Parklücke

17. April 2006 05:45

Mein lieber Freund!

Frauen scheinen doch besondere Menschen zu sein.
Man(n) ist sich dessen nicht immer bewusst, aber dann schlägt die Realität mit brutalster Gnadenlosigkeit zu, reißt unserer Gesellschaft brutal die Maske vom Gesicht und zeigt den wahren Unterschied der Geschlechter.
Was war zum Einbruch der kalten Winterzeit geschehen?

Man(n) steht mit anderen Geschlechtsgenossen in einem kleinen, nach kaltem Rauch, Achselschweiß, Männerdeo Marke „Irisch Moos“ und frischem Gummi riechendem Büro einer Reifenfirma und wartet darauf, dass er seinen PKW zur Montage der Winterreifen anmelden kann.
Plötzlich öffnet sich die Türe und eine junge Dame, altersmäßig gerade im Wechsel aus dem zwoten in das dritte Lebensjahrzehnt, Modell elitäre Managerin einer nahegelegenen internationalen Softwarefirma, in Haar und Gesicht gestylt als ginge es gleich zur Endausscheidung im diesjährigen Miss World Event an einer First Class Location bleibt in der Haltung von Hermes dem Götterboten mit der Türklinke in der Hand auf der Schwelle stehen und gewährt der kalten Außenluft Zugang zu dem überheizten Raum, wohl wissenden dass sie die Aufmerksamkeit der wartenden Männer auf sich zieht.
Es vergehen einige spannungsgeladene Sekunden während das Weib ihren Auftritt genießt. Und während sie immer noch da steht, ein Bein auf der Schwelle, das andere Bein draußen auf dem Hof, die eine Hand an der Türklinke und in der anderen Hand, wie könnte es auch anders sein, ein Täschchen aus feinstem Leder das einem Laptop als Behausung zu dienen scheint.

Dann öffnet sich ihr Mund und ohne eine bestimmte Person anzusprechen, steht plötzlich ihre Frage im Raum: „Ich habe einen Termin zum Reifenwechsel. Wo bitte kann ich mein Fahrzeug abstellen?“.

Ruckartig zucken die Männerköpfe herum, starren auf den etwas dicklichen unrasierten Angestellten der Reifenfirma, der hinter seinem schmuddeligen Schreibtisch auf einem Ledersessel thront, der wie sein Benutzer auch schon bessere Zeiten gesehen hat.
Erwartungsvolle Stille steht im Raum, bis der Angestellte sich mit behaarten Hand und schmutzigen Fingernägeln über den mit schütterem Haar bewachsenen Schädel streicht und dann sagt: „Am besten Sie verwenden dazu eine Parklücke. Wie die Herren hier auch. Parklücken finden Sie draußen auf dem Hof. Sollte keine Parklücke da sein, dürfen Sie ihr Fahrzeug auch gerne auf der Straße abstellen.“

Danach herrschte wieder Stille und die Blicke der Männer richteten sich wieder zur Türe, wo die Elitesse immer noch in unveränderter Position verharrte. Geändert hatte sich nur der Gesichtsausdruck der Dame, dem man deutlich ansehen konnte wie hinter der Stirn angestrengt gedacht wurde, während hämisches Grinsen in die Gesichter der männlichen Beobachter zog.
„Eine Parklücke finden Sie meistens zwischen zwei anderen Fahrzeugen“, legte noch einer der anwesenden Herren nach und es wunderte mich nicht, dass aus den dämmrigen Tiefen des Raumes ein leises prustendes Lachen zu hören war, während sich die Türe langsam schloss und die Dame ohne einen Gruß verschwand.

Drinnen in der muffeligen Wärme des kleinen Büros aber blickten Männeraugen in Männeraugen und nickten sich Männerköpfe verständnisvoll zu.
„Der haben wir es aber gegeben“, wagte dann endlich einer die Gedanken all der anderen in Worte zu fassen, „die kommt garantiert nicht wieder.“

„Ich weiß nicht, ob das eine so gute Idee war“, ließ sich da ein jüngerer Mann vernehmen, der bisher unbeachtet in der Ecke auf dem einzigen Stuhl saß und einen Laptop auf seinen Knien balancierte, „das war nämlich die neue Chefin von der Fuhrparkverwaltung von der Softwarefirma da drüben. So ein paar hundert Firmenfahrzeuge haben die mindestens hier in der Gegend rumfahren“.

Fast körperlich konnte man das betroffene Schweigen im Raum hören und dem etwas dicklichen unrasierten Angestellten der Reifenfirma, der hinter seinem schmuddeligen Schreibtisch auf seinem Ledersessel thront, entfuhr ein spontanes „Ach du Scheiße!“.

Diese Woche kommen die Winterschlappen vom Nobelhobel und die Sommerslicks werden montiert.
Vielleicht sieht man(n) dann auch auch wieder die Elitesse vom letzten Jahr - auf der Suche nach einer Parklücke.

Dicke Eier, fröhliche Ostern und angenehme (F)Eiertage wünscht der

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 17. April 2006 um 05:45:48 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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17. April 2006 05:45

Mein lieber Freund!

Frauen scheinen doch besondere Menschen zu sein.
Man(n) ist sich dessen nicht immer bewusst, aber dann schlägt die Realität mit brutalster Gnadenlosigkeit zu, reißt unserer Gesellschaft brutal die Maske vom Gesicht und zeigt den wahren Unterschied der Geschlechter.
Was war zum Einbruch der kalten Winterzeit geschehen?

Man(n) steht mit anderen Geschlechtsgenossen in einem kleinen, nach kaltem Rauch, Achselschweiß, Männerdeo Marke „Irisch Moos“ und frischem Gummi riechendem Büro einer Reifenfirma und wartet darauf, dass er seinen PKW zur Montage der Winterreifen anmelden kann.
Plötzlich öffnet sich die Türe und eine junge Dame, altersmäßig gerade im Wechsel aus dem zwoten in das dritte Lebensjahrzehnt, Modell elitäre Managerin einer nahegelegenen internationalen Softwarefirma, in Haar und Gesicht gestylt als ginge es gleich zur Endausscheidung im diesjährigen Miss World Event an einer First Class Location bleibt in der Haltung von Hermes dem Götterboten mit der Türklinke in der Hand auf der Schwelle stehen und gewährt der kalten Außenluft Zugang zu dem überheizten Raum, wohl wissenden dass sie die Aufmerksamkeit der wartenden Männer auf sich zieht.
Es vergehen einige spannungsgeladene Sekunden während das Weib ihren Auftritt genießt. Und während sie immer noch da steht, ein Bein auf der Schwelle, das andere Bein draußen auf dem Hof, die eine Hand an der Türklinke und in der anderen Hand, wie könnte es auch anders sein, ein Täschchen aus feinstem Leder das einem Laptop als Behausung zu dienen scheint.

Dann öffnet sich ihr Mund und ohne eine bestimmte Person anzusprechen, steht plötzlich ihre Frage im Raum: „Ich habe einen Termin zum Reifenwechsel. Wo bitte kann ich mein Fahrzeug abstellen?“.

Ruckartig zucken die Männerköpfe herum, starren auf den etwas dicklichen unrasierten Angestellten der Reifenfirma, der hinter seinem schmuddeligen Schreibtisch auf einem Ledersessel thront, der wie sein Benutzer auch schon bessere Zeiten gesehen hat.
Erwartungsvolle Stille steht im Raum, bis der Angestellte sich mit behaarten Hand und schmutzigen Fingernägeln über den mit schütterem Haar bewachsenen Schädel streicht und dann sagt: „Am besten Sie verwenden dazu eine Parklücke. Wie die Herren hier auch. Parklücken finden Sie draußen auf dem Hof. Sollte keine Parklücke da sein, dürfen Sie ihr Fahrzeug auch gerne auf der Straße abstellen.“

Danach herrschte wieder Stille und die Blicke der Männer richteten sich wieder zur Türe, wo die Elitesse immer noch in unveränderter Position verharrte. Geändert hatte sich nur der Gesichtsausdruck der Dame, dem man deutlich ansehen konnte wie hinter der Stirn angestrengt gedacht wurde, während hämisches Grinsen in die Gesichter der männlichen Beobachter zog.
„Eine Parklücke finden Sie meistens zwischen zwei anderen Fahrzeugen“, legte noch einer der anwesenden Herren nach und es wunderte mich nicht, dass aus den dämmrigen Tiefen des Raumes ein leises prustendes Lachen zu hören war, während sich die Türe langsam schloss und die Dame ohne einen Gruß verschwand.

Drinnen in der muffeligen Wärme des kleinen Büros aber blickten Männeraugen in Männeraugen und nickten sich Männerköpfe verständnisvoll zu.
„Der haben wir es aber gegeben“, wagte dann endlich einer die Gedanken all der anderen in Worte zu fassen, „die kommt garantiert nicht wieder.“

„Ich weiß nicht, ob das eine so gute Idee war“, ließ sich da ein jüngerer Mann vernehmen, der bisher unbeachtet in der Ecke auf dem einzigen Stuhl saß und einen Laptop auf seinen Knien balancierte, „das war nämlich die neue Chefin von der Fuhrparkverwaltung von der Softwarefirma da drüben. So ein paar hundert Firmenfahrzeuge haben die mindestens hier in der Gegend rumfahren“.

Fast körperlich konnte man das betroffene Schweigen im Raum hören und dem etwas dicklichen unrasierten Angestellten der Reifenfirma, der hinter seinem schmuddeligen Schreibtisch auf seinem Ledersessel thront, entfuhr ein spontanes „Ach du Scheiße!“.

Diese Woche kommen die Winterschlappen vom Nobelhobel und die Sommerslicks werden montiert.
Vielleicht sieht man(n) dann auch auch wieder die Elitesse vom letzten Jahr - auf der Suche nach einer Parklücke.

Dicke Eier, fröhliche Ostern und angenehme (F)Eiertage wünscht der

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 17. April 2006 um 05:45:48 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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