Managerhaftung

27. April 2009 05:45

Lieber Freund

Weil Manager in den letzten Jahren die Bodenhaftung fast völlig verloren haben und ihre Zeit überwiegend mit Luftgeschäften, Windfallprofiten und der Jagd nach Geld verbracht haben, das man sich selbst in die Tasche stecken kann, will ihnen nun die “Große Koalition der Volksparteien” nun per Gesetz mehr Haftung verpassen.

Die Christlich-Demokratischen wollen zusammen mit den Christlich-Sozialen und den Sozialen Demokraten den “geplanten” Gesetzentwurf für Führungskräfte deutscher Unternehmen weiter verschärfen. Nach einer Meldung des SPIEGEL sollen “künftig Manager für verursachte Verluste mit bis zu einem Jahresgehalt haften - statt Versicherungen in Anspruch zu nehmen” und die FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND geht sogar noch weiter, denn sie berichtet von einem “Beschluss” der Koalition, dass “Manager mit ihrem Privatvermögen haften sollen” und “auch auf ihre Boni künftig länger warten müssen“.

Es ist wie immer, wenn es in der Republik irgendwo stinkt, dann werden hurtig neue Gesetze gemacht um durch eine Änderung der Windrichtung den Gestank sozialverträglicher und umweltfreundlicher zu verteilen. Die konsequente und radikale Beseitigung der Geruchsquelle steht dabei jedoch außerhalb jeglicher Diskussion.
Bestes Beispiel ist die “Bad Bank”, bei der nur eine großer Haufen Scheiße (sorry) auf ein anderes, nach Möglichkeit öffentliches, Grundstück verlagert wird und dort dann weiter zum Himmel stinkt.

Nach dem gleichen System will man nun seitens der Politik das Flugverhalten von Unternehmenslenkern beeinflussen und/oder die Aerodynamik ihrer Kapriolen verändern.
Es wäre wirklich zum Lachen, wenn es nicht wieder mal zum Weinen wäre.
Die Jungs und Mädels unter der Glaskuppel in Berlin sind in ihrer Realitätsferne und ihrem parteipolitisch verordneten Abnickgehorsam wirklich nicht mehr zu übertreffen.
Vielleicht kommt jetzt auch noch jemand auf die Idee, auch in den Corporate Governance Regelwerken noch ein paar zusätzliche hehre Sätze vorzuschreiben.
Denn die Hauptsache ist doch nur, dass man irgendwo in Gesetzesform aufgeschrieben hat, wie Welt, Wirtschaft und Gesellschaft funktionieren sollen, denn die Erde ist eine Scheibe, die Sonne geht im Westen auf und wir sind das Zentrum das Universums - und der Schöpfer hat sich damals eben nur geirrt, weil er das falsche Parteibuch hatte.

Stellen Sie doch ihrem Abgeordneten einfach mal die Frage, ob er denn weiß was denn eine D&O-Versicherung ist und wie vielen der managenden Bruchpiloten wegen einem “schuldhaften, pflichtwidrigen Fehlverhalten” bisher dieser Versicherungsschutz entzogen wurde.

Solange diese, meist vom Unternehmen bezahlten, Freifahrscheine für Luftpiraten existieren, werden diese immer weich mit dem Fallschirm landen, während das Flugobjekt irgendwo zerschellt und mit allen Passagieren an Bord in Rauch aufgeht.
D&O-Versicherungen sind übrigens eine US-amerikanische Erfindung und werden in der Bundesrepublik Deutschland erst seit Mitte der achtziger Jahre angeboten.
Na, wenn das mal kein Zufall ist.

Ach übrigens, wenn sie darauf warten, dass die Jungs und Mädels in Berlin ihre ausbaldowerten Gesetze auch mal auf sich selbst anwenden - dann werden Sie sicher bis zum jüngsten Tag warten müssen, denn selbstverständlich ist die politische Führung eines Landes nicht mit dem Management eines Unternehmens und ein sich aufopfernder Politiker nicht mit einem raffgierigen Manager zu vergleichen.

Machopan
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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 27. April 2009 um 05:45:40 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik, Wirtschaft | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

Eine Antwort zu “Managerhaftung”

  1. Mona.Ohne.Lisa meint:

    Werter Machopan,
    ich lese Sie schon geraume Zeit.
    Ich weiß bis heute nicht, oder sagen wir mal so:
    Ich kann nicht mehr nachvollziehen, wie, oder durch welche von mir durchgeführten Klicks, ich auf Sie aufmerksam wurde.
    Ich lese Sie gerne. Ich mag Ihre kritische Betrachtungsweise zu aktuellen Themen.
    Kritische Anmerkungen von Ihnen sind grundsätzlich laut, nicht leise.
    Dagegen spricht nichts. Zumindest sehe ich nichts, was dagegen spricht.
    Ich habe in einem Beitrag von Ihnen mal gelesen, dass Sie mit Sack und Pack umgezogen sind, weil Ihnen Ihre “damalige Heimat” nicht mehr gefallen hat. Um so erstaunlicher finde ich es, da Sie sich inzwischen sicherlich neu orientiert haben, dass die “damalige Heimat” und ihre politischen Kontroversen, bzw. Ausrichtung, Sie nach wie vor kritisch beschäftigen. Das ist natürlich in Ordnung und auch zwingend notwendig. Ich verstehe aber nicht, dass gerade die verqueren Dinge, die Sie veranlassten, Ihren Aufenthaltsort zu wechseln, Sie noch immer mit so einer Vehemenz beschäftigen. Sie sind doch, um es vorsichtig auszudrücken, genau davor geflohen. Man könnte fast annehmen, Sie haben Heimweh.

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Managerhaftung

27. April 2009 05:45

Lieber Freund

Weil Manager in den letzten Jahren die Bodenhaftung fast völlig verloren haben und ihre Zeit überwiegend mit Luftgeschäften, Windfallprofiten und der Jagd nach Geld verbracht haben, das man sich selbst in die Tasche stecken kann, will ihnen nun die “Große Koalition der Volksparteien” nun per Gesetz mehr Haftung verpassen.

Die Christlich-Demokratischen wollen zusammen mit den Christlich-Sozialen und den Sozialen Demokraten den “geplanten” Gesetzentwurf für Führungskräfte deutscher Unternehmen weiter verschärfen. Nach einer Meldung des SPIEGEL sollen “künftig Manager für verursachte Verluste mit bis zu einem Jahresgehalt haften - statt Versicherungen in Anspruch zu nehmen” und die FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND geht sogar noch weiter, denn sie berichtet von einem “Beschluss” der Koalition, dass “Manager mit ihrem Privatvermögen haften sollen” und “auch auf ihre Boni künftig länger warten müssen“.

Es ist wie immer, wenn es in der Republik irgendwo stinkt, dann werden hurtig neue Gesetze gemacht um durch eine Änderung der Windrichtung den Gestank sozialverträglicher und umweltfreundlicher zu verteilen. Die konsequente und radikale Beseitigung der Geruchsquelle steht dabei jedoch außerhalb jeglicher Diskussion.
Bestes Beispiel ist die “Bad Bank”, bei der nur eine großer Haufen Scheiße (sorry) auf ein anderes, nach Möglichkeit öffentliches, Grundstück verlagert wird und dort dann weiter zum Himmel stinkt.

Nach dem gleichen System will man nun seitens der Politik das Flugverhalten von Unternehmenslenkern beeinflussen und/oder die Aerodynamik ihrer Kapriolen verändern.
Es wäre wirklich zum Lachen, wenn es nicht wieder mal zum Weinen wäre.
Die Jungs und Mädels unter der Glaskuppel in Berlin sind in ihrer Realitätsferne und ihrem parteipolitisch verordneten Abnickgehorsam wirklich nicht mehr zu übertreffen.
Vielleicht kommt jetzt auch noch jemand auf die Idee, auch in den Corporate Governance Regelwerken noch ein paar zusätzliche hehre Sätze vorzuschreiben.
Denn die Hauptsache ist doch nur, dass man irgendwo in Gesetzesform aufgeschrieben hat, wie Welt, Wirtschaft und Gesellschaft funktionieren sollen, denn die Erde ist eine Scheibe, die Sonne geht im Westen auf und wir sind das Zentrum das Universums - und der Schöpfer hat sich damals eben nur geirrt, weil er das falsche Parteibuch hatte.

Stellen Sie doch ihrem Abgeordneten einfach mal die Frage, ob er denn weiß was denn eine D&O-Versicherung ist und wie vielen der managenden Bruchpiloten wegen einem “schuldhaften, pflichtwidrigen Fehlverhalten” bisher dieser Versicherungsschutz entzogen wurde.

Solange diese, meist vom Unternehmen bezahlten, Freifahrscheine für Luftpiraten existieren, werden diese immer weich mit dem Fallschirm landen, während das Flugobjekt irgendwo zerschellt und mit allen Passagieren an Bord in Rauch aufgeht.
D&O-Versicherungen sind übrigens eine US-amerikanische Erfindung und werden in der Bundesrepublik Deutschland erst seit Mitte der achtziger Jahre angeboten.
Na, wenn das mal kein Zufall ist.

Ach übrigens, wenn sie darauf warten, dass die Jungs und Mädels in Berlin ihre ausbaldowerten Gesetze auch mal auf sich selbst anwenden - dann werden Sie sicher bis zum jüngsten Tag warten müssen, denn selbstverständlich ist die politische Führung eines Landes nicht mit dem Management eines Unternehmens und ein sich aufopfernder Politiker nicht mit einem raffgierigen Manager zu vergleichen.

Machopan
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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 27. April 2009 um 05:45:40 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik, Wirtschaft | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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  1. Mona.Ohne.Lisa meint:

    Werter Machopan,
    ich lese Sie schon geraume Zeit.
    Ich weiß bis heute nicht, oder sagen wir mal so:
    Ich kann nicht mehr nachvollziehen, wie, oder durch welche von mir durchgeführten Klicks, ich auf Sie aufmerksam wurde.
    Ich lese Sie gerne. Ich mag Ihre kritische Betrachtungsweise zu aktuellen Themen.
    Kritische Anmerkungen von Ihnen sind grundsätzlich laut, nicht leise.
    Dagegen spricht nichts. Zumindest sehe ich nichts, was dagegen spricht.
    Ich habe in einem Beitrag von Ihnen mal gelesen, dass Sie mit Sack und Pack umgezogen sind, weil Ihnen Ihre “damalige Heimat” nicht mehr gefallen hat. Um so erstaunlicher finde ich es, da Sie sich inzwischen sicherlich neu orientiert haben, dass die “damalige Heimat” und ihre politischen Kontroversen, bzw. Ausrichtung, Sie nach wie vor kritisch beschäftigen. Das ist natürlich in Ordnung und auch zwingend notwendig. Ich verstehe aber nicht, dass gerade die verqueren Dinge, die Sie veranlassten, Ihren Aufenthaltsort zu wechseln, Sie noch immer mit so einer Vehemenz beschäftigen. Sie sind doch, um es vorsichtig auszudrücken, genau davor geflohen. Man könnte fast annehmen, Sie haben Heimweh.

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