Schuldeninflation

6. April 2009 05:45

Lieber Freund

Als die “Titanic” durch den Nordatlantik preschte, wurde auf dem Oberdeck getanzt und selbst nach der Kollision mit dem Eisberg spielte die Musik lustig weiter, während im Unterdeck bereits die ersten Menschen im eiskalten Wasser ersoffen.
Der weitere Verlauf ist bekannt und Teil der Geschichte: Sie können aber sicher sein, dass dabei wirklich niemand so filmreif schön und glücklich gestorben ist wie Leonardo DiCaprio.

Was Sie aber jetzt gerade zeitnah miterleben ist viel katastrophaler aus der Untergang der Titanic, als das nach damals vorherrschender Meinung unsinkbare Schiff durch die Dummheit und Ignoranz der Personen auf der Brücke schon auf der Jungfernfahrt versenkt wurde.
Denn auf der Jagd nach mehr Macht und Profit haben die Gierigen und Mächtigen den Vergnügungsdampfer “Gigantomanie” nun so richtig in Grund und Boden gerammt.
Auch wenn Sie dieses lange geleugnete Ereignis bisher mit einer gewissen Häme beobachten oder ganz einfach die Schultern zucken, weil Sie noch glauben, damit nichts zu tun zu haben, so sollten Sie doch mehr als einen Blick auf das nun ablaufende Geschehen werfen, denn Sie sind zahlender Passagier und unterbezahlter Rudersklave auf diesem “Globalisierungsdampfer”.

Daher sollten Sie sich schon darum kümmern, was die “ehrenwerte Gesellschaft” auf der Brücke da so treibt und baldmöglichst einschreiten.
Denn es wäre sicher doch mehr als nur dumm, sich als Passagier eines mit erheblicher Schieflage in schwerer See treibenden Bootes keine Sorgen zu machen und entsprechende Vorbereitungen für das eigene Überleben zu treffen. Sie können sicher sein, dass die Jungs und Mädels auf der Brücke alle mit sich selbst beschäftigt sind und keinen einzigen Gedanken an die im Unterdeck versammelten “Kollateralschäden” verschwenden.
Es ist wohl nur eine Ironie des Schicksals, dass die Führer der G20 (Abkürzung für die 20 größten Ganovenstaaten) ausgerechnet in Baden-Baden ausbaldowert haben, wie sie sich selbst retten können, wenn alles Andere baden geht.

5 Billionen Geld (5.000.000.000.000) wollen sie ausgeben um den havarierten Globalisierungsdampfer “Gigantomanie” wieder flott zu bekommen und ihm wieder mehr Wasser unter dem Kiel zu verschaffen.
Bei dem aktuellen Schuldenstand der G20 geradezu eine Lachnummer, wenn man nicht aus Erfahrung wüsste, dass die Scheine aus dem Fotokopierer stammen werden und nicht die Farbe auf dem Papier wert sind. Da neues Geld alleine nicht genügt, muss natürlich heftig Humanballast über Bord geworfen und darauf gehofft werden, dass sich mit auflaufender Flut dann alles wieder zum Guten wendet, bevor man selbst Gefahr läuft nasse Füße zu bekommen oder gar in die Boote gehen muss.
Nur in den Märchen gehen die Kapitäne heroisch mit ihren havarierten Schiffen unter. So etwas Dummes werden Sie doch nicht wirklich von einem neureichen Wirtschaftsmanager oder gar einem machtgeilen Politiker erwarten, die zur Befriedigung ihrer persönlichen Profitgier längst alle Skrupel über Bord geworfen haben und sogar bei ruhiger See Mannschaft und Passagiere nach Belieben kielholen oder über Planke hüpfen lassen und den Fischen zum Fraß vorwerfen.

Sie können sicher sein, dass diese Leute nicht nur ihr Schäfchen längst im Trockenen haben, sondern auch die Vorbereitungen für ihre Fluchtwege und Fluchtburgen längst abgeschlossen sind, denn nicht jeder an diesem globalisierten Finanz- und Wirtschaftsverbrechen Beteiligte wird sich bei dessen Kollabieren in sein staatsbürgerliches Niedrigsteuerparadies zurückziehen können. Wohl auch deshalb hat Bundesfinanzminister Steinbrück seit langem so vehement gefordert, dass endlich eine Liste mit international nicht kooperationswilligen Steuerfluchtburgen auf dem G20-Gipfel abgestimmt wird.
Sicher ist sicher!
Es beruhigt doch ungemein, wenn man weiß wo man in schwierigen Zeiten alte Freunde, Bekannte und Geschäftskollegen wieder findet.

Denn um das rapide Ansteigen der staatlichen Schuldenflut mit einer gewissenlosen Gleichgültigkeit und genügend emotionalem Abstand betrachten zu können, muss man schon Schweizer sein oder als Ausländer eine Trutzburg in Südtirol sein Eigen nennen. Auch ein Vorstandsvertrag mit satter Belohnung und ohne jegliches Haftungsrisiko für miserable Leistung lässt verhältnismäßig gelassen in die Zukunft blicken, wobei mehrere gut dotierte Aufsichtsratsmandate für verbriefte Ahnungslosigkeit sicher auch nicht zu verachten sind.

Die Mittel- und die Unterschicht und die Jungen und die Alten, die man nun schon seit Jahren gegeneinander aufgehetzt und ausgespielt hat, wollen immer noch nicht erkennen, welches menschenverachtende Wirtschafts- und Politiksystem unter dem Deckmäntelchen der “neuen sozialen Marktwirtschaft” sie nun schon über Jahre hinweg aussaugt und ihre Existenzgrundlage vernichtet.
Als Alternative zum “enger geschnallte Gürtel und dem vertrauensvollen Blick nach Vorne und der Hoffnung, dass das Glas im Licht am Ende Tunnels vielleicht doch noch halb voll sein könnte“, bleibt nur die geballte Faust in der Tasche.

Wer die Hoffnung darauf setzt, dass die “Gigantomanie” durch die Billionen neu gedrucktes Geld genügend Auftrieb bekommen könnte, der muss aber auch zwingend darauf bestehen, dass die alte Führungsriege von der Brücke genommen und ihr Verhalten zur Rechenschaft gezogen wird.
Und das muss man tun, bevor das Geld für die Rettungsaktion fließt!
Wer dies bestreitet oder nicht für notwendig hält, der macht sich zum Kumpan und sollte als Teil des Problems dann nicht auch noch die Unverschämtheit haben in der Presse eine weitergehende Managerhaftung abzulehnen oder gar über die hohen Bonuszahlungen an Manager zu lamentieren deren Unternehmen am staatlichen Finanztropf hängen.

Und wer glaubt, dass ihn die ganze Krise nicht betrifft, der sollte sich einfach mal die Frage stellen, wer und wie die neuen Staatsschulden denn zurückbezahlt.
Wem dazu spontan nur “Steuererhöhungen” einfallen, dem empfehle ich dringendst sich mit dem Thema “Schuldentilgung durch Inflation” zu beschäftigen.
Bei Wikipedia ist dort unter u.a. zu lesen:
“Einer der großen Profiteure der Inflation ist der Staat. Der Realwert seiner Verschuldung nimmt wegen der Inflation deutlich ab. Durch kalte Progression steigen außerdem die realen Steuereinnahmen. Die größten Verlierer sind Inhaber von Geldvermögen und festverzinslichen Wertpapieren wie Staats- oder Unternehmensanleihen. Diese Vermögen werden durch die Inflation entwertet. Bei schwerer Inflation steigt auch die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes, denn da das Geld ständig entwertet wird, will niemand es lange behalten.”

Und mit diesem Wissen versorgt schauen Sie sich mal die Ausführungen zur Hyperinflation an.

Na dann viel Vergnügen!

Machopan
(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 6. April 2009 um 05:45:37 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik, Gesellschaft, Wirtschaft | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

2 Antworten zu “Schuldeninflation”

  1. Pathologe meint:

    Hyperinflation loest Hyperventilation aus. Beim gemeinen Volke. Bevor es das Bewusstsein verliert. Nein, das hat es schon verloren. Daemmerzustand. Hyperrealestate war da nur ein Anfangssymptom.

  2. otti meint:

    Oh Herr, vergib uns unsere Schuld, denn wir haften mit ca. 2 Billionen (2ooo Milliarden) für die Schweinereien des Finanzgesindels und ihrer willfährigen politischen Helfershelfer.
    http://geld-arbeitet-nicht.jimdo.com/systemische-erpressung/

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Schuldeninflation

6. April 2009 05:45

Lieber Freund

Als die “Titanic” durch den Nordatlantik preschte, wurde auf dem Oberdeck getanzt und selbst nach der Kollision mit dem Eisberg spielte die Musik lustig weiter, während im Unterdeck bereits die ersten Menschen im eiskalten Wasser ersoffen.
Der weitere Verlauf ist bekannt und Teil der Geschichte: Sie können aber sicher sein, dass dabei wirklich niemand so filmreif schön und glücklich gestorben ist wie Leonardo DiCaprio.

Was Sie aber jetzt gerade zeitnah miterleben ist viel katastrophaler aus der Untergang der Titanic, als das nach damals vorherrschender Meinung unsinkbare Schiff durch die Dummheit und Ignoranz der Personen auf der Brücke schon auf der Jungfernfahrt versenkt wurde.
Denn auf der Jagd nach mehr Macht und Profit haben die Gierigen und Mächtigen den Vergnügungsdampfer “Gigantomanie” nun so richtig in Grund und Boden gerammt.
Auch wenn Sie dieses lange geleugnete Ereignis bisher mit einer gewissen Häme beobachten oder ganz einfach die Schultern zucken, weil Sie noch glauben, damit nichts zu tun zu haben, so sollten Sie doch mehr als einen Blick auf das nun ablaufende Geschehen werfen, denn Sie sind zahlender Passagier und unterbezahlter Rudersklave auf diesem “Globalisierungsdampfer”.

Daher sollten Sie sich schon darum kümmern, was die “ehrenwerte Gesellschaft” auf der Brücke da so treibt und baldmöglichst einschreiten.
Denn es wäre sicher doch mehr als nur dumm, sich als Passagier eines mit erheblicher Schieflage in schwerer See treibenden Bootes keine Sorgen zu machen und entsprechende Vorbereitungen für das eigene Überleben zu treffen. Sie können sicher sein, dass die Jungs und Mädels auf der Brücke alle mit sich selbst beschäftigt sind und keinen einzigen Gedanken an die im Unterdeck versammelten “Kollateralschäden” verschwenden.
Es ist wohl nur eine Ironie des Schicksals, dass die Führer der G20 (Abkürzung für die 20 größten Ganovenstaaten) ausgerechnet in Baden-Baden ausbaldowert haben, wie sie sich selbst retten können, wenn alles Andere baden geht.

5 Billionen Geld (5.000.000.000.000) wollen sie ausgeben um den havarierten Globalisierungsdampfer “Gigantomanie” wieder flott zu bekommen und ihm wieder mehr Wasser unter dem Kiel zu verschaffen.
Bei dem aktuellen Schuldenstand der G20 geradezu eine Lachnummer, wenn man nicht aus Erfahrung wüsste, dass die Scheine aus dem Fotokopierer stammen werden und nicht die Farbe auf dem Papier wert sind. Da neues Geld alleine nicht genügt, muss natürlich heftig Humanballast über Bord geworfen und darauf gehofft werden, dass sich mit auflaufender Flut dann alles wieder zum Guten wendet, bevor man selbst Gefahr läuft nasse Füße zu bekommen oder gar in die Boote gehen muss.
Nur in den Märchen gehen die Kapitäne heroisch mit ihren havarierten Schiffen unter. So etwas Dummes werden Sie doch nicht wirklich von einem neureichen Wirtschaftsmanager oder gar einem machtgeilen Politiker erwarten, die zur Befriedigung ihrer persönlichen Profitgier längst alle Skrupel über Bord geworfen haben und sogar bei ruhiger See Mannschaft und Passagiere nach Belieben kielholen oder über Planke hüpfen lassen und den Fischen zum Fraß vorwerfen.

Sie können sicher sein, dass diese Leute nicht nur ihr Schäfchen längst im Trockenen haben, sondern auch die Vorbereitungen für ihre Fluchtwege und Fluchtburgen längst abgeschlossen sind, denn nicht jeder an diesem globalisierten Finanz- und Wirtschaftsverbrechen Beteiligte wird sich bei dessen Kollabieren in sein staatsbürgerliches Niedrigsteuerparadies zurückziehen können. Wohl auch deshalb hat Bundesfinanzminister Steinbrück seit langem so vehement gefordert, dass endlich eine Liste mit international nicht kooperationswilligen Steuerfluchtburgen auf dem G20-Gipfel abgestimmt wird.
Sicher ist sicher!
Es beruhigt doch ungemein, wenn man weiß wo man in schwierigen Zeiten alte Freunde, Bekannte und Geschäftskollegen wieder findet.

Denn um das rapide Ansteigen der staatlichen Schuldenflut mit einer gewissenlosen Gleichgültigkeit und genügend emotionalem Abstand betrachten zu können, muss man schon Schweizer sein oder als Ausländer eine Trutzburg in Südtirol sein Eigen nennen. Auch ein Vorstandsvertrag mit satter Belohnung und ohne jegliches Haftungsrisiko für miserable Leistung lässt verhältnismäßig gelassen in die Zukunft blicken, wobei mehrere gut dotierte Aufsichtsratsmandate für verbriefte Ahnungslosigkeit sicher auch nicht zu verachten sind.

Die Mittel- und die Unterschicht und die Jungen und die Alten, die man nun schon seit Jahren gegeneinander aufgehetzt und ausgespielt hat, wollen immer noch nicht erkennen, welches menschenverachtende Wirtschafts- und Politiksystem unter dem Deckmäntelchen der “neuen sozialen Marktwirtschaft” sie nun schon über Jahre hinweg aussaugt und ihre Existenzgrundlage vernichtet.
Als Alternative zum “enger geschnallte Gürtel und dem vertrauensvollen Blick nach Vorne und der Hoffnung, dass das Glas im Licht am Ende Tunnels vielleicht doch noch halb voll sein könnte“, bleibt nur die geballte Faust in der Tasche.

Wer die Hoffnung darauf setzt, dass die “Gigantomanie” durch die Billionen neu gedrucktes Geld genügend Auftrieb bekommen könnte, der muss aber auch zwingend darauf bestehen, dass die alte Führungsriege von der Brücke genommen und ihr Verhalten zur Rechenschaft gezogen wird.
Und das muss man tun, bevor das Geld für die Rettungsaktion fließt!
Wer dies bestreitet oder nicht für notwendig hält, der macht sich zum Kumpan und sollte als Teil des Problems dann nicht auch noch die Unverschämtheit haben in der Presse eine weitergehende Managerhaftung abzulehnen oder gar über die hohen Bonuszahlungen an Manager zu lamentieren deren Unternehmen am staatlichen Finanztropf hängen.

Und wer glaubt, dass ihn die ganze Krise nicht betrifft, der sollte sich einfach mal die Frage stellen, wer und wie die neuen Staatsschulden denn zurückbezahlt.
Wem dazu spontan nur “Steuererhöhungen” einfallen, dem empfehle ich dringendst sich mit dem Thema “Schuldentilgung durch Inflation” zu beschäftigen.
Bei Wikipedia ist dort unter u.a. zu lesen:
“Einer der großen Profiteure der Inflation ist der Staat. Der Realwert seiner Verschuldung nimmt wegen der Inflation deutlich ab. Durch kalte Progression steigen außerdem die realen Steuereinnahmen. Die größten Verlierer sind Inhaber von Geldvermögen und festverzinslichen Wertpapieren wie Staats- oder Unternehmensanleihen. Diese Vermögen werden durch die Inflation entwertet. Bei schwerer Inflation steigt auch die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes, denn da das Geld ständig entwertet wird, will niemand es lange behalten.”

Und mit diesem Wissen versorgt schauen Sie sich mal die Ausführungen zur Hyperinflation an.

Na dann viel Vergnügen!

Machopan
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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 6. April 2009 um 05:45:37 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik, Gesellschaft, Wirtschaft | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

2 Antworten zu “Schuldeninflation”

  1. Pathologe meint:

    Hyperinflation loest Hyperventilation aus. Beim gemeinen Volke. Bevor es das Bewusstsein verliert. Nein, das hat es schon verloren. Daemmerzustand. Hyperrealestate war da nur ein Anfangssymptom.

  2. otti meint:

    Oh Herr, vergib uns unsere Schuld, denn wir haften mit ca. 2 Billionen (2ooo Milliarden) für die Schweinereien des Finanzgesindels und ihrer willfährigen politischen Helfershelfer.
    http://geld-arbeitet-nicht.jimdo.com/systemische-erpressung/

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