Schrumpfkur

7. April 2006 05:45

Wofür Jules Verne noch 80 Tage benötigte, das gelang jetzt dem britisch-australische Ehepaar Helen und John Taylor zwei Tage schneller – sie umrundeten die Welt in nur 78 Tagen.
Am 17. Januar waren sie am Waterloo Place in London gestartet. Nicht in einem Heißluftballon, wie man vielleicht annehmen könnte, sondern in einem VW Golf FSI mit 1,6 Liter Hubraum.
Laut einem Bericht des Spiegel haben sie für die Umrundung der Erde nur 1303 Liter Benzin benötigt, was einem Durchschnittsverbrauch von 4,5 Liter auf 100 Kilometer entspricht.

«Um mit möglichst wenig Benzin auszukommen, beherzigten Helen und John Taylor eisern die gängigen Tipps zum Spritsparen: Sie ließen ihre serienmäßigen Golf FSI 1.6 vor Ampeln ausrollen, stellten den Motor an geschlossenen Bahnschranken ab und verzichteten möglichst auf die Klimaanlage. Die offizielle Herstellerangabe für den Spritverbrauch liegt bei sieben Litern pro 100 Kilometer.»

Also ich habe die Angaben nachgerechnet und festgestellt, dass sie -zumindest mathematisch- in Ordnung sind. Über Zeitgenossen, die ihren Nobelhobel kilometerlang vor roten Ampeln und geschlossenen Bahnübergängen „ausrollen“ lassen müssen, möchte ich mich als betroffener Vielfahrer hier lieber nicht äußern.
Nicht ohne Stolz muss ich aber dennoch erwähnen, dass mein Schwedenpfeil trotz Bleifußtaktik bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 88 Km/h über bisher 25.480 Kilometer auch nicht mehr als 7,5 Liter Diesel benötigt hat. Und da muss ich überhaupt nichts ausrollen lassen und anderen Verkehrsteilnehmern den Nerv töten.

Äußern möchte ich mich aber zu der seltsamen Schrumpfkur, die unsere liebe Mutter Erde seit den Tagen von Jule Verne genommen zu haben scheint. Sie ist nämlich extrem abgeschlankt und hat ihren Umfang um etwa ein Viertel minimiert. Kann ich mich doch aus längst vergangenen Schultagen noch dumpf daran erinnern, dass der Umfang der Erde so um die 40.000 km lag. Aber das war noch zu einer Zeit, als die Nachnamen meiner Mitschüler noch aussprechbar waren auch wenn sie meist mit den Buchstaben „ski“ endeten. Kowalski hieß der eine und Ruttkowski der andere. Von Schimanski, Ranizki und Polanski mal ganz zu schweigen.

Um ganz sicher zu gehen, habe ich daher mein Schulwissen bei Wikipedia etwas aufgeschlaut und tätsächlich die dumpfe Vermutung aus Schultagen, die noch vom Respekt gegenüber dem Lehrpersonal geprägt war, bestätigt gefunden. Nicht nur wegen der schlagenden Argumente des Lehrkörpers sind mir einige Dinge aus diesen Tagen in Erinnerung geblieben: „Der Umfang der Erde beträgt am Äquator exakt 40.075,004 km und über die Pole 39.940,638 km“.

Und jetzt frage ich mich die ganze Zeit welche Abkürzung die knallharten Benzinsparer wohl genommen haben, um schneller als Jules Verne wieder in London eintreffen zu können und ins „Guinness Buch der Rekorde“ eingetragen zu werden. Vielleicht sind sie irgendwo am Himalaya, an der letzten Ampel vor China zu lange ausgerollt und dann falsch abgebogen.

Oder wurden das Ehepaar etwa wegen dem Verbrauch von „nur“ 4,5 Liter pro 100 gefahrene Kilometer in das Buch der Rekorde eingetragen?
Ja wenn das so ist, dann werde ich mal einige Änderungen an meinem Fahrstil vornehmen müssen. Ich habe halt nur das Problem, dass es auf deutschen Autobahnen bei meinen Fahrten zur Arbeitsstätte keine Bahnschranken gibt.
Oder meinen Sie ich könnte das Fahrzeug auch vor den Mautbrücken langsam ausrollen lassen ohne mich dem Zorn der anderen Verkehrsteilnehmer auszusetzen?

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 7. April 2006 um 05:45:05 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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Schrumpfkur

7. April 2006 05:45

Wofür Jules Verne noch 80 Tage benötigte, das gelang jetzt dem britisch-australische Ehepaar Helen und John Taylor zwei Tage schneller – sie umrundeten die Welt in nur 78 Tagen.
Am 17. Januar waren sie am Waterloo Place in London gestartet. Nicht in einem Heißluftballon, wie man vielleicht annehmen könnte, sondern in einem VW Golf FSI mit 1,6 Liter Hubraum.
Laut einem Bericht des Spiegel haben sie für die Umrundung der Erde nur 1303 Liter Benzin benötigt, was einem Durchschnittsverbrauch von 4,5 Liter auf 100 Kilometer entspricht.

«Um mit möglichst wenig Benzin auszukommen, beherzigten Helen und John Taylor eisern die gängigen Tipps zum Spritsparen: Sie ließen ihre serienmäßigen Golf FSI 1.6 vor Ampeln ausrollen, stellten den Motor an geschlossenen Bahnschranken ab und verzichteten möglichst auf die Klimaanlage. Die offizielle Herstellerangabe für den Spritverbrauch liegt bei sieben Litern pro 100 Kilometer.»

Also ich habe die Angaben nachgerechnet und festgestellt, dass sie -zumindest mathematisch- in Ordnung sind. Über Zeitgenossen, die ihren Nobelhobel kilometerlang vor roten Ampeln und geschlossenen Bahnübergängen „ausrollen“ lassen müssen, möchte ich mich als betroffener Vielfahrer hier lieber nicht äußern.
Nicht ohne Stolz muss ich aber dennoch erwähnen, dass mein Schwedenpfeil trotz Bleifußtaktik bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 88 Km/h über bisher 25.480 Kilometer auch nicht mehr als 7,5 Liter Diesel benötigt hat. Und da muss ich überhaupt nichts ausrollen lassen und anderen Verkehrsteilnehmern den Nerv töten.

Äußern möchte ich mich aber zu der seltsamen Schrumpfkur, die unsere liebe Mutter Erde seit den Tagen von Jule Verne genommen zu haben scheint. Sie ist nämlich extrem abgeschlankt und hat ihren Umfang um etwa ein Viertel minimiert. Kann ich mich doch aus längst vergangenen Schultagen noch dumpf daran erinnern, dass der Umfang der Erde so um die 40.000 km lag. Aber das war noch zu einer Zeit, als die Nachnamen meiner Mitschüler noch aussprechbar waren auch wenn sie meist mit den Buchstaben „ski“ endeten. Kowalski hieß der eine und Ruttkowski der andere. Von Schimanski, Ranizki und Polanski mal ganz zu schweigen.

Um ganz sicher zu gehen, habe ich daher mein Schulwissen bei Wikipedia etwas aufgeschlaut und tätsächlich die dumpfe Vermutung aus Schultagen, die noch vom Respekt gegenüber dem Lehrpersonal geprägt war, bestätigt gefunden. Nicht nur wegen der schlagenden Argumente des Lehrkörpers sind mir einige Dinge aus diesen Tagen in Erinnerung geblieben: „Der Umfang der Erde beträgt am Äquator exakt 40.075,004 km und über die Pole 39.940,638 km“.

Und jetzt frage ich mich die ganze Zeit welche Abkürzung die knallharten Benzinsparer wohl genommen haben, um schneller als Jules Verne wieder in London eintreffen zu können und ins „Guinness Buch der Rekorde“ eingetragen zu werden. Vielleicht sind sie irgendwo am Himalaya, an der letzten Ampel vor China zu lange ausgerollt und dann falsch abgebogen.

Oder wurden das Ehepaar etwa wegen dem Verbrauch von „nur“ 4,5 Liter pro 100 gefahrene Kilometer in das Buch der Rekorde eingetragen?
Ja wenn das so ist, dann werde ich mal einige Änderungen an meinem Fahrstil vornehmen müssen. Ich habe halt nur das Problem, dass es auf deutschen Autobahnen bei meinen Fahrten zur Arbeitsstätte keine Bahnschranken gibt.
Oder meinen Sie ich könnte das Fahrzeug auch vor den Mautbrücken langsam ausrollen lassen ohne mich dem Zorn der anderen Verkehrsteilnehmer auszusetzen?

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