Happy Hypo IKB

10. November 2008 05:45

Lieber Freund

Erinnern Sie sich, dass vor wenigen Wochen noch Worte wie “globale Finanzkrise” und “weltweite Rezession” nur in Science-Fiction-Romanen vorkamen und überhaupt nicht zum täglichen Sprachgebrauch eines “Finanzmanagers” gehörten, der vollauf mit der weiteren Steigerung des Ertragswinkels beschäftigt war.

Dann wurden die, unter der Aufsicht der KfW, bei der IKB mit faulen Immobilienkrediten verzockten Milliarden bekannt. Und hurtig wurde die IKB mit einigen Steuermilliarden aus dem Finanzministerium soweit aufgehübscht, dass man sie dem Investor Lone Star für circa 100 Millionen Euro Kranzgeld unter die Decke schieben konnte.
Doch dann kam die KfW so richtig in die Schlagzeilen und es wurde offenkundig, dass die Finanzlücken in enger Relation zu den Zuständigkeitslücken standen und nur noch durch die Erinnerungs- und Kompetenzlücken im politisch hochkarätigen besetzten Verwaltungsrat getoppt wurden.
Dass dann auch noch 350 Millionen Euro an die bankrotten Gebrüder Lehman in die USA überwiesen wurden, war dann nur einer der kleineren Systemfehler bei der KfW, die kurze Zeit danach den Zinssatz für Bafög-Darlehen auf 6,5 % erhöhen musste, denn irgendwie mussten diese erfolgreichen Finanztransaktionen ja schließlich aufkommensneutral gegenfinanziert werden.

Dann kam die „Hypo Real Estate (HRE)“ in die Schlagzeilen und das war dann wohl auch der offizielle Anfang von dem Happening, das wir nun als Zuschauer durchleben und als Steuerzahler durchleiden dürfen.

Der erste Rettungsversuch der HRE scheiterte, weil ausgerechnet die zur Hilfe gerufenen Spezialisten der Deutschen Bank ausgerechnet hatten, dass das hurtig vom Bund und den Banken geschnürte „Erste Rettungspaket“ wohl etwas zu leicht und die Schieflage der HRE weitaus größer war, als von HRE-Kapitän Funke gefunkt wurde.
Zwischenzeitlich ist Kapitän Funke über Bord gegangen, hat die Segel gestrichen oder, wie die FTD dazu schreibt, „hat das Handtuch geworfen“.
Sein Nachfolger im Vorstand der HRE wird Axel Wieandt von der Deutschen Bank, der als Zögling von Josef Ackermann gilt. Das komplette Finanzierungsmanagement der HRE hat der Commerzbank-Manager Kai Wilhelm Franzmeyer übernommen.

Mit tätiger Mithilfe der Spezialisten von der Deutschen Bank hat der Bund dann aus Steuermitteln ein “Riesensauereisicherheitschirmrettungspaket” für die Banken geschnürt und angepriesen wie Sauerbier.

Wir wollen das jetzt gar nicht weiter vertiefen und nachfragen woher dieses viele Geld eigentlich kommt und wer es wird aufbringen müssen. Wir wollen auch nicht fragen, ob das alles wirklich notwendig war und wer sich hier auf wessen Kosten bereichert und saniert hat.

Aber lassen Sie uns doch einfach mal überlegen, wie das alles so zusammenpasst und ob das wirklich so ganz mit rechten Dingen zugeht, wie das gebetsmühlenartig aus Berlin immer behauptet wird.

Klar ist, dass die IKB stark im amerikanischen Subprime-Geschäft (Schuldner mit schlechter Bonität) engagiert war. Unklar ist in der Öffentlichkeit weitgehendst wer ihr den Anlagenschrott eigentlich angedreht hat.
Klar ist, dass der Vorstand der HRE die Verantwortung für den Liquiditätsengpass bei der HRE trägt. Klar ist auch, dass dieses Loch bei der Depfa, einer Tochter der HRE, durch ein risikoreiches Liquiditätsmanagement verursacht wurde.
Wegen der beachtlichen Größe des Loches und der finanzwirtschaftlichen Bedeutung der Depfa für die Finanzierung der “öffentlichen Hand” wurde dann der Spezialist für bundesweite Finanzlöcher, der sehr verehrte Herr Bundesfinanzminister Peer Steinbrück, zu Hilfe gerufen.
Zusammen mit den ihm bestens bekannten Experten des Herrn Ackermann von der Deutschen Bank, der sich gerade die Deutsche Postbank für einen “strategischen Symbolpreis” unter den Nagel gerissen hatte, wurde ein “Rettungsplan” für die HRE ausbaldowert, bei dem der stets klamme Minister für bundesdeutsche Finanzen, mangels Masse, die Rolle eines Bürgen für schlaffe 26 Milliarden Euro übernahm.
Mit dieser Lösung trat man dann mit der selbsternannten Finanzkrisenmanagerin Angela Merkel vor die Presse und gab stolz bekannt, dass durch umsichtiges Eingreifen der bunten Regierung Schlimmstes verhindert und alles zum Guten gewendet werden konnte.

So weit, so gut, aber dann muss dem Herrn Ackermann wohl über Nacht noch eine bessere Idee gekommen sein, denn er ließ seine Experten noch einmal nachrechnen und “haste was kannste”, der HRE fehlten plötzlich und praktisch über Nacht weitere 15-20 Milliarden um über die Runden zu kommen. Das „Erste Rettungspaket“ war somit geplatzt.

Natürlich war das Geschrei jetzt groß und die Krisenmanager Merkel und Steinbrück standen irgendwie dumm da, denn es hagelte von allen Seiten nicht nur öffentliche Kritik wegen der Bürgschaft, sondern auch heftige Zweifel und offene Häme am “Krisenmanagement” der Parteibuchbanker Steinbrück und Merkel.
Das konnte man in einem Vorwahljahr, besonders nach dem Finanzdebakel bei der KfW und den Wahlergebnissen von CSU und den LINKEN nicht so einfach unter den Teppich kehren.
Also schritt die Politik zur Tat und forderte die Banken auf, die Finanzlücke im Rettungsplan zu schließen, was die Banken dann auch hurtig und artig zusicherten.

Während in den Vorständen und Aufsichträten von IKB, KfW und HRE das Personalkarussell auf Touren kam, schnürte der Bund binnen einer Woche das zweite “Rettungspaket” und forderte die Banken dazu auf, sich schnellstmöglich unter dessen “Schutzschirm” zu begeben.
Nun sind sie fast alle unter dem Schirm versammelt, die schon länger als Monetenkrematorien verschrienen Landesbanken sowieso, als bisher letzte Bank folgte nun die Commerzbank, die sich bei der Übernahme der Dresdner Bank wohl etwas verspekuliert hat. Begleitet wurde das ganze Theater von wohlwollenden Kommentaren aus Berlin, denn nichts wäre schlimmer gewesen, wenn sich nach der ganzen operativen Hektik keine der Privatbanken hätte “retten” lassen wollen.

Für die meisten Banken ist dieser “Rettungsschirm” ein Supergeschäft, denn man kann nicht nur auf einfache Art und Weise minderwertige Finanzanlagen an den Staat abdrücken, sondern kann sich auch noch Kapital besorgen ohne die eigenen Aktionäre bemühen zu müssen.
Statt einer stillen Beteiligung durch den Staat hätte die Commerzbank auch eine Kapitalerhöhung machen können. Hätte, hat aber nicht, die Bank wird wohl ihre Gründe haben, warum man sich für einen Teilhaber entschieden hat, der sich nicht ins Geschäft einmischen wird und den man nach zwei Jahren wieder los ist.

Nur die Deutsche Bank will sich aus „Scham“ vorerst nicht unter dem stattlichen staatlichen Schirm „retten“ lassen, denn so der Vorstandsvorsitzende Josef Ackermann, es bestehe dafür kein Bedarf.

Das kann aber nichts anderes bedeuten, dass die Deutsche Bank keine (oder nur noch geringe) Ausfallrisiken in Folge der Subprime-Krise in den Büchern hat.
Und wenn wir jetzt gedanklich noch mal an den Anfang der Geschichte zurückgehen, und einfach mal annehmen, dass es die überwiegend die Deutsche Bank (DB) war, die der IKB und der DePfa in großem Stil diese Schrottzertifikate verkauft hat und das hohe Ausfallrisiko genau kannte, dann wäre es doch irgendwie logisch, dass sich die Deutsche Bank berechtigte Sorgen um die Liquidität ihrer Kunden IKB und Depfa macht, denn das Volumen der Finanztransaktionen war der DB doch bestens bekannt.
Vor diesem Hintergrund setzt sich Josef Ackermann dann ans Telefon und ruft den Bundesfinanzminister Steinbrück an, unter dessen Aufsicht die KfW steht, die wiederum größter Anteilseigner an der IKB ist.
Und der Herr Finanzminister ist sicher sehr dankbar, dass ihm der Vorstandsvorsitzende der größten Deutschen Bank mitteilt, dass es wohl ein Liquiditätsproblem bei der IKB gebe, und dass die Deutsche Bank dem Bundesfinanzministerium bei der Lösung des Problems mit Rat und Tat zur Seite stehen wird.
Vielleicht gab es auch gar kein Telefongespräch und die Information wurde während einer gemeinsamen Pinkelpause bei den Verhandlungen zur Übernahme der Deutschen Postbank weitergegeben.

Fakt ist aber dass der Bundesfinanzminister die IKB ganz rasch mit einigen Steuermilliarden wieder flottgemacht hat und sie dann für ein paar Millionen zu verscherbeln. Damit war der Herr Finanzminister die IKB los und der Herr Ackermann hatte, dank staatlicher Hilfe, keinen Abschreibungsbedarf mehr.

Bei der Hypo Real Estate wurde dann die gleiche Masche verwendet.
Die Experten der Deutschen Bank errechneten eine, ihnen wiederum bestens bekannte, “Finanzlücke”, der Bundesfinanzminister griff wiederum in das Staatssäckel und der Abschreibungsbedarf bei der Deutschen Bank war Schnee von gestern.
Dazu passt auch, dass sich der Herr Steinbrück so außerordentlich erfreut darüber zeigte, dass nun die „guten Leute“ von der Deutschen Bank und der Commerzbank die Verantwortung bei der HRE übernehmen und nicht etwa den Augiasstall bei der KfW und IKB ausmisten wollten

Der Deal war genial eingefädelt und hat mit staatlicher Hilfe und auf Kosten der Steuerzahler einen sicher nicht unerheblichen Abschreibungsbedarf in Folge der Subprime-Krise aus den Büchern der Deutschen Bank entfernt.
Dadurch besteht für den Herrn Ackermann nun auch kein Grund sich unter den staatlichen “Rettungsschirm” zu stellen und sich das Jahresgehalt von 12 Millionen auf 500.000 Euro zusammenkürzen zu lassen.
Und so ganz nebenbei und natürlich völlig unbeabsichtigt bestand durch die aktive Mithilfe am Rettungspaket der Bundesregierung die Möglichkeit wichtige Schlüsselpositionen in den gefährdeten Finanzinstituten durch „Experten“ der Deutschen Bank besetzen zu können.
Dabei fällt auf, dass die „guten neuen Leute“ bei der Hypo Real Estate nicht nur von der Deutschen Bank kommen, sondern auch von der zweitgrößten deutschen Bank, der Commerzbank.

Diese Art der Zusammenarbeit zwischen den “guten Leuten” von der Deutscher Bank und der Commerzbank gab es im Jahr 2001 schon einmal, als die in Schieflage geratene “Schmidtbank” von den namensgleichen Personen “gerettet” und filetiert wurde.
Zum “Déjà-vu” fehlt jetzt eigentlich nur noch die Auffanggesellschaft mit dem lieblichen Namen Medusa.

Und wenn man jdann noch im Hinterkopf hat, dass der im Rahmen des politischen “Krisenmanagements” ebenfalls geschasste Aufsichtsratvorsitzende der HRE, Kurt Viermetz auch noch Aufsichtsratvorsitzender der “Deutschen Börse AG” war und dort auf Druck der Hedge-Fonds TCI und Atticus ebenfalls von seinem Amt erlöst wurde, dann darf man darauf gespannt sein, ob sein Nachfolger wohl ebenfalls aus dem “Top-Management” der Deutschen Bank und/oder Commerzbank kommen wird.

Denn dann hätte die Deutsche Bank ein überaus erfolgreiches Jahr hinter sich, in dem es nicht nur gelungen ist die eigene Bilanz auf Kosten der deutschen Steuerzahler vor den Folgen der Subprime-Krise zu retten und mit der Übernahme der Deutschen Postbank die „kleinen Sparer“ am Haken zu haben, sondern auch noch eigene Leute in den Führungsposition beim “Staatsfinanzierer” HRE zu platzieren und die Finger ins lukrative Pfandbriefgeschäft zu bekommen.
Und das Tüpfelchen auf dem „i“ wäre dann noch die Einflussnahme in der Deutsche Börse AG.
Da wird doch der volle Bonus fällig für den Herrn Ackermann, denn erst in der Krise erkennt man den richtigen Manager.

Machopan
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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 10. November 2008 um 05:45:21 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik, Wirtschaft | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

2 Antworten zu “Happy Hypo IKB”

  1. D.Bakel meint:

    was kann man von einem Menschen erwarten, der 20.000 Mitarbeiter
    (nicht 6.000)aus seinem Unternehmen freisetzte?
    ******
    ich zitiere einmal Hrn. Prof. Selenz vom 7.Aug. 2004 :

    Herr Ackermann beklagte sich: Nur in Deutschland stelle man Manager vor Gericht, die Werte schaffen. Damit meint er wohl, die zivilisierte Welt müsse mit Abscheu auf dies Land schauen. Nicht nur hier irrt Herr Ackermann. Die Werte, von denen er sprach, waren virtuell. Eine finanzielle Fata-Morgana sozusagen. Bilanzielle Luftspiegelungen. Ackermanns �Milliarden-Werte� lösten sich buchstäblich in Luft auf. Nun soll sogar der deutsche Steuerzahler bluten.

    Im Mannesmann-Prozess wurde eines klar: In diesem unserem Lande gibt es Manager, die nicht einmal die Regeln zur Führung der ihnen anvertrauten Unternehmen kennen. Deutschland ist damit das einzige Land der zivilisierten Welt, das Manager ohne �Führerschein� nicht aus dem Verkehr zieht. Die gesetzlichen Vorgaben dazu hätten wir. Sie werden aber nicht angewandt, da sie offenbar nur für Buchhalter gelten.
    Herr Sanio, wann schreiten Sie als Bank-Polizist zur Tat?

    *****
    Was soll’s, lieber halten wir uns an den Steuerzahler …

    Gruß D.Bakel

  2. Fred meint:

    Die ständige Entschuldigung unter Partnern wird lagsam lästig:
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,590084,00.html
    Es ist ja verständlich, daß bestimmte Organisationen ihre Daseinsberechtigung nachweisen wollen, aber die ständige Forderung zeugt von Schwäche. Da haben Leute wie Silvestre de Sacy ( http://de.wikipedia.org/wiki/Silvestre_de_Sacy ) keine Hemmungen: “Es brauchte keinen außerordentlichen Blick, um das Schicksal zu übersehen, dem die Völker ausgesetzt sein würden, über die sich eine solche Heuschreckenwolke herabwälzte.”
    http://www.wissen-im-netz.info/literatur/goethe/diwan/14.htm
    Muß er sich postum oder auch Müntefering jetzt entschuldigen?
    Übrigens ist der Goethe hier lesenswert, wenn auch in anderen Quellen völlig verdreht dargestellt.
    “Wir haben nun den guten Rat gesprochen
    Und manchen unsrer Tage dran gewandt;
    Misstönt er etwa in des Menschen Ohr –
    Nun, Botenpflicht ist sprechen. Damit gut!”

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Happy Hypo IKB

10. November 2008 05:45

Lieber Freund

Erinnern Sie sich, dass vor wenigen Wochen noch Worte wie “globale Finanzkrise” und “weltweite Rezession” nur in Science-Fiction-Romanen vorkamen und überhaupt nicht zum täglichen Sprachgebrauch eines “Finanzmanagers” gehörten, der vollauf mit der weiteren Steigerung des Ertragswinkels beschäftigt war.

Dann wurden die, unter der Aufsicht der KfW, bei der IKB mit faulen Immobilienkrediten verzockten Milliarden bekannt. Und hurtig wurde die IKB mit einigen Steuermilliarden aus dem Finanzministerium soweit aufgehübscht, dass man sie dem Investor Lone Star für circa 100 Millionen Euro Kranzgeld unter die Decke schieben konnte.
Doch dann kam die KfW so richtig in die Schlagzeilen und es wurde offenkundig, dass die Finanzlücken in enger Relation zu den Zuständigkeitslücken standen und nur noch durch die Erinnerungs- und Kompetenzlücken im politisch hochkarätigen besetzten Verwaltungsrat getoppt wurden.
Dass dann auch noch 350 Millionen Euro an die bankrotten Gebrüder Lehman in die USA überwiesen wurden, war dann nur einer der kleineren Systemfehler bei der KfW, die kurze Zeit danach den Zinssatz für Bafög-Darlehen auf 6,5 % erhöhen musste, denn irgendwie mussten diese erfolgreichen Finanztransaktionen ja schließlich aufkommensneutral gegenfinanziert werden.

Dann kam die „Hypo Real Estate (HRE)“ in die Schlagzeilen und das war dann wohl auch der offizielle Anfang von dem Happening, das wir nun als Zuschauer durchleben und als Steuerzahler durchleiden dürfen.

Der erste Rettungsversuch der HRE scheiterte, weil ausgerechnet die zur Hilfe gerufenen Spezialisten der Deutschen Bank ausgerechnet hatten, dass das hurtig vom Bund und den Banken geschnürte „Erste Rettungspaket“ wohl etwas zu leicht und die Schieflage der HRE weitaus größer war, als von HRE-Kapitän Funke gefunkt wurde.
Zwischenzeitlich ist Kapitän Funke über Bord gegangen, hat die Segel gestrichen oder, wie die FTD dazu schreibt, „hat das Handtuch geworfen“.
Sein Nachfolger im Vorstand der HRE wird Axel Wieandt von der Deutschen Bank, der als Zögling von Josef Ackermann gilt. Das komplette Finanzierungsmanagement der HRE hat der Commerzbank-Manager Kai Wilhelm Franzmeyer übernommen.

Mit tätiger Mithilfe der Spezialisten von der Deutschen Bank hat der Bund dann aus Steuermitteln ein “Riesensauereisicherheitschirmrettungspaket” für die Banken geschnürt und angepriesen wie Sauerbier.

Wir wollen das jetzt gar nicht weiter vertiefen und nachfragen woher dieses viele Geld eigentlich kommt und wer es wird aufbringen müssen. Wir wollen auch nicht fragen, ob das alles wirklich notwendig war und wer sich hier auf wessen Kosten bereichert und saniert hat.

Aber lassen Sie uns doch einfach mal überlegen, wie das alles so zusammenpasst und ob das wirklich so ganz mit rechten Dingen zugeht, wie das gebetsmühlenartig aus Berlin immer behauptet wird.

Klar ist, dass die IKB stark im amerikanischen Subprime-Geschäft (Schuldner mit schlechter Bonität) engagiert war. Unklar ist in der Öffentlichkeit weitgehendst wer ihr den Anlagenschrott eigentlich angedreht hat.
Klar ist, dass der Vorstand der HRE die Verantwortung für den Liquiditätsengpass bei der HRE trägt. Klar ist auch, dass dieses Loch bei der Depfa, einer Tochter der HRE, durch ein risikoreiches Liquiditätsmanagement verursacht wurde.
Wegen der beachtlichen Größe des Loches und der finanzwirtschaftlichen Bedeutung der Depfa für die Finanzierung der “öffentlichen Hand” wurde dann der Spezialist für bundesweite Finanzlöcher, der sehr verehrte Herr Bundesfinanzminister Peer Steinbrück, zu Hilfe gerufen.
Zusammen mit den ihm bestens bekannten Experten des Herrn Ackermann von der Deutschen Bank, der sich gerade die Deutsche Postbank für einen “strategischen Symbolpreis” unter den Nagel gerissen hatte, wurde ein “Rettungsplan” für die HRE ausbaldowert, bei dem der stets klamme Minister für bundesdeutsche Finanzen, mangels Masse, die Rolle eines Bürgen für schlaffe 26 Milliarden Euro übernahm.
Mit dieser Lösung trat man dann mit der selbsternannten Finanzkrisenmanagerin Angela Merkel vor die Presse und gab stolz bekannt, dass durch umsichtiges Eingreifen der bunten Regierung Schlimmstes verhindert und alles zum Guten gewendet werden konnte.

So weit, so gut, aber dann muss dem Herrn Ackermann wohl über Nacht noch eine bessere Idee gekommen sein, denn er ließ seine Experten noch einmal nachrechnen und “haste was kannste”, der HRE fehlten plötzlich und praktisch über Nacht weitere 15-20 Milliarden um über die Runden zu kommen. Das „Erste Rettungspaket“ war somit geplatzt.

Natürlich war das Geschrei jetzt groß und die Krisenmanager Merkel und Steinbrück standen irgendwie dumm da, denn es hagelte von allen Seiten nicht nur öffentliche Kritik wegen der Bürgschaft, sondern auch heftige Zweifel und offene Häme am “Krisenmanagement” der Parteibuchbanker Steinbrück und Merkel.
Das konnte man in einem Vorwahljahr, besonders nach dem Finanzdebakel bei der KfW und den Wahlergebnissen von CSU und den LINKEN nicht so einfach unter den Teppich kehren.
Also schritt die Politik zur Tat und forderte die Banken auf, die Finanzlücke im Rettungsplan zu schließen, was die Banken dann auch hurtig und artig zusicherten.

Während in den Vorständen und Aufsichträten von IKB, KfW und HRE das Personalkarussell auf Touren kam, schnürte der Bund binnen einer Woche das zweite “Rettungspaket” und forderte die Banken dazu auf, sich schnellstmöglich unter dessen “Schutzschirm” zu begeben.
Nun sind sie fast alle unter dem Schirm versammelt, die schon länger als Monetenkrematorien verschrienen Landesbanken sowieso, als bisher letzte Bank folgte nun die Commerzbank, die sich bei der Übernahme der Dresdner Bank wohl etwas verspekuliert hat. Begleitet wurde das ganze Theater von wohlwollenden Kommentaren aus Berlin, denn nichts wäre schlimmer gewesen, wenn sich nach der ganzen operativen Hektik keine der Privatbanken hätte “retten” lassen wollen.

Für die meisten Banken ist dieser “Rettungsschirm” ein Supergeschäft, denn man kann nicht nur auf einfache Art und Weise minderwertige Finanzanlagen an den Staat abdrücken, sondern kann sich auch noch Kapital besorgen ohne die eigenen Aktionäre bemühen zu müssen.
Statt einer stillen Beteiligung durch den Staat hätte die Commerzbank auch eine Kapitalerhöhung machen können. Hätte, hat aber nicht, die Bank wird wohl ihre Gründe haben, warum man sich für einen Teilhaber entschieden hat, der sich nicht ins Geschäft einmischen wird und den man nach zwei Jahren wieder los ist.

Nur die Deutsche Bank will sich aus „Scham“ vorerst nicht unter dem stattlichen staatlichen Schirm „retten“ lassen, denn so der Vorstandsvorsitzende Josef Ackermann, es bestehe dafür kein Bedarf.

Das kann aber nichts anderes bedeuten, dass die Deutsche Bank keine (oder nur noch geringe) Ausfallrisiken in Folge der Subprime-Krise in den Büchern hat.
Und wenn wir jetzt gedanklich noch mal an den Anfang der Geschichte zurückgehen, und einfach mal annehmen, dass es die überwiegend die Deutsche Bank (DB) war, die der IKB und der DePfa in großem Stil diese Schrottzertifikate verkauft hat und das hohe Ausfallrisiko genau kannte, dann wäre es doch irgendwie logisch, dass sich die Deutsche Bank berechtigte Sorgen um die Liquidität ihrer Kunden IKB und Depfa macht, denn das Volumen der Finanztransaktionen war der DB doch bestens bekannt.
Vor diesem Hintergrund setzt sich Josef Ackermann dann ans Telefon und ruft den Bundesfinanzminister Steinbrück an, unter dessen Aufsicht die KfW steht, die wiederum größter Anteilseigner an der IKB ist.
Und der Herr Finanzminister ist sicher sehr dankbar, dass ihm der Vorstandsvorsitzende der größten Deutschen Bank mitteilt, dass es wohl ein Liquiditätsproblem bei der IKB gebe, und dass die Deutsche Bank dem Bundesfinanzministerium bei der Lösung des Problems mit Rat und Tat zur Seite stehen wird.
Vielleicht gab es auch gar kein Telefongespräch und die Information wurde während einer gemeinsamen Pinkelpause bei den Verhandlungen zur Übernahme der Deutschen Postbank weitergegeben.

Fakt ist aber dass der Bundesfinanzminister die IKB ganz rasch mit einigen Steuermilliarden wieder flottgemacht hat und sie dann für ein paar Millionen zu verscherbeln. Damit war der Herr Finanzminister die IKB los und der Herr Ackermann hatte, dank staatlicher Hilfe, keinen Abschreibungsbedarf mehr.

Bei der Hypo Real Estate wurde dann die gleiche Masche verwendet.
Die Experten der Deutschen Bank errechneten eine, ihnen wiederum bestens bekannte, “Finanzlücke”, der Bundesfinanzminister griff wiederum in das Staatssäckel und der Abschreibungsbedarf bei der Deutschen Bank war Schnee von gestern.
Dazu passt auch, dass sich der Herr Steinbrück so außerordentlich erfreut darüber zeigte, dass nun die „guten Leute“ von der Deutschen Bank und der Commerzbank die Verantwortung bei der HRE übernehmen und nicht etwa den Augiasstall bei der KfW und IKB ausmisten wollten

Der Deal war genial eingefädelt und hat mit staatlicher Hilfe und auf Kosten der Steuerzahler einen sicher nicht unerheblichen Abschreibungsbedarf in Folge der Subprime-Krise aus den Büchern der Deutschen Bank entfernt.
Dadurch besteht für den Herrn Ackermann nun auch kein Grund sich unter den staatlichen “Rettungsschirm” zu stellen und sich das Jahresgehalt von 12 Millionen auf 500.000 Euro zusammenkürzen zu lassen.
Und so ganz nebenbei und natürlich völlig unbeabsichtigt bestand durch die aktive Mithilfe am Rettungspaket der Bundesregierung die Möglichkeit wichtige Schlüsselpositionen in den gefährdeten Finanzinstituten durch „Experten“ der Deutschen Bank besetzen zu können.
Dabei fällt auf, dass die „guten neuen Leute“ bei der Hypo Real Estate nicht nur von der Deutschen Bank kommen, sondern auch von der zweitgrößten deutschen Bank, der Commerzbank.

Diese Art der Zusammenarbeit zwischen den “guten Leuten” von der Deutscher Bank und der Commerzbank gab es im Jahr 2001 schon einmal, als die in Schieflage geratene “Schmidtbank” von den namensgleichen Personen “gerettet” und filetiert wurde.
Zum “Déjà-vu” fehlt jetzt eigentlich nur noch die Auffanggesellschaft mit dem lieblichen Namen Medusa.

Und wenn man jdann noch im Hinterkopf hat, dass der im Rahmen des politischen “Krisenmanagements” ebenfalls geschasste Aufsichtsratvorsitzende der HRE, Kurt Viermetz auch noch Aufsichtsratvorsitzender der “Deutschen Börse AG” war und dort auf Druck der Hedge-Fonds TCI und Atticus ebenfalls von seinem Amt erlöst wurde, dann darf man darauf gespannt sein, ob sein Nachfolger wohl ebenfalls aus dem “Top-Management” der Deutschen Bank und/oder Commerzbank kommen wird.

Denn dann hätte die Deutsche Bank ein überaus erfolgreiches Jahr hinter sich, in dem es nicht nur gelungen ist die eigene Bilanz auf Kosten der deutschen Steuerzahler vor den Folgen der Subprime-Krise zu retten und mit der Übernahme der Deutschen Postbank die „kleinen Sparer“ am Haken zu haben, sondern auch noch eigene Leute in den Führungsposition beim “Staatsfinanzierer” HRE zu platzieren und die Finger ins lukrative Pfandbriefgeschäft zu bekommen.
Und das Tüpfelchen auf dem „i“ wäre dann noch die Einflussnahme in der Deutsche Börse AG.
Da wird doch der volle Bonus fällig für den Herrn Ackermann, denn erst in der Krise erkennt man den richtigen Manager.

Machopan
(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 10. November 2008 um 05:45:21 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik, Wirtschaft | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

2 Antworten zu “Happy Hypo IKB”

  1. D.Bakel meint:

    was kann man von einem Menschen erwarten, der 20.000 Mitarbeiter
    (nicht 6.000)aus seinem Unternehmen freisetzte?
    ******
    ich zitiere einmal Hrn. Prof. Selenz vom 7.Aug. 2004 :

    Herr Ackermann beklagte sich: Nur in Deutschland stelle man Manager vor Gericht, die Werte schaffen. Damit meint er wohl, die zivilisierte Welt müsse mit Abscheu auf dies Land schauen. Nicht nur hier irrt Herr Ackermann. Die Werte, von denen er sprach, waren virtuell. Eine finanzielle Fata-Morgana sozusagen. Bilanzielle Luftspiegelungen. Ackermanns �Milliarden-Werte� lösten sich buchstäblich in Luft auf. Nun soll sogar der deutsche Steuerzahler bluten.

    Im Mannesmann-Prozess wurde eines klar: In diesem unserem Lande gibt es Manager, die nicht einmal die Regeln zur Führung der ihnen anvertrauten Unternehmen kennen. Deutschland ist damit das einzige Land der zivilisierten Welt, das Manager ohne �Führerschein� nicht aus dem Verkehr zieht. Die gesetzlichen Vorgaben dazu hätten wir. Sie werden aber nicht angewandt, da sie offenbar nur für Buchhalter gelten.
    Herr Sanio, wann schreiten Sie als Bank-Polizist zur Tat?

    *****
    Was soll’s, lieber halten wir uns an den Steuerzahler …

    Gruß D.Bakel

  2. Fred meint:

    Die ständige Entschuldigung unter Partnern wird lagsam lästig:
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,590084,00.html
    Es ist ja verständlich, daß bestimmte Organisationen ihre Daseinsberechtigung nachweisen wollen, aber die ständige Forderung zeugt von Schwäche. Da haben Leute wie Silvestre de Sacy ( http://de.wikipedia.org/wiki/Silvestre_de_Sacy ) keine Hemmungen: “Es brauchte keinen außerordentlichen Blick, um das Schicksal zu übersehen, dem die Völker ausgesetzt sein würden, über die sich eine solche Heuschreckenwolke herabwälzte.”
    http://www.wissen-im-netz.info/literatur/goethe/diwan/14.htm
    Muß er sich postum oder auch Müntefering jetzt entschuldigen?
    Übrigens ist der Goethe hier lesenswert, wenn auch in anderen Quellen völlig verdreht dargestellt.
    “Wir haben nun den guten Rat gesprochen
    Und manchen unsrer Tage dran gewandt;
    Misstönt er etwa in des Menschen Ohr –
    Nun, Botenpflicht ist sprechen. Damit gut!”

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