Der neunte Präsident

4. Juni 2010 05:45

Lieber Freund

„Der Horst schmeißt hin“, titelte die Süddeutsche am 1. Juni 2010 und brachte damit den Sachverhalt mit knappen Worten auf den Punkt.
Seit dem wird von Politik, Medien und Volk darüber diskutiert, der Amtsrücktritt interpretiert, kommentiert, kritisiert und eifrig über eine Person für die Nachfolge spekuliert.

Dabei geht die Frage, warum ein Mann einem Volk die Verantwortung für das höchste Amt im Land mit sofortiger Wirkung vor die Füße schmeißt, fast völlig unter.
Besonders vor dem Hintergrund, dass sich dieser Mann vor fast genau einem Jahr für eine weitere Amtsperiode zur Verfügung gestellt und die Wahl freudestrahlend angenommen hat, ist das eigentlich unverständlich, denn in diesem Jahr muss etwas geschehen sein, das dem Amtsinhaber einen weiteren Verbleib im Amt, aus welchen Gründen auch immer, unmöglich gemacht hat.
Was immer es auch war, die Kritik an seinen Äußerungen zur militärischen Absicherung und Durchsetzung wirtschaftpolitischer Interessen war es ganz sicher nicht, kommt doch diese Kritik exakt aus den Reihen deren, die den Einsatz von Militär zum festen Bestandteil bundesdeutscher Außenpolitik gemacht haben und denen bislang kein Argument zu fadenscheinig war um diese Militäraktionen an den Regelwerken des Grundgesetzes vorbeizumogeln.

Sieht man sich die Diskussion über Köhlers Rücktritt in den Medien und den Internetforen an, dann fällt auf, dass sich zwei dominierende und in etwa gleich große Meinungen gegenüberstehen. Die Einen sehen den Rücktritt als konsequente Handlung eines seinem Gewissen verpflichteten Ehrenmannes, der zu seinen Grundsätzen steht. Die Anderen, als eine unverständliche Kurzschlusshandlung eines dünnhäutigen Nichtpolitikers, der vor den Anforderungen seines Amtes leichtfertig kapituliert und sich hastig aus dem Staub macht.

Ist Horst Köhler also ein Mann, der im fünften Jahr seines Amtes kläglich versagt oder ein Mann, für den im fünften Jahr seiner Amtszeit das Maß des Erträglichen endgültig voll ist?

Während die Politik sich daran macht, den Nachfolger auszubaldowern und das höchste Amt im Staate mit parteitaktischen Hütchenspielen binnen 30 Tagen mehr schädigt, als es jemals ein Amtsinhaber in seiner ganzen Amtszeit schaffen würde, lohnt sich die Frage nach den Beweggründen von Horst Köhler.

Warum ist Horst Köhler, in enger Abstimmung mit seiner Mentorin, der Bundeskanzlerin, wegen Amtsmüdigkeit nicht einfach „aus gesundheitlichen Gründen“ zurückgetreten?
Warum hat Horst Köhler stattdessen der Bundesrepublik Deutschland und der Bundesregierung das höchste Amt im Staat „mit sofortiger Wirkung“ vor die Füße geschmissen?
Denn da gibt es nichts zu beschönigen.
Das war ein Affront, ein Basta, ein Schlussstrich.
Das war eine fristlose Kündigung!

Und wie man aus der Realwirtschaft weiß, gehen derartigen Kündigungen meist Ereignisse voraus, die zu einem Zerfall von Beziehungsnetzwerken, einer Zerstörung von Gemeinsamkeiten, wachsendem Argwohn und zerstörtem Vertrauen führen.
Was aber hat bei Horst Köhler diese Situation ausgelöst?
Was könnte das Vertrauen von Horst Köhler so nachhaltig zerstört haben, dass er sich zu diesem Schritt veranlasst sah?

Die Antwort liegt in den letzten 365 Tagen seiner Amtszeit und man braucht nur vom Rücktritt am 31. Mai 2010 bis zu seiner Wiederwahl am 23. Mai 2009 zurückzugehen um die wahren Gründe zu finden.
Zum Einen findet man dort, in zeitlicher Nähe zu seinem überraschenden Rücktritt, den eigenmächtigen Blitzbesuch bei den bundesdeutschen Truppen in Afghanistan, von dem er die Erkenntnis mit nach Hause nehmen musste, dass die dort stationierten Soldaten ihm nicht versichern wollten, dass sie an ein siegreiches Ende dieses „umgangssprachlichen“ Krieges glauben.
Wer die Bildberichterstattung von diesem Truppenbesuch gesehen hat, wird sich sicher noch an den überraschten Gesichtsausdruck des Bundespräsidenten erinnern, der wie erleichtert wirkte, als ihm stattdessen ein US-amerikanischer Presseoffizier versicherte: „I think we can win this“.

Auf dem Rückflug in die Heimat gab Köhler noch ein Interview, in dem er die Einsatz militärischer Mittel zur Durchsetzung wirtschaftspolitischer Interessen für angemessen bezeichnete. Indirekt verteidigte er damit noch die Haltung diverser Bundesregierungen, die mit anderer Wortwahl die Durchführung von Missionen zur Verteidigung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland für unbedingt notwendig erachten und zwischenzeitlich auf alles schießen lassen, was sich in den Schurkenstaaten in irgendeiner Form noch ungefragt bewegt.
Es ist noch gar nicht lange her, da hat diese kollektive Lügerei, den Bundesverteidigungsminister Jung das Amt gekostet. Im Prinzip hat sich an der Lage in Afghanistan nichts geändert, man muss eher von einer Verschlechterung sprechen, nur der neue Verteidigungsminister verbiegt die Wahrheit in der Öffentlichkeit eben etwas wortgewandter als sein Amtsvorgänger.

Nun ist es ja allgemein nicht üblich, dass sich hochrangige Führungspersönlichkeiten überraschend vor Ort durch eigenen Augenschein sachkundig machen, sind doch Wissen und Sachkunde tragende Teile des Strickes an dem man aufgehängt werden könnte, während völlige Unkenntnis und Unfähigkeit vor Strafe schützen.
Sicher ist meist auch, dass derartige Überraschungsbesuche zu anderen Erkenntnissen führen, als offizielle, vom Protokoll sorgfältig bis ins kleinste Detail vorgeplante Besuche mit eigens ausgewählten Gesprächspartnern.
Man darf daher getrost annehmen, dass der Bundespräsident nach seiner Rückkehr einige Dinge zur Lage in Afghanistan hinterfragt und als militärischer Laie zu dem Schluss gekommen sein mag, dass es zwischen der offiziellen Hofberichterstattung und der Realität vor Ort erhebliche Unterschiede gibt.

Und wenn man nun das gleiche Maß an Schönfärberei und Desinformation auf die, teilweise im Eilverfahren, vom Bundespräsidenten unterzeichneten Gesetze zur Rettung des Euro, zur Rettung Griechenlands, zur Rettung der Banken und auf die Verträge zur Einheit Europas überträgt, dann kann selbst einem blauäugigen und gutgläubigen Bundespräsidenten klar werden, dass er benützt und manipuliert wurde und was er mit seinen Unterschriften unter derartige Machwerke angerichtet hat.

Den Ausgang des Krieges in Afghanistan kann er als militärischer Laie nicht beurteilen, aber die Auswirkungen der Rettungsgesetze sind ihm als gelerntem Ökonomen, ehemaligen Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, ehemaligen Präsident den Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, ehemaligen Leiter der Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) und ehemaligem Geschäftsführenden Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF) völlig klar.

Man kann Horst Köhler vieles vorwerfen, aber selbst seine stärksten Kritiker können ihm kein unehrliches Verhalten oder gar Lüge nachsagen. Das zumindest unterscheidet ihn wohltuend von der politischen Elite der Bundesrepublik Deutschland.
Wie also wird ein Gutmensch wie Horst Köhler reagieren, wenn er erkennen muss, dass er mit Wissen und Duldung seiner vermeintlichen Freundin Angela Merkel hinters Licht geführt und skrupellos missbraucht wurde?
Er schmeißt hin, mit sofortiger Wirkung!

Was also weiß Horst Köhler?
Sicher ist, dass er mehr weiß, als Otto Normalverbraucher.
Sicher ist auch, dass er mehr weiß, als die meisten Bürger jemals aus den Medien erfahren werden.
Sicher ist auch, dass die Auswirkungen dieses Wissens so schlimm sein werden, dass Horst Köhler dafür nicht die Verantwortung übernehmen kann, sein Amt als Präsident der Bundesrepublik Deutschland mit sofortiger Wirkung niederlegt und die Bürger dieses Landes, an deren Achtung ihm immer so viel gelegen war, in der größten Krise nach dem Zweiten Weltkrieg schnöde im Stich lässt.

Und niemand fragt warum!
Statt dessen schauen alle gebannt dem Hütchenspiel der Bundesregierung unter Angela Merkel zu und beteiligen sich brav an der Diskussion um den zehnten Präsidenten der Bundesrepublik Deutschland.

Als im März 1999 der damalige Bundesfinanzminister Oskar Lafontaine nach nur fünfmonatiger Amtszeit seinem Parteifreund und Bundeskanzler Gerhard Schröder die Freundschaft kündigte und von all seinen Ämtern zurücktrat, hat auch niemand an Agenda 2010, Hartz4, Sozialabbau, Langzeitarbeitslosigkeit, Bildungsnotstand, Staatsbankrott und eine „Linke“ gedacht.

In 10 Jahren wissen wir sicher, an welchen „alternativlosen Maßnahmen und Rettungsaktionen“ sich der neunte Präsident nicht beteiligen wollte.

Machopan
(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 4. Juni 2010 um 05:45:16 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik, Gesellschaft | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

3 Antworten zu “Der neunte Präsident”

  1. LAZARUS meint:

    >>Störe meine Kreise nicht …..

  2. LAZARUS meint:

    „Störe meine Kreise nicht ………!“ Ist Nr. 9 vor den Risiken eigenmächtigen Beharrens auf spezielle Landeanflüge am Beispiel eines Lech K. gewarnt worden ? Oder dem völlig unkalkulierbaren Fahrverhalten von Hi-Tec-Hochsicherheits-Limousinen, wie der des Jörg H. ?
    Ist Schloß Bellevue gar zur Solitude mutiert, wo man, abgeschnitten von jeglicher Information, ein Eremitendasein fristen muß ?!
    Daß H.K. vor der fatalen Unterschrift unter das Ratten-Paket keinen Meinungsaustausch mit wirklichen Finanzexperten hatte (z.B. Sinn EZB), ist nicht glaubwürdig. Vielmehr, so mag man vermuten, war das ein weiterer - letzter - Akt wider besseren (Ge?)Wissens.
    Über die nachgewiesene Wirkung eines Gold-Rettungsschirmes beim Ansetzen des freien Falles der Papierwährungen dürfte sich H.K. auch im Klaren sein. Auch darüber, daß die Frage nach den (Wohl-)Befinden der physischen Goldreserven der Deutschen Bundesbank im Sande verläuft, und der Fragesteller folglich in der Wüste landet ….

  3. Schitzo meint:

    Köhler hin, Köhler her, Geld kann man nicht essen.
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,699013,00.html
    Monsato steht schon in der Bibel, Mose 1, Kap. 47 und gegen die Plagen von Mose 2, Kap. 9 gibt´s ja Tamiflu :-) Wir werden so richtig verwöhnt. Und unsere Wissenschaftler sind sehr weise (sofern nicht von BP), Samenbank im ewigen Eis, die Arche Noah.
    Übrigens ist es Ironie des Schicksals, daß teurer Krieg um Erdöl geführt wird, und wenn man es dann kostenlos an den Strand gespült bekommt, will man es nicht.

Eine Nachricht hinterlassen

*Notwendig
*Notwendig (wird nicht veröffentlicht)
 

Der neunte Präsident

4. Juni 2010 05:45

Lieber Freund

„Der Horst schmeißt hin“, titelte die Süddeutsche am 1. Juni 2010 und brachte damit den Sachverhalt mit knappen Worten auf den Punkt.
Seit dem wird von Politik, Medien und Volk darüber diskutiert, der Amtsrücktritt interpretiert, kommentiert, kritisiert und eifrig über eine Person für die Nachfolge spekuliert.

Dabei geht die Frage, warum ein Mann einem Volk die Verantwortung für das höchste Amt im Land mit sofortiger Wirkung vor die Füße schmeißt, fast völlig unter.
Besonders vor dem Hintergrund, dass sich dieser Mann vor fast genau einem Jahr für eine weitere Amtsperiode zur Verfügung gestellt und die Wahl freudestrahlend angenommen hat, ist das eigentlich unverständlich, denn in diesem Jahr muss etwas geschehen sein, das dem Amtsinhaber einen weiteren Verbleib im Amt, aus welchen Gründen auch immer, unmöglich gemacht hat.
Was immer es auch war, die Kritik an seinen Äußerungen zur militärischen Absicherung und Durchsetzung wirtschaftpolitischer Interessen war es ganz sicher nicht, kommt doch diese Kritik exakt aus den Reihen deren, die den Einsatz von Militär zum festen Bestandteil bundesdeutscher Außenpolitik gemacht haben und denen bislang kein Argument zu fadenscheinig war um diese Militäraktionen an den Regelwerken des Grundgesetzes vorbeizumogeln.

Sieht man sich die Diskussion über Köhlers Rücktritt in den Medien und den Internetforen an, dann fällt auf, dass sich zwei dominierende und in etwa gleich große Meinungen gegenüberstehen. Die Einen sehen den Rücktritt als konsequente Handlung eines seinem Gewissen verpflichteten Ehrenmannes, der zu seinen Grundsätzen steht. Die Anderen, als eine unverständliche Kurzschlusshandlung eines dünnhäutigen Nichtpolitikers, der vor den Anforderungen seines Amtes leichtfertig kapituliert und sich hastig aus dem Staub macht.

Ist Horst Köhler also ein Mann, der im fünften Jahr seines Amtes kläglich versagt oder ein Mann, für den im fünften Jahr seiner Amtszeit das Maß des Erträglichen endgültig voll ist?

Während die Politik sich daran macht, den Nachfolger auszubaldowern und das höchste Amt im Staate mit parteitaktischen Hütchenspielen binnen 30 Tagen mehr schädigt, als es jemals ein Amtsinhaber in seiner ganzen Amtszeit schaffen würde, lohnt sich die Frage nach den Beweggründen von Horst Köhler.

Warum ist Horst Köhler, in enger Abstimmung mit seiner Mentorin, der Bundeskanzlerin, wegen Amtsmüdigkeit nicht einfach „aus gesundheitlichen Gründen“ zurückgetreten?
Warum hat Horst Köhler stattdessen der Bundesrepublik Deutschland und der Bundesregierung das höchste Amt im Staat „mit sofortiger Wirkung“ vor die Füße geschmissen?
Denn da gibt es nichts zu beschönigen.
Das war ein Affront, ein Basta, ein Schlussstrich.
Das war eine fristlose Kündigung!

Und wie man aus der Realwirtschaft weiß, gehen derartigen Kündigungen meist Ereignisse voraus, die zu einem Zerfall von Beziehungsnetzwerken, einer Zerstörung von Gemeinsamkeiten, wachsendem Argwohn und zerstörtem Vertrauen führen.
Was aber hat bei Horst Köhler diese Situation ausgelöst?
Was könnte das Vertrauen von Horst Köhler so nachhaltig zerstört haben, dass er sich zu diesem Schritt veranlasst sah?

Die Antwort liegt in den letzten 365 Tagen seiner Amtszeit und man braucht nur vom Rücktritt am 31. Mai 2010 bis zu seiner Wiederwahl am 23. Mai 2009 zurückzugehen um die wahren Gründe zu finden.
Zum Einen findet man dort, in zeitlicher Nähe zu seinem überraschenden Rücktritt, den eigenmächtigen Blitzbesuch bei den bundesdeutschen Truppen in Afghanistan, von dem er die Erkenntnis mit nach Hause nehmen musste, dass die dort stationierten Soldaten ihm nicht versichern wollten, dass sie an ein siegreiches Ende dieses „umgangssprachlichen“ Krieges glauben.
Wer die Bildberichterstattung von diesem Truppenbesuch gesehen hat, wird sich sicher noch an den überraschten Gesichtsausdruck des Bundespräsidenten erinnern, der wie erleichtert wirkte, als ihm stattdessen ein US-amerikanischer Presseoffizier versicherte: „I think we can win this“.

Auf dem Rückflug in die Heimat gab Köhler noch ein Interview, in dem er die Einsatz militärischer Mittel zur Durchsetzung wirtschaftspolitischer Interessen für angemessen bezeichnete. Indirekt verteidigte er damit noch die Haltung diverser Bundesregierungen, die mit anderer Wortwahl die Durchführung von Missionen zur Verteidigung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland für unbedingt notwendig erachten und zwischenzeitlich auf alles schießen lassen, was sich in den Schurkenstaaten in irgendeiner Form noch ungefragt bewegt.
Es ist noch gar nicht lange her, da hat diese kollektive Lügerei, den Bundesverteidigungsminister Jung das Amt gekostet. Im Prinzip hat sich an der Lage in Afghanistan nichts geändert, man muss eher von einer Verschlechterung sprechen, nur der neue Verteidigungsminister verbiegt die Wahrheit in der Öffentlichkeit eben etwas wortgewandter als sein Amtsvorgänger.

Nun ist es ja allgemein nicht üblich, dass sich hochrangige Führungspersönlichkeiten überraschend vor Ort durch eigenen Augenschein sachkundig machen, sind doch Wissen und Sachkunde tragende Teile des Strickes an dem man aufgehängt werden könnte, während völlige Unkenntnis und Unfähigkeit vor Strafe schützen.
Sicher ist meist auch, dass derartige Überraschungsbesuche zu anderen Erkenntnissen führen, als offizielle, vom Protokoll sorgfältig bis ins kleinste Detail vorgeplante Besuche mit eigens ausgewählten Gesprächspartnern.
Man darf daher getrost annehmen, dass der Bundespräsident nach seiner Rückkehr einige Dinge zur Lage in Afghanistan hinterfragt und als militärischer Laie zu dem Schluss gekommen sein mag, dass es zwischen der offiziellen Hofberichterstattung und der Realität vor Ort erhebliche Unterschiede gibt.

Und wenn man nun das gleiche Maß an Schönfärberei und Desinformation auf die, teilweise im Eilverfahren, vom Bundespräsidenten unterzeichneten Gesetze zur Rettung des Euro, zur Rettung Griechenlands, zur Rettung der Banken und auf die Verträge zur Einheit Europas überträgt, dann kann selbst einem blauäugigen und gutgläubigen Bundespräsidenten klar werden, dass er benützt und manipuliert wurde und was er mit seinen Unterschriften unter derartige Machwerke angerichtet hat.

Den Ausgang des Krieges in Afghanistan kann er als militärischer Laie nicht beurteilen, aber die Auswirkungen der Rettungsgesetze sind ihm als gelerntem Ökonomen, ehemaligen Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, ehemaligen Präsident den Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, ehemaligen Leiter der Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) und ehemaligem Geschäftsführenden Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF) völlig klar.

Man kann Horst Köhler vieles vorwerfen, aber selbst seine stärksten Kritiker können ihm kein unehrliches Verhalten oder gar Lüge nachsagen. Das zumindest unterscheidet ihn wohltuend von der politischen Elite der Bundesrepublik Deutschland.
Wie also wird ein Gutmensch wie Horst Köhler reagieren, wenn er erkennen muss, dass er mit Wissen und Duldung seiner vermeintlichen Freundin Angela Merkel hinters Licht geführt und skrupellos missbraucht wurde?
Er schmeißt hin, mit sofortiger Wirkung!

Was also weiß Horst Köhler?
Sicher ist, dass er mehr weiß, als Otto Normalverbraucher.
Sicher ist auch, dass er mehr weiß, als die meisten Bürger jemals aus den Medien erfahren werden.
Sicher ist auch, dass die Auswirkungen dieses Wissens so schlimm sein werden, dass Horst Köhler dafür nicht die Verantwortung übernehmen kann, sein Amt als Präsident der Bundesrepublik Deutschland mit sofortiger Wirkung niederlegt und die Bürger dieses Landes, an deren Achtung ihm immer so viel gelegen war, in der größten Krise nach dem Zweiten Weltkrieg schnöde im Stich lässt.

Und niemand fragt warum!
Statt dessen schauen alle gebannt dem Hütchenspiel der Bundesregierung unter Angela Merkel zu und beteiligen sich brav an der Diskussion um den zehnten Präsidenten der Bundesrepublik Deutschland.

Als im März 1999 der damalige Bundesfinanzminister Oskar Lafontaine nach nur fünfmonatiger Amtszeit seinem Parteifreund und Bundeskanzler Gerhard Schröder die Freundschaft kündigte und von all seinen Ämtern zurücktrat, hat auch niemand an Agenda 2010, Hartz4, Sozialabbau, Langzeitarbeitslosigkeit, Bildungsnotstand, Staatsbankrott und eine „Linke“ gedacht.

In 10 Jahren wissen wir sicher, an welchen „alternativlosen Maßnahmen und Rettungsaktionen“ sich der neunte Präsident nicht beteiligen wollte.

Machopan
(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 4. Juni 2010 um 05:45:16 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik, Gesellschaft | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

3 Antworten zu “Der neunte Präsident”

  1. LAZARUS meint:

    >>Störe meine Kreise nicht …..

  2. LAZARUS meint:

    „Störe meine Kreise nicht ………!“ Ist Nr. 9 vor den Risiken eigenmächtigen Beharrens auf spezielle Landeanflüge am Beispiel eines Lech K. gewarnt worden ? Oder dem völlig unkalkulierbaren Fahrverhalten von Hi-Tec-Hochsicherheits-Limousinen, wie der des Jörg H. ?
    Ist Schloß Bellevue gar zur Solitude mutiert, wo man, abgeschnitten von jeglicher Information, ein Eremitendasein fristen muß ?!
    Daß H.K. vor der fatalen Unterschrift unter das Ratten-Paket keinen Meinungsaustausch mit wirklichen Finanzexperten hatte (z.B. Sinn EZB), ist nicht glaubwürdig. Vielmehr, so mag man vermuten, war das ein weiterer - letzter - Akt wider besseren (Ge?)Wissens.
    Über die nachgewiesene Wirkung eines Gold-Rettungsschirmes beim Ansetzen des freien Falles der Papierwährungen dürfte sich H.K. auch im Klaren sein. Auch darüber, daß die Frage nach den (Wohl-)Befinden der physischen Goldreserven der Deutschen Bundesbank im Sande verläuft, und der Fragesteller folglich in der Wüste landet ….

  3. Schitzo meint:

    Köhler hin, Köhler her, Geld kann man nicht essen.
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,699013,00.html
    Monsato steht schon in der Bibel, Mose 1, Kap. 47 und gegen die Plagen von Mose 2, Kap. 9 gibt´s ja Tamiflu :-) Wir werden so richtig verwöhnt. Und unsere Wissenschaftler sind sehr weise (sofern nicht von BP), Samenbank im ewigen Eis, die Arche Noah.
    Übrigens ist es Ironie des Schicksals, daß teurer Krieg um Erdöl geführt wird, und wenn man es dann kostenlos an den Strand gespült bekommt, will man es nicht.

Eine Nachricht hinterlassen

*Notwendig
*Notwendig (wird nicht veröffentlicht)