Rette sich wer kann

24. Mai 2010 05:45

Lieber Freund

Wie man das von den EU-Finanzministern hastig zusammengeschusterte Flickwerk über 750 Milliarden Euro zur Rettung bankrotter Länder der Europäischen Union auch immer nennen mag, die Bundeskanzlerin Angela Merkel sagt es “schütze das Geld der Menschen”, „die getroffene Maßnahme sei “alternativlos” und “notwendig um die Zukunft des Euro zu sichern”.

Man ist von dieser Frau in der Zwischenzeit ja schon einiges gewöhnt, aber es ist doch immer wieder erstaunlich, wie sie mit wenigen Sätzen einen Haufen Schwachsinn in Worte fassen und mit jedem einzelnen Wort mindestens zwei Lügen erzählen kann.
Doch gelernt ist halt gelernt und Übung macht den Meister, denn es ist noch gar nicht so lange her, dass sie im Oktober 2008 zusammen mit ihrem damaligen Finanzminister Peer Steinbrück vor die Mikrofone trat und den Sparern und Sparerinnen vollmundig verkündete “ihre Einlagen sicher sind. Dafür steht die Bundesregierung ein.” Und Steinbrück betonte: “Ich möchte gerne unterstreichen, dass in der Tat in der gemeinsamen Verantwortung, die wir in der Bundesregierung fühlen, wir dafür Sorge tragen wollen, dass die Sparerinnen und Sparer in Deutschland nicht befürchten müssen einen Euro ihrer Einlagen zu verlieren.”

Die Sparer und Sparerinnen mussten sich allerdings gutgläubig auf dieses Versprechen verlassen, denn in Windeseile gesetzlich festgeschrieben wie die Bankenhilfe, wurde diese “Staatsgarantie für den kleinen Sparer” natürlich nirgends. Gut, damals ging es ja auch nur um eine Billion Euro, oder anders gesagt: 1000 Milliarden Euro - denn so viel Geld hatten die Deutschen zu diesem Zeitpunkt noch auf ihren Bankkonten liegen.

Aber schon damals befand sich Frau Merkel auf Augenhöhe mit Norbert Blüm, der sich mit dem Satz “die Rente ist sicher” im Poesiealbum der Nation verewigt hat und den Rentnergenerationen noch für lange Zeit das Wasser in die Augen treiben wird.

Zwischenzeitlich hat Frau Merkel nicht nur Norbert Blüm mit seiner sicheren Rente und Helmut Kohl mit seinen blühenden Landschaften hinter sich gelassen, sondern auch noch das Niveau von Walter Ulbricht erreicht, der eifrig bestritt, dass “jemand die Absicht habe, eine Mauer errichten zu wollen”.
Und als die Mauer dann errichtet war, sollte sie ja nur den Klassenfeind im Westen abhalten, damit der sich den bankrotten Arbeiter- und Bauernstaat nicht so einfach unter den Nagel reißen konnte. Es ist ja hinlänglich bekannt wie lange die Geschichte der bankrotten Lügenbarone aus dem Arbeiter- und Bauernstaat noch gut ging. Aus reinem Selbsterhaltungstrieb sollte man aber nicht vergessen, dass Frau Merkel in diesem System ihre Lehrjahre verbracht und offensichtlich nicht völlig lernresistent war.

Zwanzig Jahre nach dem Untergang der Deutschen Demokratischen Republik ist nun die Bundesrepublik Deutschland erfolgreich in den Bankrott gewirtschaftet. Nur diesmal wird es eben keinen Bruderstaat geben, der die wertlose Währung im Verhältnis 1:1 in Westmark umtauscht und dann jahrzehntelang die Schulden abbezahlt.
Durchaus berechtigt ist daher die Frage, wer denn zukünftig bankrotte Staaten rettet und für die Finanzierung des Rettungsschirms aufkommt.
Deshalb sollte man sehr genau hinhören wenn Frau Merkel erklärt, dass das Rettungspaket das Geld der Menschen schütze, denn offensichtlich ist das Geld der Menschen das Rettungspaket.

So wird das auch von den Kapitalmärkten gesehen, die die Besicherung des 750 Milliarden schweren Rettungsschirms mit den 1000 Milliarden Sparguthaben der deutschen Sparer und Sparerinnen als durchaus ausreichend erachten.
Die Gewinner stehen schon fest, wie die Börsenkurse der Deutschen Bank (+12%), der Commerzbank (+9%) und der Allianz (+8%) am ersten Tag nach Bekanntgabe der „guten Nachricht“ zeigen und sicher nur zufälligerweise sind es wieder einmal die gleichen Gewinner wie bei der Bankenrettung auf Kosten des Steuerzahlers.
Nicht so gut ging es dem noch amtierenden deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble, der es aus gesundheitlichen Gründen vorzogen hatte, sich nicht an dem historischen Ereignis der Bankrotterklärung Europas beteiligen zu wollen, wäre er doch der einzige Teilnehmer der illustren Runde von überschuldeten Finanzministern gewesen, der aus seiner Zeit als Verhandlungsführer der Bundesrepublik Deutschland für den Einigungsvertrag mit der bankrotten DDR bereits über einschlägige praktische Erfahrung bei der finalen Verwertung ganzer Volkswirtschaften verfügt.
Dass er nun, als Vertreter des größten europäischen Nettozahlers, angesichts seiner finanzpolitischen Vergesslichkeiten lieber im Hintergrund bleiben wollte ist durchaus verständlich. Zwar wäre er die ideale Visualisierung des bedauernswerten Zustandes bundesdeutscher Finanzlöcher und Schuldenberge, aber angesichts der Endzeitstimmung für den Euro auch ein schlechtes Signal an die Kapitalmärkte.
Mit ins Rennen geschickt hatte man statt dessen ausgerechnet den Staatsekretär Jörg Asmussen, der sein Verhandlungsgeschick und seine geballte finanzmathematische Kompetenz bereits mehrfach zu Gunsten des deutschen Steuerzahlers in die Waagschale geworfen hat.
So saß er nicht nur als Vertreter des Bundes im Aufsichtsrat der Mittelstandsbank IKB, die im Sommer 2007 vom Steuerzahler mit einigen Milliarden Euro vor dem finanziellen Kollaps gerettet werden musste, er war auch als Vertreter des Bundesministeriums für Finanzen im Verwaltungsrat der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) und wurde wie alle anderen aufsichtsführenden Personen von der Finanzkrise völlig überrascht. Dennoch war er an der “Schnürung” des Bankenrettungspaketes maßgeblich beteiligt und sitzt derzeit im Lenkungsausschuss des Bankenrettungsfonds SoFFin, im Verwaltungsrat der Finanzaufsichtsbehörde Bafin und im “Wirtschaftsfonds Deutschland”, der ohne jegliche parlamentarische Kontrolle über Staatsbürgschaften für Unternehmen entscheidet. Er ist lustigerweise auch noch eines von sechs Mitgliedern der Expertengruppe “Neue Finanzmarktarchitektur”, die Vorschläge für neue Finanzmarktregeln entwerfen soll, um eine Erhöhung der Transparenz an den Kapitalmärkten zu erreichen.
Doch die Kanzlerin ließ den umtriebigen Staatssekretär Asmussen bei den schwierigen Verhandlungen über die Zukunft des Euro und die Lastenverteilung zur Bewältigung der Finanzkrise natürlich nicht allein, sondern stellte ihm, da sie selbst bei den extrem wichtigen Feierlichkeiten zur Kapitulation des Deutschen Reiches vor 55 Jahren in Moskau weilen musste, einen ihrer engsten Vertrauten, den amtierenden Bundesinnenminister Thomas de Maizière zur Seite.
Wunderte man sich bisher über die Personalentscheidungen der Kanzlerin, die meist unter völliger Ignoranz der notwendigen Qualifikation erfolgten, so zeigt die Entscheidung Herrn
Thomas de Maizière zu den Verhandlungen über die Finanzierung des Rettungsschirms für Europa zu schicken, geradezu historisches Fingerspitzengefühl, denn Thomas de Maizière ist der

  • Bruder von Andreas de Maizière, einem ehemaligen Vorstand der Commerzbank AG, der im September 2005 zurücktreten musste, weil die Frankfurter Staatsanwaltschaft gegen ihn wegen illegaler Machenschaften ermittelte, bei denen im Zusammenhang mit der Privatisierung russischer Telekomfirmen Gelder abgezweigt und über Tarnfirmen, Treuhänder und Beteiligungen in Fonds geflossen, die als offene Anlegerfonds getarnt waren. Wie Untersuchungen des BAFin ergaben, konnte Ende 2005 der Geldwäsche-Verdacht nicht erhärtet werden. Ob der quirlige Herr Staatssekretär Asmussen zu diesem Zeitpunkt bereits im Verwaltungsrat dieser „Aufsichtsbehörde“ saß oder entsprechenden Einfluss hatte, darf durchaus gemutmaßt werden.
  • Vetter von Lothar de Maizière, dem letzten Ministerpräsidenten der untergegangenen DDR und der
  • Sohn von Ulrich de Maizière, dem vierten Generalinspekteur der Bundeswehr, der als Mitglied des Generalstab des deutschen Wehrmacht auch an den Lagevorträgen bei Adolf Hitler in der Berliner Reichskanzlei teilgenommen hatte und als die Wehrmacht am 8. Mai 1945 kapitulierte, den vor der sowjetischen Gefangennahme stehenden deutschen Soldaten den Kapitulationsbefehl und die Abschiedsgrüße der Heimat überbringen durfte.

Anhand eines derart hochkarätigen familiären Hintergrunds könnte man also durchaus zu dem Schluss kommen, dass die Bundesrepublik Deutschland bei den schwierigen Verhandlungen zur Rettung der Eurozone durch absolut untergangs- und kapitulationserfahrene Verhandlungsteilnehmer vertreten war.
Selbst chronische Kritiker und notorische Zweifler sollten aber berücksichtigen, dass das von den EU-Finanzministern beschlossene Rettungspaket noch vom Deutschen Bundestag „abgesegnet“ wurde, denn schließlich sind wir doch auch Papst und nicht nur eine selbst hochverschuldete Bananenrepublik.

Wir müssen deshalb auch nicht gleich nach dem Bundesverfassungsgericht rufen oder gar auf die Straße gehen, sondern es genügt völlig, weiterhin den “Segen des Herrn” zu erbitten und “vertrauensvoll in die Zukunft zu sehen”.
Auf dem Weg in die Arbeitslosigkeit, die Altersarmut und den Staatsbankrott kann daher ein fröhliches Lied auf den Lippen auch nicht schaden, auch wenn es schon einige Jahrzehnte alt ist:

Lieb Vaterland, magst ruhig sein,
die Großen zäunen ihren Wohlstand ein.
Die Armen warten mit leerer Hand,
lieb Vaterland!

Lieb Vaterland, wofür soll ich dir danken?
Für Versicherungspaläste oder Banken?
Atomkraftwerke für die teure Wehr
wo Schulen fehlen, Lehrer und noch mehr.

Konzerne dürfen maßlos sich entfalten,
im Dunkeln steh’n die Schwachen und die Alten.
Für Krankenhäuser fehlen dir Millionen,
doch das Geschäft mit Schwarzgeld scheint zu lohnen.

Bevor Sie in der Öffentlichkeit diesen Text von Udo Jürgen Bockelmann zur Melodie der deutschen Nationalhymne singen, sollten Sie unbedingt Ihren Anwalt kontaktieren. Der wird Ihnen sicher empfehlen, diesen Text nur zu summen und dabei zum Ausdruck ihrer politischen Abscheu die Faust in der Hosentasche zu ballen.

Machopan
(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 24. Mai 2010 um 05:45:32 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

8 Antworten zu “Rette sich wer kann”

  1. LAZARUS meint:

    Roland Koch hat uns einen Wink bzgl. des Termines des “grande finale” gegeben : IV / 2010 ! Der alte Holzfuchs will dann mit dem ganzen Katzenjammer nichts mehr zu tun haben und ist fein raus - wetten !?

  2. Machopan meint:

    Alte Seemannweisheit:
    Beim Katzenjammer sind die Ratten längst von Bord und nur gute Kaptitäne gehen mit ihrem Schiff unter. Die schlechten bleiben so lange wie möglich auf der Brücke und gehen dann rechtzeitig in die vorbereiteten Rettungsboote.

    Man darf gespannt sein, wer sich als Nächster in Sicherheit bringt.
    Schäuble?
    Natürlich aus “gesundheitlichen” Gründen.

  3. LAZARUS meint:

    Ja, mit dem Untergang ihrer Schiffe sind auch die guten Kapitäne leider ausgestorben. Die anderen, die sich auf die Brücke geschlichen haben, ignorieren, Kraft ihrer göttergleichen Aura-und/oder von den Göttern befohlen, den Rat der erfahrenen Lotsen und führen somit den Haien mit den nichts-ahnenden Passagieren an Bord ihres Seelenverkäufers garantiert reiche Beute zu.
    “Blödem Volke unverständlich, treiben wir des Lebens Spiel”. (Christian Morgenstern)

  4. Ego(ger)mane meint:

    Blödem Volke unverständlich KOCHt jeder sein Süppchen und SCHRAMMt dabei an. Masse, Energie und Geist treiben uns voran, die elementaren Bestandteile, drei Pyramiden, drei große Religionen, Speicher für die Ewigkeit. Jeder hat seinen unverzichtbaren Platz darin, nicht jeder kann Deckstein sein. Wo liegen Merkel, Koch, Schäuble?
    Finanzen sind Hobby der Juden und Schwaben, egon-w-kreutzer.de
    könnte als Finanzminister seine Theorie beweisen :)

  5. LAZARUS meint:

    Hi MAC !
    “Daß der Mensch nicht wisse, was morgen ist” (Bibel) … der BP hat’s hingeschmissen - wir haben uns beide verzockt.
    Während nun in den sog. öfftl.-rechtl. Medien über diesen Schritt gerätselt wir, nun hier, ganz exclusiv, die wahren Gründe: Der BP zeigt am eigenen Beispiel, wie es um die lt. GG “verankerten freien Meinungsäußerung” bestellt ist. Er reiht sich (als Mensch souverän) unter die Märtyrer, die auf diese Weise Karriere und gar Existenz auf’s Spiel gesetzt (und verloren) haben. Da aber der Artikel 5 in o.g. Medien unbekannt ist, wird man meine (einzig richtige ;-) Interpretation natürlich NIE über diese Kanäle erfahren.

  6. Machopan meint:

    Der Bundeshotte hat doch nicht wegen dem Interview über seine Sicht von Imperialismus hingeschmissen, sondern weil ihm nach seinem eigenmächtigen Abstecher zur Afghanistan-Truppe wohl klar geworden ist, dass ihn die Bundesregierung an der Nase herumgeführt, informell manipuliert und hinters Licht geführt hat, denn in Afghanistan IST KRIEG und davon hat er sich durch eigenen Augenschein kundig gemacht.
    Und dann ist ihm wohl klar geworden, dass man ihn nach dem gleichen Desinformationsschema auch bei den Schnellgesetzen zur Griechenland- und Euro-Rettung über den Tisch gezogen hat.

    Das war zuviel für das Weichei Köhler und seine Frau und statt der Bundesangela jetzt zu zeigen was eine Harke ist, hat er es vorgezogen ihr sein Amt, mit sofortiger Wirkung, vor die Füße zu werfen.
    Jetzt wird eben eine andere Lusche in dieses Amt entsorgt, wenn man die Liste der Kandidaten sieht, die von Koch über Rüttgers,Stoiber und Schäuble bis zu Simonis reicht, dann weiß man wie die Apokalyptischen Reiter aussehen.
    Auch gibt es keinen Grund die Amtszeit von Horst Köhler zu glorifizieren, denn er war der brave Präsident seiner Kanzlerin, der in Gewissensnöten letztendlich immer den Weg des geringsten Widerstandes gegangen ist.
    Jetzt wurden die Gewissensnöte wohl zu groß. Das ehrt zwar den Menschen Köhler, zeigt aber welch kleines Licht dieser “Staatsmann” eigentlich ist. Statt sich der Bundesregierung mit all seiner Macht in den Weg zu stellen, zieht er nun den Schwanz ein und sucht wehleidig die Wunden leckend das Weite.
    Seine Unterschriften unter die “Notstandsgesetze und Bankrotterklärungen” der Bundesregierung kann er damit aber nicht zurücknehmen. Statt diesem beleidigten Rücktritt mit sofortiger Wirkung, wäre eine Strafanzeige gegen die Bundesregierung wegen Täuschung und Manipulation eines Verfassungsorgans viel wirksamer gewesen. Aber die Eier hatte der Bundesköhler nicht! Daher - der nächste Herr, dieselbe Dame. Einer geht doch noch!

  7. Depp_1 meint:

    Weshalb zerfallen große Reiche, große Konzerne usw. Gilt das Periodensystem auch hier?
    Der Euro ist eine Bindekraft, aber reicht die? H sind Singles, H2O Familien, geschlossene Geheimgesellschaften Edelgase und beständig.
    http://www.kernfragen.de/kernfragen/physik/09-Zerfallszeit/9-6-Zusammenfassung.php

  8. Kätzchen meint:

    Leider gibt`s hier schon lange keine Updates mehr. Rentner? PlayStore für Android ist da schneller, leider auch nachher
    der Akku schneller leer. Also Gerät mal komplett abschalten, dann klappt das wieder. Warum? IQ befragen, falls vorhanden.
    MfG Miau

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Rette sich wer kann

24. Mai 2010 05:45

Lieber Freund

Wie man das von den EU-Finanzministern hastig zusammengeschusterte Flickwerk über 750 Milliarden Euro zur Rettung bankrotter Länder der Europäischen Union auch immer nennen mag, die Bundeskanzlerin Angela Merkel sagt es “schütze das Geld der Menschen”, „die getroffene Maßnahme sei “alternativlos” und “notwendig um die Zukunft des Euro zu sichern”.

Man ist von dieser Frau in der Zwischenzeit ja schon einiges gewöhnt, aber es ist doch immer wieder erstaunlich, wie sie mit wenigen Sätzen einen Haufen Schwachsinn in Worte fassen und mit jedem einzelnen Wort mindestens zwei Lügen erzählen kann.
Doch gelernt ist halt gelernt und Übung macht den Meister, denn es ist noch gar nicht so lange her, dass sie im Oktober 2008 zusammen mit ihrem damaligen Finanzminister Peer Steinbrück vor die Mikrofone trat und den Sparern und Sparerinnen vollmundig verkündete “ihre Einlagen sicher sind. Dafür steht die Bundesregierung ein.” Und Steinbrück betonte: “Ich möchte gerne unterstreichen, dass in der Tat in der gemeinsamen Verantwortung, die wir in der Bundesregierung fühlen, wir dafür Sorge tragen wollen, dass die Sparerinnen und Sparer in Deutschland nicht befürchten müssen einen Euro ihrer Einlagen zu verlieren.”

Die Sparer und Sparerinnen mussten sich allerdings gutgläubig auf dieses Versprechen verlassen, denn in Windeseile gesetzlich festgeschrieben wie die Bankenhilfe, wurde diese “Staatsgarantie für den kleinen Sparer” natürlich nirgends. Gut, damals ging es ja auch nur um eine Billion Euro, oder anders gesagt: 1000 Milliarden Euro - denn so viel Geld hatten die Deutschen zu diesem Zeitpunkt noch auf ihren Bankkonten liegen.

Aber schon damals befand sich Frau Merkel auf Augenhöhe mit Norbert Blüm, der sich mit dem Satz “die Rente ist sicher” im Poesiealbum der Nation verewigt hat und den Rentnergenerationen noch für lange Zeit das Wasser in die Augen treiben wird.

Zwischenzeitlich hat Frau Merkel nicht nur Norbert Blüm mit seiner sicheren Rente und Helmut Kohl mit seinen blühenden Landschaften hinter sich gelassen, sondern auch noch das Niveau von Walter Ulbricht erreicht, der eifrig bestritt, dass “jemand die Absicht habe, eine Mauer errichten zu wollen”.
Und als die Mauer dann errichtet war, sollte sie ja nur den Klassenfeind im Westen abhalten, damit der sich den bankrotten Arbeiter- und Bauernstaat nicht so einfach unter den Nagel reißen konnte. Es ist ja hinlänglich bekannt wie lange die Geschichte der bankrotten Lügenbarone aus dem Arbeiter- und Bauernstaat noch gut ging. Aus reinem Selbsterhaltungstrieb sollte man aber nicht vergessen, dass Frau Merkel in diesem System ihre Lehrjahre verbracht und offensichtlich nicht völlig lernresistent war.

Zwanzig Jahre nach dem Untergang der Deutschen Demokratischen Republik ist nun die Bundesrepublik Deutschland erfolgreich in den Bankrott gewirtschaftet. Nur diesmal wird es eben keinen Bruderstaat geben, der die wertlose Währung im Verhältnis 1:1 in Westmark umtauscht und dann jahrzehntelang die Schulden abbezahlt.
Durchaus berechtigt ist daher die Frage, wer denn zukünftig bankrotte Staaten rettet und für die Finanzierung des Rettungsschirms aufkommt.
Deshalb sollte man sehr genau hinhören wenn Frau Merkel erklärt, dass das Rettungspaket das Geld der Menschen schütze, denn offensichtlich ist das Geld der Menschen das Rettungspaket.

So wird das auch von den Kapitalmärkten gesehen, die die Besicherung des 750 Milliarden schweren Rettungsschirms mit den 1000 Milliarden Sparguthaben der deutschen Sparer und Sparerinnen als durchaus ausreichend erachten.
Die Gewinner stehen schon fest, wie die Börsenkurse der Deutschen Bank (+12%), der Commerzbank (+9%) und der Allianz (+8%) am ersten Tag nach Bekanntgabe der „guten Nachricht“ zeigen und sicher nur zufälligerweise sind es wieder einmal die gleichen Gewinner wie bei der Bankenrettung auf Kosten des Steuerzahlers.
Nicht so gut ging es dem noch amtierenden deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble, der es aus gesundheitlichen Gründen vorzogen hatte, sich nicht an dem historischen Ereignis der Bankrotterklärung Europas beteiligen zu wollen, wäre er doch der einzige Teilnehmer der illustren Runde von überschuldeten Finanzministern gewesen, der aus seiner Zeit als Verhandlungsführer der Bundesrepublik Deutschland für den Einigungsvertrag mit der bankrotten DDR bereits über einschlägige praktische Erfahrung bei der finalen Verwertung ganzer Volkswirtschaften verfügt.
Dass er nun, als Vertreter des größten europäischen Nettozahlers, angesichts seiner finanzpolitischen Vergesslichkeiten lieber im Hintergrund bleiben wollte ist durchaus verständlich. Zwar wäre er die ideale Visualisierung des bedauernswerten Zustandes bundesdeutscher Finanzlöcher und Schuldenberge, aber angesichts der Endzeitstimmung für den Euro auch ein schlechtes Signal an die Kapitalmärkte.
Mit ins Rennen geschickt hatte man statt dessen ausgerechnet den Staatsekretär Jörg Asmussen, der sein Verhandlungsgeschick und seine geballte finanzmathematische Kompetenz bereits mehrfach zu Gunsten des deutschen Steuerzahlers in die Waagschale geworfen hat.
So saß er nicht nur als Vertreter des Bundes im Aufsichtsrat der Mittelstandsbank IKB, die im Sommer 2007 vom Steuerzahler mit einigen Milliarden Euro vor dem finanziellen Kollaps gerettet werden musste, er war auch als Vertreter des Bundesministeriums für Finanzen im Verwaltungsrat der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) und wurde wie alle anderen aufsichtsführenden Personen von der Finanzkrise völlig überrascht. Dennoch war er an der “Schnürung” des Bankenrettungspaketes maßgeblich beteiligt und sitzt derzeit im Lenkungsausschuss des Bankenrettungsfonds SoFFin, im Verwaltungsrat der Finanzaufsichtsbehörde Bafin und im “Wirtschaftsfonds Deutschland”, der ohne jegliche parlamentarische Kontrolle über Staatsbürgschaften für Unternehmen entscheidet. Er ist lustigerweise auch noch eines von sechs Mitgliedern der Expertengruppe “Neue Finanzmarktarchitektur”, die Vorschläge für neue Finanzmarktregeln entwerfen soll, um eine Erhöhung der Transparenz an den Kapitalmärkten zu erreichen.
Doch die Kanzlerin ließ den umtriebigen Staatssekretär Asmussen bei den schwierigen Verhandlungen über die Zukunft des Euro und die Lastenverteilung zur Bewältigung der Finanzkrise natürlich nicht allein, sondern stellte ihm, da sie selbst bei den extrem wichtigen Feierlichkeiten zur Kapitulation des Deutschen Reiches vor 55 Jahren in Moskau weilen musste, einen ihrer engsten Vertrauten, den amtierenden Bundesinnenminister Thomas de Maizière zur Seite.
Wunderte man sich bisher über die Personalentscheidungen der Kanzlerin, die meist unter völliger Ignoranz der notwendigen Qualifikation erfolgten, so zeigt die Entscheidung Herrn
Thomas de Maizière zu den Verhandlungen über die Finanzierung des Rettungsschirms für Europa zu schicken, geradezu historisches Fingerspitzengefühl, denn Thomas de Maizière ist der

  • Bruder von Andreas de Maizière, einem ehemaligen Vorstand der Commerzbank AG, der im September 2005 zurücktreten musste, weil die Frankfurter Staatsanwaltschaft gegen ihn wegen illegaler Machenschaften ermittelte, bei denen im Zusammenhang mit der Privatisierung russischer Telekomfirmen Gelder abgezweigt und über Tarnfirmen, Treuhänder und Beteiligungen in Fonds geflossen, die als offene Anlegerfonds getarnt waren. Wie Untersuchungen des BAFin ergaben, konnte Ende 2005 der Geldwäsche-Verdacht nicht erhärtet werden. Ob der quirlige Herr Staatssekretär Asmussen zu diesem Zeitpunkt bereits im Verwaltungsrat dieser „Aufsichtsbehörde“ saß oder entsprechenden Einfluss hatte, darf durchaus gemutmaßt werden.
  • Vetter von Lothar de Maizière, dem letzten Ministerpräsidenten der untergegangenen DDR und der
  • Sohn von Ulrich de Maizière, dem vierten Generalinspekteur der Bundeswehr, der als Mitglied des Generalstab des deutschen Wehrmacht auch an den Lagevorträgen bei Adolf Hitler in der Berliner Reichskanzlei teilgenommen hatte und als die Wehrmacht am 8. Mai 1945 kapitulierte, den vor der sowjetischen Gefangennahme stehenden deutschen Soldaten den Kapitulationsbefehl und die Abschiedsgrüße der Heimat überbringen durfte.

Anhand eines derart hochkarätigen familiären Hintergrunds könnte man also durchaus zu dem Schluss kommen, dass die Bundesrepublik Deutschland bei den schwierigen Verhandlungen zur Rettung der Eurozone durch absolut untergangs- und kapitulationserfahrene Verhandlungsteilnehmer vertreten war.
Selbst chronische Kritiker und notorische Zweifler sollten aber berücksichtigen, dass das von den EU-Finanzministern beschlossene Rettungspaket noch vom Deutschen Bundestag „abgesegnet“ wurde, denn schließlich sind wir doch auch Papst und nicht nur eine selbst hochverschuldete Bananenrepublik.

Wir müssen deshalb auch nicht gleich nach dem Bundesverfassungsgericht rufen oder gar auf die Straße gehen, sondern es genügt völlig, weiterhin den “Segen des Herrn” zu erbitten und “vertrauensvoll in die Zukunft zu sehen”.
Auf dem Weg in die Arbeitslosigkeit, die Altersarmut und den Staatsbankrott kann daher ein fröhliches Lied auf den Lippen auch nicht schaden, auch wenn es schon einige Jahrzehnte alt ist:

Lieb Vaterland, magst ruhig sein,
die Großen zäunen ihren Wohlstand ein.
Die Armen warten mit leerer Hand,
lieb Vaterland!

Lieb Vaterland, wofür soll ich dir danken?
Für Versicherungspaläste oder Banken?
Atomkraftwerke für die teure Wehr
wo Schulen fehlen, Lehrer und noch mehr.

Konzerne dürfen maßlos sich entfalten,
im Dunkeln steh’n die Schwachen und die Alten.
Für Krankenhäuser fehlen dir Millionen,
doch das Geschäft mit Schwarzgeld scheint zu lohnen.

Bevor Sie in der Öffentlichkeit diesen Text von Udo Jürgen Bockelmann zur Melodie der deutschen Nationalhymne singen, sollten Sie unbedingt Ihren Anwalt kontaktieren. Der wird Ihnen sicher empfehlen, diesen Text nur zu summen und dabei zum Ausdruck ihrer politischen Abscheu die Faust in der Hosentasche zu ballen.

Machopan
(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 24. Mai 2010 um 05:45:32 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

8 Antworten zu “Rette sich wer kann”

  1. LAZARUS meint:

    Roland Koch hat uns einen Wink bzgl. des Termines des “grande finale” gegeben : IV / 2010 ! Der alte Holzfuchs will dann mit dem ganzen Katzenjammer nichts mehr zu tun haben und ist fein raus - wetten !?

  2. Machopan meint:

    Alte Seemannweisheit:
    Beim Katzenjammer sind die Ratten längst von Bord und nur gute Kaptitäne gehen mit ihrem Schiff unter. Die schlechten bleiben so lange wie möglich auf der Brücke und gehen dann rechtzeitig in die vorbereiteten Rettungsboote.

    Man darf gespannt sein, wer sich als Nächster in Sicherheit bringt.
    Schäuble?
    Natürlich aus “gesundheitlichen” Gründen.

  3. LAZARUS meint:

    Ja, mit dem Untergang ihrer Schiffe sind auch die guten Kapitäne leider ausgestorben. Die anderen, die sich auf die Brücke geschlichen haben, ignorieren, Kraft ihrer göttergleichen Aura-und/oder von den Göttern befohlen, den Rat der erfahrenen Lotsen und führen somit den Haien mit den nichts-ahnenden Passagieren an Bord ihres Seelenverkäufers garantiert reiche Beute zu.
    “Blödem Volke unverständlich, treiben wir des Lebens Spiel”. (Christian Morgenstern)

  4. Ego(ger)mane meint:

    Blödem Volke unverständlich KOCHt jeder sein Süppchen und SCHRAMMt dabei an. Masse, Energie und Geist treiben uns voran, die elementaren Bestandteile, drei Pyramiden, drei große Religionen, Speicher für die Ewigkeit. Jeder hat seinen unverzichtbaren Platz darin, nicht jeder kann Deckstein sein. Wo liegen Merkel, Koch, Schäuble?
    Finanzen sind Hobby der Juden und Schwaben, egon-w-kreutzer.de
    könnte als Finanzminister seine Theorie beweisen :)

  5. LAZARUS meint:

    Hi MAC !
    “Daß der Mensch nicht wisse, was morgen ist” (Bibel) … der BP hat’s hingeschmissen - wir haben uns beide verzockt.
    Während nun in den sog. öfftl.-rechtl. Medien über diesen Schritt gerätselt wir, nun hier, ganz exclusiv, die wahren Gründe: Der BP zeigt am eigenen Beispiel, wie es um die lt. GG “verankerten freien Meinungsäußerung” bestellt ist. Er reiht sich (als Mensch souverän) unter die Märtyrer, die auf diese Weise Karriere und gar Existenz auf’s Spiel gesetzt (und verloren) haben. Da aber der Artikel 5 in o.g. Medien unbekannt ist, wird man meine (einzig richtige ;-) Interpretation natürlich NIE über diese Kanäle erfahren.

  6. Machopan meint:

    Der Bundeshotte hat doch nicht wegen dem Interview über seine Sicht von Imperialismus hingeschmissen, sondern weil ihm nach seinem eigenmächtigen Abstecher zur Afghanistan-Truppe wohl klar geworden ist, dass ihn die Bundesregierung an der Nase herumgeführt, informell manipuliert und hinters Licht geführt hat, denn in Afghanistan IST KRIEG und davon hat er sich durch eigenen Augenschein kundig gemacht.
    Und dann ist ihm wohl klar geworden, dass man ihn nach dem gleichen Desinformationsschema auch bei den Schnellgesetzen zur Griechenland- und Euro-Rettung über den Tisch gezogen hat.

    Das war zuviel für das Weichei Köhler und seine Frau und statt der Bundesangela jetzt zu zeigen was eine Harke ist, hat er es vorgezogen ihr sein Amt, mit sofortiger Wirkung, vor die Füße zu werfen.
    Jetzt wird eben eine andere Lusche in dieses Amt entsorgt, wenn man die Liste der Kandidaten sieht, die von Koch über Rüttgers,Stoiber und Schäuble bis zu Simonis reicht, dann weiß man wie die Apokalyptischen Reiter aussehen.
    Auch gibt es keinen Grund die Amtszeit von Horst Köhler zu glorifizieren, denn er war der brave Präsident seiner Kanzlerin, der in Gewissensnöten letztendlich immer den Weg des geringsten Widerstandes gegangen ist.
    Jetzt wurden die Gewissensnöte wohl zu groß. Das ehrt zwar den Menschen Köhler, zeigt aber welch kleines Licht dieser “Staatsmann” eigentlich ist. Statt sich der Bundesregierung mit all seiner Macht in den Weg zu stellen, zieht er nun den Schwanz ein und sucht wehleidig die Wunden leckend das Weite.
    Seine Unterschriften unter die “Notstandsgesetze und Bankrotterklärungen” der Bundesregierung kann er damit aber nicht zurücknehmen. Statt diesem beleidigten Rücktritt mit sofortiger Wirkung, wäre eine Strafanzeige gegen die Bundesregierung wegen Täuschung und Manipulation eines Verfassungsorgans viel wirksamer gewesen. Aber die Eier hatte der Bundesköhler nicht! Daher - der nächste Herr, dieselbe Dame. Einer geht doch noch!

  7. Depp_1 meint:

    Weshalb zerfallen große Reiche, große Konzerne usw. Gilt das Periodensystem auch hier?
    Der Euro ist eine Bindekraft, aber reicht die? H sind Singles, H2O Familien, geschlossene Geheimgesellschaften Edelgase und beständig.
    http://www.kernfragen.de/kernfragen/physik/09-Zerfallszeit/9-6-Zusammenfassung.php

  8. Kätzchen meint:

    Leider gibt`s hier schon lange keine Updates mehr. Rentner? PlayStore für Android ist da schneller, leider auch nachher
    der Akku schneller leer. Also Gerät mal komplett abschalten, dann klappt das wieder. Warum? IQ befragen, falls vorhanden.
    MfG Miau

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