Ehrenmord

19. April 2006 05:45

Übel kann einem zivilisierten Mitteleuropäer werden, wenn er durch Studien in den Medien versucht, sich in die Gedankenwelt der Familie Sürücü einzuarbeiten, um „Verständnis“ für die schwierige Lage von Migrantenfamilien in der ach so „ausländerfeindlichen“ Multi-Kulti –Gesellschaft unserer Nach-Holocaust-Nation zu entwickeln.

Da meuchelt in unserer Bundeshauptstadt der jüngste Bruder die eigene Schwester in aller Öffentlichkeit, um im Auftrag des Familienclans dessen „gekränkte Ehre“ wiederherzustellen und nachdem dies erfolgreich erledigt wurde, macht man sich nun daran den 5-jährigen Sohn der ermordeten Hatun Sürücü in den Schoß der Familie heimzuholen.
Wir haben nur das Urteil abgewartet, sagte Arzu Sürücü, die Schwester der Ermordeten dem “Tagesspiegel”. “Jetzt werde ich in den kommenden Wochen das Sorgerecht beantragen.

Neun Jahre und sechs Monate „Jugendhaft“ hat der zur Tatzeit 19-jährige Mörder für die mit drei gezielten Schüssen ausgeführte Hinrichtung seiner Schwester erhalten. Die anderen Tatverdächtigen dieser „ehrenwerten“ Familie gingen „aus Mangel an Beweisen“ leer aus. Die Staatsanwaltschaft hatte für die beiden älteren Brüder des Täters wegen gemeinschaftlichen Mordes lebenslange Haft gefordert und will gegen das Urteil Revision einlegen.
Beim Zustand unseres Rechtssystems ist dabei aber ein Freispruch des Täters sicher wahrscheinlicher als eine Verurteilung der Mittäter, denn im Interesse der Familie hatte der „Jüngste“ in der Familie die Tat „gestanden“ um die Folgen des Mordkomplotts für die „Familienbande“ möglichst gering zu halten. Hätte der jugendliche Täter seine Schwester zwei Jahre früher als „Minderjähriger“ hingerichtet, wäre die „Strafe“ noch geringer ausgefallen.

Nun stehen die Chancen auf Erhalt des Sorgerechts für das Kind der Ermordeten nicht schlecht. Und sollte es der in Deutschland lebenden Familie Sürücü wider Erwarten nicht gelingen, dann ist ja da immer noch der in der Türkei lebende leibliche Vater des Kindes und ehemalige Ehemann und jetzige „Witwer“, der im Alter von 16 Jahren zwangsverheirateten Mutter.

„Nur die Werte der Rechtsgemeinschaft der Bundesrepublik seien gültig“, meinte der Richter Michael Degreif bei der Verkündung des Urteils.
Aus seiner Sicht mag der Herr Richter da wohl Recht haben.
Aber Familien wie die Sürücü sind offensichtlich nicht Teil der Rechtsgemeinschaft der Bundesrepublik Deutschland.

Aber das wird sich durch den Beitritt der Türkei zur Europäischen Union sicher ändern, denn dort stehen Ehrenmorde auch bei Jugendlichen unter sehr hoher Strafandrohung, was dazu geführt haben soll, dass in der Türkei die Zahl der Ehrenmorde drastisch abgenommen haben soll. So jedenfalls steht das bei Wikipedia.
Natürlich könnte der Rückgang der Ehrenmorde in der Türkei auch daran liegen, dass die ewig Gestrigen in der Türkei ihre Heimat als politisch Verfolgte verlassen und im migrantenfreundlichen Deutschland Zuflucht gesucht und gefunden haben.

Zur Adoption des Sohnes der Ermordeten durch die Familie des Mörders meinte der SPD-Innenpolitiker Dieter „Das“ Wiefelspütz: „Es ist ausgeschlossen, dass dies in Betracht kommt“.
Aber nun ist das Wiefelspütz natürlich nicht der Richter (Gott sein es gedankt, getrommelt und gepfiffen), der das zu entscheiden hat. Und außerdem sollte er mit solchen Sprüchen vorsichtig sein, denn in einem Land, in dem die Adoption von minderjährigen russischen Mädchen durch einen in vier Ehen kinderlos gebliebenen ältlichen deutschen naturhaarigen SPD-Politiker möglich war, wird sicher auch die Adoption eines türkischen Jungen durch türkische Familienangehörige möglich.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 19. April 2006 um 05:45:06 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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19. April 2006 05:45

Übel kann einem zivilisierten Mitteleuropäer werden, wenn er durch Studien in den Medien versucht, sich in die Gedankenwelt der Familie Sürücü einzuarbeiten, um „Verständnis“ für die schwierige Lage von Migrantenfamilien in der ach so „ausländerfeindlichen“ Multi-Kulti –Gesellschaft unserer Nach-Holocaust-Nation zu entwickeln.

Da meuchelt in unserer Bundeshauptstadt der jüngste Bruder die eigene Schwester in aller Öffentlichkeit, um im Auftrag des Familienclans dessen „gekränkte Ehre“ wiederherzustellen und nachdem dies erfolgreich erledigt wurde, macht man sich nun daran den 5-jährigen Sohn der ermordeten Hatun Sürücü in den Schoß der Familie heimzuholen.
Wir haben nur das Urteil abgewartet, sagte Arzu Sürücü, die Schwester der Ermordeten dem “Tagesspiegel”. “Jetzt werde ich in den kommenden Wochen das Sorgerecht beantragen.

Neun Jahre und sechs Monate „Jugendhaft“ hat der zur Tatzeit 19-jährige Mörder für die mit drei gezielten Schüssen ausgeführte Hinrichtung seiner Schwester erhalten. Die anderen Tatverdächtigen dieser „ehrenwerten“ Familie gingen „aus Mangel an Beweisen“ leer aus. Die Staatsanwaltschaft hatte für die beiden älteren Brüder des Täters wegen gemeinschaftlichen Mordes lebenslange Haft gefordert und will gegen das Urteil Revision einlegen.
Beim Zustand unseres Rechtssystems ist dabei aber ein Freispruch des Täters sicher wahrscheinlicher als eine Verurteilung der Mittäter, denn im Interesse der Familie hatte der „Jüngste“ in der Familie die Tat „gestanden“ um die Folgen des Mordkomplotts für die „Familienbande“ möglichst gering zu halten. Hätte der jugendliche Täter seine Schwester zwei Jahre früher als „Minderjähriger“ hingerichtet, wäre die „Strafe“ noch geringer ausgefallen.

Nun stehen die Chancen auf Erhalt des Sorgerechts für das Kind der Ermordeten nicht schlecht. Und sollte es der in Deutschland lebenden Familie Sürücü wider Erwarten nicht gelingen, dann ist ja da immer noch der in der Türkei lebende leibliche Vater des Kindes und ehemalige Ehemann und jetzige „Witwer“, der im Alter von 16 Jahren zwangsverheirateten Mutter.

„Nur die Werte der Rechtsgemeinschaft der Bundesrepublik seien gültig“, meinte der Richter Michael Degreif bei der Verkündung des Urteils.
Aus seiner Sicht mag der Herr Richter da wohl Recht haben.
Aber Familien wie die Sürücü sind offensichtlich nicht Teil der Rechtsgemeinschaft der Bundesrepublik Deutschland.

Aber das wird sich durch den Beitritt der Türkei zur Europäischen Union sicher ändern, denn dort stehen Ehrenmorde auch bei Jugendlichen unter sehr hoher Strafandrohung, was dazu geführt haben soll, dass in der Türkei die Zahl der Ehrenmorde drastisch abgenommen haben soll. So jedenfalls steht das bei Wikipedia.
Natürlich könnte der Rückgang der Ehrenmorde in der Türkei auch daran liegen, dass die ewig Gestrigen in der Türkei ihre Heimat als politisch Verfolgte verlassen und im migrantenfreundlichen Deutschland Zuflucht gesucht und gefunden haben.

Zur Adoption des Sohnes der Ermordeten durch die Familie des Mörders meinte der SPD-Innenpolitiker Dieter „Das“ Wiefelspütz: „Es ist ausgeschlossen, dass dies in Betracht kommt“.
Aber nun ist das Wiefelspütz natürlich nicht der Richter (Gott sein es gedankt, getrommelt und gepfiffen), der das zu entscheiden hat. Und außerdem sollte er mit solchen Sprüchen vorsichtig sein, denn in einem Land, in dem die Adoption von minderjährigen russischen Mädchen durch einen in vier Ehen kinderlos gebliebenen ältlichen deutschen naturhaarigen SPD-Politiker möglich war, wird sicher auch die Adoption eines türkischen Jungen durch türkische Familienangehörige möglich.

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