger garantieren sich also ihre Einlagen selbst.

    Köstlich! Oder perves?

    Nein, eben Politik - dummdreiste.

    Vertrauen, Vertrauen, Vertrauen wird landauf, landab gefordert. Dazu bedarf es aber bei den Verantwortlichen des Handelns nach Treu und Glauben.

    Was wir dagegen tagtäglich erleben ist Lug und Trug.
    Eine so verferkelte Gesellschaft ist auf Dauer nicht überlebensfähig.

    http://www.faz.net/s/Rub0A1169E18C724B0980CCD7215BCFAE4F/Doc~E06B8F3D31C31455CBEA0458824207E7A~ATpl~Ecommon~Scontent.html

    http://www.heise.de/tp/r4/artikel/28/28858/1.html

  2. Karl-Heinz meint:

    Warum eigentlich nutzt der Staat diese Chance nicht und treibt seine Gläubiger gezielt in die Grube. Dann könnte er zu günstigsten Konditionen die Gäubigerbanken samt Staatsschulden übernehmen. Wenn ein Kapitalanleger damit in Notlage kommt, kein Problem wir haben HartzIV!

    Wenn auch die Tilgungslasten so nicht ganz verschwinden, könnten wir damit doch die Zinsen einsparen. Also ganz schnell die Frau heiraten, bei der man Schulden hat, danach kann man immer noch sagen: Es war Liebe!

  3. Machopan meint:

    Ich weiß nicht ob “Liebe” ausreicht, wenn da eine etwas mopsige Mittfünfzigerin, bekannt und berüchtigt als Oberin der unter dem Bundesadler re(a)gierenden “Naked Short Seller“-Vereinigung” vor die kleinen Sparer hinsteht und vollmundig erklärt dass die Einlagen bei ihr und ihren Kumpels völlig sicher sind.
    Die Frau hat doch so viel Ahnung von Finanzen und soviel Schulden am Bein, dass sie damit doch nur die Einlagen “für die blutigen Tage ihrer “gierigen Koalition” gemeint haben kann.

  4. Fred Sky meint:

    Wer sich in Buchführung bzw. Kontenführung auskennt, dürfte wohl erahnen, daß “die Bankenpleiten” sehr wohl geordnet abgewickelt werden. Durch rechtzeitige Umbuchungen wird selektiert, wer gewinnt oder verliert. So ist wohl auch die “Fehlüberweisung” an Lehman kein Zufall, dort wurde noch für bestimmte Konten Geld gebraucht. Auch die “Stützung” von bestimmten Banken macht Sinn, man hat Zeit zum Umverteilen auf die Konten der “Elite”. Sollte die Staatsanwaltschaft hier mal nachprüfen, welche Konten bevorzugt bedient wurden, könnte man die Nutznießer dieser “Finanzkrise” ermitteln, der kleine Mann wird es wohl nicht sein.
    http://www.buchhandel.de/detailansicht.aspx?isbn=978-3-938235-01-0

  5. otti meint:

    „Es geht um nicht mehr oder weniger als um das Vertrauen in die Gesellschaftsordnung.“

    Hat Merkel in ihrer Regierungserklärung gesagt.

    Vertrauen?

    In Merkel? Blödsinn!
    In Steinbrück? Blödsinn!
    In Köhler (Bundespräsident)? Blödsinn!
    Vertrauen in die Politik allgemein? Granaten-Blödsinn!

    Diese Frau hat mit ihrem neoliberalen Dreck unser Land vor die Wand gefahren, wie keine Regierung zuvor.

    Die Dame hat versagt.
    Sie kann es nicht, die muss weg!

  6. Fred Sky meint:

    @ otti
    Unsere “Reitlehrerin” mit FDJ-Ausbildung in Agitprop (Agitation und Propaganda) und als junge Physikerin auf den Spuren von Einstein zählt zu den Auserwählten, denen eine Staatsführung anvertraut wird. Viele leiden gegenwärtig an Lichtallergie, es muß nicht immer tödlich ausgehen, der Mensch ist vergeßlich. Die Ossis haben da einen feinen Humor, was das Spinnen und Filzen angeht:
    http://www.die-wolllust.de/shop/product_info.php/info/p1075_Wolle_Kammzugerika.html/XTCsid/37cbc8e285f4ba1902a710fa34bf68e3
    MfG

  7. otti meint:

    Die Dame will mal wieder dienen. Da muss es wohl gewaltig brennen, wenn die schon wieder dienen will.
    Das Feuer in ihrer neoliberalen Abbruchbude weitet sich zum landesweiten Flächenbrand aus, aber die Brandstifter propagieren trotzdem die Problemlösungskompetenz der Dame in den höchsten Tönen und schönsten Farben.
    Der tiefere Grund ist der, dass internationale Finanzterroristen von ihren Helfershelfern natürlich erwarten, allumfassend bedient zu werden. Insoweit ist die Vermutung, das Dienen habe etwas mit dem Wohlstand des Volkes zu tun, ein Missverständnis.
    Klar, das Volk wird von der Dame bedient: mit Propaganda. Das hat sie gelernt, das kann man in solchen Kreisen.
    Ja, im Kugelhagel neoliberaler Propaganda der Eliten des internationalen Finanzterrors wurde das Vertrauen der Bevölkerung in das Gemeinwesen zusammengeschossen.
    Das Finanzgesindel hinterlässt ein verbranntes Land. Verbrannte Erde haben die Gemeinwohlschädlinge mit ihren betrügerischen Machenschaften ‘produziert’. Nicht Wohlstand für alle, sondern Reichtum für wenige wurde geschaffen.
    Kein Wunder, wenn die Machthaber unter den gegebenen Umständen die Bundeswehr auch im Inneren einsetzen wollen!
    Nein zu einem solchen Stasi-Täuschland.

  8. Fred Sky meint:

    @ otti
    Sieh es mal positiv. Wenn Merkel mit leeren Taschen “garantiert”, hat sie Rückendeckung, es wird also nicht so schlimm kommen. Das Inszenario wird für eine neue einheitliche Weltwährung gebraucht, anders sind die Nationalisten nicht zu überzeugen. Erkannte Gefahrenquellen schnell zu beseitigen, mag für den Straßenverkehr gelten, im Finanzgeschäft läßt man die degenerierten Gegner psychologisch ins Messer laufen.
    MfG

  9. Marion meint:

    Die Zeitung hab ich auch gelesen, von wegen Täuschland ;)

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