Aus der Ferne

6. Juli 2009 05:45

Lieber Freund

Da man aus der Ferne meist keine Details, aber Zusammenhänge umso besser erkennen kann, beurteilt man als stiller Beobachter Ereignisse etwas anders, als am Geschehen unmittelbar Beteiligte oder umstehende Personen.

So auch im Fall des „Dresdner Messerstechers“ über den bundesdeutsche Medien nur mit der für sie üblich gewordenen seltsamen Betroffenheit berichten, sobald Ausländer, Deutsche mit Migrationhintergrund, oder ethnische bzw. religiöse Minderheiten involviert sind.
Als stiller und aufmerksamer Beobachter aus der Ferne erkennt man nicht nur, wie sich die medienübergreifenden Strickmuster in solchen Fällen gleichen, sondern auch wie stark deutsche Medien von der internationalen Berichterstattung abweichen.
Fast könnte man den Eindruck gewinnen, dass es deutschen Medien offensichtlich nicht genügen darf nur darüber zu berichten, dass während eines Berufungsverfahren wegen Beleidigung der 28 Jahre alte Angeklagte die als Zeugin geladene Klägerin mit einem Messer niedergestochen und tödlich verletzt hat.

Deutsche Medien müssen in solchen Fällen, möglichst schon in der Eilmeldung, auf ethnische, religiöse, politische, familiäre oder charakterliche Eigenheiten der Tatbeteiligten hinweisen, über Tatmotive spekulieren und die Frage nach einer möglichen Mitschuld der Deutschen aufwerfen. Und als nächstes kommt dann todsicher die Frage mit anschließender Diskussion, wie man zukünftig derartige Ereignisse verhindern kann.

Im vorliegenden Fall lesen sich die in SPIEGEL und FAZ erschienen Texte wie folgt::
„Es war ein Berufungsverfahren wegen Beleidigung, das vor dem Dresdner Landgericht eskalierte: 18-mal stach der Angeklagte, ein deutscher Staatsbürger russischer Herkunft, auf sein Opfer ein, die Frau erlag noch im Gerichtsgebäude ihren schweren Verletzungen.
Vor einem Jahr soll der Angeklagte die aus Ägypten stammende Frau in Dresden als “Islamistin” und “Terroristin” beschimpft haben, nachdem sie ihn für ihr kleines Kind um einen Platz auf einer Schaukel gebeten hatte. Vom Amtsgericht war der Mann zu einer Geldstrafe von 780 Euro verurteilt worden. Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft trat er damals Hauptverhandlung im Amtsgericht diszipliniert auf, zeigte sich aber absolut uneinsichtig.
Deshalb wollte die Staatsanwaltschaft nun eine Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe erreichen während der Mann einen Freispruch forderte.
Warum der nicht vorbestrafte Mann nun in der Berufungsverhandlung vor dem Dresdner Landgericht nun derart ausrastete, ist bislang völlig unklar.
Die Frau hinterlässt einen dreijährigen Sohn. Nach einem Bericht der “Dresdner Morgenpost” soll sie außerdem im dritten Monat schwanger gewesen sein
Gegen den 28-Jährigen wurde nun Haftbefehl wegen Mordes erlassen. Bislang habe der Mann sich nicht zur Tat geäußert, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft
Der sächsische Polizeipräsident Bernd Merbitz sagte, es gebe Anhaltspunkte, dass die Tat einen fremdenfeindlichen Hintergrund habe. Er verwies darauf, dass es sich bei dem Opfer um eine Muslimin handelt. Das Landeskriminalamt werde daher auch in diese Richtung ermitteln.“

Nun kann man sich aus der Ferne natürlich in aller Ruhe fragen, warum ein ehemaliger Russe zwar keine Arbeit hat, aber einen deutschen Pass besitzt.
Fragen muss man sich auch, warum ein Hartzler russischer Herkunft seine freie Zeit ausgerechnet auf der Schaukel eines deutschen Kinderspielplatzes abhängt.
Man kann sich natürlich auch fragen, warum eine aus Ägypten stammende Mutter ausgerechnet diesen Schaukelplatz für ihren damals zweijährigen Sohn beanspruchte.
Auch fragen kann man sich, warum der Befragte danach die Mutter als „Islamistin“ und „Terroristin“ beschimpfte.
Fragen muss man sich auch, warum diese „Ehrverletzung“ nicht, wie in anderen Fällen auch, zu einer Privatklage nach §374 StPo führte, sondern die Staatsanwaltschaft es für notwendig hielt ein Strafverfahren nach §185 StGB zu eröffnen, das erstinstanzlich dann zu einer strafrechtlichen Verurteilung des Täters mit einer Geldstrafe in Höhe von 780 Euro führte, gegen die dieser dann durch seinen Anwalt Berufung eingelegt hat.
Fragen muss man vor allem die Staatsanwaltschaft nach dem strafverschärfenden Tatbestand der „Uneinsichtigkeit“ in einem Beleidigungsprozess, aus der sich die Forderung nach einer Freiheitsstrafe begründet.
Und auch der sächsische Polizeipräsident muss sich fragen lassen, warum er nun auf einmal sogar Anhaltspunkte für eine Tat mit fremdenfeindlichen Hintergrund sieht.

Wie nicht anders zu erwarten entbrannte bereits einen Tag nach der „Bluttat im Dresdner Landgericht “ eine Debatte über die Sicherheit an deutschen Gerichten.
Im SPIEGEL ist zu lesen, dass der sächsische Justizminister Geert Mackenroth, CDU, erklärte, “nach allem, was wir bisher wissen, waren in dem tragischen Fall am Landgericht Dresden keine besonderen Sicherheitsrisiken erkennbar. Zugleich kündigte Mackenroth die Überprüfung der Sicherheitsstandards an Gerichten im Freistaat an und schloss nicht aus, dass Sicherheitsschleusen in sächsischen Gerichten künftig häufiger als bislang zum Einsatz kommen. Der Deutsche Richterbund sprach von einer “insgesamt verbesserungswürdigen” Situation. Der sächsische Richterverein und die Strafverteidigervereinigung forderten schärfere Sicherheitsvorkehrungen insbesondere in größeren Städten.

Aus der Ferne erkennt man das Strickmuster besonders gut, denn der „Dresdner Messerstecher“ wird nun als weiterer Anwärmer für die heiße Nadel verwendet, mit der in der BRD Gesetze und Vorschriften gestrickt werden, denn das Land braucht doch unbedingt Menschen „aus der Ferne“.
Und aus der Ferne kann man nicht nur erkennen wer das geschickt einfädelt, sondern auch wer sich in den Maschen verfängt.

Machopan
(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 6. Juli 2009 um 05:45:42 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik, Gesellschaft | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

6 Antworten zu “Aus der Ferne”

  1. Machopan meint:

    Dass man bei Deutschen mit Migrationshintergrund nicht so genau nach politischer, religiöser oder kultureller Gesinnung fragt, bevor man sie mit einem deutschen Pass einbürgert, das ist seit Jahren bekannt.
    Und dass man mit Hilfe der deutschen Justiz einen Streit unter Nachbarn bis zum Mord eskalieren kann, das wissen wir auch nicht erst seit gestern.
    Wie man dann einen solchen Mord mit Hilfe deutscher Medien zu einer ausländerfeindlichen Bluttat von internationalem Rang macht, das zeigt uns die “sachliche” Berichterstattung im SPIEGEL.

    Übrigens beschrieb Staatsanwalt Christian Avenarius vom Landgericht Dresden den Täter als einen vom Hass gegen Muslime Getriebenen: “Es war ein klar fremdenfeindlicher Angriff eines fanatischen einsamen Wolfes.
    Zu der Frage wie denn dieser “fanatischen einsamen Wolf” aus dem fernen Russland ins bundesdeutsche Artenschutzgebiet gelangen konnte, wollte sich der Herr Staatsanwalt wohl nicht äußern.

    So, und damit ich mir jetzt noch mehr Freunde mache, sei noch am Rande erwähnt, dass der Deutschrusse arbeitslos war und sich die Zeit auf Kosten des deutschen Steuerzahlers vertrieb und die Ägypterin Schwierigkeiten hatte in Deutschland einen Job zu finden, weil sie die traditionelle Kopfbedeckung trug.
    Und genau solche Migranten und Ausländer braucht Deutschland.

  2. Minotaurus meint:

    Irgendwie verstehe ich die Aufregung nicht ganz. Ein arbeitsloser, deutschrussischer Wolf metzelt in Deutschland eine ebenso arbeitslose, ägyptische Kopftuchträgerin nieder. Vermutlich hatten sogar beide denselben Pass, dieselben Interessen (Kinderspielplatz) und sogar denselben Arbeitgeber (Herrn Hartz IV).
    Ach ja, und schwanger war sie auch schon wieder! Vermutlich von einem einsamen, russischen Wolf oder einem anderen “fernöstlichen Mitbürger mit Migrationshintergrund”.

    Ist doch alles Bestens! Auf diese Weise erledigt sich das Auslän…, ääh, ich meinte natürlich: das Zuwandererproblem für unsere “fernöstlichen Mitbürger mit Migrationshintergrund” (war das jetzt korrekt Neusprech, ja?) quasi ganz von selbst.
    Es gibt wieder mehr freie Plätze auf öffentlichen Kinderrutschen, die bundestäusche Presse und die Gerichtsbarkeit sind beschäftigt, diverse Blogs werden mit solchen Ereignissen vollgeschmiert und der deutsche Michel auf seinem Sofa hat sein Unterhaltungsprogramm.
    Dies alles mit viel weniger Gage als ein Moderator bei RTL verdienen oder gar ein Fußball-Länderspiel kosten würde.

    Brot und Spiele - das wußten schon die alten Römer.
    Glückliches Täuschland! ;-)

  3. Machopan meint:

    Bei aller menschlichen Tragik ist die wiederholte Instrumentalisierung solcher Ereignisse einfach nur noch widerlich.
    Zum Einen, weil über Jahre hinweg durch ideologische Borniertheit, politische Skrupel- und Ahnungslosigkeit in Verbindung mit massiven wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Interessen einer völlig unkontrollierten Einwanderung Vorschub geleistet wurde. Dabei ging es niemals um die so oft beschworene Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte, sondern um die Zuwanderung von Wirtschaftsflüchtlingen in die deutschen Sozialsysteme. Dabei wurde die Zerstörung der gesellschaftlichen Strukturen der deutschen Unterschicht bewußt in Kauf genommen und herbeigeführt.
    Die entstandenen Parallelwelten und Integrationsprobleme sind kein Zufall, sondern politisch und wirtschaftlich gewollt.

    Ereignisse wie im Dresdner Landgericht sind nur die Spitze von erheblichen Spannungen, Verwerfungen und Rissen im überstrapazierten gesellschaftlichen System. Die zunehmende Gewalt und das Absinken der Hemmschwelle zieht sich durch alle Gesellschaftschichten und betrifft alle Nationalitäten und Kulturen.
    Es ist die logische Folge von Platz- und Existenzangst von zwangsweise auf engem Raum zusammengepferchten Menschen völlig unterschiedlicher Kulturen, Religionen, Sprachen und Bildung.
    Widerlich daran sind die niedrigen Beweggründe für diese Zustände und noch widerlicher wird es, wenn die zwangsläufigen Gewaltausbrüche dazu benützt werden Stimmung zu machen um den Boden für weitere Zwangsmaßnahmen und Regulierungen zu bereiten.
    Doch erst wenn sich der Zorn der Mehrheit gegen die Verursacher wendet, wird es zu einer, ggf. gewalttätigen Korrektur kommen, die dann allerdings auf dem Rücken einer Minderheit ausgetragen wird.
    Es wäre nicht das erste Pogrom auf deutschem Boden.
    In Demokratien soll ja alle Gewalt vom Volke ausgehen.
    Im Fall der Bundesrepublik Deutschland wird es zumindest die Gewalt sein, die das Ende der Parteien-Demokratie einläutet.

  4. Mona.Ohne.Lisa meint:

    Im Moment bin ich entsetzt darüber, was Herr Machopan verlautbart - und Kommentator Minotaurus.
    Nur mal angenommen, das stimmt alles - wen oder was soll ich bitte wählen?
    Herr Machopan hat inzwischen das Land verlassen, also die Meinung kann ich ja getrost knicken.
    Bei Herrn Minotaurus suche ich “friedliche Lösungen” vergeblich.

  5. Machopan meint:

    Wenn man das Land retten will, braucht man damit nicht zu warten, bis die Allierten vor den Toren der Hauptstadt stehen und sich die regierenden Verbrecher mangels Alternativen feige aus der Verantwortung stehlen.
    Man muss es auch nicht machen wie einst die Franzosen, die einst mit scharfer Klinge für eine politische Runderneuerung sorgten und diesen Tag am 14. Juli auch heute noch feiern.
    In Deutschland hat man diesen nationalen Gedenktag den Menschen weggenommen, die am 17. Juni 1953 auf die Straße gegangen sind und gegen das Unrechtregime gekämpft haben. Statt dessen feiert man lieber den Tag an dem die Bürger eines wirtschaftlich und politisch heruntergewirtschaftet Landes an die Suppentöpfe des kapitalistischen Erzfeindes davon gelaufen sind.
    Und die Verantwortlichen des Unrechtsystems müssen sich nach einem solchen Jahrhundertereignis auch nicht mehr das Leben nehmen, sondern beziehen eine Rente für die sie nie bezahlt haben oder werden samt ihrer kruden Gesinnung in den Staatsdienst übernommen. Oder sie werden gleich Minister, Bundestagspräsident oder Bundeskanzler.
    Es nützt nichts, wenn man diese Leute nicht wählt, weil man sie nach dem bestehenden Wahlsystem gar nicht abwählen kann.
    Dass man mit Wahlen in einer Scheindemokratie keine nachhaltige Systemänderung bewirken kann, sollte eigentlich bekannt sein. Um das Problem nachhaltig zu lösen muss man schon den Mut haben mit Augenklappe und Aktentasche in den Führerbunker zu gehen und bis zur Detonation da bleiben.
    Oder man ist bereit auf die Straße zu gehen mit dem Ziel den Augiasstall im Regierungspalast nachhaltig zu säubern.

  6. otti meint:

    Gott sei’s geklagt, der deutsche Michel ist keine französische Marianne.
    Bei uns macht die Kuh muh; und drauß bist Du.

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Aus der Ferne

6. Juli 2009 05:45

Lieber Freund

Da man aus der Ferne meist keine Details, aber Zusammenhänge umso besser erkennen kann, beurteilt man als stiller Beobachter Ereignisse etwas anders, als am Geschehen unmittelbar Beteiligte oder umstehende Personen.

So auch im Fall des „Dresdner Messerstechers“ über den bundesdeutsche Medien nur mit der für sie üblich gewordenen seltsamen Betroffenheit berichten, sobald Ausländer, Deutsche mit Migrationhintergrund, oder ethnische bzw. religiöse Minderheiten involviert sind.
Als stiller und aufmerksamer Beobachter aus der Ferne erkennt man nicht nur, wie sich die medienübergreifenden Strickmuster in solchen Fällen gleichen, sondern auch wie stark deutsche Medien von der internationalen Berichterstattung abweichen.
Fast könnte man den Eindruck gewinnen, dass es deutschen Medien offensichtlich nicht genügen darf nur darüber zu berichten, dass während eines Berufungsverfahren wegen Beleidigung der 28 Jahre alte Angeklagte die als Zeugin geladene Klägerin mit einem Messer niedergestochen und tödlich verletzt hat.

Deutsche Medien müssen in solchen Fällen, möglichst schon in der Eilmeldung, auf ethnische, religiöse, politische, familiäre oder charakterliche Eigenheiten der Tatbeteiligten hinweisen, über Tatmotive spekulieren und die Frage nach einer möglichen Mitschuld der Deutschen aufwerfen. Und als nächstes kommt dann todsicher die Frage mit anschließender Diskussion, wie man zukünftig derartige Ereignisse verhindern kann.

Im vorliegenden Fall lesen sich die in SPIEGEL und FAZ erschienen Texte wie folgt::
„Es war ein Berufungsverfahren wegen Beleidigung, das vor dem Dresdner Landgericht eskalierte: 18-mal stach der Angeklagte, ein deutscher Staatsbürger russischer Herkunft, auf sein Opfer ein, die Frau erlag noch im Gerichtsgebäude ihren schweren Verletzungen.
Vor einem Jahr soll der Angeklagte die aus Ägypten stammende Frau in Dresden als “Islamistin” und “Terroristin” beschimpft haben, nachdem sie ihn für ihr kleines Kind um einen Platz auf einer Schaukel gebeten hatte. Vom Amtsgericht war der Mann zu einer Geldstrafe von 780 Euro verurteilt worden. Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft trat er damals Hauptverhandlung im Amtsgericht diszipliniert auf, zeigte sich aber absolut uneinsichtig.
Deshalb wollte die Staatsanwaltschaft nun eine Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe erreichen während der Mann einen Freispruch forderte.
Warum der nicht vorbestrafte Mann nun in der Berufungsverhandlung vor dem Dresdner Landgericht nun derart ausrastete, ist bislang völlig unklar.
Die Frau hinterlässt einen dreijährigen Sohn. Nach einem Bericht der “Dresdner Morgenpost” soll sie außerdem im dritten Monat schwanger gewesen sein
Gegen den 28-Jährigen wurde nun Haftbefehl wegen Mordes erlassen. Bislang habe der Mann sich nicht zur Tat geäußert, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft
Der sächsische Polizeipräsident Bernd Merbitz sagte, es gebe Anhaltspunkte, dass die Tat einen fremdenfeindlichen Hintergrund habe. Er verwies darauf, dass es sich bei dem Opfer um eine Muslimin handelt. Das Landeskriminalamt werde daher auch in diese Richtung ermitteln.“

Nun kann man sich aus der Ferne natürlich in aller Ruhe fragen, warum ein ehemaliger Russe zwar keine Arbeit hat, aber einen deutschen Pass besitzt.
Fragen muss man sich auch, warum ein Hartzler russischer Herkunft seine freie Zeit ausgerechnet auf der Schaukel eines deutschen Kinderspielplatzes abhängt.
Man kann sich natürlich auch fragen, warum eine aus Ägypten stammende Mutter ausgerechnet diesen Schaukelplatz für ihren damals zweijährigen Sohn beanspruchte.
Auch fragen kann man sich, warum der Befragte danach die Mutter als „Islamistin“ und „Terroristin“ beschimpfte.
Fragen muss man sich auch, warum diese „Ehrverletzung“ nicht, wie in anderen Fällen auch, zu einer Privatklage nach §374 StPo führte, sondern die Staatsanwaltschaft es für notwendig hielt ein Strafverfahren nach §185 StGB zu eröffnen, das erstinstanzlich dann zu einer strafrechtlichen Verurteilung des Täters mit einer Geldstrafe in Höhe von 780 Euro führte, gegen die dieser dann durch seinen Anwalt Berufung eingelegt hat.
Fragen muss man vor allem die Staatsanwaltschaft nach dem strafverschärfenden Tatbestand der „Uneinsichtigkeit“ in einem Beleidigungsprozess, aus der sich die Forderung nach einer Freiheitsstrafe begründet.
Und auch der sächsische Polizeipräsident muss sich fragen lassen, warum er nun auf einmal sogar Anhaltspunkte für eine Tat mit fremdenfeindlichen Hintergrund sieht.

Wie nicht anders zu erwarten entbrannte bereits einen Tag nach der „Bluttat im Dresdner Landgericht “ eine Debatte über die Sicherheit an deutschen Gerichten.
Im SPIEGEL ist zu lesen, dass der sächsische Justizminister Geert Mackenroth, CDU, erklärte, “nach allem, was wir bisher wissen, waren in dem tragischen Fall am Landgericht Dresden keine besonderen Sicherheitsrisiken erkennbar. Zugleich kündigte Mackenroth die Überprüfung der Sicherheitsstandards an Gerichten im Freistaat an und schloss nicht aus, dass Sicherheitsschleusen in sächsischen Gerichten künftig häufiger als bislang zum Einsatz kommen. Der Deutsche Richterbund sprach von einer “insgesamt verbesserungswürdigen” Situation. Der sächsische Richterverein und die Strafverteidigervereinigung forderten schärfere Sicherheitsvorkehrungen insbesondere in größeren Städten.

Aus der Ferne erkennt man das Strickmuster besonders gut, denn der „Dresdner Messerstecher“ wird nun als weiterer Anwärmer für die heiße Nadel verwendet, mit der in der BRD Gesetze und Vorschriften gestrickt werden, denn das Land braucht doch unbedingt Menschen „aus der Ferne“.
Und aus der Ferne kann man nicht nur erkennen wer das geschickt einfädelt, sondern auch wer sich in den Maschen verfängt.

Machopan
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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 6. Juli 2009 um 05:45:42 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik, Gesellschaft | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

6 Antworten zu “Aus der Ferne”

  1. Machopan meint:

    Dass man bei Deutschen mit Migrationshintergrund nicht so genau nach politischer, religiöser oder kultureller Gesinnung fragt, bevor man sie mit einem deutschen Pass einbürgert, das ist seit Jahren bekannt.
    Und dass man mit Hilfe der deutschen Justiz einen Streit unter Nachbarn bis zum Mord eskalieren kann, das wissen wir auch nicht erst seit gestern.
    Wie man dann einen solchen Mord mit Hilfe deutscher Medien zu einer ausländerfeindlichen Bluttat von internationalem Rang macht, das zeigt uns die “sachliche” Berichterstattung im SPIEGEL.

    Übrigens beschrieb Staatsanwalt Christian Avenarius vom Landgericht Dresden den Täter als einen vom Hass gegen Muslime Getriebenen: “Es war ein klar fremdenfeindlicher Angriff eines fanatischen einsamen Wolfes.
    Zu der Frage wie denn dieser “fanatischen einsamen Wolf” aus dem fernen Russland ins bundesdeutsche Artenschutzgebiet gelangen konnte, wollte sich der Herr Staatsanwalt wohl nicht äußern.

    So, und damit ich mir jetzt noch mehr Freunde mache, sei noch am Rande erwähnt, dass der Deutschrusse arbeitslos war und sich die Zeit auf Kosten des deutschen Steuerzahlers vertrieb und die Ägypterin Schwierigkeiten hatte in Deutschland einen Job zu finden, weil sie die traditionelle Kopfbedeckung trug.
    Und genau solche Migranten und Ausländer braucht Deutschland.

  2. Minotaurus meint:

    Irgendwie verstehe ich die Aufregung nicht ganz. Ein arbeitsloser, deutschrussischer Wolf metzelt in Deutschland eine ebenso arbeitslose, ägyptische Kopftuchträgerin nieder. Vermutlich hatten sogar beide denselben Pass, dieselben Interessen (Kinderspielplatz) und sogar denselben Arbeitgeber (Herrn Hartz IV).
    Ach ja, und schwanger war sie auch schon wieder! Vermutlich von einem einsamen, russischen Wolf oder einem anderen “fernöstlichen Mitbürger mit Migrationshintergrund”.

    Ist doch alles Bestens! Auf diese Weise erledigt sich das Auslän…, ääh, ich meinte natürlich: das Zuwandererproblem für unsere “fernöstlichen Mitbürger mit Migrationshintergrund” (war das jetzt korrekt Neusprech, ja?) quasi ganz von selbst.
    Es gibt wieder mehr freie Plätze auf öffentlichen Kinderrutschen, die bundestäusche Presse und die Gerichtsbarkeit sind beschäftigt, diverse Blogs werden mit solchen Ereignissen vollgeschmiert und der deutsche Michel auf seinem Sofa hat sein Unterhaltungsprogramm.
    Dies alles mit viel weniger Gage als ein Moderator bei RTL verdienen oder gar ein Fußball-Länderspiel kosten würde.

    Brot und Spiele - das wußten schon die alten Römer.
    Glückliches Täuschland! ;-)

  3. Machopan meint:

    Bei aller menschlichen Tragik ist die wiederholte Instrumentalisierung solcher Ereignisse einfach nur noch widerlich.
    Zum Einen, weil über Jahre hinweg durch ideologische Borniertheit, politische Skrupel- und Ahnungslosigkeit in Verbindung mit massiven wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Interessen einer völlig unkontrollierten Einwanderung Vorschub geleistet wurde. Dabei ging es niemals um die so oft beschworene Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte, sondern um die Zuwanderung von Wirtschaftsflüchtlingen in die deutschen Sozialsysteme. Dabei wurde die Zerstörung der gesellschaftlichen Strukturen der deutschen Unterschicht bewußt in Kauf genommen und herbeigeführt.
    Die entstandenen Parallelwelten und Integrationsprobleme sind kein Zufall, sondern politisch und wirtschaftlich gewollt.

    Ereignisse wie im Dresdner Landgericht sind nur die Spitze von erheblichen Spannungen, Verwerfungen und Rissen im überstrapazierten gesellschaftlichen System. Die zunehmende Gewalt und das Absinken der Hemmschwelle zieht sich durch alle Gesellschaftschichten und betrifft alle Nationalitäten und Kulturen.
    Es ist die logische Folge von Platz- und Existenzangst von zwangsweise auf engem Raum zusammengepferchten Menschen völlig unterschiedlicher Kulturen, Religionen, Sprachen und Bildung.
    Widerlich daran sind die niedrigen Beweggründe für diese Zustände und noch widerlicher wird es, wenn die zwangsläufigen Gewaltausbrüche dazu benützt werden Stimmung zu machen um den Boden für weitere Zwangsmaßnahmen und Regulierungen zu bereiten.
    Doch erst wenn sich der Zorn der Mehrheit gegen die Verursacher wendet, wird es zu einer, ggf. gewalttätigen Korrektur kommen, die dann allerdings auf dem Rücken einer Minderheit ausgetragen wird.
    Es wäre nicht das erste Pogrom auf deutschem Boden.
    In Demokratien soll ja alle Gewalt vom Volke ausgehen.
    Im Fall der Bundesrepublik Deutschland wird es zumindest die Gewalt sein, die das Ende der Parteien-Demokratie einläutet.

  4. Mona.Ohne.Lisa meint:

    Im Moment bin ich entsetzt darüber, was Herr Machopan verlautbart - und Kommentator Minotaurus.
    Nur mal angenommen, das stimmt alles - wen oder was soll ich bitte wählen?
    Herr Machopan hat inzwischen das Land verlassen, also die Meinung kann ich ja getrost knicken.
    Bei Herrn Minotaurus suche ich “friedliche Lösungen” vergeblich.

  5. Machopan meint:

    Wenn man das Land retten will, braucht man damit nicht zu warten, bis die Allierten vor den Toren der Hauptstadt stehen und sich die regierenden Verbrecher mangels Alternativen feige aus der Verantwortung stehlen.
    Man muss es auch nicht machen wie einst die Franzosen, die einst mit scharfer Klinge für eine politische Runderneuerung sorgten und diesen Tag am 14. Juli auch heute noch feiern.
    In Deutschland hat man diesen nationalen Gedenktag den Menschen weggenommen, die am 17. Juni 1953 auf die Straße gegangen sind und gegen das Unrechtregime gekämpft haben. Statt dessen feiert man lieber den Tag an dem die Bürger eines wirtschaftlich und politisch heruntergewirtschaftet Landes an die Suppentöpfe des kapitalistischen Erzfeindes davon gelaufen sind.
    Und die Verantwortlichen des Unrechtsystems müssen sich nach einem solchen Jahrhundertereignis auch nicht mehr das Leben nehmen, sondern beziehen eine Rente für die sie nie bezahlt haben oder werden samt ihrer kruden Gesinnung in den Staatsdienst übernommen. Oder sie werden gleich Minister, Bundestagspräsident oder Bundeskanzler.
    Es nützt nichts, wenn man diese Leute nicht wählt, weil man sie nach dem bestehenden Wahlsystem gar nicht abwählen kann.
    Dass man mit Wahlen in einer Scheindemokratie keine nachhaltige Systemänderung bewirken kann, sollte eigentlich bekannt sein. Um das Problem nachhaltig zu lösen muss man schon den Mut haben mit Augenklappe und Aktentasche in den Führerbunker zu gehen und bis zur Detonation da bleiben.
    Oder man ist bereit auf die Straße zu gehen mit dem Ziel den Augiasstall im Regierungspalast nachhaltig zu säubern.

  6. otti meint:

    Gott sei’s geklagt, der deutsche Michel ist keine französische Marianne.
    Bei uns macht die Kuh muh; und drauß bist Du.

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