Die Fortpflanzung der Haushaltskrise

10. August 2009 05:45

Lieber Freund

Die Haushaltskrise pflanzt sich fort“ titelte die Wirtschaftswoche und setzte in dem darunter stehenden Text weitere übelst riechende Duftmarken der deutschen Mainstreampresse bei der Glorifizierung der jüngeren bundesdeutschen Vergangenheit.
Allein schon der Titel erweckt Übelkeit, denn es soll wohl der Eindruck erweckt werden, als trage die Krise etwas Selbstbefruchtendes oder gar Selbsterneuerndes mit sich.
Im Text selbst werden dann solche Plattheiten wie „bis zum Sommer 2008 schien die Welt noch in Ordnung zu sein“ und „die boomende Konjunktur ließ die Steuerquellen sprudeln“ abgesondert.
Kein Wort von der unverschämtesten Steuererhöhung aller Zeiten und auch kein Wort über die zunehmende Manipulation der Arbeitslosenzahlen. Statt dessen fabuliert die WiWo „die sinkende Arbeitslosigkeit entlastete die Sozialkassen, das Defizit von Bund, Ländern und Kommunen sank, der Schuldenstand schrumpfte und näherte sich der im Maastrichter Vertrag vorgeschriebenen Obergrenze von 60 Prozent. Die Rückkehr auf den Pfad finanzpolitischer Tugend schien geschafft und die Erde ist eine Scheibe um die sich die Sonne dreht“.

OK, die Sache mit der Erde und der Sonne ist mir erst beim Weiterlesen spontan in den Sinn gekommen, entbehrt dieser wirtschaftsredaktionelle Schwachsinn doch nicht einer fremdgesteuerten Dramatik, denn er gipfelt in einer gottgewollten „Lehman-Pleite und die weitete die Finanzkrise zum globalen Flächenbrand aus, der auf die Realwirtschaft übersprang. Die Eigenkapitalhilfen für den Bankensektor, die Konjunkturprogramme, die rezessionsbedingt schrumpfenden Steuereinnahmen und die steigenden Transferausgaben reißen seither immer größere Löcher in die öffentlichen Etats.

Und als ob es des seichten Blödsinns noch genug wäre, fügt der Autor auch gleich noch eine Erklärung über die Folgen dieser großen Haushaltlöcher bei, denn „dem Fiskus verbleiben so immer weniger Mittel für wichtige, langfristige Wachstumsmotoren wie Bildung, Forschung und Infrastruktur. Ökonomen mahnen daher, der Abbau der gigantischen Staatsschulden müsse in den nächsten Jahren oberste Priorität haben. Die Entwicklung der Schuldenquote hängt dabei von drei Faktoren ab – dem Zinssatz für die Staatsschulden, dem langfristigen Wachstumstrend der Wirtschaft und dem Primärsaldo, das ist der staatliche Budgetsaldo abzüglich der Zinsausgaben.

„Es röhrt der Elch, es brunft die Kuh, es fällt mir wirklich nichts mehr ein dazu“, denn die Höhe der Staatsschulden der Bundesrepublik Deutschland hängt in Wirklichkeit nur vom chronischen Größenwahn deutscher Politiker, ihrer Skrupellosigkeit und der Lust am Geld ausgeben und dem fehlenden Verständnis von Schuld und Sühne zusammen.
Wenn man jedes Jahr auf’s neue mit einem satten Gewinn im Lotto rechnet und die zu erwartenden Millionen vor der Ziehung der Lottozahlen einmal verplant, zweimal ausgibt und dreimal vorfinanziert, dann hat man spätestens am Jahresende ein Loch im Haushalt.

Wem es gelingt den Artikel über die „Fortplanzung“ dieses Haushaltloches bis zum Ende zu ertragen, der erfährt Tröstliches, denn „Ökonomen von UniCredit haben ausgerechnet, dass angesichts des langfristigen Wachstumstrends der deutschen Wirtschaft von nominal rund 3,3 Prozent und des durchschnittlichen Zinssatzes für Staatsschulden von 4,5 Prozent ein jährlicher Primärüberschuss im Haushalt von knapp einem Prozent des BIPs erforderlich ist, um die Schuldenquote ab 2011 wenigstens stabil zu halten. Das wären rund 25 Milliarden Euro, die der Fiskus jährlich erwirtschaften muss.

Es röhrt der Elch, es brunft die Kuh, es fällt mir wirklich nichts mehr ein dazu.
Und die Erde ist eine Scheibe um die sich die Sonne dreht
“.
Aber ich wiederhole mich.

Danke liebe Wirtschaftswoche für diesen sehr informativen Artikel über die sich selbst fortpflanzende Haushaltskrise.
Wenn die Redaktion der Wirtschaftswoche in den nächsten Wochen noch ähnlich fundierte Berichte über das finanzpolitische Potenzgehabe von Parteibuchmachos, das Finanzlobbyistenpetting, die Onaniergewohnheiten beratender Finanzexperten, das Paarungsverhalten skrupelloser Banker und gewissenloser Politiker beim gemeinsamen Gruppensex und das Suchtverhalten bei der jungfräulichen Subventionsempfängnis nachlegen kann, dann wird der tumbe Wahlmichel bis zur Bundestagswahl im Herbst sicher wieder an den Klapperstorch glauben.

Bei einer Zeitung, die „bleichgesichtige Langnasen“ wie Merkel, Gysi, Westerwelle, Steinmeier, Schröder, Guttenberg, Steinbrück, Köhler, Tiefensee, Clement, Koch und Künast als kompetente „Köpfe der Wirtschaft“ ausweist, stellt dabei aber nicht nur die Frage nach ihrer wirtschaftlichen Unabhängigkeit und der nachweislichen fachlichen Inkompetenz.

Übrigens belegt „Angela Merkel“ Platz 1 dieser „Köpfe der Wirtschaft“-Hitliste, die so mancher Leser lieber als Ranking unter dem Titel „Rübe ab“ lesen würde.

Machopan
(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 10. August 2009 um 05:45:47 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik, Wirtschaft | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

14 Antworten zu “Die Fortpflanzung der Haushaltskrise”

  1. Realist meint:

    Täglich werden ja tausende dieser übelst riechenden Propaganda Duftmarken von der Mainstream über dem Land versprüht. Die Mehrheit des tumben Michel ist irreabel verseucht von dem Zeug. Da kommt es auf die eine giftige Duftmarke der WiWo nicht mehr an.
    Aber, werter Machopan, ich bin schon in einer gewissen Vorfreude und Feierstimmung. Warum?
    Wegen des bevorstehenden und beglückenden Ereignisses der Wahl der neuen politischen erlauchten Obrigkeit, durch den tumben Michel.
    Jahrzehntelange „systemkritische“ Aufklärung und „fundiertes“ Geschichtswissen in Schule, Lehre, Uni sowie autodidaktische Ergänzung mit herkömmlicher Mainsteamliteratur wie BILD Zeitung, gekrönt mit den hervorragend wirkenden ideologischen Duftstoffen der Mainstream lassen den tumben Michel berechenbar werden wie den Mondzyklus. Deshalb ist das Resultat eigentlich schon im Kasten.
    Das gute an der Sache ist, das nach der Wahl und Krönung der erlauchten „Ferkelin“ und zugehörigem Hofstaat mit dem tumben Michel endlich mal Klartext gesprochen werden wird.
    Schluss mit lustig. Dann endlich werden laut Wunschliste von Guido Pockengesicht, der selbsternannten Fackel der Freiheit, ALG 2 Sätze weiter gekürzt, aus Christlicher Nächstenliebe von den Parteien entsprechendem „Glaubens“ Arbeitsleistungen ohne Geldgegenleistung abgefordert! Nur zu!
    Aber das schönste ist, die Mitte, die so heiß umworbene Mitte wird endlich so richtig gemolken. Wer auch sonst? Sind ja die Einzigen, die noch in Frage kommen, oder?! Irgendwer muss ja die verlorene Zocker- Wette der Bankster zahlen!
    Arbeitgeberpräsident Hundt fordert schon mal zur Krisenbewältigung Lohnverzicht von den Arbeitnehmern
    (Welch Wortschöpfung: Arbeitgeber, Arbeitnehmer!)
    Die vom tumben Michel gewählten Politschranzen fordern bereits weitere Einschnitte im sozialen Netz. Nur zu!
    Die Geschichte hat gezeigt: Zunächst werden entsprechend der Hackordnung die Konflikte nach unten verteilt innerhalb der tumben Michelmasse. Es wird so werden und kommen. Dann, wenn diese sogenannte Mittelschicht selbst vor dem Nichts steht, dann werden sie munter. Dann werden aber diese von ihnen selbst gewählten Politschranzen durch ihre willigen Büttel mit Knüppel auf sie einschlagen lassen. Sie werden!
    Das erst ist die Medizin, die beim tumben Michel wirkt. Aber dann kann es zu spät sein.
    Von einer guten, friedlichen Lösung zwischen Volk und Blutsaugern mit glücklichem Ausgang für den Michel ist mir nichts bekannt aus der Geschichte.
    Der Untergang der DDR war wie der Wechsel von einer Pestgegend zur anderen. Mehr nicht!
    Aber lassen wir uns überraschen….es kann nur schlimmer werden.

  2. otti meint:

    Der Titel “Die Haushaltskrise pflanzt sich fort” passt nahtlos zu Merkels unsubstantierter Feststellung, “die Krise ist über uns gekommen”. Dass das Magazin sich Gedanken zur öffentlichen Verschuldung macht, ohne deren Verursacher in die Pflicht zu nehmen, ist insoweit nur konsequent.
    Einen fauligen Apfel schneidet man aus oder schmeißt ihn weg. Bei den Finanzmärkten und ihren politischen Helfershelfern ist Letzteres geboten.
    .
    Karl-Theodor der Lobby-Baron des TSI-Kartells der Pleitebanken
    http://www.freitag.de/community/blogs/ludgerklus/karl-theodor-der-lobby-baron-des-tsi-kartells-der-pleitebanken
    .
    Die deutsche Lehman-Lüge
    http://www.ftd.de/unternehmen/finanzdienstleister/:Investmentbanken-Die-deutsche-Lehman-L%FCge/551263.html
    Lesenswert!
    .
    @Realist
    “es kann nur schlimmer werden”
    Wehren wir uns!
    Der Krug geht solange zum Brunnen, bis er bricht.
    .
    Übermächtig ist unser Zorn.
    Dem Gesindel muss das Handwerk gelegt werden.
    .
    Wir sind das Volk!

  3. Realist meint:

    @ otti
    …„Wehren wir uns!“, „Dem Gesindel muss das Handwerk gelegt werden.“, „Wir sind das Volk“…
    Gut gemeint, aber deine Zeilen sind leider nicht mehr als Zweckoptimismus.
    Wer ist denn WIR, der dem Gesindel das Handwerk legen soll?
    Die Millionen, die jeden Dumpf Sinn der Presse und Politik auf den Leim gehen? Die Millionen, die glauben mit NICHT wählen gehen die Welt zu ändern? Die Millionen, die scheinbar noch nie ein Geschichtsbuch gelesen haben und einfachste politische Zusammenhänge nicht begreifen?
    Wir leben nicht in einer Bürgergesellschaft „Wolkenkuckucksheim“, sondern in der Gesellschaftsordnung Kapitalismus. In einem Kapitalismus, der grundlegend im Wandel ist und wieder seine wahre Fratze zeigt. In diesem System gibt es Klassen und Schichten mit knallharten Interessen. Wir sind eine Klassen und keine Bürgergesellschaft. Vertreten durch Parteien.
    Die Programme der Parteien stehen fest. Für jeden einsehbar. Und im Gegensatz zu dem Heer der Traumtänzer nutzen die neoliberal bürgerlichen ihr Wahlrecht! Nicht das sie klüger wären, eher das ganze Gegenteil. Denn sie wählen gezielt die Parteien, die die Verursacher dieser Krise politisch unterstützen.
    Schau dir doch an, wie einfältig, unsolidarisch und zersplittert sich dieses Volk gibt.
    „Wir sind das Volk“ – man kann Selbstbetrug nicht besser auf den Punkt bringen.

  4. kanne meint:

    der bürger ist so , dass er nichts negatives hören will. oft.

    da überlegt man sich fast, zu anderen seite über zu wechseln.

    soll sich die sklaven doch drangsalieren lassen . ich bin dann auf der aktiv seite. so pöse denke ich manchmal, wenn ich von den . tsts.affen gemobbt werde

  5. otti meint:

    Den Ausführungen von @ Realist, 3 und @ kanne, 4 ist leider nicht zu widersprechen.
    Der Spruch, auf den gegebenen Zustand abgehoben, sollte vielleicht, mit Betonung auf “ein”, lauten:
    Wir sind ein Volk, aber was für eines!
    Gell?
    Teile und herrsche bzw. spalte, ist eine Technik der Machthaber, um die Beherrschten gegeneinander auszuspielen.
    .
    Den Sozialismus in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf (Honecker), und der Kapitalismus in seiner Gier, der verreckt jetzt hier (otti).
    Die Krise des Finanzkapitalismus zeigt auch die Endlichkeit dieser Wirtschaftsform, der das gleiche Schicksal wie dem Sozialismus blühen wird, wenn nicht radikal umgesteuert und der Mensch in den Mittelpunkt wirtschaftlichen Handelns gestellt wird.
    Wenn neoliberaler Terror die Mittelklasse erfasst hat, wird hoffentlich ein Umdenken einsetzen.

  6. otti meint:

    “Reallöhne über mehrere Jahre rückläufig”
    http://www.diw.de/documents/publikationen/73/100473/09-33-1.pdf
    Wird trotzdem wieder Merkel, Schröder und Co. gewählt, ist den Leuten nicht mehr zu helfen!

  7. Realist meint:

    @otti
    Naja, Sozialismus gab es ja noch nicht auf diesem Erdenball. Was da untergegangen ist war etwas anderes, perverses, diktatorisches, menschenfremdes…!
    Ob es Sozialismus je wirklichen geben wird?
    Was den Terror auf die Mittelklasse betrifft: in Deutschland ist diese nach dem Untergang der Weimarer Republik einem Schnauzbärtigen Führer auf den Leim gegangen und wenn man den niedergeschriebenen Erfahrungswerten mancher Erdenbewohner Glauben schenken will und darf, wie z.B.:
    .
    „Die gefährlichste Waffe sind die Menschen kleinen Kalibers“.
    Wieslaw Brudzinski
    .
    “Privilegierte Menschen werden stets ihre völlige Auslöschung riskieren, bevor sie irgendeinen bedeutenden Teil ihrer Vorteile abgeben.”
    J. K. Galbraith
    .
    Da wird einem nicht besser, oder?
    Denn von der Anzahl beider Spezies wird die Welt schier erdrückt.
    Studiere die Geschichte, otti, und glaube mir, bevor diese Ekel erregende, spießige, schmierige, scheinheilige Mittelschicht explodiert wegen schwindender Privilegien, werden eine Unzahl von bereits durchs Rost gefallener Kreaturen der Unterschicht krepiert sein. Nicht nur auf Deutschland bezogen! Das Studium der vergangenen und heutigen Geschichte lassen nicht den Hauch von Illusion! Wenn, dann nenne sie mir otti!
    .
    P.S. Bei Punkt 6.Du sprichst mir aus dem Herzen!

  8. Realist meint:

    Hier noch ein Artikel der Nachdenkseiten der zur Aussage „Wir sind das (ein) Volk“ passt.
    http://www.nachdenkseiten.de/?p=4124
    .
    Zitat:
    „Es ist das uralte Motiv der „Volksgemeinschaft“ mit dem die Herrschenden seit eh und je die Identität zwischen sich und den Beherrschten herzustellen versuchten. Schon Kaiser Wilhelm II. hat mit seinem Ausruf…“

  9. otti meint:

    We Need More Protest to Make Reform Possible
    http://www.thenation.com/doc/20090817/dreier

  10. otti meint:

    Striking it Richer:
    The Evolution of Top Incomes in the United States
    http://elsa.berkeley.edu/~saez/saez-UStopincomes-2007.pdf
    .
    „We need to decide as a society whether this increase in income inequality is efficient and acceptable and, if not, what mix of institutional reforms should be developed to counter it.“

  11. otti meint:

    What Makes a Revolution?
    Robert MacCulloch
    http://sticerd.lse.ac.uk/dps/de/dedps30.pdf

    „After controlling for personal characteristics, country and year fixed effects, more people are found to favor revolt when inequality is high and their net incomes are low.“

  12. Mona.Ohne.Lisa meint:

    Meine Herren,
    so gerne ich Ihre Antworten auch lese:
    Sie lassen zwar Missstände erkennen,
    aber, auch Ihre Verbitterung über diese.
    Mit Verbitterung lässt sich aber keine anständige Politik konstruieren.

  13. otti meint:

    http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=13844
    Rechtliches von Prof. Schmelz

  14. otti meint:

    Neoliberalismus pur: das Guttenberg-Papier
    http://static.rp-online.de/layout/fotos/HBTGc7Y4.pdf
    Wenn das Stimmvieh selbst seine Metzger wählt …
    … wird es auch geschlachtet!

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Die Fortpflanzung der Haushaltskrise

10. August 2009 05:45

Lieber Freund

Die Haushaltskrise pflanzt sich fort“ titelte die Wirtschaftswoche und setzte in dem darunter stehenden Text weitere übelst riechende Duftmarken der deutschen Mainstreampresse bei der Glorifizierung der jüngeren bundesdeutschen Vergangenheit.
Allein schon der Titel erweckt Übelkeit, denn es soll wohl der Eindruck erweckt werden, als trage die Krise etwas Selbstbefruchtendes oder gar Selbsterneuerndes mit sich.
Im Text selbst werden dann solche Plattheiten wie „bis zum Sommer 2008 schien die Welt noch in Ordnung zu sein“ und „die boomende Konjunktur ließ die Steuerquellen sprudeln“ abgesondert.
Kein Wort von der unverschämtesten Steuererhöhung aller Zeiten und auch kein Wort über die zunehmende Manipulation der Arbeitslosenzahlen. Statt dessen fabuliert die WiWo „die sinkende Arbeitslosigkeit entlastete die Sozialkassen, das Defizit von Bund, Ländern und Kommunen sank, der Schuldenstand schrumpfte und näherte sich der im Maastrichter Vertrag vorgeschriebenen Obergrenze von 60 Prozent. Die Rückkehr auf den Pfad finanzpolitischer Tugend schien geschafft und die Erde ist eine Scheibe um die sich die Sonne dreht“.

OK, die Sache mit der Erde und der Sonne ist mir erst beim Weiterlesen spontan in den Sinn gekommen, entbehrt dieser wirtschaftsredaktionelle Schwachsinn doch nicht einer fremdgesteuerten Dramatik, denn er gipfelt in einer gottgewollten „Lehman-Pleite und die weitete die Finanzkrise zum globalen Flächenbrand aus, der auf die Realwirtschaft übersprang. Die Eigenkapitalhilfen für den Bankensektor, die Konjunkturprogramme, die rezessionsbedingt schrumpfenden Steuereinnahmen und die steigenden Transferausgaben reißen seither immer größere Löcher in die öffentlichen Etats.

Und als ob es des seichten Blödsinns noch genug wäre, fügt der Autor auch gleich noch eine Erklärung über die Folgen dieser großen Haushaltlöcher bei, denn „dem Fiskus verbleiben so immer weniger Mittel für wichtige, langfristige Wachstumsmotoren wie Bildung, Forschung und Infrastruktur. Ökonomen mahnen daher, der Abbau der gigantischen Staatsschulden müsse in den nächsten Jahren oberste Priorität haben. Die Entwicklung der Schuldenquote hängt dabei von drei Faktoren ab – dem Zinssatz für die Staatsschulden, dem langfristigen Wachstumstrend der Wirtschaft und dem Primärsaldo, das ist der staatliche Budgetsaldo abzüglich der Zinsausgaben.

„Es röhrt der Elch, es brunft die Kuh, es fällt mir wirklich nichts mehr ein dazu“, denn die Höhe der Staatsschulden der Bundesrepublik Deutschland hängt in Wirklichkeit nur vom chronischen Größenwahn deutscher Politiker, ihrer Skrupellosigkeit und der Lust am Geld ausgeben und dem fehlenden Verständnis von Schuld und Sühne zusammen.
Wenn man jedes Jahr auf’s neue mit einem satten Gewinn im Lotto rechnet und die zu erwartenden Millionen vor der Ziehung der Lottozahlen einmal verplant, zweimal ausgibt und dreimal vorfinanziert, dann hat man spätestens am Jahresende ein Loch im Haushalt.

Wem es gelingt den Artikel über die „Fortplanzung“ dieses Haushaltloches bis zum Ende zu ertragen, der erfährt Tröstliches, denn „Ökonomen von UniCredit haben ausgerechnet, dass angesichts des langfristigen Wachstumstrends der deutschen Wirtschaft von nominal rund 3,3 Prozent und des durchschnittlichen Zinssatzes für Staatsschulden von 4,5 Prozent ein jährlicher Primärüberschuss im Haushalt von knapp einem Prozent des BIPs erforderlich ist, um die Schuldenquote ab 2011 wenigstens stabil zu halten. Das wären rund 25 Milliarden Euro, die der Fiskus jährlich erwirtschaften muss.

Es röhrt der Elch, es brunft die Kuh, es fällt mir wirklich nichts mehr ein dazu.
Und die Erde ist eine Scheibe um die sich die Sonne dreht
“.
Aber ich wiederhole mich.

Danke liebe Wirtschaftswoche für diesen sehr informativen Artikel über die sich selbst fortpflanzende Haushaltskrise.
Wenn die Redaktion der Wirtschaftswoche in den nächsten Wochen noch ähnlich fundierte Berichte über das finanzpolitische Potenzgehabe von Parteibuchmachos, das Finanzlobbyistenpetting, die Onaniergewohnheiten beratender Finanzexperten, das Paarungsverhalten skrupelloser Banker und gewissenloser Politiker beim gemeinsamen Gruppensex und das Suchtverhalten bei der jungfräulichen Subventionsempfängnis nachlegen kann, dann wird der tumbe Wahlmichel bis zur Bundestagswahl im Herbst sicher wieder an den Klapperstorch glauben.

Bei einer Zeitung, die „bleichgesichtige Langnasen“ wie Merkel, Gysi, Westerwelle, Steinmeier, Schröder, Guttenberg, Steinbrück, Köhler, Tiefensee, Clement, Koch und Künast als kompetente „Köpfe der Wirtschaft“ ausweist, stellt dabei aber nicht nur die Frage nach ihrer wirtschaftlichen Unabhängigkeit und der nachweislichen fachlichen Inkompetenz.

Übrigens belegt „Angela Merkel“ Platz 1 dieser „Köpfe der Wirtschaft“-Hitliste, die so mancher Leser lieber als Ranking unter dem Titel „Rübe ab“ lesen würde.

Machopan
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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 10. August 2009 um 05:45:47 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik, Wirtschaft | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

14 Antworten zu “Die Fortpflanzung der Haushaltskrise”

  1. Realist meint:

    Täglich werden ja tausende dieser übelst riechenden Propaganda Duftmarken von der Mainstream über dem Land versprüht. Die Mehrheit des tumben Michel ist irreabel verseucht von dem Zeug. Da kommt es auf die eine giftige Duftmarke der WiWo nicht mehr an.
    Aber, werter Machopan, ich bin schon in einer gewissen Vorfreude und Feierstimmung. Warum?
    Wegen des bevorstehenden und beglückenden Ereignisses der Wahl der neuen politischen erlauchten Obrigkeit, durch den tumben Michel.
    Jahrzehntelange „systemkritische“ Aufklärung und „fundiertes“ Geschichtswissen in Schule, Lehre, Uni sowie autodidaktische Ergänzung mit herkömmlicher Mainsteamliteratur wie BILD Zeitung, gekrönt mit den hervorragend wirkenden ideologischen Duftstoffen der Mainstream lassen den tumben Michel berechenbar werden wie den Mondzyklus. Deshalb ist das Resultat eigentlich schon im Kasten.
    Das gute an der Sache ist, das nach der Wahl und Krönung der erlauchten „Ferkelin“ und zugehörigem Hofstaat mit dem tumben Michel endlich mal Klartext gesprochen werden wird.
    Schluss mit lustig. Dann endlich werden laut Wunschliste von Guido Pockengesicht, der selbsternannten Fackel der Freiheit, ALG 2 Sätze weiter gekürzt, aus Christlicher Nächstenliebe von den Parteien entsprechendem „Glaubens“ Arbeitsleistungen ohne Geldgegenleistung abgefordert! Nur zu!
    Aber das schönste ist, die Mitte, die so heiß umworbene Mitte wird endlich so richtig gemolken. Wer auch sonst? Sind ja die Einzigen, die noch in Frage kommen, oder?! Irgendwer muss ja die verlorene Zocker- Wette der Bankster zahlen!
    Arbeitgeberpräsident Hundt fordert schon mal zur Krisenbewältigung Lohnverzicht von den Arbeitnehmern
    (Welch Wortschöpfung: Arbeitgeber, Arbeitnehmer!)
    Die vom tumben Michel gewählten Politschranzen fordern bereits weitere Einschnitte im sozialen Netz. Nur zu!
    Die Geschichte hat gezeigt: Zunächst werden entsprechend der Hackordnung die Konflikte nach unten verteilt innerhalb der tumben Michelmasse. Es wird so werden und kommen. Dann, wenn diese sogenannte Mittelschicht selbst vor dem Nichts steht, dann werden sie munter. Dann werden aber diese von ihnen selbst gewählten Politschranzen durch ihre willigen Büttel mit Knüppel auf sie einschlagen lassen. Sie werden!
    Das erst ist die Medizin, die beim tumben Michel wirkt. Aber dann kann es zu spät sein.
    Von einer guten, friedlichen Lösung zwischen Volk und Blutsaugern mit glücklichem Ausgang für den Michel ist mir nichts bekannt aus der Geschichte.
    Der Untergang der DDR war wie der Wechsel von einer Pestgegend zur anderen. Mehr nicht!
    Aber lassen wir uns überraschen….es kann nur schlimmer werden.

  2. otti meint:

    Der Titel “Die Haushaltskrise pflanzt sich fort” passt nahtlos zu Merkels unsubstantierter Feststellung, “die Krise ist über uns gekommen”. Dass das Magazin sich Gedanken zur öffentlichen Verschuldung macht, ohne deren Verursacher in die Pflicht zu nehmen, ist insoweit nur konsequent.
    Einen fauligen Apfel schneidet man aus oder schmeißt ihn weg. Bei den Finanzmärkten und ihren politischen Helfershelfern ist Letzteres geboten.
    .
    Karl-Theodor der Lobby-Baron des TSI-Kartells der Pleitebanken
    http://www.freitag.de/community/blogs/ludgerklus/karl-theodor-der-lobby-baron-des-tsi-kartells-der-pleitebanken
    .
    Die deutsche Lehman-Lüge
    http://www.ftd.de/unternehmen/finanzdienstleister/:Investmentbanken-Die-deutsche-Lehman-L%FCge/551263.html
    Lesenswert!
    .
    @Realist
    “es kann nur schlimmer werden”
    Wehren wir uns!
    Der Krug geht solange zum Brunnen, bis er bricht.
    .
    Übermächtig ist unser Zorn.
    Dem Gesindel muss das Handwerk gelegt werden.
    .
    Wir sind das Volk!

  3. Realist meint:

    @ otti
    …„Wehren wir uns!“, „Dem Gesindel muss das Handwerk gelegt werden.“, „Wir sind das Volk“…
    Gut gemeint, aber deine Zeilen sind leider nicht mehr als Zweckoptimismus.
    Wer ist denn WIR, der dem Gesindel das Handwerk legen soll?
    Die Millionen, die jeden Dumpf Sinn der Presse und Politik auf den Leim gehen? Die Millionen, die glauben mit NICHT wählen gehen die Welt zu ändern? Die Millionen, die scheinbar noch nie ein Geschichtsbuch gelesen haben und einfachste politische Zusammenhänge nicht begreifen?
    Wir leben nicht in einer Bürgergesellschaft „Wolkenkuckucksheim“, sondern in der Gesellschaftsordnung Kapitalismus. In einem Kapitalismus, der grundlegend im Wandel ist und wieder seine wahre Fratze zeigt. In diesem System gibt es Klassen und Schichten mit knallharten Interessen. Wir sind eine Klassen und keine Bürgergesellschaft. Vertreten durch Parteien.
    Die Programme der Parteien stehen fest. Für jeden einsehbar. Und im Gegensatz zu dem Heer der Traumtänzer nutzen die neoliberal bürgerlichen ihr Wahlrecht! Nicht das sie klüger wären, eher das ganze Gegenteil. Denn sie wählen gezielt die Parteien, die die Verursacher dieser Krise politisch unterstützen.
    Schau dir doch an, wie einfältig, unsolidarisch und zersplittert sich dieses Volk gibt.
    „Wir sind das Volk“ – man kann Selbstbetrug nicht besser auf den Punkt bringen.

  4. kanne meint:

    der bürger ist so , dass er nichts negatives hören will. oft.

    da überlegt man sich fast, zu anderen seite über zu wechseln.

    soll sich die sklaven doch drangsalieren lassen . ich bin dann auf der aktiv seite. so pöse denke ich manchmal, wenn ich von den . tsts.affen gemobbt werde

  5. otti meint:

    Den Ausführungen von @ Realist, 3 und @ kanne, 4 ist leider nicht zu widersprechen.
    Der Spruch, auf den gegebenen Zustand abgehoben, sollte vielleicht, mit Betonung auf “ein”, lauten:
    Wir sind ein Volk, aber was für eines!
    Gell?
    Teile und herrsche bzw. spalte, ist eine Technik der Machthaber, um die Beherrschten gegeneinander auszuspielen.
    .
    Den Sozialismus in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf (Honecker), und der Kapitalismus in seiner Gier, der verreckt jetzt hier (otti).
    Die Krise des Finanzkapitalismus zeigt auch die Endlichkeit dieser Wirtschaftsform, der das gleiche Schicksal wie dem Sozialismus blühen wird, wenn nicht radikal umgesteuert und der Mensch in den Mittelpunkt wirtschaftlichen Handelns gestellt wird.
    Wenn neoliberaler Terror die Mittelklasse erfasst hat, wird hoffentlich ein Umdenken einsetzen.

  6. otti meint:

    “Reallöhne über mehrere Jahre rückläufig”
    http://www.diw.de/documents/publikationen/73/100473/09-33-1.pdf
    Wird trotzdem wieder Merkel, Schröder und Co. gewählt, ist den Leuten nicht mehr zu helfen!

  7. Realist meint:

    @otti
    Naja, Sozialismus gab es ja noch nicht auf diesem Erdenball. Was da untergegangen ist war etwas anderes, perverses, diktatorisches, menschenfremdes…!
    Ob es Sozialismus je wirklichen geben wird?
    Was den Terror auf die Mittelklasse betrifft: in Deutschland ist diese nach dem Untergang der Weimarer Republik einem Schnauzbärtigen Führer auf den Leim gegangen und wenn man den niedergeschriebenen Erfahrungswerten mancher Erdenbewohner Glauben schenken will und darf, wie z.B.:
    .
    „Die gefährlichste Waffe sind die Menschen kleinen Kalibers“.
    Wieslaw Brudzinski
    .
    “Privilegierte Menschen werden stets ihre völlige Auslöschung riskieren, bevor sie irgendeinen bedeutenden Teil ihrer Vorteile abgeben.”
    J. K. Galbraith
    .
    Da wird einem nicht besser, oder?
    Denn von der Anzahl beider Spezies wird die Welt schier erdrückt.
    Studiere die Geschichte, otti, und glaube mir, bevor diese Ekel erregende, spießige, schmierige, scheinheilige Mittelschicht explodiert wegen schwindender Privilegien, werden eine Unzahl von bereits durchs Rost gefallener Kreaturen der Unterschicht krepiert sein. Nicht nur auf Deutschland bezogen! Das Studium der vergangenen und heutigen Geschichte lassen nicht den Hauch von Illusion! Wenn, dann nenne sie mir otti!
    .
    P.S. Bei Punkt 6.Du sprichst mir aus dem Herzen!

  8. Realist meint:

    Hier noch ein Artikel der Nachdenkseiten der zur Aussage „Wir sind das (ein) Volk“ passt.
    http://www.nachdenkseiten.de/?p=4124
    .
    Zitat:
    „Es ist das uralte Motiv der „Volksgemeinschaft“ mit dem die Herrschenden seit eh und je die Identität zwischen sich und den Beherrschten herzustellen versuchten. Schon Kaiser Wilhelm II. hat mit seinem Ausruf…“

  9. otti meint:

    We Need More Protest to Make Reform Possible
    http://www.thenation.com/doc/20090817/dreier

  10. otti meint:

    Striking it Richer:
    The Evolution of Top Incomes in the United States
    http://elsa.berkeley.edu/~saez/saez-UStopincomes-2007.pdf
    .
    „We need to decide as a society whether this increase in income inequality is efficient and acceptable and, if not, what mix of institutional reforms should be developed to counter it.“

  11. otti meint:

    What Makes a Revolution?
    Robert MacCulloch
    http://sticerd.lse.ac.uk/dps/de/dedps30.pdf

    „After controlling for personal characteristics, country and year fixed effects, more people are found to favor revolt when inequality is high and their net incomes are low.“

  12. Mona.Ohne.Lisa meint:

    Meine Herren,
    so gerne ich Ihre Antworten auch lese:
    Sie lassen zwar Missstände erkennen,
    aber, auch Ihre Verbitterung über diese.
    Mit Verbitterung lässt sich aber keine anständige Politik konstruieren.

  13. otti meint:

    http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=13844
    Rechtliches von Prof. Schmelz

  14. otti meint:

    Neoliberalismus pur: das Guttenberg-Papier
    http://static.rp-online.de/layout/fotos/HBTGc7Y4.pdf
    Wenn das Stimmvieh selbst seine Metzger wählt …
    … wird es auch geschlachtet!

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