Resonanzstraftaten

16. Februar 2009 05:45

Lieber Freund

Bei Politikern ist das mit dem Privatleben so eine Sache.
Nehmen wir mal so zum Beispiel den Ministerpräsidenten des Bundeslandes Thüringen, Dieter Althaus, der sich, wie man Anfang des Jahres 2009 aus der Presse erfahren konnte “bei einem Skiunfall schwer verletzt” hatte.
Kurze Zeit berichtete die Presse dann, dass der Ministerpräsident mit einer anderen “Skifahrerin” kollidiert war. Im Laufe der Berichterstattung wurde dann aus der “Skifahrerin”, die mit dem erfahrenen Skifahrer Althaus zusammengeprallt war eine “Slowakin”.
Als bekannt wurde, dass die “Slowakin” den Zusammenprall mit dem sturzhelmtragenden Ministerpräsidenten nicht überlebt hatte, lag dieser bereits im künstlichen Koma und bundesdeutsche Sicherheitsexperten sinnierten laut über eine allgemeine Helmpflicht auf Skipisten nach während sich die Christlichen Demokraten in Thüringen um ihren Wahlkampf sorgten.
Wegen akutem Brechreiz über die Art der “Berichterstattung” in der bundesdeutschen Presse musste ich ab diesem Zeitpunkt auf andere europäische Medien ausweichen und konnte dort erfahren, dass es sich bei der bei dem “tragischen Unfall getöteten Frau um die Ehefrau eines österreichischen Verbindungsoffiziers der NATO und Mutter eines 1-jährigen Kindes handelt. Die Familie lebt in den USA und hat sich zu einem Weihnachtsurlaub bei Verwandten in Österreich aufgehalten. Bis zum Abschluss der polizeilichen Ermittlungen könne man über die Unfallursache nur Vermutungen anstellen“.

Seitdem sind einige Wochen vergangen, Beata Christandl hat in Riegersburg in Österreich ihre letzte Ruhe gefunden, ihr Ehemann ist mit seinem Sohn in die USA zurückgeflogen, die Staatsanwaltschaft ermittelt immer noch, Ministerpräsident Althaus ist aus dem Koma erwacht, kann sich nicht erinnern, ist noch nicht vernehmungsfähig und wie es zu dem tödlichen Unfall kam, ist noch immer ungeklärt und … und …

… und nun hat das Thüringer Innenministerium per Erlass das Erfurter Landeskriminalamt und sämtliche Polizeidirektionen des Freistaates vor sogenannten Resonanzstraftaten gewarnt, bei denen “strafrechtlich relevante Äußerungen” über den Regierungschef verbreitet werden, denn der soll in Internet-Foren als “Mörder” beschimpft werden.

Nun ist das mit der Resonanz so eine Sache, denn dabei versteht man in der Physik die Anregung eines schwingungsfähigen Systems durch Energiezufuhr.
In der Physik kennt man diesen Vorgang als “Aufschaukeln” eines schwingungsfähigen Systems und in der Elektroakustik als nervtötendes Pfeifen einer “Rückkopplung”.
Die Presse spricht in solchen Fällen gerne von einem “Medienecho” und der Volksmund davon, dass der Wald so antwortet wie man in ihn hineinruft.

Die vom Thüringer Innenministerium per Erlass angeregten Polizeibehörden des Bundeslandes Thüringen sollten daher bei der Ermittlung von Resonanzstraftaten ihr Augenmerk zuerst mal auf die “Energiezufuhr” des schwingenden Systems richten.

Neben der Frage, ob es sich bei dem Zusammenprall nun um eine fahrlässige Tötung, einen Totschlag oder gar um einen Mord handelt, ist sicher vorab auch zu klären, ob der deutsche Staatsbürger Dieter Althaus denn nun als Privatmann oder als Ministerpräsident des Bundeslandesd Thüringen an diesem Ereignis beteiligt war.

War er als Ministerpräsident des Landes Thüringen auf der Skipiste unterwegs, so müsste er sich eigentlich wegen einer Amtshandlung mit Todesfolge verantworten und von seinem Dienstherrn zumindest bis zum Abschluss der Ermittlungen aus dem Verkehr gezogen werden.

Ist der Dieter Althaus aber als private rasende Pistensau den Hang runtergebrettert, dann sollte sich das Innenministerium des Bundeslandes Thüringen den Erlass an die Polizeibehörden des Landes zur Ermittlung von “Resonanzstraftaten” doch noch mal sehr gut überlegen und den §333 (auch für Beamte des Thüringer Innenministeriums leicht zu merken) des Strafgesetzbuches genau durchlesen.

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 16. Februar 2009 um 05:45:30 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik, Gesellschaft | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

3 Antworten zu “Resonanzstraftaten”

  1. Zeitzeuge meint:

    Wie in solchen Fällen üblich geworden, wird die Strafverfolgung bei Mitgliedern der Oberschicht “flexibler” und mehr auf den “Einzelfall” abgestimmt, als das bei Otto Normalstraftäter der Fall ist.

    DPA meldet, dass es laut Staatsanwalt daher wohl keine persönliche Vernehmung von Dieter Althaus geben wird:
    Wien (dpa) - Der bei einem Skiunfall in Österreich schwer verletzte Thüringer Ministerpräsident Dieter Althaus wird wohl nicht persönlich von der Staatsanwaltschaft vernommen. Eine wie auch immer geartete Stellungnahme von Herrn Althaus sei ausreichend, hieß es bei der Anklagebehörde. Demnach steigen auch die Chancen von Althaus auf eine eher geringfügige Strafe. Gegen ihn wird wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung ermittelt, weil eine 41 Jahre alte Frau nach dem Zusammenprall mit Althaus am Neujahrstag gestorben war.

    Bevor Sie also im Internet eine verbale Resonanzstraftat begehen und in die Fangnetze der Thüringer Polizeibehörden geraten, nieten Sie doch lieber bei der nächstbesten Gelegenheit einfach einen politischen Promi um.
    Die wohlwollende Nachsicht der Staatsanwaltschaft ist dann vielleicht auch Ihnen sicher.

  2. otti meint:

    via nachdenkseiten.de
    http://www3.ndr.de/sendungen/zapp/media/zapp3164.html

    Ach ja, in den halbstündlichen Nachrichten des Staaatsrundfunks im Musterländle wurde jedesmal - bis zum Erbrechen - erwähnt, dass Ministerpräsident Althaus einen Helm getragen hat.
    Ob er als Geisterfahrer unterwegs war, wurde selbstverständlich nicht erörtert.

    Schuld kann nur “die Slovakin” sein, ein Minsterpräsident macht keine Fehler.
    Zu fragen bliebe nur, ob die österreichische Staatsanwaltschaft genauso ‘unabhängig’ wie die deutsche ist.
    Dann wäre der Tod der jungen Mutter wohl auf ein irrtumsbedingtes und wahrscheinlich strafrechtlich irrelevantes Missverständnis zurückzuführen.
    Übrigens, die Veröffentlichungen zu Althaus sollen angeblich überwacht und auf straf- bzw. persönlichkeitsrechtliche Aspekte hin überprüft werden. Da fühlt man sich unwillkürlich an die Stasi erinnert.

  3. catulus meint:

    Die Frage ist doch eher, was passiert mit Thüringen, wenn Dieter Althaus zum Rücktritt animiert würde. Dann könnte die CDU die Landtagswahl verlieren, was dem ganzen Land schaden zufügte. Da bekannt ist, welche Partei dann wohl die Geschicke des Freistaates leiten würde, sollte hier eine Balance gehalten werden. Es geht nicht um Dieter Althaus oder sein kaum rekontruierendes Verhalten, sondern darum, wohin sich Thüringen in den folgenden Jahren bewegt.

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Resonanzstraftaten

16. Februar 2009 05:45

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Bei Politikern ist das mit dem Privatleben so eine Sache.
Nehmen wir mal so zum Beispiel den Ministerpräsidenten des Bundeslandes Thüringen, Dieter Althaus, der sich, wie man Anfang des Jahres 2009 aus der Presse erfahren konnte “bei einem Skiunfall schwer verletzt” hatte.
Kurze Zeit berichtete die Presse dann, dass der Ministerpräsident mit einer anderen “Skifahrerin” kollidiert war. Im Laufe der Berichterstattung wurde dann aus der “Skifahrerin”, die mit dem erfahrenen Skifahrer Althaus zusammengeprallt war eine “Slowakin”.
Als bekannt wurde, dass die “Slowakin” den Zusammenprall mit dem sturzhelmtragenden Ministerpräsidenten nicht überlebt hatte, lag dieser bereits im künstlichen Koma und bundesdeutsche Sicherheitsexperten sinnierten laut über eine allgemeine Helmpflicht auf Skipisten nach während sich die Christlichen Demokraten in Thüringen um ihren Wahlkampf sorgten.
Wegen akutem Brechreiz über die Art der “Berichterstattung” in der bundesdeutschen Presse musste ich ab diesem Zeitpunkt auf andere europäische Medien ausweichen und konnte dort erfahren, dass es sich bei der bei dem “tragischen Unfall getöteten Frau um die Ehefrau eines österreichischen Verbindungsoffiziers der NATO und Mutter eines 1-jährigen Kindes handelt. Die Familie lebt in den USA und hat sich zu einem Weihnachtsurlaub bei Verwandten in Österreich aufgehalten. Bis zum Abschluss der polizeilichen Ermittlungen könne man über die Unfallursache nur Vermutungen anstellen“.

Seitdem sind einige Wochen vergangen, Beata Christandl hat in Riegersburg in Österreich ihre letzte Ruhe gefunden, ihr Ehemann ist mit seinem Sohn in die USA zurückgeflogen, die Staatsanwaltschaft ermittelt immer noch, Ministerpräsident Althaus ist aus dem Koma erwacht, kann sich nicht erinnern, ist noch nicht vernehmungsfähig und wie es zu dem tödlichen Unfall kam, ist noch immer ungeklärt und … und …

… und nun hat das Thüringer Innenministerium per Erlass das Erfurter Landeskriminalamt und sämtliche Polizeidirektionen des Freistaates vor sogenannten Resonanzstraftaten gewarnt, bei denen “strafrechtlich relevante Äußerungen” über den Regierungschef verbreitet werden, denn der soll in Internet-Foren als “Mörder” beschimpft werden.

Nun ist das mit der Resonanz so eine Sache, denn dabei versteht man in der Physik die Anregung eines schwingungsfähigen Systems durch Energiezufuhr.
In der Physik kennt man diesen Vorgang als “Aufschaukeln” eines schwingungsfähigen Systems und in der Elektroakustik als nervtötendes Pfeifen einer “Rückkopplung”.
Die Presse spricht in solchen Fällen gerne von einem “Medienecho” und der Volksmund davon, dass der Wald so antwortet wie man in ihn hineinruft.

Die vom Thüringer Innenministerium per Erlass angeregten Polizeibehörden des Bundeslandes Thüringen sollten daher bei der Ermittlung von Resonanzstraftaten ihr Augenmerk zuerst mal auf die “Energiezufuhr” des schwingenden Systems richten.

Neben der Frage, ob es sich bei dem Zusammenprall nun um eine fahrlässige Tötung, einen Totschlag oder gar um einen Mord handelt, ist sicher vorab auch zu klären, ob der deutsche Staatsbürger Dieter Althaus denn nun als Privatmann oder als Ministerpräsident des Bundeslandesd Thüringen an diesem Ereignis beteiligt war.

War er als Ministerpräsident des Landes Thüringen auf der Skipiste unterwegs, so müsste er sich eigentlich wegen einer Amtshandlung mit Todesfolge verantworten und von seinem Dienstherrn zumindest bis zum Abschluss der Ermittlungen aus dem Verkehr gezogen werden.

Ist der Dieter Althaus aber als private rasende Pistensau den Hang runtergebrettert, dann sollte sich das Innenministerium des Bundeslandes Thüringen den Erlass an die Polizeibehörden des Landes zur Ermittlung von “Resonanzstraftaten” doch noch mal sehr gut überlegen und den §333 (auch für Beamte des Thüringer Innenministeriums leicht zu merken) des Strafgesetzbuches genau durchlesen.

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  1. Zeitzeuge meint:

    Wie in solchen Fällen üblich geworden, wird die Strafverfolgung bei Mitgliedern der Oberschicht “flexibler” und mehr auf den “Einzelfall” abgestimmt, als das bei Otto Normalstraftäter der Fall ist.

    DPA meldet, dass es laut Staatsanwalt daher wohl keine persönliche Vernehmung von Dieter Althaus geben wird:
    Wien (dpa) - Der bei einem Skiunfall in Österreich schwer verletzte Thüringer Ministerpräsident Dieter Althaus wird wohl nicht persönlich von der Staatsanwaltschaft vernommen. Eine wie auch immer geartete Stellungnahme von Herrn Althaus sei ausreichend, hieß es bei der Anklagebehörde. Demnach steigen auch die Chancen von Althaus auf eine eher geringfügige Strafe. Gegen ihn wird wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung ermittelt, weil eine 41 Jahre alte Frau nach dem Zusammenprall mit Althaus am Neujahrstag gestorben war.

    Bevor Sie also im Internet eine verbale Resonanzstraftat begehen und in die Fangnetze der Thüringer Polizeibehörden geraten, nieten Sie doch lieber bei der nächstbesten Gelegenheit einfach einen politischen Promi um.
    Die wohlwollende Nachsicht der Staatsanwaltschaft ist dann vielleicht auch Ihnen sicher.

  2. otti meint:

    via nachdenkseiten.de
    http://www3.ndr.de/sendungen/zapp/media/zapp3164.html

    Ach ja, in den halbstündlichen Nachrichten des Staaatsrundfunks im Musterländle wurde jedesmal - bis zum Erbrechen - erwähnt, dass Ministerpräsident Althaus einen Helm getragen hat.
    Ob er als Geisterfahrer unterwegs war, wurde selbstverständlich nicht erörtert.

    Schuld kann nur “die Slovakin” sein, ein Minsterpräsident macht keine Fehler.
    Zu fragen bliebe nur, ob die österreichische Staatsanwaltschaft genauso ‘unabhängig’ wie die deutsche ist.
    Dann wäre der Tod der jungen Mutter wohl auf ein irrtumsbedingtes und wahrscheinlich strafrechtlich irrelevantes Missverständnis zurückzuführen.
    Übrigens, die Veröffentlichungen zu Althaus sollen angeblich überwacht und auf straf- bzw. persönlichkeitsrechtliche Aspekte hin überprüft werden. Da fühlt man sich unwillkürlich an die Stasi erinnert.

  3. catulus meint:

    Die Frage ist doch eher, was passiert mit Thüringen, wenn Dieter Althaus zum Rücktritt animiert würde. Dann könnte die CDU die Landtagswahl verlieren, was dem ganzen Land schaden zufügte. Da bekannt ist, welche Partei dann wohl die Geschicke des Freistaates leiten würde, sollte hier eine Balance gehalten werden. Es geht nicht um Dieter Althaus oder sein kaum rekontruierendes Verhalten, sondern darum, wohin sich Thüringen in den folgenden Jahren bewegt.

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