Piratenhatz

5. Januar 2009 05:45

Lieber Freund

Nachhilfe in strategischer Erdkunde musste die Frankfurter Rundschau (FR) ihren Lesern unlängst angedeihen lassen, als Bundesverteidigungsminister Franz-Josef Jung in Dschibuti die Besatzung der Fregatte “Karlsruhe” zur Bekämpfung der Piraterie vor der somalischen Küste und im Golf von Aden verabschiedete, denn dass “die Republik Dschibuti etwa so groß ist wie das Bundesland Hessen und im Süden an Somalia an grenzt” weiß sicher nur jemand, der auch eine vage Ahnung davon hat wo sich der “Hindukusch” befindet.

Derartige Hinweise sind für die militärisch “Zurückgebliebenen” extrem hilfreich um die Stellungen bundesdeutscher Truppen auf einer Weltkarte zu markieren und anhand der Wehrmachtsberichte aus den Tageszeitungen die Frontverläufe aktualisieren zu können.

Das deutsche Kriegsschiff “Karlsruhe” gehört mit 220 Soldaten an Bord, zusammen mit zwei weiteren Kriegsschiffen, einem Unterstützungsschiff und drei Aufklärungsflugzeugen, zu dem EU-Flottenverband der im Rahmen der Operation “Atalanta” vor der Küste von Somalia und im Golf von Aden zur Hatz auf Piraten eingesetzt wird, die über Privat- und Handelsschiffe herfallen wollen.
Bundesverteidigungsminister Jung betonte erneut, dass es sich bei diesem Einsatz “um eine Mission mit einem derart robusten Mandat handele, wie es in dieser Art und Weise in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland noch nie gegeben habe. Es könne durchaus zu Kampfsituationen kommen, dann wäre es keine Mission mehr, sondern selbstverständlich ein Kampfeinsatz, für den es jedoch klare Einsatzregeln gebe“.
Allein schon für diese hehren Worte möchte man dem Bundesverteidigungsfranzjosef das Brett vom Kopf reißen, ihm mit den freiwerdenden Nägeln die Tapferkeitsmedaille der Bundesrepublik Deutschland an die nackte Brust nageln und/oder ihn am Bande diese Medaille erhängen.

Weiter verblubberte Jung der Presse, “dass die Piraten im Jahr 2008 schon mehr als 200 gekapert und jede Menge Lösegeld erpresst hätten. Derzeit seien noch zwölf Schiffe mit insgesamt rund 300 Besatzungsmitgliedern in der Hand von Piraten. Das Ziel der Mission sei daher Abschreckung, Abwehr und die Beendigung von Seeräuberei.
Auch werde die deutsche Hilfe bei der Ausbildung von somalischen Soldaten verstärkt, denn bisher habe man für 2,4 Millionen Euro lediglich 46 Soldaten ausbilden können
“.
Bevor Sie jetzt den Taschenrechner zücken, es sind circa 52000 Euro pro Auszubildendem. Wahrlich ein Klacks, wenn man das mit den finanziellen Hilfen für Auszubildende, Studenten oder Arbeitslose in der BRD vergleicht.

Wie sein Bundesaußenministerkollege Frank-Walter Steinmeier ist auch der Bundesverteidigungsminister Franz-Josef Jung bestrebt die, durch die nach lebenslanger Haft entlassenen RAF-Terroristen freiwerdenden Gefängniszellen alsbald mit ausländischen Straftätern wieder zu belegen. Während Steinmeier hier voll auf die Verlegung von bereits in Guantanamo Inhaftierten setzt, geht Jung noch einen Schritt weiter, denn “mit der somalischen Regierung sei eine Vereinbarung unterzeichnet worden, nach der gefangen genommene Piraten nach Deutschland gebracht werden dürfen“.
Offen ließ der Bundesverteidigungsminister, wie auch sein Ministerkollege von der SPD, bei dieser Art der Humankapitalbeschaffung, ob diesen, bereits im Ausland straffällig gewordenen “Migranten” dann aus humanitären Gründen gleich die deutsche Staatsbürgerschaft oder nur das Asylrecht angedient werden muss, da sie ja in ihren Heimatstaaten bereits von Strafe bedroht sind

Es gehört sicher zu den qualifizierenden Merkmalen dieses Bundesverteidigungsministers, dass er den Mut der Soldaten und Soldatinnen lobte und der Fregatte “Karlsruhe” immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel wünschte, aber selbst nicht den notwendigen Tiefgang und den Mut aufweist, um sich vor dieser Art von Kriegspielchen von den Kapitänen des “BVG Karlsruhe” den Marschbefehl genehmigen zu lassen.
Daher wird der Minister nicht müde, immer wieder zu betonen, dass der Schwerpunkt des deutschen Beitrags an der Operation Atalanta im “Schutz für die Schiffe des Welternährungsprogramms” liege, “damit die Waren für die notleidende Bevölkerung in Somalia auch ankommen. Und nur im Einzelfall und bei Bedarf dürfe zivilen Schiffen im Operationsgebiet Schutz gewährt und zur Überwachung der Gebiete vor der Küste Somalias, einschließlich der somalischen, sowie zur Abschreckung, Verhütung und Beendigung von seeräuberischen Handlungen oder bewaffneten Raubüberfällen, die im Operationsgebiet begangen werden könnten, beigetragen werden.”

Diese textliche Formulierung hört sich eher nach einer rein präventiven Maßnahme zur Sicherstellung der Versorgung der notleidender Bevölkerung von Somalia an und beantwortet nicht die Frage, warum die Piraten die Nahrungsmittel bereits auf See rauben wollen und damit nicht einfach zuwarten bis diese im Hafen von Mogadischu entladen worden sind.

Trotz dem rein humanitären Hintergrund des bundesdeutschen Einsatzes, sorgte sich der Minister doch um die Sicherheit der Passagiere von Kreuzfahrtschiffen die im “Operationsgebiet” unterwegs sein könnten, um sich mal die “Verteidigung der Bundesrepublik Deutschland und seiner Staatsbürger gegen Angriffe, äußere Gefahren und politische Erpressung” vor Ort anzusehen.

Das wäre im Rahmen eines Bildungsurlaubs so eine Art politisches “public viewing”, um die bundesdeutschen Erfolge in der Außenpolitik und der dadurch bedingten weltweiten Verteidigung des Landes auch bei der politischen Meinungsbildung im Inland entsprechend würdigen zu können, vermittelt doch so eine “Piratenhatz” am Horn von Afrika ganz andere Reiseeindrücke als das “wale watching” am Kap der guten Hoffnung.

Glaubt man den Zahlen bei Wikipedia, dann ist allerdings die Wahrscheinlichkeit, dass man als Tourist eine Piratenhatz life miterleben kann, verhältnismäßig gering, denn im Jahr 2008 sollen nur etwa 30 Schiffe gekapert worden sein.
Nach Angaben der Internationalen Schifffahrtsorganisation (IMB) hat es im Jahr 2008 vor der Küste Somalias rund 110 Piratenangriffe gegeben, dabei seien insgesamt 42 Schiffe gekapert worden, wovon sich 14 Schiffe mehr als 240 Mann Besatzung noch in der Gewalt der Piraten befinden sollen.

Es lag sicher nur an der großen Hitze in Dschibuti, dass der Bundesverteidigungsminister Franz-Josef Jung von 200 gekaperten Schiffen im gleichen Zeitraum sprach.
Oder hat er das nur irgendwie mit der Zahl der Soldaten auf der “Karlsruhe” durcheinander gebracht?
Also so einen leicht verwirrten Eindruck konnte man ja schon bei seiner Vereidigung zum Minister für globalisierte Verteidigung feststellen und dieser Zustand scheint sich nun über die Jahre doch erheblich verschlechtert zu haben.

Machopan
(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 5. Januar 2009 um 05:45:28 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

Eine Antwort zu “Piratenhatz”

  1. otti meint:

    Vor Afrika darf der Steuerzahler für die Kosten der “Piratenhatz” aufkommen, während er hier von staatlichen und privaten Raubrittern und Steuervögten ausgeraubt wird.
    Die Perversität dieses Zustandes erinnert fatal an die neoliberale Verarsche von Leuten, die Münchner Seemannsgarns dreschen.
    Das kann selbst einen echten Seemann noch erschüttern …

Eine Nachricht hinterlassen

*Notwendig
*Notwendig (wird nicht veröffentlicht)
 

Piratenhatz

5. Januar 2009 05:45

Lieber Freund

Nachhilfe in strategischer Erdkunde musste die Frankfurter Rundschau (FR) ihren Lesern unlängst angedeihen lassen, als Bundesverteidigungsminister Franz-Josef Jung in Dschibuti die Besatzung der Fregatte “Karlsruhe” zur Bekämpfung der Piraterie vor der somalischen Küste und im Golf von Aden verabschiedete, denn dass “die Republik Dschibuti etwa so groß ist wie das Bundesland Hessen und im Süden an Somalia an grenzt” weiß sicher nur jemand, der auch eine vage Ahnung davon hat wo sich der “Hindukusch” befindet.

Derartige Hinweise sind für die militärisch “Zurückgebliebenen” extrem hilfreich um die Stellungen bundesdeutscher Truppen auf einer Weltkarte zu markieren und anhand der Wehrmachtsberichte aus den Tageszeitungen die Frontverläufe aktualisieren zu können.

Das deutsche Kriegsschiff “Karlsruhe” gehört mit 220 Soldaten an Bord, zusammen mit zwei weiteren Kriegsschiffen, einem Unterstützungsschiff und drei Aufklärungsflugzeugen, zu dem EU-Flottenverband der im Rahmen der Operation “Atalanta” vor der Küste von Somalia und im Golf von Aden zur Hatz auf Piraten eingesetzt wird, die über Privat- und Handelsschiffe herfallen wollen.
Bundesverteidigungsminister Jung betonte erneut, dass es sich bei diesem Einsatz “um eine Mission mit einem derart robusten Mandat handele, wie es in dieser Art und Weise in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland noch nie gegeben habe. Es könne durchaus zu Kampfsituationen kommen, dann wäre es keine Mission mehr, sondern selbstverständlich ein Kampfeinsatz, für den es jedoch klare Einsatzregeln gebe“.
Allein schon für diese hehren Worte möchte man dem Bundesverteidigungsfranzjosef das Brett vom Kopf reißen, ihm mit den freiwerdenden Nägeln die Tapferkeitsmedaille der Bundesrepublik Deutschland an die nackte Brust nageln und/oder ihn am Bande diese Medaille erhängen.

Weiter verblubberte Jung der Presse, “dass die Piraten im Jahr 2008 schon mehr als 200 gekapert und jede Menge Lösegeld erpresst hätten. Derzeit seien noch zwölf Schiffe mit insgesamt rund 300 Besatzungsmitgliedern in der Hand von Piraten. Das Ziel der Mission sei daher Abschreckung, Abwehr und die Beendigung von Seeräuberei.
Auch werde die deutsche Hilfe bei der Ausbildung von somalischen Soldaten verstärkt, denn bisher habe man für 2,4 Millionen Euro lediglich 46 Soldaten ausbilden können
“.
Bevor Sie jetzt den Taschenrechner zücken, es sind circa 52000 Euro pro Auszubildendem. Wahrlich ein Klacks, wenn man das mit den finanziellen Hilfen für Auszubildende, Studenten oder Arbeitslose in der BRD vergleicht.

Wie sein Bundesaußenministerkollege Frank-Walter Steinmeier ist auch der Bundesverteidigungsminister Franz-Josef Jung bestrebt die, durch die nach lebenslanger Haft entlassenen RAF-Terroristen freiwerdenden Gefängniszellen alsbald mit ausländischen Straftätern wieder zu belegen. Während Steinmeier hier voll auf die Verlegung von bereits in Guantanamo Inhaftierten setzt, geht Jung noch einen Schritt weiter, denn “mit der somalischen Regierung sei eine Vereinbarung unterzeichnet worden, nach der gefangen genommene Piraten nach Deutschland gebracht werden dürfen“.
Offen ließ der Bundesverteidigungsminister, wie auch sein Ministerkollege von der SPD, bei dieser Art der Humankapitalbeschaffung, ob diesen, bereits im Ausland straffällig gewordenen “Migranten” dann aus humanitären Gründen gleich die deutsche Staatsbürgerschaft oder nur das Asylrecht angedient werden muss, da sie ja in ihren Heimatstaaten bereits von Strafe bedroht sind

Es gehört sicher zu den qualifizierenden Merkmalen dieses Bundesverteidigungsministers, dass er den Mut der Soldaten und Soldatinnen lobte und der Fregatte “Karlsruhe” immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel wünschte, aber selbst nicht den notwendigen Tiefgang und den Mut aufweist, um sich vor dieser Art von Kriegspielchen von den Kapitänen des “BVG Karlsruhe” den Marschbefehl genehmigen zu lassen.
Daher wird der Minister nicht müde, immer wieder zu betonen, dass der Schwerpunkt des deutschen Beitrags an der Operation Atalanta im “Schutz für die Schiffe des Welternährungsprogramms” liege, “damit die Waren für die notleidende Bevölkerung in Somalia auch ankommen. Und nur im Einzelfall und bei Bedarf dürfe zivilen Schiffen im Operationsgebiet Schutz gewährt und zur Überwachung der Gebiete vor der Küste Somalias, einschließlich der somalischen, sowie zur Abschreckung, Verhütung und Beendigung von seeräuberischen Handlungen oder bewaffneten Raubüberfällen, die im Operationsgebiet begangen werden könnten, beigetragen werden.”

Diese textliche Formulierung hört sich eher nach einer rein präventiven Maßnahme zur Sicherstellung der Versorgung der notleidender Bevölkerung von Somalia an und beantwortet nicht die Frage, warum die Piraten die Nahrungsmittel bereits auf See rauben wollen und damit nicht einfach zuwarten bis diese im Hafen von Mogadischu entladen worden sind.

Trotz dem rein humanitären Hintergrund des bundesdeutschen Einsatzes, sorgte sich der Minister doch um die Sicherheit der Passagiere von Kreuzfahrtschiffen die im “Operationsgebiet” unterwegs sein könnten, um sich mal die “Verteidigung der Bundesrepublik Deutschland und seiner Staatsbürger gegen Angriffe, äußere Gefahren und politische Erpressung” vor Ort anzusehen.

Das wäre im Rahmen eines Bildungsurlaubs so eine Art politisches “public viewing”, um die bundesdeutschen Erfolge in der Außenpolitik und der dadurch bedingten weltweiten Verteidigung des Landes auch bei der politischen Meinungsbildung im Inland entsprechend würdigen zu können, vermittelt doch so eine “Piratenhatz” am Horn von Afrika ganz andere Reiseeindrücke als das “wale watching” am Kap der guten Hoffnung.

Glaubt man den Zahlen bei Wikipedia, dann ist allerdings die Wahrscheinlichkeit, dass man als Tourist eine Piratenhatz life miterleben kann, verhältnismäßig gering, denn im Jahr 2008 sollen nur etwa 30 Schiffe gekapert worden sein.
Nach Angaben der Internationalen Schifffahrtsorganisation (IMB) hat es im Jahr 2008 vor der Küste Somalias rund 110 Piratenangriffe gegeben, dabei seien insgesamt 42 Schiffe gekapert worden, wovon sich 14 Schiffe mehr als 240 Mann Besatzung noch in der Gewalt der Piraten befinden sollen.

Es lag sicher nur an der großen Hitze in Dschibuti, dass der Bundesverteidigungsminister Franz-Josef Jung von 200 gekaperten Schiffen im gleichen Zeitraum sprach.
Oder hat er das nur irgendwie mit der Zahl der Soldaten auf der “Karlsruhe” durcheinander gebracht?
Also so einen leicht verwirrten Eindruck konnte man ja schon bei seiner Vereidigung zum Minister für globalisierte Verteidigung feststellen und dieser Zustand scheint sich nun über die Jahre doch erheblich verschlechtert zu haben.

Machopan
(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 5. Januar 2009 um 05:45:28 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

Eine Antwort zu “Piratenhatz”

  1. otti meint:

    Vor Afrika darf der Steuerzahler für die Kosten der “Piratenhatz” aufkommen, während er hier von staatlichen und privaten Raubrittern und Steuervögten ausgeraubt wird.
    Die Perversität dieses Zustandes erinnert fatal an die neoliberale Verarsche von Leuten, die Münchner Seemannsgarns dreschen.
    Das kann selbst einen echten Seemann noch erschüttern …

Eine Nachricht hinterlassen

*Notwendig
*Notwendig (wird nicht veröffentlicht)