Gequirlte Scheiße

8. Juni 2009 05:45

Lieber Freund

Es tut mir leid, aber als ich dieser Tage im Manager-Magazin einen Artikel von Karsten Stumm über den “Steuerschwund” bis zum Jahr 2013 las, hat es mir nicht nur die Sprache verschlagen, sondern mein Gehirn deklarierte das Gelesene spontan als “gequirlte Scheiße”.
Es geht in dem Artikel um die, vom Arbeitskreis Steuerschätzung wegen der Finanz- und Wirtschaftskrise stark nach unten korrigierten “Erwartungen für die Einnahmen des Bundes, der Länder und der Kommunen für die kommenden Jahre“.
Auch wenn es ins gängige Schema der Volksverdummung passt, ist es doch immer wieder erstaunlich, welches Szenario die Schergen der staatsgelenkten Medienindustrie aus der “rechnerischen Differenz zwischen zwei Schätzwerten” konstruieren können.

Es wirkt wie Hohn, wenn zwar richtigerweise angeführt wird, dass das Realsteueraufkommen für Bund, Länder und Gemeinden von 415 Milliarden Euro im Jahr 2005 auf 555 Milliarden Euro im Jahr 2008 angeschwollen sind, aber der nun “rein rechnerisch” in 2009 drohende Rückgang um “geschätzte” 22 Milliarden nicht ohne harte Einschnitte für “die Deutschen” bleiben kann.
Damit dieser “Steuerausfall” gegenfinanziert werden kann, “rechnen” die Experten sogar mit einer Erhöhung der Mehrwertsteuer, der Wiederabschaffung der Pendlerpauschale und weiteren Ausgabenkürzungen im Sozialbereich.

Gar “einen Einbruch der Steuereinnahmen in gigantischem Ausmaß“, ahnt Otto Fricke (FDP), der Vorsitzende des Bundestags-Haushaltsausschusses voraus und stellt damit zumindest seine finanzmathematische Dyskalkulie unter Beweis.

Michael Thöne, der Geschäftsführer des Finanzwissenschaftlichen Forschungsinstituts an der Universität Köln, verklickerte dem Manager-Magazin, dass „die Finanzkrise die Bundesbürger um den gesamten Ertrag ihrer Arbeit gebracht hat, den sie mit dem vergangenen Aufschwung geleistet haben“.
Vor diesem Hintergrund muss man auf die Langzeitarbeitslosen und Sozialschmarotzer der Republik fast neidisch sein, denn die wurden offensichtlich durch die Finanzkrise nicht um die Früchte ihrer Arbeit gebracht.

Statt kritisch zu hinterfragen, was denn die Bundesregierung und der Bundesfinanzminister mit den Steuermehreinnahmen seit dem Jahr 2005 gemacht haben, wird vor dem Hintergrund der Finanzkrise und steigender Neuverschuldung in den Medien der Weg für weitere Steuererhöhungen vorbereitet.
Dass Bundesfinanzminister Peer Steinbrück den bisherigen Rekordinhaber in Sachen Neuverschuldung aus dem Guinnessbuch der Rekorde verdrängen konnte, wird für die Steuerzahler sicher nur ein kleiner Trost sein.
Wie krank das politische System des Landes wirklich ist, kann man daran erkennen, dass der Bundestag die größte Neuverschuldung seit Kriegsende krisenbedingt hurtig „durchwinkt“ und fürsorglich und zeitnah zur Vermeidung weiterer Verschuldung die Verankerung einer „Schuldenbremse“ im Grundgesetz „beschließt“.

Vielleicht verstehen Sie jetzt meine körperliche Spontanreaktion mit der „gequirlten Scheiße“.

Machopan
(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 8. Juni 2009 um 05:45:31 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

4 Antworten zu “Gequirlte Scheiße”

  1. Mona.Ohne.Lisa meint:

    Wie jetzt?
    Das Grundgesetz soll geändert werden?
    Das wäre ja derb,
    weil Finanzen, oder Finanzsituationen, im Grundgesetz überhaupt nichts verloren haben - meiner Meinung nach.

  2. Machopan meint:

    @Mona.Ohne.Lisa:
    Guckst du bei Wikipedia nach Schuldenbremse-Deutschland.
    Und dann denkst auch du laut an “gequirlte Scheiße”, denn die größten Schuldenmacher der Nation regeln hier das Sparverhalten ihrer Nachfolger.

  3. Mona.Ohne.Lisa meint:

    Machopan,
    Schuldenmacher die ein Sparverhalten regeln?
    Das ist in der Tat “gequirlte Scheiße”.
    Wie ich schon erwähnte, Finanzsituationen haben im Grundgesetz nichts verloren, weil sie meiner Meinung nach, nicht elementar sind.

  4. Machopan meint:

    Finanzen sind aus Sicht von Schuldner und Gläubiger aber immer elementar oder -wie bei der HRE- systemisch. Besonders elementar wird es, wenn der Schuldner Schulden macht um sich zum Gläubiger seiner eigenen Schulden zu machen.
    Und dann ist es noch mehr als “gequirlte Scheiße”.

Eine Nachricht hinterlassen

*Notwendig
*Notwendig (wird nicht veröffentlicht)
 

Gequirlte Scheiße

8. Juni 2009 05:45

Lieber Freund

Es tut mir leid, aber als ich dieser Tage im Manager-Magazin einen Artikel von Karsten Stumm über den “Steuerschwund” bis zum Jahr 2013 las, hat es mir nicht nur die Sprache verschlagen, sondern mein Gehirn deklarierte das Gelesene spontan als “gequirlte Scheiße”.
Es geht in dem Artikel um die, vom Arbeitskreis Steuerschätzung wegen der Finanz- und Wirtschaftskrise stark nach unten korrigierten “Erwartungen für die Einnahmen des Bundes, der Länder und der Kommunen für die kommenden Jahre“.
Auch wenn es ins gängige Schema der Volksverdummung passt, ist es doch immer wieder erstaunlich, welches Szenario die Schergen der staatsgelenkten Medienindustrie aus der “rechnerischen Differenz zwischen zwei Schätzwerten” konstruieren können.

Es wirkt wie Hohn, wenn zwar richtigerweise angeführt wird, dass das Realsteueraufkommen für Bund, Länder und Gemeinden von 415 Milliarden Euro im Jahr 2005 auf 555 Milliarden Euro im Jahr 2008 angeschwollen sind, aber der nun “rein rechnerisch” in 2009 drohende Rückgang um “geschätzte” 22 Milliarden nicht ohne harte Einschnitte für “die Deutschen” bleiben kann.
Damit dieser “Steuerausfall” gegenfinanziert werden kann, “rechnen” die Experten sogar mit einer Erhöhung der Mehrwertsteuer, der Wiederabschaffung der Pendlerpauschale und weiteren Ausgabenkürzungen im Sozialbereich.

Gar “einen Einbruch der Steuereinnahmen in gigantischem Ausmaß“, ahnt Otto Fricke (FDP), der Vorsitzende des Bundestags-Haushaltsausschusses voraus und stellt damit zumindest seine finanzmathematische Dyskalkulie unter Beweis.

Michael Thöne, der Geschäftsführer des Finanzwissenschaftlichen Forschungsinstituts an der Universität Köln, verklickerte dem Manager-Magazin, dass „die Finanzkrise die Bundesbürger um den gesamten Ertrag ihrer Arbeit gebracht hat, den sie mit dem vergangenen Aufschwung geleistet haben“.
Vor diesem Hintergrund muss man auf die Langzeitarbeitslosen und Sozialschmarotzer der Republik fast neidisch sein, denn die wurden offensichtlich durch die Finanzkrise nicht um die Früchte ihrer Arbeit gebracht.

Statt kritisch zu hinterfragen, was denn die Bundesregierung und der Bundesfinanzminister mit den Steuermehreinnahmen seit dem Jahr 2005 gemacht haben, wird vor dem Hintergrund der Finanzkrise und steigender Neuverschuldung in den Medien der Weg für weitere Steuererhöhungen vorbereitet.
Dass Bundesfinanzminister Peer Steinbrück den bisherigen Rekordinhaber in Sachen Neuverschuldung aus dem Guinnessbuch der Rekorde verdrängen konnte, wird für die Steuerzahler sicher nur ein kleiner Trost sein.
Wie krank das politische System des Landes wirklich ist, kann man daran erkennen, dass der Bundestag die größte Neuverschuldung seit Kriegsende krisenbedingt hurtig „durchwinkt“ und fürsorglich und zeitnah zur Vermeidung weiterer Verschuldung die Verankerung einer „Schuldenbremse“ im Grundgesetz „beschließt“.

Vielleicht verstehen Sie jetzt meine körperliche Spontanreaktion mit der „gequirlten Scheiße“.

Machopan
(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 8. Juni 2009 um 05:45:31 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

4 Antworten zu “Gequirlte Scheiße”

  1. Mona.Ohne.Lisa meint:

    Wie jetzt?
    Das Grundgesetz soll geändert werden?
    Das wäre ja derb,
    weil Finanzen, oder Finanzsituationen, im Grundgesetz überhaupt nichts verloren haben - meiner Meinung nach.

  2. Machopan meint:

    @Mona.Ohne.Lisa:
    Guckst du bei Wikipedia nach Schuldenbremse-Deutschland.
    Und dann denkst auch du laut an “gequirlte Scheiße”, denn die größten Schuldenmacher der Nation regeln hier das Sparverhalten ihrer Nachfolger.

  3. Mona.Ohne.Lisa meint:

    Machopan,
    Schuldenmacher die ein Sparverhalten regeln?
    Das ist in der Tat “gequirlte Scheiße”.
    Wie ich schon erwähnte, Finanzsituationen haben im Grundgesetz nichts verloren, weil sie meiner Meinung nach, nicht elementar sind.

  4. Machopan meint:

    Finanzen sind aus Sicht von Schuldner und Gläubiger aber immer elementar oder -wie bei der HRE- systemisch. Besonders elementar wird es, wenn der Schuldner Schulden macht um sich zum Gläubiger seiner eigenen Schulden zu machen.
    Und dann ist es noch mehr als “gequirlte Scheiße”.

Eine Nachricht hinterlassen

*Notwendig
*Notwendig (wird nicht veröffentlicht)