Zwangspausenurlaub

17. November 2008 05:45

Lieber Freund

“Für den Einen ist es ein Zwangsurlaub und für den Anderen eine verlängerte Weihnachtspause”.
So könnte man in Anlehnung an einen gängigen Werbespruch die Berichterstattung über die “krisenbedingten Maßnahmen” der Unternehmen zum Jahreswechsel 2008/2009 nennen.
So schreibt der SPIEGEL unter dem Aufmacher “KRISENMANAGEMENT - Porsche schreibt Belegschaft verlängerte Weihnachtspause vor“, dass das Stammwerk in Zuffenhausen wegen der Finanzkrise vom 22. Dezember bis zum 9. Januar geschlossen wird.

Und auch “der Software-Konzern SAP spürt die Finanzkrise bereits und denkt daher darüber nach, seine Mitarbeiter zwischen Weihnachten und Neujahr in den Zwangsurlaub zu schicken“. Zur Untermauerung dieser Katastrophenmeldung zitiert der SPIEGEL sogar den Co-Vorstandschef des Konzerns, Leo Apotheker, mit den Worten: “Wir wissen nicht, wie lange die Krise dauert und wie tief sie unsere Branche trifft“.

Da hat der Leo Apotheker zwar recht, aber jedem einigermaßen intelligenten Menschen und Wirtschaftsredakteur würde bei einem kurzen Blick auf den Kalender sofort klar, dass zwischen Weihnachten und Neujahr, also zwischen dem 24. Dezember und dem 31. Dezember 2008 exakt nur 2 (in Worten: zwei) volle Arbeitstage liegen.
Überhaupt gestaltet sich der Kalender zum Jahreswechsel 2008/2009 extrem arbeitnehmerfreundlich, denn mit 3 Urlaubstagen (sofern der 31. Dezember als ganzer Urlaubstag zählt) hat man frei vom 25. Dezember 2008 bis zum 2. Januar 2009.
Noch ein Urlaubstag zusätzlich und der Arbeitsbeginn im neuen Jahr verschiebt sich sogar auf den 5. Januar.
Und besonders gut haben es die Arbeitnehmer in Baden-Württemberg, denn wer am 5. Januar 2009 noch einen Tag zusätzlich Urlaub opfert, muss erst wieder am 7. Januar zur Arbeit, denn am 6. Januar ist „Epiphanias“. Da arbeiten in Ba-Wü nur die Mitglieder der FDP und warten auf die Erscheinung ihres Herrn Guido und dessen hehre Wort zur Lage der Partei.
Ist es da wirklich nur reiner Zufall, dass im schwäbisch-alemannischen Teil vom “Ländle” an diesem Tag auch die Fasnet, die Zeit der Narren, beginnt?

Nach gängiger Meinung der Wirtschaftspresse muss die Firma SAP ihre 8000 Mitarbeiter im badischen Walldorf natürlich “wegen der Finanzkrise” in den “Zwangsurlaub” schicken, weil wohl (Achtung Satire) “kaum jemand freiwillig diese einmalig günstige Gelegenheit für einen längeren Urlaub zum Jahreswechsel nutzen wird“.

Dabei kann es sich für die Energiebilanz einer Firma durchaus rechnen, das kleine Häuflein der Arbeitswilligen zwischen den Jahren ebenfalls zum Urlaub zu verpflichten, um nicht tausende von Quadratmetern Büro- und Produktionsfläche heizen zu müssen und so ganz nebenbei auch noch die Kantine schließen zu können.

Während der Ölkrise anno 1973 wurden in Österreich als energiesparende Maßnahme die Schulen und Universitäten im Februar für eine Woche geschlossen.
Es ist eine der Besonderheiten dieses Landes, dass dieser “Zwangsurlaub” für Schüler und Lehrer unter dem umgangssprachlichen Namen “Energieferien” als fester Bestandteil der familiären Freizeitplanung und willkommener Umsatzbringer der Tourismusindustrie bis heute erhalten geblieben ist.

Aber versuchen Sie mal einem dieser Mainstreamjournalisten in den Wirtschaftsredaktionen bundesdeutscher Presseerzeugnisse den Unterschied zwischen “Energieferien” und “Zwangsurlaub” zu verklickern.
Und das auch noch vor dem furchtbaren Bedrohungsszenario einer weltweiten Wirtschaftskrise, die vor wenigen Wochen noch fast jeder, der sich heute im Katastrophenszenario suhlt, für absolut “unmöglich” gehalten hat.

Vor einem solchen Hintergrund interessiert sich doch noch nicht einmal mehr der Bundesumweltgabriel fürs Energiesparen, verzichtet sogar auf die Abschaffung der Glühbirne und sponsert zur Vermeidung des Rezession durch Wegfall der KFZ-Steuer jetzt lieber die großen Spritfresser der bundesdeutschen “Exportweltmeister”, die sich mit ihren Nobelkarossen in den letzten Jahren ein goldene Nase verdient haben.
Da wird doch so ein Porsche Cayenne gleich zum richtigen Schnäppchen und der Hersteller müsste doch eigentlich angesichts steigender Verkaufszahlen Sonderschichten fahren anstatt die Produktion zum Jahreswechsel durch “Zwangsurlaub” stillzulegen.

Es ist übrigens ein Gerücht, dass sich die Firma Volkswagen, deren Image in letzter Zeit nicht nur unter dem “unerklärlichen” Schlingerkurs der Aktie gelitten hat, sondern auch darunter, dass sich ein österreichischen Rechtspopulisten mit seinem “Phaeton” aus unerklärlichen Gründen in einer Linkskurve entleibte, mit einem Sondermodell bei den Wirtschaftsredaktionen des Landes für die überaus kooperative und konstruktive Berichterstattung bedanken möchte.
Der fahrbare Untersatz soll in Anlehnung an seine Artgenossen aus gleichem Hause ebenfalls den Namen eines Windes bekommen und um dem lauwarmen Mainstreamjournalismus in der Wirtschaftspresse der BRD Rechnung zu tragen wird das Vehikel wohl den Namen “Hirnfurz” erhalten.
Die durch ihre fachliche Leistung bezugsberechtigten Wirtschaftsredakteure sollen ihr persönliches Sondermodell unter Nennung ihres Namens und der Redaktion direkt in Wolfsburg oder Zuffenhausen per Telefon/Fax/Email bestellen können.
Gegen Vorlage des Presseausweises können die Fahrzeuge dann am 6. Januar 2008 bei jedem VW-Vertragshändler in Baden-Württemberg , Bayern, Sachsen-Anhalt oder direkt bei Porsche in Zuffenhausen persönlich abgeholt werden.
Gerücht Ende.

Tja, da wird wohl durch den “Zwangsurlaub” an diesem Tag in den Wirtschaftsredaktionen des Landes nur eine Notbesetzung zum Dienst antreten, was sich jedoch durchaus “nicht unbedingt negativ” auf das Niveau der aktuellen Berichterstattung auswirken wird

Machopan
(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 17. November 2008 um 05:45:57 und abgelegt unter Rauchzeichen, Wirtschaft | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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Zwangspausenurlaub

17. November 2008 05:45

Lieber Freund

“Für den Einen ist es ein Zwangsurlaub und für den Anderen eine verlängerte Weihnachtspause”.
So könnte man in Anlehnung an einen gängigen Werbespruch die Berichterstattung über die “krisenbedingten Maßnahmen” der Unternehmen zum Jahreswechsel 2008/2009 nennen.
So schreibt der SPIEGEL unter dem Aufmacher “KRISENMANAGEMENT - Porsche schreibt Belegschaft verlängerte Weihnachtspause vor“, dass das Stammwerk in Zuffenhausen wegen der Finanzkrise vom 22. Dezember bis zum 9. Januar geschlossen wird.

Und auch “der Software-Konzern SAP spürt die Finanzkrise bereits und denkt daher darüber nach, seine Mitarbeiter zwischen Weihnachten und Neujahr in den Zwangsurlaub zu schicken“. Zur Untermauerung dieser Katastrophenmeldung zitiert der SPIEGEL sogar den Co-Vorstandschef des Konzerns, Leo Apotheker, mit den Worten: “Wir wissen nicht, wie lange die Krise dauert und wie tief sie unsere Branche trifft“.

Da hat der Leo Apotheker zwar recht, aber jedem einigermaßen intelligenten Menschen und Wirtschaftsredakteur würde bei einem kurzen Blick auf den Kalender sofort klar, dass zwischen Weihnachten und Neujahr, also zwischen dem 24. Dezember und dem 31. Dezember 2008 exakt nur 2 (in Worten: zwei) volle Arbeitstage liegen.
Überhaupt gestaltet sich der Kalender zum Jahreswechsel 2008/2009 extrem arbeitnehmerfreundlich, denn mit 3 Urlaubstagen (sofern der 31. Dezember als ganzer Urlaubstag zählt) hat man frei vom 25. Dezember 2008 bis zum 2. Januar 2009.
Noch ein Urlaubstag zusätzlich und der Arbeitsbeginn im neuen Jahr verschiebt sich sogar auf den 5. Januar.
Und besonders gut haben es die Arbeitnehmer in Baden-Württemberg, denn wer am 5. Januar 2009 noch einen Tag zusätzlich Urlaub opfert, muss erst wieder am 7. Januar zur Arbeit, denn am 6. Januar ist „Epiphanias“. Da arbeiten in Ba-Wü nur die Mitglieder der FDP und warten auf die Erscheinung ihres Herrn Guido und dessen hehre Wort zur Lage der Partei.
Ist es da wirklich nur reiner Zufall, dass im schwäbisch-alemannischen Teil vom “Ländle” an diesem Tag auch die Fasnet, die Zeit der Narren, beginnt?

Nach gängiger Meinung der Wirtschaftspresse muss die Firma SAP ihre 8000 Mitarbeiter im badischen Walldorf natürlich “wegen der Finanzkrise” in den “Zwangsurlaub” schicken, weil wohl (Achtung Satire) “kaum jemand freiwillig diese einmalig günstige Gelegenheit für einen längeren Urlaub zum Jahreswechsel nutzen wird“.

Dabei kann es sich für die Energiebilanz einer Firma durchaus rechnen, das kleine Häuflein der Arbeitswilligen zwischen den Jahren ebenfalls zum Urlaub zu verpflichten, um nicht tausende von Quadratmetern Büro- und Produktionsfläche heizen zu müssen und so ganz nebenbei auch noch die Kantine schließen zu können.

Während der Ölkrise anno 1973 wurden in Österreich als energiesparende Maßnahme die Schulen und Universitäten im Februar für eine Woche geschlossen.
Es ist eine der Besonderheiten dieses Landes, dass dieser “Zwangsurlaub” für Schüler und Lehrer unter dem umgangssprachlichen Namen “Energieferien” als fester Bestandteil der familiären Freizeitplanung und willkommener Umsatzbringer der Tourismusindustrie bis heute erhalten geblieben ist.

Aber versuchen Sie mal einem dieser Mainstreamjournalisten in den Wirtschaftsredaktionen bundesdeutscher Presseerzeugnisse den Unterschied zwischen “Energieferien” und “Zwangsurlaub” zu verklickern.
Und das auch noch vor dem furchtbaren Bedrohungsszenario einer weltweiten Wirtschaftskrise, die vor wenigen Wochen noch fast jeder, der sich heute im Katastrophenszenario suhlt, für absolut “unmöglich” gehalten hat.

Vor einem solchen Hintergrund interessiert sich doch noch nicht einmal mehr der Bundesumweltgabriel fürs Energiesparen, verzichtet sogar auf die Abschaffung der Glühbirne und sponsert zur Vermeidung des Rezession durch Wegfall der KFZ-Steuer jetzt lieber die großen Spritfresser der bundesdeutschen “Exportweltmeister”, die sich mit ihren Nobelkarossen in den letzten Jahren ein goldene Nase verdient haben.
Da wird doch so ein Porsche Cayenne gleich zum richtigen Schnäppchen und der Hersteller müsste doch eigentlich angesichts steigender Verkaufszahlen Sonderschichten fahren anstatt die Produktion zum Jahreswechsel durch “Zwangsurlaub” stillzulegen.

Es ist übrigens ein Gerücht, dass sich die Firma Volkswagen, deren Image in letzter Zeit nicht nur unter dem “unerklärlichen” Schlingerkurs der Aktie gelitten hat, sondern auch darunter, dass sich ein österreichischen Rechtspopulisten mit seinem “Phaeton” aus unerklärlichen Gründen in einer Linkskurve entleibte, mit einem Sondermodell bei den Wirtschaftsredaktionen des Landes für die überaus kooperative und konstruktive Berichterstattung bedanken möchte.
Der fahrbare Untersatz soll in Anlehnung an seine Artgenossen aus gleichem Hause ebenfalls den Namen eines Windes bekommen und um dem lauwarmen Mainstreamjournalismus in der Wirtschaftspresse der BRD Rechnung zu tragen wird das Vehikel wohl den Namen “Hirnfurz” erhalten.
Die durch ihre fachliche Leistung bezugsberechtigten Wirtschaftsredakteure sollen ihr persönliches Sondermodell unter Nennung ihres Namens und der Redaktion direkt in Wolfsburg oder Zuffenhausen per Telefon/Fax/Email bestellen können.
Gegen Vorlage des Presseausweises können die Fahrzeuge dann am 6. Januar 2008 bei jedem VW-Vertragshändler in Baden-Württemberg , Bayern, Sachsen-Anhalt oder direkt bei Porsche in Zuffenhausen persönlich abgeholt werden.
Gerücht Ende.

Tja, da wird wohl durch den “Zwangsurlaub” an diesem Tag in den Wirtschaftsredaktionen des Landes nur eine Notbesetzung zum Dienst antreten, was sich jedoch durchaus “nicht unbedingt negativ” auf das Niveau der aktuellen Berichterstattung auswirken wird

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