Ersteinstellungsvertrag

20. April 2006 05:45

Kennen Sie den Unterschied zwischen Paris und Berlin?
Nein, ich meine jetzt nicht den abgelutschten Witz, dass es in Paris wenig Berliner gibt, aber in Berlin viele Pariser.

Nein, ich meine wie die Pariser auf die Straße gingen und ihren Unmut über die Arbeitsmarktpolitik der Regierung und den „Contrat Première Embauche“ (Ersteinstellungsvertrag) - ein 24-monatiges, grundlos kündbares Vertragverhältnis für Jugendliche, zum Ausdruck brachten.
Dabei stört es mich ehrlich gesagt auch überhaupt nicht, dass es dabei Randale und Chaos gab. Bei drei Millionen Franzosen, die sich am „schwarzen Dienstag“ gegen die Politik ihrer Regierung zur Wehr setzten, konnten zwangsläufig Kollateralschäden nun mal nicht ausbleiben.
Zumindest musste man sie billigend in Kauf nehmen.

Und mal ganz ehrlich – glauben Sie wirklich, dass es für einen arbeitlosen Jugendlichen einen großen Unterschied macht, ob er auf der Straße rumhängt, durch Beschaffungskriminalität seinen Lebensunterhalt fristet bis er irgendwann erwischt wird und zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wird oder ob ihn das gleiche Schicksal bei einer gewalttätigen Demo ereilt.
Das ist für ihn doch Jacke wie Hose.

Wie in Frankreich versucht man doch auch bei uns, den Arbeitslosen weis zu machen, dass durch Änderung des Kündigungsschutzes neue Arbeitsplätze entstehen. Als ob schon mal durch entsprechende Änderung des Mietrechts neue Wohnungen gebaut worden wären.

Also ich persönlich könnte mich mit einer entsprechenden Neuregelung des Kündigungsschutzes nur anfreunden, wenn das grundsätzlich auch für alle bestehenden Verträge gelten würde. Also zum Beispiel für alle Beschäftigungsverhältnisse gegen Entgelt. Für Beamte, Freiberufler, leitende Angestellte, Geschäftsführer, Vorstände, Aufsichtsräte und selbstverständlich auch für Politiker.
Alle sollten ohne Angabe von Gründen innerhalb der ersten 24 Monate ihrer Tätigkeit ohne Anspruch auf finanzielle Entschädigung entlassen werden können.
Und um Chancengleichheit herzustellen, sollte dieses Gesetz nach seiner Verabschiedung zwei Jahre lang für alle gelten, unabhängig davon wie lange das Beschäftigungsverhältnis bereits bestehen sollte.

Mit einer solchen Regelung würden wir sicher innerhalb kurzer Zeit in den neugeschaffenen Jobs ersaufen und könnten uns außerdem die wirklichen Probleme unserer Gesellschaft vom Halse schaffen um dem Lande zu Aufschwung und Wohlstand verhelfen.
Und falls nicht, dann wären wir wenigstens in der Not alle gleich. Irgendwie verlockend dieser Gedanke.

Wie wir eine solche Regelung erreichen?
Ganz einfach – erst brauchen wir mal mehr Pariser in Berlin.
Vielleicht hätte ja die Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland eine ganz andere Richtung genommen, wenn John F. Kennedy am 26. Juni 1963 seine Solidarität mit der Berliner Bevölkerung mit dem Satz „Ich bin ein Pariser“ zum Ausdruck gebracht hätte.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 20. April 2006 um 05:45:14 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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20. April 2006 05:45

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Nein, ich meine jetzt nicht den abgelutschten Witz, dass es in Paris wenig Berliner gibt, aber in Berlin viele Pariser.

Nein, ich meine wie die Pariser auf die Straße gingen und ihren Unmut über die Arbeitsmarktpolitik der Regierung und den „Contrat Première Embauche“ (Ersteinstellungsvertrag) - ein 24-monatiges, grundlos kündbares Vertragverhältnis für Jugendliche, zum Ausdruck brachten.
Dabei stört es mich ehrlich gesagt auch überhaupt nicht, dass es dabei Randale und Chaos gab. Bei drei Millionen Franzosen, die sich am „schwarzen Dienstag“ gegen die Politik ihrer Regierung zur Wehr setzten, konnten zwangsläufig Kollateralschäden nun mal nicht ausbleiben.
Zumindest musste man sie billigend in Kauf nehmen.

Und mal ganz ehrlich – glauben Sie wirklich, dass es für einen arbeitlosen Jugendlichen einen großen Unterschied macht, ob er auf der Straße rumhängt, durch Beschaffungskriminalität seinen Lebensunterhalt fristet bis er irgendwann erwischt wird und zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wird oder ob ihn das gleiche Schicksal bei einer gewalttätigen Demo ereilt.
Das ist für ihn doch Jacke wie Hose.

Wie in Frankreich versucht man doch auch bei uns, den Arbeitslosen weis zu machen, dass durch Änderung des Kündigungsschutzes neue Arbeitsplätze entstehen. Als ob schon mal durch entsprechende Änderung des Mietrechts neue Wohnungen gebaut worden wären.

Also ich persönlich könnte mich mit einer entsprechenden Neuregelung des Kündigungsschutzes nur anfreunden, wenn das grundsätzlich auch für alle bestehenden Verträge gelten würde. Also zum Beispiel für alle Beschäftigungsverhältnisse gegen Entgelt. Für Beamte, Freiberufler, leitende Angestellte, Geschäftsführer, Vorstände, Aufsichtsräte und selbstverständlich auch für Politiker.
Alle sollten ohne Angabe von Gründen innerhalb der ersten 24 Monate ihrer Tätigkeit ohne Anspruch auf finanzielle Entschädigung entlassen werden können.
Und um Chancengleichheit herzustellen, sollte dieses Gesetz nach seiner Verabschiedung zwei Jahre lang für alle gelten, unabhängig davon wie lange das Beschäftigungsverhältnis bereits bestehen sollte.

Mit einer solchen Regelung würden wir sicher innerhalb kurzer Zeit in den neugeschaffenen Jobs ersaufen und könnten uns außerdem die wirklichen Probleme unserer Gesellschaft vom Halse schaffen um dem Lande zu Aufschwung und Wohlstand verhelfen.
Und falls nicht, dann wären wir wenigstens in der Not alle gleich. Irgendwie verlockend dieser Gedanke.

Wie wir eine solche Regelung erreichen?
Ganz einfach – erst brauchen wir mal mehr Pariser in Berlin.
Vielleicht hätte ja die Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland eine ganz andere Richtung genommen, wenn John F. Kennedy am 26. Juni 1963 seine Solidarität mit der Berliner Bevölkerung mit dem Satz „Ich bin ein Pariser“ zum Ausdruck gebracht hätte.

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