Der Sparzwang

7. Juni 2010 05:45

Lieber Freund

Sorgen sollten Sie sich um die Zukunft unseres Landes nun wirklich nicht machen, stellen doch die Experten für schuldenfinanzierten Staatshaushalt nun erste Überlegungen zur Umfinanzierung der Verschuldung durch steuerneutral gegenfinanzierte Ausgabenverlagerungen mit ökonomisch austarierter Einnahmenstabilisierung an.

Wenn man der Kanzlerin noch was glauben darf, dann ist das diesmal nicht ganz so einfach wie die sozialverträgliche Senkung der Hotelübernachtungskosten für Hartz4-Empfänger, denn es müsste, im Rahmen der europäischen Steuerharmonisierung zumindest mal ernsthaft über eine Erhöhung der Mehrwertsteuer für Tiernahrung nachgedacht werden.
Erschwert wird diese alternativlose Maßnahme allerdings durch die Haltung der CSU, die es strikt ablehnt zur aufkommensneutralen Gegenfinanzierung eine höhere Besteuerung von Kanarienvogelfutter vorzunehmen, denn schließlich sind an den Pleitegeiern über Deutschland ja nicht die Bayern schuld, die einen Vogel haben, sondern ganz andere schräge Vögel.
Daher schlägt die CSU vor, dass norddeutsche Goldfischbesitzer, die ihre Beute bereits an Land gezogen haben, für die Gegenfinanzierung in Anspruch genommen werden.
Damit ist aber die FDP natürlich überhaupt nicht einverstanden, denn vor allem leistungstragende Goldfischbesitzer im Mittelstand wären von dieser Steuer betroffen und könnten gar nicht so oft im Hotel übernachten, um die Steuermehrbelastung auf Fischfutter auszugleichen.
Die für Experten für neuverschuldungsfreie Umschuldung werden also vorschlagen, dass numehr Goldfische und Kanarienvögel im Hotelgewerbe besteuert werden. Der Bundestag wird dieses Furz in Windeseile für gut befinden und als Gesetz beschließen, der Bundesrat wird es abnicken und dann fährt man es zwecks Unterschrift aus Dringlichkeitsgründen mit dem Taxi zum Bundesköhler … ach, nee, das geht ja jetzt nicht mehr, der hat ja gerade das Handtuch geworfen.

Dass man das Problem mit der Staatsfinanzierung auch ganz anders lösen kann, konnte man dieser Tage einem Essay des Ökonomen Carl Christian von Weizsäcker in der FAZ entnehmen, denn der hat festgestellt, dass „Staatsschulden zugleich privates Vermögen“ sind.
Der Ökonom und Politikberater aus Leidenschaft ist nach langem Nachdenken zu dem Ergebnis gekommen, dass die Schulden des Staates exakt dem Vermögen der Bürger in gleicher Höhe entsprechen, die Bürger also die Gläubiger des Staates sind.

Solange die Bürger nun fest daran glauben, dass der Staat seine Schulden bezahlt, dürfen die Bürger ruhig glauben, dass sie noch ein Vermögen haben, auch wenn die finanzmathematische Saldierung von Schuld und Vermögen den Wert NULL ergibt.
Gefahren für dieses Nullsummenspiel sieht der Herr Weizsäcker nur durch den Sparzwang zur Reduktion des Staatsdefizits, denn das könnte in einer Depression enden, wobei der Herr offen lässt, wer dabei depressiv werden wird.

Im Forum der FAZ war in einer Leserzuschrift zu lesen, dass „C.C. von Weizsäcker einen unschätzbaren Vorteil besitzt - nämlich sein Alter. Dies schützt ihn davor, von denen, die seinem “Theorem” fahrlässig Glauben schenken, zu Lebzeiten zur Verantwortung gezogen zu werden.“
Ich kann mich dieser Meinung nur anschließen, denn laut seiner Vita hat der Herr Weizsäcker einen großen Teil seiner beruflichen Arbeit der Liberalisierung der Energiemärkte gewidmet und es ist sicher auch diesem Engagement zu verdanken, dass es mit RWE, EnBW, Vattenfall und Eon bis heute schon vier große Energieanbieter in der BRD gibt.

Und wenn Sie sich darüber aufregen, dass Hotelübernachtungen billiger und Kindergärten teurer geworden sind, dann schicken sie ihr Kleinkind doch einfach zur Betreuung ins Hotel. Nicht nur immer jammern, auch selber mal nachdenken.

Apropos Kindergarten.
Nach einer Kampfabstimmung im Bundestag verlassen zwei Parlamentarier den Plenarsaal. Sagt der Eine zu dem Anderen: „Warum hast du eigentliche gegen den Ausbau der Kindergärten und für die Luxusausstattung der Haftanstalten gestimmt?
Sagt der Andere: „Ganz einfach, weil ich in meinem Alter nicht mehr in den Kindergarten gehen werde!“

Machopan
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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 7. Juni 2010 um 05:45:16 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik, Gesellschaft | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

3 Antworten zu “Der Sparzwang”

  1. Depp_1 meint:

    Der Sparzwang wird nun wohl für lange Gesichter sorgen. Das ist nicht schlecht, steigert die Intelligenz, sollte man meinen. Aber da gibt es eine biologische Hürde, die die Gehirnmasse begrenzt, der Geburtskanal. Früher war alles besser, da gab es schlaue Langköpfe mit mehr Volumen :) . Die wurden weggemobbt und Hochstapler banden ihrer Sippe die Köpfe hoch, damit das “göttliche Merkmal” Wirkung zeigt. Das hat sich bis heute erhalten, an den langen Hüten der “Oberen”, die sich für etwas besseres halten. Aber unter dem Hut ist es hohl, daher vor großen Hüten hüten.

  2. Fred meint:

    Es ist hinlänglich bekannt, daß in schlechten Zeiten die Menschen näher zusammenrücken, eine Flucht nach innen einsetzt. Nur dumme Chaoten zerschlagen noch den verbliebenen Rest ihrer eigenen Basis, um dann im völligen Chaos zu landen. Statt Gewalt sind Ideen gefragt, zündende Funken zur Verbeserung und die Taten dazu. Brainstorming geht seltsame Wege, aber das ist der Sinn. Also, Urlaub in der Einsamkeit machen und nachdenken, Tonne mitnehmen.

  3. LAZARUS meint:

    Hi Macho,
    wie geht es Dir ? J’espére - BIEN !!!!!!!! Oh Mann, in diesem, mir aufgezwungenem, verkommenen Land veröffentlicht ein gemeiner Bürger ein Buch mit erschreckenden Bilanzen, die eigentlich von den Regierungen, die bei “Gott” (schächtet ihn !!!) und auf das GG “geschworen haben, diesem zu dienen und Schaden von diesem abzuwenden” in dieser klaren Form verpflichtend zu veröffentlichen gewesen wären. Und das uralte Sprichwort bewahrheitet sich : Getroffene Hunde (ich habe nichts gegen diese vierbeinigen Helfer des wahren Menschen !!!) bellen !!! Wiederum festzustellen ist : PISA wirkt, denn eine standardmäßig immer bereitstehende Truppe/Klientel von Unwissenden, die Realität Verleugnenden, “protestiert” gegen, eigentlich seinen Ernährer. Niemand hinterfragt, womit, gar mit welcher ehrlichen, konstruktiven Arbeit, diese Rotte von Claquers ihren Lebensunterhalt bestreitet. “Gott” sei Dank hatten wir ja, wie “glücklich”, diese Amokläufe, in deren Konsequenz das doofe Volk, mit Ausnahme der wirklich gefährlichen Ganoven, physisch gänzlich entwaffnet wurde. Na also, wenn das kein Grund ist, sich entspannt zurückzulehnen… Macho - ich hoffe, es geht Dir wirklich gut - es war eine sehr schöne Zeit mit DIR.

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Der Sparzwang

7. Juni 2010 05:45

Lieber Freund

Sorgen sollten Sie sich um die Zukunft unseres Landes nun wirklich nicht machen, stellen doch die Experten für schuldenfinanzierten Staatshaushalt nun erste Überlegungen zur Umfinanzierung der Verschuldung durch steuerneutral gegenfinanzierte Ausgabenverlagerungen mit ökonomisch austarierter Einnahmenstabilisierung an.

Wenn man der Kanzlerin noch was glauben darf, dann ist das diesmal nicht ganz so einfach wie die sozialverträgliche Senkung der Hotelübernachtungskosten für Hartz4-Empfänger, denn es müsste, im Rahmen der europäischen Steuerharmonisierung zumindest mal ernsthaft über eine Erhöhung der Mehrwertsteuer für Tiernahrung nachgedacht werden.
Erschwert wird diese alternativlose Maßnahme allerdings durch die Haltung der CSU, die es strikt ablehnt zur aufkommensneutralen Gegenfinanzierung eine höhere Besteuerung von Kanarienvogelfutter vorzunehmen, denn schließlich sind an den Pleitegeiern über Deutschland ja nicht die Bayern schuld, die einen Vogel haben, sondern ganz andere schräge Vögel.
Daher schlägt die CSU vor, dass norddeutsche Goldfischbesitzer, die ihre Beute bereits an Land gezogen haben, für die Gegenfinanzierung in Anspruch genommen werden.
Damit ist aber die FDP natürlich überhaupt nicht einverstanden, denn vor allem leistungstragende Goldfischbesitzer im Mittelstand wären von dieser Steuer betroffen und könnten gar nicht so oft im Hotel übernachten, um die Steuermehrbelastung auf Fischfutter auszugleichen.
Die für Experten für neuverschuldungsfreie Umschuldung werden also vorschlagen, dass numehr Goldfische und Kanarienvögel im Hotelgewerbe besteuert werden. Der Bundestag wird dieses Furz in Windeseile für gut befinden und als Gesetz beschließen, der Bundesrat wird es abnicken und dann fährt man es zwecks Unterschrift aus Dringlichkeitsgründen mit dem Taxi zum Bundesköhler … ach, nee, das geht ja jetzt nicht mehr, der hat ja gerade das Handtuch geworfen.

Dass man das Problem mit der Staatsfinanzierung auch ganz anders lösen kann, konnte man dieser Tage einem Essay des Ökonomen Carl Christian von Weizsäcker in der FAZ entnehmen, denn der hat festgestellt, dass „Staatsschulden zugleich privates Vermögen“ sind.
Der Ökonom und Politikberater aus Leidenschaft ist nach langem Nachdenken zu dem Ergebnis gekommen, dass die Schulden des Staates exakt dem Vermögen der Bürger in gleicher Höhe entsprechen, die Bürger also die Gläubiger des Staates sind.

Solange die Bürger nun fest daran glauben, dass der Staat seine Schulden bezahlt, dürfen die Bürger ruhig glauben, dass sie noch ein Vermögen haben, auch wenn die finanzmathematische Saldierung von Schuld und Vermögen den Wert NULL ergibt.
Gefahren für dieses Nullsummenspiel sieht der Herr Weizsäcker nur durch den Sparzwang zur Reduktion des Staatsdefizits, denn das könnte in einer Depression enden, wobei der Herr offen lässt, wer dabei depressiv werden wird.

Im Forum der FAZ war in einer Leserzuschrift zu lesen, dass „C.C. von Weizsäcker einen unschätzbaren Vorteil besitzt - nämlich sein Alter. Dies schützt ihn davor, von denen, die seinem “Theorem” fahrlässig Glauben schenken, zu Lebzeiten zur Verantwortung gezogen zu werden.“
Ich kann mich dieser Meinung nur anschließen, denn laut seiner Vita hat der Herr Weizsäcker einen großen Teil seiner beruflichen Arbeit der Liberalisierung der Energiemärkte gewidmet und es ist sicher auch diesem Engagement zu verdanken, dass es mit RWE, EnBW, Vattenfall und Eon bis heute schon vier große Energieanbieter in der BRD gibt.

Und wenn Sie sich darüber aufregen, dass Hotelübernachtungen billiger und Kindergärten teurer geworden sind, dann schicken sie ihr Kleinkind doch einfach zur Betreuung ins Hotel. Nicht nur immer jammern, auch selber mal nachdenken.

Apropos Kindergarten.
Nach einer Kampfabstimmung im Bundestag verlassen zwei Parlamentarier den Plenarsaal. Sagt der Eine zu dem Anderen: „Warum hast du eigentliche gegen den Ausbau der Kindergärten und für die Luxusausstattung der Haftanstalten gestimmt?
Sagt der Andere: „Ganz einfach, weil ich in meinem Alter nicht mehr in den Kindergarten gehen werde!“

Machopan
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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 7. Juni 2010 um 05:45:16 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik, Gesellschaft | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

3 Antworten zu “Der Sparzwang”

  1. Depp_1 meint:

    Der Sparzwang wird nun wohl für lange Gesichter sorgen. Das ist nicht schlecht, steigert die Intelligenz, sollte man meinen. Aber da gibt es eine biologische Hürde, die die Gehirnmasse begrenzt, der Geburtskanal. Früher war alles besser, da gab es schlaue Langköpfe mit mehr Volumen :) . Die wurden weggemobbt und Hochstapler banden ihrer Sippe die Köpfe hoch, damit das “göttliche Merkmal” Wirkung zeigt. Das hat sich bis heute erhalten, an den langen Hüten der “Oberen”, die sich für etwas besseres halten. Aber unter dem Hut ist es hohl, daher vor großen Hüten hüten.

  2. Fred meint:

    Es ist hinlänglich bekannt, daß in schlechten Zeiten die Menschen näher zusammenrücken, eine Flucht nach innen einsetzt. Nur dumme Chaoten zerschlagen noch den verbliebenen Rest ihrer eigenen Basis, um dann im völligen Chaos zu landen. Statt Gewalt sind Ideen gefragt, zündende Funken zur Verbeserung und die Taten dazu. Brainstorming geht seltsame Wege, aber das ist der Sinn. Also, Urlaub in der Einsamkeit machen und nachdenken, Tonne mitnehmen.

  3. LAZARUS meint:

    Hi Macho,
    wie geht es Dir ? J’espére - BIEN !!!!!!!! Oh Mann, in diesem, mir aufgezwungenem, verkommenen Land veröffentlicht ein gemeiner Bürger ein Buch mit erschreckenden Bilanzen, die eigentlich von den Regierungen, die bei “Gott” (schächtet ihn !!!) und auf das GG “geschworen haben, diesem zu dienen und Schaden von diesem abzuwenden” in dieser klaren Form verpflichtend zu veröffentlichen gewesen wären. Und das uralte Sprichwort bewahrheitet sich : Getroffene Hunde (ich habe nichts gegen diese vierbeinigen Helfer des wahren Menschen !!!) bellen !!! Wiederum festzustellen ist : PISA wirkt, denn eine standardmäßig immer bereitstehende Truppe/Klientel von Unwissenden, die Realität Verleugnenden, “protestiert” gegen, eigentlich seinen Ernährer. Niemand hinterfragt, womit, gar mit welcher ehrlichen, konstruktiven Arbeit, diese Rotte von Claquers ihren Lebensunterhalt bestreitet. “Gott” sei Dank hatten wir ja, wie “glücklich”, diese Amokläufe, in deren Konsequenz das doofe Volk, mit Ausnahme der wirklich gefährlichen Ganoven, physisch gänzlich entwaffnet wurde. Na also, wenn das kein Grund ist, sich entspannt zurückzulehnen… Macho - ich hoffe, es geht Dir wirklich gut - es war eine sehr schöne Zeit mit DIR.

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