Dresdner Commerz Allianz

19. Januar 2009 05:45

Lieber Freund

Nur wer noch hoffte, dass diese auf einem ständig wachsenden Schuldenberg sitzende bunte Regierung wenigstens noch einen Funken Vernunft besitzt, ist davon überrascht, dass der “bunte Bund” jetzt auch noch mit einem Anteil von 25% größter Einzelaktionär bei der Commerzbank wird.

Nicht nur, dass es ein Novum ist, wenn der Staat nun bei einer Privatbank als Anteilseigner einsteigt, denn bisher hat man derartige Engagements mit der Lizenz zum Geldverbrennen immer der staatseigenen Kreditanstalt für Wiederausbau (KfW) überlassen.
Diesmal verpulvert der Staat das Geld lieber direkt, denn für den Gesamtbetrag von 18,2 Milliarden aus stillen Einlagen und Aktienkauf hätte ein Investor bei dem aktuellen Aktienkurs von 5 Euro die ganze Commerzbank fünfmal komplett zu 100 % übernehmen können. Der Staat begnügt sich bei einem “Kaufpreis” von 500% statt dessen mit einer “Sperrminorität” von gerade mal mit 25% plus 1 Aktie und zwei Sitzen im Aufsichtsrat. Besonders lustig wird es dann noch, wenn man von den Offiziellen aus Berlin hört, dass sich der Staat in die Geschäftspolitik der Bank jedoch nicht einmischen möchte. Angesichts des Finanzdesasters bei den Banken der Bundesländer erscheint das zwar abgebracht, sollte jedoch nicht als Eingeständnis absoluten Unvermögens interpretiert werden.

Es gibt viele Gründe sich zu fragen, was da eigentlich geschieht, wer davon profitiert, wer die Nebelkerzen wirft und wer die Zeche bezahlt, wobei sich die letzte Frage sicher am einfachsten durch einen Blick in den heimischen Spiegel beantworten lässt.
Zur Beantwortung der anderen Fragen muss man etwas zurückblicken um durchblicken zu können.
Da ist zuerst mal die Dresdner Bank AG, die drittgrößte Bank in Deutschland in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft und seit dem Jahr 2001 eine 100-prozentige Tochtergesellschaft des Allianzkonzerns, der im Jahr 2007 einen Bilanzgewinn von knapp 8 Milliarden Euro erwirtschaftete zu dem die Dresdner Bank circa 410 Millionen Euro beitrug.

Dann ist da noch die Commerzbank AG, nach der Deutschen Bank das zweitgrößte Kreditinstitut der schwarz-rot-senffarbigen Republik in der es in den letzten Jahren so richtig bunt zu geht, dass es selbst dem tumben Volk langsam aber sicher zu bunt wird.
So weit, so gut wird sich der unbedarfte Zeitzeuge sagen und was hat das jetzt mit dem deutschen Staat als Großaktionär der Commerzbank zu tun?

Ich nehme an, der Leser hat genügend Zeit mitgebracht, denn um diese Frage zu beantworten macht es durchaus Sinn etwas weiter auszuholen. Zwei Ereignisse sind dabei von wesentlicher Bedeutung, wobei ich jetzt die Diskussion, wer dabei Henne und wer dabei das Ei war, als völlig nebensächlich außen vor lassen möchte.
Fakt ist, dass am 31. August 2008 bekannt wurde, dass die Allianz und die Commerzbank sich auf den Verkauf der Dresdner Bank AG an die Commerzbank für insgesamt 9,8 Milliarden Euro geeinigt haben.
Die Wirtschaftspresse war voll von diesem Ereignis, das einerseits als Begräbnis der Allianzträume vom „Allfinanzkonzern“ und andererseits als „Angriff“ der Commerzbank auf die Deutsche Bank als Nummer 1 der Branche gewertet wurde.
Der aufmerksame Zeitzeuge erinnert sich, dass die Spitzen der politischen Führung des Landes dieses Ereignis extrem positiv kommentierten, denn “dadurch wird nun auch ein zweites deutschen Finanzinstitut in die Liga der 25 wichtigsten Banken der Welt aufsteigen und damit die Position der Bundesrepublik Deutschland auf internationaler Ebene weiter stärken“, denn schließlich kann es ja nicht angehen, dass die Bundesrepublik Deutschland als Exportweltmeister und militärisch wiedererstarkte Großmacht nur mit einem Geldinstitut in der internationalen Finanzwelt vertreten ist und damit auch innerhalb der Europäischen Union nur mit der Schweiz, Spanien und Italien auf Augenhöhe ist, während die Engländer mit 4 Banken und die Franzosen und Niederländer mit jeweils 3 Banken vertreten sind.

Tja, und jetzt sieht es so aus, als würde der deutsche Staat angesichts der Finanzkrise diesen Aufstieg des vereinigten Bankhauses in die oberste Liga der Finanzwelt mit satten 18,2 Milliarden Euro sponsern.

Schnitt! Blende! Filmriss!

In Forum einer bundesdeutschen Finanz-Community wird seit September 2008 vor dem Hintergrund des Verkaufs der Dresdner Bank die weitere Entwicklung der Allianzaktie diskutiert und dabei die Frage aufgeworfen, ob “Steinbrück für den Commerzbank-Friedhof ebenfalls 35 Milliarden Euro Steuergelder hüpfen lassen” wird.
Einer der Beiträge geht dabei von der äußerst interessanten Überlegung aus, dass die Allianz mit dem Verkauf der Dresdner Bank nur die „unerwartet großen Särge bei der Dresdner“ entsorgt und mit der Commerzbank per Handschlag vereinbart hat, dass diese den Dresdner Friedhofsanteil für viel Geld übernimmt, sich anschließend bei dem dazu notwenigen finaziellen Kraftakt heftig verhebt und schließlich insolvent wird, wobei die Allianz sich dann wieder die schönsten Teile der Dresdner-Commerbank aus der Konkursmasse rauspicken darf. Für den dann arbeitslosen Vorstand der Commerzbank hat man eine satte Erfolgsprämie vereinbart und/oder den Ruhestand mit einigen gut dotierten Aufsichtsratposten abgefedert.
Für den spekulativen Aktionär folgt daraus, dass die Aktien der Allianz ein erhebliches Aufwärtspotenzial besitzen.

Die Idee erscheint auf den ersten Blick etwas krude, aber unter dem Eindruck der jüngsten Meldungen aus der internationalen Finanzwelt sicher nicht zu spekulativ, denn auch mit einem “laichkackenden Gelbfrosch am grünen Band der Sympathie gibt es keine Allianz für’s (Über)Leben“.

Nun ist ja hinlänglich bekannt, dass nach dem ursprünglichen Plan die Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank in zwei Schritten erfolgt und bis spätestens Ende 2009 abgeschlossen sein sollte.
Dank der spontanen Bereitschaft der Bundesregierung im Oktober 2008 im Eilverfahren das erste Rettungspaket für die bedrohte Bankenwelt zu schnüren und der fast flehentlichen Bitte, dass die Banken sich doch nun auch rasch selbst bedienen sollten, ließ sich die Commerzbank als erste Privatbank der Bundesrepublik Deutschland den roten Teppich ausrollen und griff sich die für den Erwerb der Dresdner Bank benötigten Milliarden aus Bundesmitteln ab.
Die Politik war natürlich voll des Lobes, denn nun hing den dringend zur Errettung der Landesbanken benötigten Milliarden nicht mehr der Geruch der “Verschwendung und Unfähigkeit der bundesdeutschen Politelite” an.
Denn das war etwas, was man aus Sicht der Regierungsparteien unbedingt noch vor dem Wahljahr beseitigen musste um es dann in 2009 völlig unter den Teppich kehren zu können.

Während die Banken und ihre Standesvertreter zunehmend lauter nach einer staatlichen “Bad Bank” riefen um ihre “Risikoaktiva” ausgliedern zu können, hat die Allianz diese feine Art der Bilanzbereinigung mit Hilfe der Commerzbank bereits realisiert und den Deal auch noch weitgehendst aus Steuergeldern finanziert.

Tja, und jetzt kommen wir wieder auf die eingangs gestellte Frage zurück, warum der Staat nun im Januar 2009 zum ersten Mal in der bundesdeutschen Geschichte als Anteilseigner bei einer Privatbank einsteigt und warum dies wohl ausgerechnet die Commerzbank ist.
Man kann getrost davon ausgehen, dass die “Dresdner Commerz Allianz” nicht ohne das eine und/oder andere wohlwollend zugedrückte Auge in Berlin agiert. Man kann auch davon ausgehen, dass Politiker aller Parteien alles Notwendige unternehmen werden um im Wahljahr als Saubermänner und Visionäre dazustehen, koste es an Steuergeldern was es wolle.
Und dann raten Sie mal, was wohl geschehen würde, wenn die Allianz darauf drängt, dass der zweite Schritt der Übernahme zeitlich vorgezogen wird, weil die von der Commerzbank übernommenen „Risikoaktiva“ noch größer sind als gedacht und daher zu befürchten ist, dass die Commerzbank noch vor der Wahl in die Knie gehen wird.

Ein derartiges Szenario wird in oben erwähntem Forum der bundesdeutschen Finanz-Community mit Datum vom 30. September 2008 mit folgendem Satz gewürdigt:
Nur Steinbrück kann das Leiden der Commerzbank noch bis nach der Wahl 2009 verlängern“.

Wenn sich das Orakel also erfüllt, dann gehen Dresdner und Commerz Ende 2009 gemeinsam mit den Milliarden der Steuerzahler unter und im Aufsichtsrat der Allianz taucht fast zeitgleich ein ranghoher Politiker auf, der sich nach den Wahlergebnissen spontan dazu entschlossen hat, seine politische Laufbahn zu beenden und in den Dienst der freien Wirtschaft zu treten.
Gerhard Schröder lässt grüßen!

Machopan
(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 19. Januar 2009 um 05:45:52 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik, Wirtschaft | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

3 Antworten zu “Dresdner Commerz Allianz”

  1. otti meint:

    „FTD: Aber der Eindruck ist schon richtig, dass die Bundesregierung ein starkes Interesse daran hatte, dass die Fusion der Commerzbank mit der Allianz-Tochter Dresdner Bank klappt?
    Steinbrück: Ja. Die Kritik, dass das deutsche Bankensystem international gesehen zu kleinteilig ist, war ja nicht falsch. Wir wollen einen weiteren starken Player neben der Deutschen Bank. Und es gibt die Vereinbarung, dass das Volumen der Mittelstandsfinanzierung durch die Commerzbank nicht absinken darf.“
    xxxx
    Nein, nicht wir, sondern „Wir“, die Herrscher von Wählers Gnaden wollen einen weiteren starken Player neben der Deutschen Bank. „Wir“ bzw. die wollen einen gefallenen Spieler, einen Player, aupäppeln. Aber nicht mit eigenem Geld, nein, mit Steuergeld.
    Für die Player zahlt der Taxpayer.
    So stellen sich die Herrschaften offenbar Soziale Marktwirtschaft vor, wenn es um ihre Arroganz der Macht und ihr veraltetes Denken geht. Die haben nichts gelernt, aber auch gar nichts.
    Was die machen, das ist brutaler Kommunismus.
    Der Steuerzahler wird für ihren weiter bestehenden Machtwahn und ihr bisheriges Unvermögen in Anspruch genommen.
    Wir, das gemeine Volk, brauchen keinen Player und erst recht keinen Spieler. Weder in der Wirtschaft noch in der Politik.
    Wir haben unsere Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken.
    Uns reicht das vollkommen.
    Wer was anders will, der soll’s auch bezahlen und nicht dafür das hart erarbeitete Geld des Steuerzahlers verschwenden.
    Eine grundsätzliche Frage stellt sich dem Bürger: Warum werden diese Leute aus Politik und Wirtschaft für ihr sträfliches Unvermögen und den von ihnen zu verantwortenden unvorstellbaren Schaden eigentlich nicht vor Gericht gestellt?
    Diese Leute haben Unglück über uns und unser Land gebracht.
    Sie haben auf ganzer Linie total versagt.
    xxx
    Die Welt in der Krise - ökonomisch, finanziell, ethisch.
    Die Welt am Abgrund - politisch.
    xxx
    Vor der Wahl wird man belogen, nach der Wahl betrogen.

  2. Machopan meint:

    Tja, so ist das.
    Die Allianz hat ganz gekonnt ihre “vergifteten Papiere”, entsorgt. Der Staat sponsert aus reiner Großmannsucht mit Steuergeld nicht nur die Fusion zweier Privatbanken, sondern hat sich auch noch den gebündelten Wertpapierschrott von Dresdner, Allianz und Commerzbank zum Schäppchenpreis des fünffachen Börsenwertes der Commerzbank andrehen lassen.
    Als ob es nicht schon gereicht hätte die Milliarden über die Landesbanken, die KfW und die IKB zu verpulvern.

  3. han ich vergessen meint:

    Jetzt hat der Bund zumindest zu 25% die bei der Allianz versicherten Riester Rentner übernommen

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Dresdner Commerz Allianz

19. Januar 2009 05:45

Lieber Freund

Nur wer noch hoffte, dass diese auf einem ständig wachsenden Schuldenberg sitzende bunte Regierung wenigstens noch einen Funken Vernunft besitzt, ist davon überrascht, dass der “bunte Bund” jetzt auch noch mit einem Anteil von 25% größter Einzelaktionär bei der Commerzbank wird.

Nicht nur, dass es ein Novum ist, wenn der Staat nun bei einer Privatbank als Anteilseigner einsteigt, denn bisher hat man derartige Engagements mit der Lizenz zum Geldverbrennen immer der staatseigenen Kreditanstalt für Wiederausbau (KfW) überlassen.
Diesmal verpulvert der Staat das Geld lieber direkt, denn für den Gesamtbetrag von 18,2 Milliarden aus stillen Einlagen und Aktienkauf hätte ein Investor bei dem aktuellen Aktienkurs von 5 Euro die ganze Commerzbank fünfmal komplett zu 100 % übernehmen können. Der Staat begnügt sich bei einem “Kaufpreis” von 500% statt dessen mit einer “Sperrminorität” von gerade mal mit 25% plus 1 Aktie und zwei Sitzen im Aufsichtsrat. Besonders lustig wird es dann noch, wenn man von den Offiziellen aus Berlin hört, dass sich der Staat in die Geschäftspolitik der Bank jedoch nicht einmischen möchte. Angesichts des Finanzdesasters bei den Banken der Bundesländer erscheint das zwar abgebracht, sollte jedoch nicht als Eingeständnis absoluten Unvermögens interpretiert werden.

Es gibt viele Gründe sich zu fragen, was da eigentlich geschieht, wer davon profitiert, wer die Nebelkerzen wirft und wer die Zeche bezahlt, wobei sich die letzte Frage sicher am einfachsten durch einen Blick in den heimischen Spiegel beantworten lässt.
Zur Beantwortung der anderen Fragen muss man etwas zurückblicken um durchblicken zu können.
Da ist zuerst mal die Dresdner Bank AG, die drittgrößte Bank in Deutschland in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft und seit dem Jahr 2001 eine 100-prozentige Tochtergesellschaft des Allianzkonzerns, der im Jahr 2007 einen Bilanzgewinn von knapp 8 Milliarden Euro erwirtschaftete zu dem die Dresdner Bank circa 410 Millionen Euro beitrug.

Dann ist da noch die Commerzbank AG, nach der Deutschen Bank das zweitgrößte Kreditinstitut der schwarz-rot-senffarbigen Republik in der es in den letzten Jahren so richtig bunt zu geht, dass es selbst dem tumben Volk langsam aber sicher zu bunt wird.
So weit, so gut wird sich der unbedarfte Zeitzeuge sagen und was hat das jetzt mit dem deutschen Staat als Großaktionär der Commerzbank zu tun?

Ich nehme an, der Leser hat genügend Zeit mitgebracht, denn um diese Frage zu beantworten macht es durchaus Sinn etwas weiter auszuholen. Zwei Ereignisse sind dabei von wesentlicher Bedeutung, wobei ich jetzt die Diskussion, wer dabei Henne und wer dabei das Ei war, als völlig nebensächlich außen vor lassen möchte.
Fakt ist, dass am 31. August 2008 bekannt wurde, dass die Allianz und die Commerzbank sich auf den Verkauf der Dresdner Bank AG an die Commerzbank für insgesamt 9,8 Milliarden Euro geeinigt haben.
Die Wirtschaftspresse war voll von diesem Ereignis, das einerseits als Begräbnis der Allianzträume vom „Allfinanzkonzern“ und andererseits als „Angriff“ der Commerzbank auf die Deutsche Bank als Nummer 1 der Branche gewertet wurde.
Der aufmerksame Zeitzeuge erinnert sich, dass die Spitzen der politischen Führung des Landes dieses Ereignis extrem positiv kommentierten, denn “dadurch wird nun auch ein zweites deutschen Finanzinstitut in die Liga der 25 wichtigsten Banken der Welt aufsteigen und damit die Position der Bundesrepublik Deutschland auf internationaler Ebene weiter stärken“, denn schließlich kann es ja nicht angehen, dass die Bundesrepublik Deutschland als Exportweltmeister und militärisch wiedererstarkte Großmacht nur mit einem Geldinstitut in der internationalen Finanzwelt vertreten ist und damit auch innerhalb der Europäischen Union nur mit der Schweiz, Spanien und Italien auf Augenhöhe ist, während die Engländer mit 4 Banken und die Franzosen und Niederländer mit jeweils 3 Banken vertreten sind.

Tja, und jetzt sieht es so aus, als würde der deutsche Staat angesichts der Finanzkrise diesen Aufstieg des vereinigten Bankhauses in die oberste Liga der Finanzwelt mit satten 18,2 Milliarden Euro sponsern.

Schnitt! Blende! Filmriss!

In Forum einer bundesdeutschen Finanz-Community wird seit September 2008 vor dem Hintergrund des Verkaufs der Dresdner Bank die weitere Entwicklung der Allianzaktie diskutiert und dabei die Frage aufgeworfen, ob “Steinbrück für den Commerzbank-Friedhof ebenfalls 35 Milliarden Euro Steuergelder hüpfen lassen” wird.
Einer der Beiträge geht dabei von der äußerst interessanten Überlegung aus, dass die Allianz mit dem Verkauf der Dresdner Bank nur die „unerwartet großen Särge bei der Dresdner“ entsorgt und mit der Commerzbank per Handschlag vereinbart hat, dass diese den Dresdner Friedhofsanteil für viel Geld übernimmt, sich anschließend bei dem dazu notwenigen finaziellen Kraftakt heftig verhebt und schließlich insolvent wird, wobei die Allianz sich dann wieder die schönsten Teile der Dresdner-Commerbank aus der Konkursmasse rauspicken darf. Für den dann arbeitslosen Vorstand der Commerzbank hat man eine satte Erfolgsprämie vereinbart und/oder den Ruhestand mit einigen gut dotierten Aufsichtsratposten abgefedert.
Für den spekulativen Aktionär folgt daraus, dass die Aktien der Allianz ein erhebliches Aufwärtspotenzial besitzen.

Die Idee erscheint auf den ersten Blick etwas krude, aber unter dem Eindruck der jüngsten Meldungen aus der internationalen Finanzwelt sicher nicht zu spekulativ, denn auch mit einem “laichkackenden Gelbfrosch am grünen Band der Sympathie gibt es keine Allianz für’s (Über)Leben“.

Nun ist ja hinlänglich bekannt, dass nach dem ursprünglichen Plan die Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank in zwei Schritten erfolgt und bis spätestens Ende 2009 abgeschlossen sein sollte.
Dank der spontanen Bereitschaft der Bundesregierung im Oktober 2008 im Eilverfahren das erste Rettungspaket für die bedrohte Bankenwelt zu schnüren und der fast flehentlichen Bitte, dass die Banken sich doch nun auch rasch selbst bedienen sollten, ließ sich die Commerzbank als erste Privatbank der Bundesrepublik Deutschland den roten Teppich ausrollen und griff sich die für den Erwerb der Dresdner Bank benötigten Milliarden aus Bundesmitteln ab.
Die Politik war natürlich voll des Lobes, denn nun hing den dringend zur Errettung der Landesbanken benötigten Milliarden nicht mehr der Geruch der “Verschwendung und Unfähigkeit der bundesdeutschen Politelite” an.
Denn das war etwas, was man aus Sicht der Regierungsparteien unbedingt noch vor dem Wahljahr beseitigen musste um es dann in 2009 völlig unter den Teppich kehren zu können.

Während die Banken und ihre Standesvertreter zunehmend lauter nach einer staatlichen “Bad Bank” riefen um ihre “Risikoaktiva” ausgliedern zu können, hat die Allianz diese feine Art der Bilanzbereinigung mit Hilfe der Commerzbank bereits realisiert und den Deal auch noch weitgehendst aus Steuergeldern finanziert.

Tja, und jetzt kommen wir wieder auf die eingangs gestellte Frage zurück, warum der Staat nun im Januar 2009 zum ersten Mal in der bundesdeutschen Geschichte als Anteilseigner bei einer Privatbank einsteigt und warum dies wohl ausgerechnet die Commerzbank ist.
Man kann getrost davon ausgehen, dass die “Dresdner Commerz Allianz” nicht ohne das eine und/oder andere wohlwollend zugedrückte Auge in Berlin agiert. Man kann auch davon ausgehen, dass Politiker aller Parteien alles Notwendige unternehmen werden um im Wahljahr als Saubermänner und Visionäre dazustehen, koste es an Steuergeldern was es wolle.
Und dann raten Sie mal, was wohl geschehen würde, wenn die Allianz darauf drängt, dass der zweite Schritt der Übernahme zeitlich vorgezogen wird, weil die von der Commerzbank übernommenen „Risikoaktiva“ noch größer sind als gedacht und daher zu befürchten ist, dass die Commerzbank noch vor der Wahl in die Knie gehen wird.

Ein derartiges Szenario wird in oben erwähntem Forum der bundesdeutschen Finanz-Community mit Datum vom 30. September 2008 mit folgendem Satz gewürdigt:
Nur Steinbrück kann das Leiden der Commerzbank noch bis nach der Wahl 2009 verlängern“.

Wenn sich das Orakel also erfüllt, dann gehen Dresdner und Commerz Ende 2009 gemeinsam mit den Milliarden der Steuerzahler unter und im Aufsichtsrat der Allianz taucht fast zeitgleich ein ranghoher Politiker auf, der sich nach den Wahlergebnissen spontan dazu entschlossen hat, seine politische Laufbahn zu beenden und in den Dienst der freien Wirtschaft zu treten.
Gerhard Schröder lässt grüßen!

Machopan
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3 Antworten zu “Dresdner Commerz Allianz”

  1. otti meint:

    „FTD: Aber der Eindruck ist schon richtig, dass die Bundesregierung ein starkes Interesse daran hatte, dass die Fusion der Commerzbank mit der Allianz-Tochter Dresdner Bank klappt?
    Steinbrück: Ja. Die Kritik, dass das deutsche Bankensystem international gesehen zu kleinteilig ist, war ja nicht falsch. Wir wollen einen weiteren starken Player neben der Deutschen Bank. Und es gibt die Vereinbarung, dass das Volumen der Mittelstandsfinanzierung durch die Commerzbank nicht absinken darf.“
    xxxx
    Nein, nicht wir, sondern „Wir“, die Herrscher von Wählers Gnaden wollen einen weiteren starken Player neben der Deutschen Bank. „Wir“ bzw. die wollen einen gefallenen Spieler, einen Player, aupäppeln. Aber nicht mit eigenem Geld, nein, mit Steuergeld.
    Für die Player zahlt der Taxpayer.
    So stellen sich die Herrschaften offenbar Soziale Marktwirtschaft vor, wenn es um ihre Arroganz der Macht und ihr veraltetes Denken geht. Die haben nichts gelernt, aber auch gar nichts.
    Was die machen, das ist brutaler Kommunismus.
    Der Steuerzahler wird für ihren weiter bestehenden Machtwahn und ihr bisheriges Unvermögen in Anspruch genommen.
    Wir, das gemeine Volk, brauchen keinen Player und erst recht keinen Spieler. Weder in der Wirtschaft noch in der Politik.
    Wir haben unsere Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken.
    Uns reicht das vollkommen.
    Wer was anders will, der soll’s auch bezahlen und nicht dafür das hart erarbeitete Geld des Steuerzahlers verschwenden.
    Eine grundsätzliche Frage stellt sich dem Bürger: Warum werden diese Leute aus Politik und Wirtschaft für ihr sträfliches Unvermögen und den von ihnen zu verantwortenden unvorstellbaren Schaden eigentlich nicht vor Gericht gestellt?
    Diese Leute haben Unglück über uns und unser Land gebracht.
    Sie haben auf ganzer Linie total versagt.
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    Die Welt in der Krise - ökonomisch, finanziell, ethisch.
    Die Welt am Abgrund - politisch.
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    Vor der Wahl wird man belogen, nach der Wahl betrogen.

  2. Machopan meint:

    Tja, so ist das.
    Die Allianz hat ganz gekonnt ihre “vergifteten Papiere”, entsorgt. Der Staat sponsert aus reiner Großmannsucht mit Steuergeld nicht nur die Fusion zweier Privatbanken, sondern hat sich auch noch den gebündelten Wertpapierschrott von Dresdner, Allianz und Commerzbank zum Schäppchenpreis des fünffachen Börsenwertes der Commerzbank andrehen lassen.
    Als ob es nicht schon gereicht hätte die Milliarden über die Landesbanken, die KfW und die IKB zu verpulvern.

  3. han ich vergessen meint:

    Jetzt hat der Bund zumindest zu 25% die bei der Allianz versicherten Riester Rentner übernommen

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